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Udo Haeske: Konflikte im Arbeitsleben

Cover Udo Haeske: Konflikte im Arbeitsleben. Mit Mediation und Coaching zur Lösungsfindung. Kösel-Verlag (München) 2003. 207 Seiten. ISBN 978-3-466-30611-4. 16,95 EUR.
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Einführung in das Thema

Mediation wird in immer breiteren Kreisen unserer Gesellschaft zur Kenntnis genommen (und nicht mehr mit Entspannungstechnik und mitzubringenden Wollsocken assoziiert). Neben der Literatur, die dazu allgemein informiert, wächst somit auch die Spezialliteratur zu bestimmten, klar abgrenzbaren Einsatzfeldern von Mediation. Diese bedürfen oftmals ganz spezifischer Methoden, die nicht beliebig austauschbar sind.

Der Kösel-Verlag legt jetzt ein Buch zum Thema "Mediation in der Arbeitswelt" vor, das sich ausschließlich mit Konflikten in Unternehmen befasst.

Aufbau, Inhalt, Gliederung

Das Buch gliedert sich in 5 Abschnitte

  1. Mediation im Arbeitsleben
  2. Die Dynamik von Konflikten verstehen
  3. Die Rolle des Mediators
  4. Kommunikatonstechniken
  5. Die Struktur und Gestaltung von Mediationsprozessen

Diese Gliederung ist sinnvoll, außerdem können alle Abschnitte unabhängig voneinander gelesen werden, im Text verweist der Autor dann gelegentlich auf andere Abschnitte, was der Orientierung förderlich ist und Doppelungen vermeidet.

Er verwendet eine sehr klare Sprache und einen angenehmen Stil: Die Kapitel sind gut strukturiert und viele schöne Zitate unterstreichen den Inhalt. Zwei Beispiele:

"Man kann nicht erwarten, dass ein rundlicher Mann gleich in ein viereckiges Loch passt. Man muß ihm Zeit geben, sich anzupassen." (Mark Twain) und "Lerne zuhören und du wirst auch von denjenigen Nutzen ziehen, die dummes Zeug reden" (Platon).

Stets sind seine Hinweise souverän als Angebote formuliert und nicht zwanghaft "so geht's und nicht anders", was einmal mediative Haltung spiegelt, als auch auf Erfahrung schließen lässt.

Der systemischen Konfliktanalyse wird viel Raum gegeben, zurecht, die fundierte Vorbereitung einer Mediation (sowieso ist jede anders, wie auch der Autor schreibt) ist eine notwendige und gute Grundlage im Prozess. Dies wird an einem Praxisbeispiel verdeutlicht, wovon es ansonsten recht wenige gibt. Was mich allerdings nicht gestört hat, es könnte aber für unerfahrene Mediatoren zusätzlich hilfreich sein.

Im 5. Teil stellt der Autor das eigentliche Mediationsverfahren vor und systematisiert es anhand seines eigenen HILKA-Modells. Dies ist meiner Meinung nach alter Wein in neuen Schläuchen, die einzelnen Phasen sind seit Besemer (1993) Standard. HILKA ist quasi eine Operationalisierung für diese bekannten Schritte.

  • Handlungsfähigkeit überprüfen
  • Interventionsebenen und Interventionsfeld erkunden
  • Lösungs- und zielorientiertes Verhandeln
  • Konfliktnavigation
  • Abschlussvereinbarung

Der Autor plädiert für einen sorgfältigen Umgang mit Konflikt und Verfahren, z.B. indem der Konfliktgegenstand "fraktioniert" wird. Um das zu verdeutlichen, grenzt er die Begirffe Interventionsebene und Interventionsfeld gebeneinander ab.

Da hier allerdings keine praktischen Beispiele zur Erläuterung gebracht werden, wirkte dieser Teil auf mich gleichzeitig sehr "kopflastig" und intellektuell.

Zielgruppen

Neben MediatorInnen in und nach der Ausbildung, zum Nachbereiten, Auffrischen, neues Ausprobieren ist das Buch sinnvoll für andere Professionen, die herausfinden möchten, ob dieses Verfahren in ihr Profil passt. Zusätzlich ist es interessant für alle, die beratend in Unternehmen tätig sind und deren soziale Strukturen besser verstehen lernen möchten.

Nutzen und Grenzen

Das Buch erweckt nicht den Eindruck, Mediation durch Lektüre lernen zu können. Und das ist gut so, Mediation braucht praktische Übung. Von meinem Wissen her kann ich mir vorstellen, das der Text eine Aufbereitung der Ausbildungsmodule von Udo Haeske ist, die er ebenfalls anbietet. Dafür spricht auch der wohldosierte Einsatz von Tabellen, Checklisten und grafischen Übersichten.

Der Autor ist laut Klappentext Managementtrainer, Diplompsychologe mit diversen Zusatzausbildungen. Über eine explizite Mediationsausbildung war nichts zu erfahren, auch nicht auf der Homepage des Autors.

Im Titel steht das Wort Coaching gleichberechtigt neben Mediation. Das wird nicht eingelöst bzw. ist irreführend, aber ein Blick in das Inhaltsverzeichnis reicht, um darüber informiert zu sein. Im 1. Abschnitt wird unter "Welche Alternativen stehen zur Mediation zur Verfügung" Coaching beschrieben. Meines Erachtens coacht man jemanden individuell, dabei kann ein Konflikt natürlich Thema sein. In der Mediation geht es dagegen immer um Konflikte, um Kommunikation zwischen den Beteiligten, und wie man diese unterstützt.

Fazit

Dieses Buch handelt von Methoden in und Einsatzmöglichkeiten der Mediation im Berufsleben. Es ist verständlich, nachvollziehbar und lesbar geschrieben, regt zu einem sehr sorgfältigen und wertschätzendem Umgang mit den Beteiligten und sich selbst an. Ich empfehle es gerne.


Rezensentin
Dipl. Päd. Sabine Kamp-Decruppe
Mediatorin BM e.V., tätig u.a. im Psychosozialen Dienst der Friesenhörn GmbH
Homepage www.sabine-kamp.de
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Zitiervorschlag
Sabine Kamp-Decruppe. Rezension vom 30.09.2003 zu: Udo Haeske: Konflikte im Arbeitsleben. Mit Mediation und Coaching zur Lösungsfindung. Kösel-Verlag (München) 2003. ISBN 978-3-466-30611-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1111.php, Datum des Zugriffs 16.09.2019.


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