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Barbara Volkwein: Die etwas gelassenere Art, Mutter zu sein

Cover Barbara Volkwein: Die etwas gelassenere Art, Mutter zu sein. Ihr Weg zu Klarheit, Souveränität und einem entspannten Familienalltag. Kösel-Verlag (München) 2011. 256 Seiten. ISBN 978-3-466-30895-8. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 30,90 sFr.
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Thema

Bei dem Band handelt es sich um einen Erziehungsratgeber, der bei der Einstellung der Mütter zu sich und ihrer Leistung ansetzt und Mütter über strukturierte Handlungsvorschläge zu verschiedenen Erziehungsproblemen zu einem entspannteren Familienalltag anleiten will.

Autorin

Barbara Volkwein, selbst Mutter von drei Kindern, gab nach ihrem Lehramtsstudium viele Jahre Nachhilfeunterricht und absolvierte eine Coaching-Ausbildung. Sie leitet ein Coaching-Institut für Eltern und Schüler in München.

Entstehungshintergrund

Die Autorin, die sich selbst als Expertin für Mütter bezeichnet, widmete sich nach kurzer Tätigkeit als Grundschullehrerin die folgenden 25 Jahre der Erziehung ihrer Kinder und dem Nachhilfeunterricht in den Fächern Mathematik, Deutsch und Latein. Dabei machte sie die Erfahrung, dass die Leistungen der Schüler in Prüfungen oft nicht ihrem eigentlichen Wissensstand entsprachen. Das änderte sich, als sie mit den Schülern an der Einstellung zu dem meist ungeliebten Fach arbeitete. Ein weiterer Schritt war dann die Arbeit mit den Müttern, die ihren Kindern häufig zu wenig zutrauten und damit ihre Kinder verunsicherten. Aus diesen Erfahrungen entwickelte Barbara Volkwein ihre Methode, die auf dem „Achtungs-Anziehungs-Prinzip“ beruht und nannte sie Coaching für Eltern und Schüler (CEUS).

Aufbau

Das Buch ist in neun Kapitel gegliedert. Die ersten acht Kapitel sind der theoretischen Einführung gewidmet. Am Ende eines jeden Kapitels fasst die Autorin die Kernaussagen in einem Merkkasten „Kurz und bündig“ zusammen. Das neunte Kapitel, das 50% des Buches umfasst, enthält in fünf Unterkapiteln Beispiele und Anleitungen für „die 25 wichtigsten Erziehungsprobleme“. Illustriert ist das Buch mit ansprechenden Fotos und einigen grafischen Darstellungen. Am Ende findet die Leserin Literaturhinweise, darunter mehrere Titel von Jesper Jul.

Inhalt

In der theoretischen Einführung schildert die Autorin die Probleme, die aus ihrer Sicht für die Zielgruppe der engagierten aber verunsicherten Mütter typisch sind. Im Mittelpunkt steht das schlechte Gewissen, das Mütter daran hindert, Mutterrolle, Erwerbstätigkeit und Partnerschaft in zufriedenstellender Weise in Einklang zu bringen. Ziel des Buches ist es daher, Mütter darin anzuleiten, das schlechte Gewissen abzulegen, ihre eigene Leistung Wert zu schätzen und der eigenen Intuition zu vertrauen. Die Autorin bedient sich dabei bestimmter Bilder, die im Buch immer wieder auftauchen. So soll der „Motivationsknoten“ gelöst werden (S. 19), der dadurch entsteht, dass Mütter es allen recht machen wollen. Mit dem „Achtung-Anziehungs-Prinzip“ (S. 40) sollen Mütter ihre eigenen Bedürfnisse wahr- und wichtig nehmen und mit eigener positiver Ausstrahlung auch Anerkennung und Bewunderung von außen erhalten. Die Umsetzung des Achtung-Anziehungs-Prinzips in der Erziehung beschreibt Barbara Volkwein sehr konkret: Ordnung und Regeln, Pflichten, gemeinsame Mahlzeiten, Rituale, Bewegung und Sport, Gewohnheiten, soziale Kontakte und ungeteilte Aufmerksamkeit. Jeder Punkt wird begründet und mit einer Frage an die Leserin abgeschlossen, z.B. „Welchen Nutzen und Gewinn haben Sie, wenn Ihre Regeln eingehalten werden?“ (S. 55). Ein weiteres Bild ist „ein mit Steinen gefüllter Rücksack“ (S. 63), der als Last der Vergangenheit die Mütter belastet. Die Aufforderung, diesen Rücksack und damit das schlechte Gewissen abzuwerfen, bedeutet, nicht länger mit der Vergangenheit zu hadern, sondern Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, d.h. bewusst Mittelpunkt der eigenen Familie zu sein und schließlich, sich aus der Symbiose mit dem eigenen Kind zu lösen, weil auch das Kind - seinem Alter entsprechend - Verantwortung für seine Belange übernehmen soll. Das betrifft die Anforderungen der Schule ebenso wie Konflikte zwischen Geschwistern. Der Weg zu mehr Souveränität und Gelassenheit führt für die Autorin über das bewusste positive Umdenken und die eigene planvolle Aktivität.

Im zweiten Teil des Buches (Kap. 9) geht es um die Bearbeitung konkreter Erziehungsthemen. Jeweils fünf Fragestellungen sind einem Oberthema zugeordnet.

  1. Ja und Nein sagen (z.B. Mein Kind sitzt ständig vor der Glotze)
  2. Konsequent sein (z.B. Ich möchte nicht immer alles zehnmal sagen)
  3. Unterforderung (z.B. Mein Kind schafft nichts, wenn ich nicht hinterher bin)
  4. Konzentration (z.B. Mein Sohn tut sich mit Lesen und Schreiben schwer)
  5. Loslassen (z.B. Ich fühle mich dem Konsumzwang ausgesetzt)

Jedes Thema beginnt mit einer Fallbeschreibung und einer kurzen Analyse des Problems. Dann folgen der Lösungsvorschlag („Frau M. sollte …“) und mehrere Fragen („Welche positiven Auswirkungen hat es, wenn …“), Checklisten („Nennen Sie 30 positive Eigenschaften, die Ihr Kind besitzt“) oder Denkanstöße („Nennen Sie 6 Situationen, in denen Sie ab sofort …“). Die Fragen und Listen können im Buch beantwortet bzw. ausgefüllt werden. Eine Bearbeitung der einzelnen Themen in der vorgegebenen Reihenfolge ist nicht erforderlich, jede Mutter kann bei ihrem vorrangigen Problem beginnen.

Diskussion

Barbara Volkwein hat mit ihrem Band nicht nur ein Lese-, sondern ein Arbeitsbuch für gestresste Mütter geschaffen. Die Fragen und Checklisten regen zum Nachdenken an und fokussieren immer wieder auf die möglichen positiven Veränderungen. Die Anleitungen sind sehr konkret. Mit guter Begründung (Studie der BzgA, leider ohne Literaturquelle) rät sie z.B. Vorschulkindern nicht mehr als 30 Minuten Fernsehen pro Tag zu gestatten, aber auch den eigenen TV-Konsum zu prüfen. Ebenso konkret ist auch die Anleitung für das Rechen- oder Lesetraining, der Hinweis, ein Kind nicht schon an der Haustür nach Ereignissen in der Schule zu fragen oder jedem Kind jeden Tag 15 Minuten exklusive Aufmerksamkeit zu schenken.

Für die kritische Leserin ist nicht immer nachvollziehbar, dass alle Erziehungsprobleme und Überlastungssituationen der Mütter auf ein schlechtes Gewissen zurückgeführt werden. Für eine gestresste Mutter ist wahrscheinlich auch schwer vorstellbar, dass sich mit ihrer positiven Einstellung alles ändert (einschließlich der Partner). Auch der Sprachstil im ersten Teil („wir Mütter fühlen uns …“) ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Davon abgesehen bietet das Buch eine Zusammenschau von bewährten Erziehungsregeln, mit praktischen kleinschrittigen Anweisungen, die jede Mutter anwenden kann. Barbara Volkwein ermutigt ihre Leserinnen, Veränderungen in Angriff zu nehmen und der eigenen Kompetenz zu vertrauen. Sie macht deutlich, dass sehr viele kleine und größere Probleme im Zusammenleben der Familie durch gute Strukturen und klare Verhaltensweisen zu bewältigen sind. Wer ihren Ratschlägen folgt, kann finden, was der Buchtitel verspricht: die etwas gelassenere Art, Mutter zu sein.

Fazit

Insgesamt ein Lese- und Arbeitsbuch für engagierte Mütter mit zahlreichen Anleitungen für die positive Gestaltung des Familienalltags und Anregungen zur Reflexion des eigenen Erziehungsverhaltens.


Rezensentin
Friederike Otto
Leiterin des Forschungsverbundes Familiengesundheit. Medizinische Hochschule Hannover, Medizinische Soziologie OE 5420
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Zitiervorschlag
Friederike Otto. Rezension vom 13.09.2011 zu: Barbara Volkwein: Die etwas gelassenere Art, Mutter zu sein. Ihr Weg zu Klarheit, Souveränität und einem entspannten Familienalltag. Kösel-Verlag (München) 2011. ISBN 978-3-466-30895-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11138.php, Datum des Zugriffs 19.10.2019.


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ISSN 2190-9245

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