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Wolfgang Hellmann, Karl Ehrenbaum (Hrsg.): Umfassendes Risikomanagement im Krankenhaus

Cover Wolfgang Hellmann, Karl Ehrenbaum (Hrsg.): Umfassendes Risikomanagement im Krankenhaus. Risiken beherrschen und Chancen erkennen. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2011. 400 Seiten. ISBN 978-3-941468-44-3. D: 69,95 EUR, A: 72,05 EUR, CH: 118,00 sFr.
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Thema

Im Sinne eines Praxishandbuchs vermittelt das vorliegende Buch in Einzelbeiträgen die zentralen Ansätze, Methoden und Instrumente des Risikomanagements im Krankenhaus sowie deren praktische Anwendung – sowohl für einzelne Bereiche als auch zur Umsetzung in einem Unternehmensgesamtkonzept.

Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Für die Herausgabe des Buches, an dem neben den Herausgebern 30 AutorInnen aus Deutschland und der Schweiz beteiligt sind, zeichnen sich Prof. Dr. Wolfgang Hellmann und Karl Ehrenbaum verantwortlich.

Prof. Dr. Wolfgang Hellmann ist Wissenschaftlicher Berater des Zentrums für Weiterbildung und Technologietransfer (ZWT) der Fachhochschule Hannover und Koordinator des MHM/MBA-Studiums für Leitende Krankenhausärzte. Er ist Initiator wegweisender Fort- und Weiterbildungskonzepte für Berufe im Gesundheitswesen („Studienmodell Hannover“) und Herausgeber zahlreicher Publikationen zum Gesundheitsmanagement, unter anderem „Handbuch Integrierte Versorgung“ (2005), „Management Handbuch Krankenhaus“ (2008), „Gesundheitsnetzwerke“ (2009), „Ambulante und Sektoren übergreifende Behandlungspfade. Konzepte, Umsetzung, Praxisbeispiele“ (2010). Daneben ist er unter anderem Mitglied in hochschulischen Beiträten zur Entwicklung von Masterstudiengängen (z.B. an der Hochschule Fresenius in Köln).

Karl Ehrenbaum , Eidgenössischer diplomierter Versicherungsexperte und Betriebswirt DVA (Köln), leitete bis 2010 den „Gesundheitsmarkt Zürich“. Seit 1. Januar 2011 ist er Partner der Firma Ehrenbaum Health Consulting in Zürich, die Organisationen des Gesundheitswesens in betriebswirtschaftlichen Fragen berät. Darüber hinaus wirkt er als Referent und Dozent zu unterschiedlichen Themen des Gesundheitswesens, auch im Hochschulbereich. Seine Kernkompetenzen liegen schwerpunktmäßig in den Bereichen des Risiko-Managements, des Risiko-Dialoges sowie der Integrierten Versorgung. Er ist Mitglied in verschiedenen Verwaltungsräten und deren Ausschüssen in Firmen des Gesundheitswesens; diverse Publikationen zum Thema Risikomanagement für die Integrierte Versorgung und Patienten.

Aufbau

Der in zehn Kapitel untergliederte Band, der insgesamt 26 Einzelbeiträge enthält, zeigt den folgenden Aufbau:

I. Rahmenbedingungen und Herausforderungen

  1. Peter Wieddekind: Gesetzliche und rechtliche Rahmenbedingungen im Überblick (S. 3-13)
  2. Peter Wieddekind: Risikomanagement als Wettbewerbsfaktor (S. 15-24)
  3. Peter Jäger und Angela Schweiter: Organisation und Kommunikation als besondere Risikofelder spitalärztlicher Tätigkeit (S. 25-29)
  4. Markus Jung, Johannes Strotbek und Hans-Peter Schlaudt: Strategieentwicklung ist Risikomanagement! – Wie Martrisiken erkannt werden können (S. 31-46)
  5. Bernd Halbe: Compliance im Krankenhaus – worauf es ankommt (S. 47-54)

II. Patienten- und Mitarbeiterorientierung

  1. Volker Pribnow und Eliane Benjamin: Risikomanagement – die Patientensicht (S. 57-63)
  2. Roberto Buner: Risikodialog – Bedeutung, Ziele und mögliche Umsetzung (S. 65-84)
  3. Marie-Luise Dierks und Gabriele Seidel: Gesundheitsbildung fördert eine aktive Rolle der Patienten im Risikomanagement (S. 85-89)
  4. Wolfgang Hellmann: Mitarbeiterorientiertes Risikomanagement – unverzichtbar für das Krankenhaus im demographischen Wandel (S. 91-103)

III. Umfassendes Risikomanagement – unterschiedliche Wege führen zum Ziel

  1. Marco Allenspach: Die Gestaltung des Risikomanagement-Prozesses – Herausforderungen im Spitalwesen (S. 107-134)
  2. Simone Palmer und Ulrich Palmer: Integratives Risikomanagement: Ein Instrument zur Unterstützung der strategischen Unternehmensführung (S. 135-140)
  3. Simone Palmer und Ulrich Palmer: Integratives Risikomanagement (DV-gestützt) in Einzelschritten umseiten (S. 141-146)
  4. Dieter Warnecke und Bernhard Rieping: Die ganzheitliche Perspektive - Klinisches und betriebswirtschaftliches Risikomangement (im Kontext einschlägigerNormen) softwaregestützt umsetzen (S. 147-157)

IV. Betriebswirtschaftliches Risikomanagement

  1. Herbert Hagg und Birthe Görtz: Praktische Umsetzung von betriebswirtschaftlichem Risikomanagement (S. 161-179))
  2. Roland Radtke: Betriebswirtschaftliches Risikomanagement für das Krankenhaus – Sicht einer Bank (S. 181-190)
  3. Lars Heinemann: Risikomanagement bei der Privatisierung von Krankenhäusern – Beispiel betriebliche Altersversorgung (S. 191-196)
  4. Patrick Weidinger: Vermeidung von Haftpflichtrisiken und Möglichkeiten zu deren Absicherung aus Sicht des Versicherers (S. 197-207)

V. Medizinisches Risikomanagement – Grundlagen zur Planung und Umsetzung

Heike A. Kahla-Witzsch: Medizinisches Risikomanagement – Grundlagen zur Planung und Umsetzung (S. 209-238)

VI. Praxis des juristischen Risikomanagements im Überblick

Thomas Ufer und Aline Stapf: Praxis des juristischen Risikomanagements im Überblick (S. 239-270)

VII. IT-Risikomanagement im Krankenhaus – Praktische Hinweise zur Einführung und Umsetzung

Evren Eren und Markus Schindler: IT-Risikomanagement im Krankenhaus – Praktische Hinweise zur Einführung und Umsetzung (S. 271-293)

VIII. BCM – Business Continuity Management für das Krankenhaus: Aufgaben, Ziele und Vorgehensweise in Einzelschritten

Harmen H. Frobeen: BCM – Business Continuity Management für das Krankenhaus: Aufgaben, Ziele und Vorgehensweise in Einzelschritten (S. 295-305)

IX. Praxisbeispiele

  1. Markus Holtel: Praktische Umsetzung von Risikomanagement im Krankenhaus (Praxisbeispiel Christopherus-Kliniken Coesfeld-Dülmen-Nottuln) (S. 309-320)
  2. Ute Buschmann und Guido Schüpfer: Integratives Risikomanagement im Luzerner Kantonsspital – Umsetzung, Erfahrungen, Perspektiven (S. 321-326)
  3. Simone Palmer und Ulrich Palmer: Risikomanagement im Klinikum Mittelbaden gGmbH (S. 327-329)
  4. Dieter Warnecke und Bernhard Rieping: Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit im Risikomanagement – ein Praxisbeispiel (S. 331-335)
  5. Peter Wieddekind: Zeitnahes Reagieren auf betriebswirtschaftliche Veränderungen – Erfahrungen aus der Praxis (S. 337-347)

X. Anhang

Weiterführende Literatur (S. 351)

Sachwortverzeichnis (S. 352-358)

Die Herausgeber (S. 359).

Inhalt

Zur Bedeutung und zum Inhalt ihres Buches schreiben die Herausgeber im Vorwort: „Im Mittelpunkt des Risikomanagements von Krankenhäusern in Deutschland und in der Schweiz steht das Medizinische Risikomanagement mit Fokussierung auf die Patientensicherheit und damit auf die Vermeidung von Behandlungsfehlern. Dies ist folgerichtig, denn ohne hohe Patientensicherheit kann ein Krankenhaus nicht überleben. Die Zentrierung auf den Patienten ist allerdings nur ein Aspekt, Risikomanagement muss mehr sein als Medizinisches Risikomanagement! Es muss die Gesamtheit möglicher interner und externer Risiken erfassen und diese ggf. bewältigen können. Daraus folgt die Notwendigkeit einer umfassenden Sichtweise, die die einzelnen Facetten des Risikomanagements im Kontext betrachtet. Risikomanagement muss somit idealerweise ein Unternehmenskonzept definieren, das medizinische, finanzielle, juristische, personelle, umweltrelevante und weitere Risiken im Kontext betrachtet, identifiziert, analysiert und steuert“ (S. VII).

Ausgehend von diesem Anspruch gibt das Buch „Umfassendes Risikomanagement im Krankenhaus“ vielfältige Hinweise zur Planung und Umsetzung von Risikomanagement als Unternehmenskonzept. Hierbei berücksichtigt es auch den unterschiedlichen Stand von Krankenhäusern bei der Einführung von Risikomanagement, indem es dessen zentrale Facetten wie Medizinisches, Betriebswirtschaftliches, Juristisches und IT-orientiertes Risikomanagement von der Planung bis zur Umsetzung begleitet. Mit eingeschlossen wird dabei auch das Aufzeigen von Handlungsoptionen für die schnelle Bewältigung von eingetretenen Risiken (Business Continuity Management).

Einzelne Beiträge des in zehn Kapitel übersichtlich gegliederten Buches beschäftigen sich darüber hinaus mit Strategien zur Bewältigung von Risiken im demographischen Wandel wie mit Maßnahmen zur Sicherung der Mitarbeiterstruktur und der Mitarbeiterzahl (mitarbeiterorientiertes Risikomanagement) oder aber mit dem Konzepte zur Sicherung von Einweisern des Krankenhauses (einweisendes Risikomanagement).

Besondere Berücksichtigung findet schließlich die Förderung einer aktiven Rolle der PatientInnen im Risikomanagement durch Gesundheitsbildung („Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover“) und der Risikodialog (Konzept der Universität St. Gallen), auch als wichtiges Instrument zur Vermeidung und Minimierung von PatientInnenklagen bei Behandlungsfehlern.

Diskussion

Es gibt wohl kaum komplexere Unternehmen als Krankenhäuser. Unterschiedliche MitarbeiterInnen / Professionen mit den unterschiedlichsten Qualifikationen arbeiten hier gemeinsam an und mit PatientInnen, mit dem obersten Ziel der Genesung beziehungsweise Leid zu vermindern, und dies zunehmend unter Zeitdruck und mit einer zu geringen Personalausstattung. Zugleich tragen die zunehmende Verweildauerverkürzung, die Multimorbidität der PatientInnen und immer komplexere Behandlungsmethoden wesentlich zu einem erhöhten Risiko bei. Wengleich die Gesundheitsbrache als extrem anfällig für Risiken gilt, haben andere Unternehmensbereiche wie etwa die Luftfahrt oder die Automobilindustrie im Bereich des Risikomanagements viel tiefgreifendere Managementprioritäten gesetzt. In Krankenhäusern herrscht hier zweifelsfrei noch ein großer Nachholbedarf.

„Umfassendes Risikomanagement im Krankenhaus“, so der treffende Buchtitel, betrachtet medizinisches Risikomanagement nicht getrennt von den betriebswirtschaftlichen und juristischen Risikojustierungen, sondern in Wechselwirkung zueinander und übergreifend. gesetzt. „Umfassendes Risikomanagement“ verknüpft in einem Unternehmenskonzept die medizinischen mit den nicht-medizinischen Risiken, um so strategische und operative, interne und externe, quantitative und qualitative Risiken zu identifizieren, zu analysieren und zu steuern.

In seiner Gesamtheit stellt das Buch für alle am Risikomanagement Interessierten eine reichhaltige Fundgrube dar mit vielfältigen praktischen Tipps zur Planung, Etablierung und Implementierung von Risikomanagement in verschiedenen Ausprägungen.

Der sowohl umfassende als auch praxisorientierte Band richtet sich an die ärztliche, pflegerische und kaufmännische Führungsebene im Krankenhausmanagement, aber auch an das Management ambulanter und integrierter Versorgungsstrukturen. Die angedachte Zielgruppe umfasst dabei Mitarbeiter im Qualitäts- und Risikomanagement, Risk-Manager in Krankenhäusern und anderen Gesundheitsbetrieben, leitende Ärzte und Pflegepersonen, Führungskräfte und Mitarbeiter in Krankenkassen, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wissenschaftler und Praktiker der Gesundheitswirtschaft, der Gesundheitsökonomie und der Gesundheitspolitik; ferner die Studierenden der einschlägigen Studiengänge.

Fazit

„Umfassendes Risikomanagement im Krankenhaus“ gehört als wertvolle Hilfe in die Hände von allen, die auf der Führungsebene ganz besondere Verantwortung für ihre Einrichtung tragen wie für die PatientInnen, die sich dorthin in Obhut begeben.


Rezensent
Dr. Hubert Kolling
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Zitiervorschlag
Hubert Kolling. Rezension vom 27.10.2011 zu: Wolfgang Hellmann, Karl Ehrenbaum (Hrsg.): Umfassendes Risikomanagement im Krankenhaus. Risiken beherrschen und Chancen erkennen. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2011. ISBN 978-3-941468-44-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11159.php, Datum des Zugriffs 22.10.2017.


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