socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Silvia Straub, Martin Sperling: Controlling und Businessplan

Cover Silvia Straub, Martin Sperling: Controlling und Businessplan. Konkrete Entscheidungshilfen für Krankenhaus und Gesundheitsunternehmen. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2011. 228 Seiten. ISBN 978-3-941468-17-7. D: 44,95 EUR, A: 46,30 EUR, CH: 78,00 sFr.

Reihe: Health care management.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Mit dem ersten Teil des Buchthemas („Controlling“) ist das zu bearbeitende Feld sehr weit aufgespannt und gleichzeitig wird durch den zweiten Teil („Businessplan“) eine Fokussierung vorgenommen. Sowohl Controlling als auch Businessplan sind für alle Branchen elementar. Dies gilt insbesondere für die Gesundheitswirtschaft, in der bei steigenden Qualitätsansprüchen der Gesellschaft Finanzierungsengpässe unausweichlich sind. Zahlreiche medizinische und technische Innovationen ziehen neue Versorgungsmöglichkeiten und -formen nach sich, die auf der Basis eines Businessplanes umgesetzt werden. Insofern ist das Buchthema hochaktuell.

Autoren und Herausgeber

Frau Dr. oec. HSG cand. med. Silvia Straub und Herr Dipl. oec. Martin Sperling sind beide unternehmerisch tätig sowohl als GesellschafterIn als auch als GeschäftsführerIn, Frau Straub in der Dr. Straub Management Consulting Stuttgart, Herr Sperling (Steuerberater und Wirtschaftsprüfer) in der Kanzlei Martin Sperling sowie als Prokurist der Dr. Vaih und Partner GmbH Stuttgart. Beide arbeiten auch als Dozenten.

Das Buch erschien in der Schriftenreihe Health Care Management, die von Herrn Prof. Dr. Heinz Naegler herausgegeben wird und sich an Führungskräfte und Führungsnachwuchs in der Gesundheitswirtschaft richtet. Die Reihe hat den Anspruch, Wissen und Erfahrungen von Experten aus Praxis und Wissenschaft verständlich und praxisorientiert zu vermitteln und orientiert sich dabei an MBA-Studiengänge zum Gesundheitsmanagement.

Aufbau

Das Buch mit seinen 220 Textseiten ist in 6 Kapitel gegliedert, die flankiert werden durch ein Vorwort, Inhaltsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis (41 Abkürzungen) vor dem eigentlichen Textteil und ein Literaturverzeichnis (5,5 Seiten) und Steckbriefen der Autoren und des Herausgebers nach dem Textteil. Die 6 Kapitel gliedern sich in

  1. Einführung: Problemstellung (2 Seiten)
  2. Besonderheiten medizinischer Einrichtungen und Gesundheitsleistungen (4 Seiten)
  3. Controlling (148 Seiten)
  4. Der Businessplan als Werkzeug für das Management und Controlling (39 Seiten)
  5. Fallbeispiel: Businessplan Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) (23 Seiten)
  6. Zusammenfassung und Ausblick (2 Seiten)

Kapitel 2 bis 5 beinhalten Untergliederungspunkte, von denen manche eine dritte Gliederungsebene beinhalten, manche nicht. Diese dritte Gliederungsebene ist nicht im Inhaltsverzeichnis aufgelistet. Die Kapitel der dritten Gliederungsebene beinhalten zum Teil weitere, jedoch ungegliederte, zum Teil durch Fettdruck, zum Teil durch Kursivdruck hervorgehobene Unterpunkte, die von der Bedeutung her – und auch von der Seitenzahl her – eines Gliederungspunktes Wert wären.

In fast allen Kapiteln sind kursiv und fett gedruckte Empfehlungen eingestreut, die teilweise das Wesentliche des vorherigen Textes zusammenfassen, teilweise darüber hinausgehen.

Zahlreiche Abbildungen und Tabellen lockern den Text auf; sie sind zwar nummeriert, aber entsprechende Verzeichnisse fehlen.

Inhalt

In der Einführung wird die Zielsetzung des Buches folgendermaßen beschrieben: Die Leser sollen sich ein „Bild machen können von der Kontextabhängigkeit, der Funktionenvielfalt der organisatorischen Einbindung und der Instrumentenpluralität des Controllings.“ (S. 1) Insbesondere sollen auch solche Instrumente für die Leser erschlossen werden, die noch ein „Schattendasein“ führen (S.1). Der besondere Schwerpunkt liegt auf dem Controllinginstrument Businessplan. Ausgesprochenes „Ziel des Buches ist es, praxisnah Entscheidungshilfen, Instrumente und Argumente auf Basis des Controllings für den klinischen Alltag zu liefern“ (S. 1).

Das kurze 2. Kapitel beschäftigt sich mit den Besonderheiten bei Gesundheitsleistungen, insbesondere dem Zielsystem, dem Umfeld und dem Versorgungsauftrag, dem Finanzierungssystem und der Unstofflichkeit von Gesundheitsleistungen (wobei auch das Uno-actu-Prinzip thematisiert wird).

Am umfangreichsten ist das 3. Kapitel, das 5 Untergliederungspunkte allgemeinen Ausführungen zum Controlling widmet, dann einen Überblick über einzelne Instrumente gibt und schließlich in den weiteren 8 Untergliederungspunkten diese ausführt. Häufig, aber nicht durchgängig besteht die Beschreibung der Instrumente aus einer Definition (optisch eingerückt), einem Erklärungsteil und einer Fallstudie, die eher einem – gelegentlich ausführlichen – Anwendungsbeispiel gleicht.

Das 4. Kapitel behandelt den Businessplan, der „als integrierte Methode“ (S. 16) benannt wird. Hier werden die wesentlichen Inhalte eines Businessplans in der Regel zunächst allgemein und dann – nicht durchgängig – mit Bezug zu einem Medizinischen Versorgungszentrum dargestellt, auch werden Hinweise zur Erstellung des Businessplans wie zu dem Zahlenteil, Softwareeinsatz, zeitlicher Planung, Qualifikation des Erstellungsteams und zur Vorbereitung auf ein Bankgespräch gegeben. Bei den Businessplaninhalten findet man die üblicherweise beschriebenen Planungen. Sofern sich eine tabellarische Darstellung empfiehlt, ist diese als Schema und teilweise mit beispielhaften Eintragungen aufgezeigt. Zum Abschluss des Kapitels (Gliederungspunkt 4.6 Häufige Fehler und Lösungsansätze) werden auf einer und einer halben Seite häufige Fehler benannt, die Lösungsansätze sind jedoch kaum vorhanden.

Das Fallbeispiel im 5. Kapitel zum Businessplan für ein Medizinisches Versorgungszentrum beschreibt das Management Summary. Weiter gibt es ein Zahlenbeispiel mit Ausgangsüberlegungen, Umsatzplan, Planung der Einzel- und Gemeinkosten, Investitionsplan, Finanzierungsrechnung, Plan-Bilanz und Plan-Gewinn- und Verlustrechung, Kapitalflussrechung und Liquiditätsrechung. Ergebnisse und Schlussfolgerungen des Businessplans (Break-Even-Analyse, Unternehmenswertberechnung) runden die Ausführungen ab.

Kapitel 6 fasst auf etwas mehr als einer Seite die Inhalte noch einmal kurz zusammen, gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen im Gesundheitswesen und schließ mit dem Satz (S. 220): „Krankenhaus-Controlling kann spannend sein!“

Diskussion

Das Buch beinhaltet – wie viele andere Controllingbücher auch – eine Zusammenstellung verschiedener, üblicher Controlling-Instrumente sowie auch deren Grundlagen aus Kosten- und Leistungsrechnung.

Trotz des Anspruchs, die Instrumente durch „Fallstudien“ in ihrer Kontextabhängigkeit darzustellen, habe ich hier mehr erwartet. Die Bezeichnung „Fallbeispiele“ wäre zutreffender. Auch der im Verhältnis umfangreichere Businessplan des Medizinischen Versorgungszentrums enthält wesentliche, im allgemeinen Teil des Buches thematisierte Instrumente (wie z.B. die SWOT-Analyse) nicht. Statt dessen ist ein unspannender Zins- und Tilgungsverlauf für ein Annuitätendarlehen auf zweieinhalb Seiten abgedruckt.

Inhaltlich kann man sich über einzelne Ausführungen der Autoren sicherlich streiten, wie z.B. darüber, ob es ausreicht, beim globalen Umfeld eines Krankenhauses lediglich das Staatsgebiet und die Region (S. 29) zu analysieren. Man denke hier z.B. an Krankenhäuser in Deutschland, die internationale Patienten behandeln, oder auch an weltpolitische Entwicklungen und Ereignisse, die durchaus Relevanz für ein deutsches Krankenhaus haben können. Beispielsweise der steigende Dollarkurs ist für die Energiekostenentwicklung bei Abhängigkeit von importieren Brennstoffen durchaus ein Kostenrelevanter Aspekt. Im Gegensatz dazu würde ich regionale Aspekte eher bei der Analyse der Branche und des Wettbewerbs ansiedeln. Eine weitere Aussage, die ich nicht nachvollziehen kann, ist die hohe Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Meiner Erfahrung entspricht es, dass sich die Arbeitslosigkeit z.B. bei Pflegekräften auf einem Niveau befindet, das Wechselbedingt auftritt, sogar „Fangprämien“ für neue Kräfte bezahlt werden.

Häufig wurde auf eigen erstellte Literatur früherer Jahre zurückgegriffen oder auch auf Standardliteratur aus den 1980er und 1990er Jahren. Insofern gibt es wenig Neues.

Durch die nicht vollständig durchgegliederten Unterpunkte sowie Gliederungsdoppelungen (4.2 Die Erstellung eines Businessplans in einem medizinischen Versorgungszentrum – Hinweise für die praktische Umsetzung, 4.3 Die Erstellung eines Businessplans – Allgemeine Hinweise für die praktische Umsetzung) kann man leicht den roten Faden verlieren.

Fazit

Insgesamt betrachtet bietet das Buch keine wirklich neuen Darstellungen des Instrumentariums und auch keine vollständigen Fallstudien.


Rezension von
Prof. Dr. Brigitte Bürkle
Evangelische Hochschule Nürnberg
E-Mail Mailformular


Alle 6 Rezensionen von Brigitte Bürkle anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Brigitte Bürkle. Rezension vom 19.04.2012 zu: Silvia Straub, Martin Sperling: Controlling und Businessplan. Konkrete Entscheidungshilfen für Krankenhaus und Gesundheitsunternehmen. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2011. ISBN 978-3-941468-17-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11160.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung