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Rolf Arnold: Veränderung durch Selbstveränderung

Cover Rolf Arnold: Veränderung durch Selbstveränderung. Impulse für das Changemanagement. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2011. 283 Seiten. ISBN 978-3-8340-0849-7. 19,80 EUR, CH: 34,60 sFr.

Reihe: systhemia - Systemische Pädagogik - 6.
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Thema

In der vorliegenden Textsammlung aus dem Führungs- und Bildungsbereich steht die Gestaltung von Veränderungsprozessen im Kontext der Organisationslehre im Mittelpunkt. Überwiegend dem systemisch-konstruktivistischen Ansatz folgend werden unterschiedliche Aspekte der damit zusammenhängenden Themen wie z.B. Selbstveränderung, Führung, Lehren und Lernen beleuchtet. Auch Aspekte der Erkenntnistheorie werden skizziert. Eine zentrale Aussage ist, dass Systemveränderungen nur dann gelingen, wenn Führungs- bzw. Lehrkräfte ein Bewusstsein für Selbstveränderung besitzen, um Lernen zu ermöglichen.

Herausgeber, Autorinnen und Autoren

Herausgeber Rolf Arnold hat seit 1990 den Lehrstuhl für Pädagogik (insbesondere Berufs- und Erwachsenenpädagogik) an der Technischen Universität Kaiserlautern inne. Auch bei den elf weiteren Autorinnen und Autoren finden sich als Arbeits- und Forschungsschwerpunkte z. B. Bereiche wie Erwachsenenbildung, Soziale Systeme, systemische Organisationsberatung, Selbstführung und/ oder Didaktik wieder.

Eine kurze Vorstellung der Autorinnen und Autoren erfolgt am Ende des Buches.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation beinhaltet zwölf Beiträge.

Nach einer kurzen und überblicksartigen Einführung von Rolf Arnold zum Thema „Veränderung durch angewandte Erkenntnistheorie“ stellt Horst Siebert in seinem Beitrag „Selbsteinschließende Reflexion als pädagogische Kompetenz“, das Konzept nach Francisco Varela in einen Bezug zur Erwachsenenbildung. Es wird dargestellt, wie Lehrende diese Art der Selbstbeobachtung für sich nutzen können.

Dem schließt sich Eckard König an, wenn er in „Veränderung systemisch“ ein Praxisbeispiel aus der Organisationsberatung skizziert und diesem die Systemtheorie als Ansatz zur Veränderung zugrunde legt.

Claus Otto Scharmer und Katrin Käufer thematisieren in ihrem Beitrag „Lernen als Begegnung mit dem Werdenden Selbst“ verschiedenste Herausforderungen von Führungskräften. Sie beschreiben, wie in diesem Bereich Lernen gelingen kann. Hierzu wird die ELIAS Lernweise mit ihren Methoden vorgestellt. Auch hier wird mit den „drei Gesten des Aufmerksamwerdens“ Bezug auf Francisco Varela genommen. Lernen in Organisationen setzt damit immer auch ein Selbstlernen und eine Selbstveränderung der Führungskräfte voraus.

Peter M. Hejl spricht mit dem Aufsatz „Zur Mechanik ‚autonomen Verhaltens‘ von Individuen und sozialen Systemen“ vor allem das „Selbst“ an. Es gilt, dieses „Selbst“ bewusst zu definieren, um Systeme funktionierend zu verändern. Dabei werden Einsatzmöglichkeiten unterschiedlicher Mechanismen beschrieben. Zudem erleichtert das ausführliche Literaturverzeichnis interessierten Lesern das Vertiefen der angesprochenen Themen.

In „Wie ‚gutes‘ Leadership Development entsteht: Eine Veränderung durch Selbstveränderung“ beschreibt Sonja Radatz, dass qualitatives Leadership Development nicht nur durch Programme von außen geschieht, sondern eine Verhaltensänderung der Einzelnen erfordert. Dabei geht sie auch auf die Passung als Voraussetzung für erfolgreiches Leadership Development ein und bringt ein Praxisbeispiel.

Mit 27 Abbildungen zeigt Holger Lindemann in seinem Beitrag „Systeme in Bewegung bringen. Veränderung durch gemeinsame Selbstveränderung“ neben unterschiedlichen Modellen der Systemveränderung sehr anschaulich auf, welche Prinzipien bei Veränderungsprozessen wirken. Die ausführlichen Darstellungen der fünfzehn Prinzipien werden jeweils durch methodische Anmerkungen sowie mögliche Leitfragen angereichert.

Der Herausgeber Rolf Arnold thematisiert in „Irritationslernen - Eine systemische Strategie des Capacitybuilding“ drei Stufen des „Umgangs mit Ungesichertheit“. Hieraus beschreibt und entwickelt er die drei Ordnungen des „Irritationslernens“.

Hans-Joachim Müller greift in „Devereux revisited - Anmerkungen zur Beobachter-Theorie der empirischen Verhaltensforschung“ Georges Devereux? Kritik zur verhaltenswissenschaftlichen Methodologie auf und zeigt mögliche methodische Verzerrungen sowie daraus folgende Mechanismen der Übertragungen zwischen Beobachter und Objekt.

In „Zur Ermöglichung von Selbstveränderung in der Schule“ beschreibt Matthias von Saldern, auf welche Art und Weise Selbstveränderung in den Kontext der Schulpädagogik gestellt werden kann. Dabei wird der Bildungsbegriff diskutiert, auch werden Umsetzungsmöglichkeiten des Prinzips der Selbstveränderung in der Schule aufgezeigt.

Der Beitrag „Die Kunst, sich selbst zu führen“ von Günter F. Müller stellt eine Studie zur Verbesserung der Selbstführung vor. In diesem Zusammenhang wird neben Umsetzungsmöglichkeiten von Selbstführungsstrategien auch auf die Messung von Selbstführungskompetenz eingegangen.

Abschließend bearbeitet Ingeborg Schüßler in ihrem Aufsatz „Wirklichkeit widerfährt - zur Bedeutung leiblich-sinnlicher Erfahrungen in der akademischen Lehre“ - Forderungen des Bologna-Prozesses. Ausgangspunkt ist die zentrale Herausforderung im Umgang mit Lernwiderständen. Werden irritierende Situationen als Lernchance erkannt, können anschließend Selbstreflexion und Selbstveränderung stattfinden. Dies wird zunächst in einem Praxisbeispiel aus dem Bildungsbereich veranschaulicht, später erfolgt der Bezug auf die Hochschullehre.

Fazit

Die vorliegende Textsammlung nähert sich, teils theoriegeleitet, teils in praktischen Bezügen, dem Thema des organisationalen Wandels. Die Autorinnen und Autoren setzen dabei Impulse, die erkennen lassen, dass für einen gelingenden Change-Management-Prozess in der Organisation zunächst die Rolle des Einzelnen ausschlaggebend ist, um Systeme zu verändern.


Rezensentin
Dipl. Sozialarbeiterin Edeltraud Botzum
Vertretungsprofessorin für Fachwissenschaft der Sozialen Arbeit (Hochschule Koblenz) sowie Finanzierung, Planung und Administration Sozialer Arbeit (Hochschule RheinMain Wiesbaden)


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Zitiervorschlag
Edeltraud Botzum. Rezension vom 21.09.2011 zu: Rolf Arnold: Veränderung durch Selbstveränderung. Impulse für das Changemanagement. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2011. ISBN 978-3-8340-0849-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11171.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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