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Monika Rapold (Hrsg.): Pädagogische Kompetenz, Identität und Professionalität

Cover Monika Rapold (Hrsg.): Pädagogische Kompetenz, Identität und Professionalität. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2011. 2., unveränderte Auflage. 207 Seiten. ISBN 978-3-8340-0134-4. 16,00 EUR, CH: 28,00 sFr.
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Heraugeberin

Dr.phil. Monika Rapold ist Akademische Rätin an der Universität Bamberg, Lehrstuhl Allgemeine Pädagogik

Entstehungshintergrund

Die Publikation ist im Kontext eines mit Studierenden erarbeiteten Seminars zum Thema „Pädagogische Kompetenz, Identität und Professionalität“ an der Universität Bamberg entstanden. Sie möchte einen Beitrag zum erziehungswissenschaftlichen Professionalisierungsdiskurs und dessen Aufnahme und Umsetzung in der Lehre leisten sowie Impulse für professionelles pädagogisches Handeln setzen. Die erste Auflage erschien im Sommer 2006, die zweite unveränderte Auflage im Jahr 2011.

Aufbau und Inhalt

Die Veröffentlichung enthält 10 Beiträge und beginnt mit einer Dokumentation der Konzeption, Durchführung und Evaluation des im Wintersemester 2004/2005 gemeinsam mit Studierenden der Universität Bamberg erarbeiteten Seminars „Pädagogische Kompetenz, Identität und Professionalität“.

Monika Rapold skizziert in diesem ersten Beitrag einleitend drei theoretische Bezugspunkte; den Diskurs über (pädagogische) Handlungskompetenz, das Theorie-Praxis-Verhältnis und die Professionalisierung und gibt einen Überblick über das der Veröffentlichung zugrunde liegende Seminar.

Daran anschließend fasst Wolfgang Nieke die unterschiedliche Verwendung des Kompetenzbegriffs im erziehungswissenschaftlichen Diskus unter der Überschrift „Professionelle pädagogische Handlungskompetenz zwischen Qualifikation und Bildung“ gut nachvollziehbar zusammen.

Bernd Dewe und Hans-Josef Wagner untersuchen aus einer konstruktions- und strukturtheoretischen Perspektive den Professions- und Identitätsbegriff in der Pädagogik. Ralph Christian Amthor beschreibt in seinem Beitrag „Erziehungswissenschaftliche Sozialpädagogik oder Sozialarbeitswissenschaft?“ vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung der Hochschulstudiengänge an Universitäten und Fachhochschulen den aktuellen Weg zu einer Wissenschaft der Sozialen Arbeit.

Georg Hörmann fragt in seinem Beitrag nach dem Professionalisierungsboom in der Erziehungswissenschaft und diskutiert Professionalität und Professionalismus im Kontext von „Qualitätsoffensiven“.

Unter der Überschrift „Kompetenzen, berufliches Selbstbild und pädagogische Leitbilder von Diplompädagogen“ stellen Kirsten Fuchs und Ivo Züchner ausgewählte Ergebnisse aus einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Verbundprojekts „Beruflicher Verbleib, Berufssituation und berufliche Identität von ErziehungswissenschaftlerInnen und PädagogInnen in Deutschland“ vor, das an den Universitäten Dortmund und Halle angesiedelt war.Aus der Einschätzung paradoxer Handlungsanforderungen durch die befragten AbsolventInnen entwickeln die AutorInnen vier Typen innerhalb einer Gesamtgruppe von 3.135 befragten Diplom-PädagogInnen: die Fürsorgerin/den Fürsorger (39%), die Pragmatikerin/den Pragmatiker (26%), die Begleiterin/den Begleiter (22%), die Fachfrau/den Fachmann (13%). Vor diesem Hintergrund untersuchen sie die Bedeutung der sozialen Herkunft und beruflicher Vorerfahrungen, dem Studium und der Hochschule sowie der beruflichen Ersteinmündung und der aktuellen Tätigkeit auf das berufliche Selbstverständnis.

Thilo Schmidt nimmt in seinem Beitrag „Kritische Anmerkungen zur beruflichen Platzierung von Diplom-Pädagogen“ vor. Er hat die Vergütungs- und die Beschäftigungsstruktur der Berufsgruppe untersucht und stellt fest, dass nur eine Minderheit von Diplom-Pädagoginnen und -Pädagogen ausbildungsadäquat entlohnt in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt ist. Schmidt formuliert abschließend Reformvorschläge zur Hochschulausbildung: einen stärkeren Berufsfeldbezug, eine stärkere Profilbildung des Studiums durch eine stärkere Vermittlung forschungsmethodischer Kenntnisse sowie der Vermittlung von Qualifikationen der Leitung, Planung und Organisation.

„Arbeitsfeldspezifische oder disziplinspezifische Professionalität?“: Jutta Mägdefrau untersucht in ihrem Beitrag subjektive Theorien professionellen Handelns von Experten und Expertinnen in Feldern Sozialer Arbeit, in dem sie die Ergebnisse eines Projekts aus einem Hochschulseminar an der Pädagogischen Hochschule Freiburg wiedergibt. Nach der Auswertung von elf Interviews mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern in unterschiedlichen Arbeitsfeldern lassen sich keine differenzierten arbeitsfeldspezifischen subjektiven Theorien erkennen. Vielmehr zeigt sich eine hohe Übereinstimmung bei den Befragten in der Einschätzung der Wirksamkeit genereller berufstypischer Haltungen und Einstellungen, die nicht auf das eigene Arbeitsfeld beschränkt sind.

Nicole Hoffmann hat Studierende der Diplom-Pädagogik nach einer Metapher befragt, mit der sie ihre Vorstellungen und ihr Wissen über ihren Berufswunsch verbinden. Drei Metaphern in drei Fallgeschichten, das Chamäleon, das Wegenetz und die Berghütten werden in dem Beitrag vorgestellt.

Abschließend stellen Thomas Trapper und Jens Leutz folgende Frage: „Der Arbeiter arbeitet, der Chef scheffelt und der Pädagoge…?“ Am Beispiel eines Modellprojekts der Jugendhilfe für straffällige Jugendliche betonen sie in ihrer Antwort die Bedeutung der Grundhaltung der Pädagoginnen und Pädagogen für den Erziehungsprozess.

Diskussion und Fazit

Die Publikation bietet einen guten Überblick über Diskussionen zur Professionalisierung in der Erziehungswissenschaft und pädagogischer Professionalität. Dabei wird deutlich, dass in der Pädagogik und in der Sozialen Arbeit sehr ähnliche Fragen gestellt werden, für die Antworten jedoch spezifische Diskurse, zum Teil parallel, zum Teil überlappend, existieren. Insofern ist die Lektüre für den Professionalisierungsdiskurs in der Sozialen Arbeit anregend, ermöglicht sie doch einen Blick auf übergreifende Fragestellungen von Erziehung, Bildung und Sozialer Arbeit.


Rezension von
Prof. Dr. Gudrun Ehlert
Professorin für Sozialarbeitswissenschaft an der Fakultät Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida
Homepage www.sw.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-gud ...
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Zitiervorschlag
Gudrun Ehlert. Rezension vom 05.01.2012 zu: Monika Rapold (Hrsg.): Pädagogische Kompetenz, Identität und Professionalität. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2011. 2., unveränderte Auflage. ISBN 978-3-8340-0134-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11178.php, Datum des Zugriffs 08.05.2021.


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