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Matthias Müller, Barbara Bräutigam: Hilfe, sie kommen!

Cover Matthias Müller, Barbara Bräutigam: Hilfe, sie kommen! Systemische Arbeitsweisen im aufsuchenden Kontext. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2011. 368 Seiten. ISBN 978-3-89670-782-6. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR.
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Thema

„Hilfe, sie kommen!“ könnte der Ausruf einer aufgesuchten Familie sein, der Angst und Schrecken impliziert. Intoniert man diesen Ausruf anders, verliert er seinen Schrecken und könnte auch so lauten: „Endlich Hilfe! Sie kommen“. Damit wird aufsuchende Arbeit in ihrer Haupteigenschaft, dem Balanceakt zwischen Hilfe und Kontrolle, angesprochen. Dieses doppelte Mandat bringt sowohl für die Familien als auch die aufsuchenden Sozialarbeiter, Familienhebammen, Psychologen etc. erhebliche Herausforderungen, aber auch Potenziale mit sich, die theoretisch, konzeptionell, methodisch und evaluativ bzw. empirisch zu erschließen sind. Häufig findet aufsuchende Arbeit zudem im Rahmen von Zwangskontexten statt, wo es bisher noch recht wenig Literatur, vor allem in Deutschland gibt. Gleichzeitig hat systemische Familientherapie die therapeutische Arbeit insgesamt und mit Familien revolutioniert, und es ergibt sich die Frage, wie eine bisweilen besonders in Deutschland erscheinende Scheu vor der Verknüpfung von Therapie und Sozialarbeit, mithin die Verknüpfung von systemischer Therapie und Lebensweltorientierung, in tragfähige Konzepte der aufsuchenden Arbeit nutzbringend integriert werden kann. Das Thema fügt sich in einen derzeitigen Trend ein, der gekennzeichnet ist von der Ökonomisierung im Sozial- und Gesundheitswesen, von der Erweiterung ambulanter Hilfen gegenüber stationärer und teilstationärer Hilfen, von den wachsenden Anforderungen an Familien in der Gesellschaft und von der stetigen Zunahme und Ausdifferenzierung aufsuchender Arbeit.

Herausgeberin und Herausgeber

Beide promovierten Herausgeberinnen sind Hochschullehrer an der Hochschule Neubrandenburg. Mathias Müller bekleidet dabei als ausgebildeter Sozialarbeiter/Sozialpädagoge die Professur für Pädagogik, Sozialpädagogik und Hilfen zur Erziehung, gleichzeitig ist er Case-Manager und bildet Case-Manager aus und berät Institutionen als dialogischer Qualitätsentwickler bei der Organisations- und Qualitätsentwicklung. Barbara Bräutigam vertritt als ausgebildete psychologische Psychotherapeutin, systemische Familien- und integrative Kinder- und Jugendtherapeutin die Professur für Psychologie und Jugendarbeit an der Hochschule. Praktisch ist sie außerdem als Familientherapeutin in der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Neubrandenburg, im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der Hochschule Neubrandenburg tätig.

Entstehungshintergrund

Es sind gleich zwei Aspekte, die als Hintergrund relevant erscheinen: Zum einen spricht Schweitzer in seinem Geleitwort zum Buch von einem zeitgemäßen Revival eines größeren „ökosystemischen“ Ansatzes in der aufsuchenden Arbeit, denn bereits in den 1960er- bis in die frühen 1980er Jahre gab es schon einmal familien- und sozialtherapeutische Ansätze an der Schnittstelle zum Gemeinwesen. Zum anderen liegt der Reiz des Themas für die Herausgeber in der heute weiterentwickelten Vielfältigkeit der unterschiedlichen berufsspezifischen Hilfemöglichkeiten vieler Professionen im psychosozialen Bereich, bei gleichzeitiger Gleichheit des aufsuchenden Zugangs zu den Menschen. Daraus ergaben sich für die Herausgeber Fragen, erstens nach den Unterschieden zwischen aufsuchender Arbeit und Arbeit in den eigenen Arbeitsräumen und zweitens nach den spezifischen und ähnlichen Herausforderungen der Zugangsweisen. Ziel des Handbuches ist somit der Versuch einer ersten Bestandsaufnahme. Dabei sollen das aufsuchende Setting theoretisch beschrieben und heterogene Arbeitsfelder und unterschiedliche Zielgruppen systemisch behandelt werden.

Aufbau

Das Handbuch wird von einem Vorwort, einem Geleitwort und einer Einleitung eröffnet und in fünf inhaltliche Teile gegliedert.

  1. Im 1. Teil geht es um die aufsuchende Arbeit und die Besonderheiten des Settings aus systemischer Perspektive.
  2. Im 2. Teil werden unterschiedliche Arbeitsfelder und Zielgruppen aus der Systemperspektive beleuchtet.
  3. Der 3. Teil setzt sich mit praxisorientierten Instrumenten auseinander und stellt Manuale vor, die empirisch gut beforscht sind.
  4. Der 4. Teil befasst sich mit Haltungen, Kompetenzen und Entwicklungspotenzialen und geht dabei auch auf die Ambivalenzen in der aufsuchenden Arbeit ein.
  5. Und im 5. Teil widmen sich die Herausgeber und Autoren den internationalen Perspektiven im aufsuchenden Kontext.

Dabei wird jedes Kapitel von unterschiedlichen Fachexperten bzw. Autoren getragen. Jeder einzelne Beitrag in den Teilen folgt einem typischen Dreischritt. Er wird eingeleitet, dann werden die Inhalte dargestellt und am Ende erfolgt eine Zusammenfassung der Kerngedanken im Rahmen eines Ausblickes oder eines Fazits.

Inhalt

Im Vorwort, dem Geleitwort und in der Einleitung wird das Anliegen des Buches - Handbuch zu aufsuchenden Arbeitsweisen als erste Bestandsaufnahme - verdeutlicht. Außerdem werden die Ziele, die Struktur und zu erwartenden Inhalte sowie Entstehungshintergründe vorgestellt, so dass der Leser auf das Thema vorbereitet wird. Dann folgen 5 Teile:

  1. Aufsuchende Arbeitsweisen in systemischer Perspektive
  2. Arbeitsfelder aufsuchender Hilfen
  3. Forschungsergebnisse und Praxisinstrumente
  4. Haltungen, Kompetenzen, Entwicklungspotenziale
  5. Über den Tellerrand

Zu 1:

B. Bräutigam, M. Müller und S. Lüngen nehmen in ihrem Beitrag: Die Kunst, sich einzulassen und dennoch ein anderer zu bleiben, die Besonderheiten des aufsuchenden Settings in den Blick und verweisen anhand einer Fallgeschichte auf ein vielschichtiges Spannungsverhältnis in der Arbeit. Als beschreibendes Hauptmerkmal wird Janusköpfigkeit - Vorteile des aufsuchenden Settings sind gleichzeitig Nachteile und vermeintliche Risiken zeigen sich als Chancen - anhand von 10 Punkten aufgezeigt.

H.-P. Heekerens geht in seinem Beitrag: Wirksamkeit und Kosteneffektivität aufsuchender familienbezogener Arbeitsweisen bei Problemlagen von Kindern und Jugendlichen, auf den nationalen und internationalen Forschungsstand zur Wirksamkeit und Effektivität ein. Er erklärt in diesem Rahmen Begriffe wie „familienbezogen“ und „aufsuchend“, benennt zentrale Anliegen, Formen, Grundcharakteristika und Ergebnisse aus Wirksamkeitsstudien von Home-Visiting-Programmen und verweist am Ende seines Beitrages auf den Mangel an experimentellen Feldstudien zu deutschen Home-Visiting-Programmen und Hombuilders-Modellen sowie der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) und der Aufsuchenden Familientherapie (AFT).

W. Freigang thematisiert unter der Überschrift: Von der Elternarbeit zu den aufsuchenden ambulanten Erziehungshilfen, die Veränderungen für die aufgesuchten Menschen und die Professionellen. Dabei wählt er als Ausgangspunkt die Heimerziehung als Normalisierungsversuch am Kind bis in die 70er Jahre hinein und spannt den Bogen über einen durch kommunikations- und systemtheoretische Impulse erzeugten Paradigmenwechsel und den Verlust eines eindeutigen Begriffes von dem was als normal gilt, bis hin zu einer sich daraus entwickelnden Lebensweltorientierung ab 1990. Am Ende wird der kritische Einwand einer Kolonialisierung von Lebenswelten reflektiert und auf die bis dato reichende Weiterentwicklung aufsuchender Ansätze verwiesen.

M.M. Märtens und J.T. Campbell gehen in: (K)ein Recht auf Geheimnisse? insbesondere auf datenschutzrechtliche Bestimmungen und ihren hohen Stellenwert beim Hausbesuch ein. Dabei werden ganz praktische Wege, etwa im Rahmen einer Inhaltsliste für Beratungskontrakte aufgezeigt und Erhebungen wie bei der Erstellung von Genogrammen kritisch reflektiert.

In: Aufsuchen Macht Sinn, differenziert J. Wirth zwischen den Begriffen „Macht“, „Aufsuchen“ und „Sinn“. Er verdeutlicht die sich im Hilfeprozess verändernden Bedeutungen dieser Phänomene und verweist auf die Potenziale im aufsuchenden Kontext wie z.B. die Erweiterung des Möglichkeitsraumes, die Verflüssigung rollenfixierter statischer Machtverteilungen, eine Ressourcenfreisetzung etc.

Zu 2.:

B. Staschek führt in: Familienhebammen - Auf den Anfang kommt es an! in das benannte Arbeitsfeld ein. Sie zeigt die Strukturen der Familienhebammentätigkeit, die Entwicklung zielgruppenspezifischer Angebote, z.B. für jugendliche Schwangere, Migrantinnen etc. und Schnittstellen und Potenziale in Bezug auf andere Hilfeformen und Institutionen auf. Dabei wird die Bedeutung von Gesundheit als Zugangsweg in der Arbeit der Familienhebammen besonders betont.

T. Ackermann widmet sich in seinem Beitrag: Case-Management in der Sozialpädagogischen Familienhilfe? der Nützlichkeit des Systemischen Case-Managements in der Gestaltung von sozialpädagogischen Familienhilfen. Er diskutiert insbesondere die Implementierung von Case-Management in den Sozialen Diensten und geht auf unterschiedlichste Erfahrungen zwischen hinderlich und fördernd ein. Um hierbei zukünftig eine gewisse Stabilität herzustellen, fordert er ein begleitendes Qualitätsmanagement und Nutzerorientierung.

„Systemisches Vorgehen bei sozialpädagogischer Intensivbetreuung“ ist der Beitrag von W. Hosemann überschrieben, wo es um die Einbettung des Ansatzes in systemische Denk- und Arbeitsweisen, insbesondere in der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen geht. Diese Arbeit mit Freiwilligen will die Zielgruppe erreichen, schwierigste Lebensumstände vermeiden und Lebenszusammenhänge beeinflussen. In der Umsetzung eines systemischen Konzeptes verweist der Autor auf 10 Merkmale die dabei bedeutsam sind wie z.B. respektvolle Haltung, flexible Kontakte, Dialogorientierung etc.

A. Engelmann überschreibt ihren Beitrag mit einem Klassiker: Aufsuchende Familientherapie - Perspektiven eines Hilfeansatzes für Familien mit besonderen dynamischen Herausforderungen. Mit dem langfristigen Ziel, Familien unabhängig(er) von der Inanspruchnahme von Hilfen zu machen, werden in diesem Beitrag, anhand von Fallbeispielen, Praxiserfahrungen und Vorgehensweisen gebündelt und Qualitätsstandards dargestellt.

E. Zierap differenziert in seinem Beitrag: Chancen und Grenzen in der aufsuchenden Arbeit mit schulaversiven Jugendlichen, zunächst einmal verschiedene Formen der Schulaversion wie Schulangst, Schulphobie und Schulschwänzen, bevor er auf entsprechende Hilfemöglichkeiten bei schulaversivem Verhalten eingeht. Letzteres wird anhand eines Fallbeispiels illustriert. Entscheidende Herausforderung ist dabei eine konstatierte Entfremdung zwischen Kindern bzw. Jugendlichen und der Welt der Erwachsenen.

M. Freitag und R. Freitag gehen explizit auf die Bedeutung systemischen Arbeitens in Zwangskontexten in der aufsuchenden Familientherapie ein und überschreiben ihren Beitrag mit dem Titel: Pessimismus der Intelligenz und Optimismus der Tat … Dabei heben sie hervor, dass ein klassischer systemischer Beratungsansatz in seiner uneingeschränkten positiven Betrachtungsweise zu kurz greift und eher Konzepte wie „Detriangulation und Kontextualisierung“ nach Conen und Checchin und eine Orientierung an den nach Qualitätskriterien festgelegten Standards maßgebend sein sollten.

J.T. Campbell und M. Märtens bieten bereits die Grundgedanken ihres Textes in der Überschrift an: Wer mag Hausbesuche (nicht)? Warum man manche Klienten lieber nicht besuchen sollte, andere aber schon: Eine Untersuchung mit SGB II-Leistungsempfängern. Im Mittelpunkt stehen dabei Beratungs- und Coachingprozesse und entsprechende Evaluationsergebnisse hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Akzeptanz bei den Aufgesuchten.

Zu 3.:

K. Götzinger, A.Eickhorst und M. Cierpka stellen anhand des Forschungsprojektes: Familienhebammen im Projekt „Keiner fällt durchs Netz“ das Erkennen von Hilfebedarf sowie adäquate Vermittlungsoptionen, dar und diskutieren die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Projektmitarbeiter und deren nutzbringende Integration in die Arbeit.

A. Frindt verdeutlicht in: Wirksamkeitsaspekte in der Sozialpädagogischen Familienhilfe, die Bedeutung des Aushandelns, Übernehmens, Abgebens und Gewährens von Kontrolle in diesem Arbeitsbereich vor dem Hintergrund riskanter Konsequenzen unreflektierten, professionellen Verhaltens.

A. Gantner stellt Kooperation im Rahmen der multidimensionalen Familientherapie (MDFT) dar und verweist auf ein evidenzbasiertes systemisches Behandlungsmodell für Jugendliche mit Substanzstörungen und entsprechenden Verhaltensauffälligkeiten. Im Rahmen der Kooperation wird Flexibilität beim Pendeln zwischen verschiedenen Subsystemen auf vier verschiedenen Interventionsebenen als besonders wichtig betont. Der Beitrag ist mit dem Titel: Multidimensionale Familientherapie überschrieben.

C. Ehlers orientiert sich beim Case-Management in der aufsuchenden und ressourcenorientierten Arbeit an der empirischen Studie: Sozialpädagogische Familiendiagnosen und deren kategorisierten Belastungen innerhalb des Familienlebens, um daraus Schritte, Strategien und Haltungen in der aufsuchenden Arbeit abzuleiten. Überschrieben ist der Beitrag mit: Strategien und Instrumente in der aufsuchenden ressourcenorientierten Arbeit mit Familien.

„SMS und aufsuchende Hilfen“ wird der Beitrag von M. Lucht, L. Hoffmann, H.J. Freyberger und U. John überschrieben. Hierbei geht es um die Nutzbarmachung neuer Medien für die aufsuchende Arbeit am Beispiel der Alkoholabhängigkeit.

A. Schulz stellt mit: Familienrekonstruktion in der aufsuchenden Arbeit, Wege aus kognitiven Sackgassen vor und verweist damit auf Potenziale der Ressourcenorientierung und des Refraimens (Umdeutens) beim Heben von Bildern, Botschaften und Bedeutungen in Bezug auf die eigene Familie.

Skulpturarbeit in den aufsuchenden Hilfen von A. Gut ist eine weitere Form Ressourcenorientierenden Arbeitens, unter Zuhilfenahme nonverbaler Möglichkeiten, ergänzend zu Gesprächen. Anhand von Fallbeispielen werden entsprechende Möglichkeiten dargestellt und auf die Notwendigkeit von Mandatsvergaben durch die Familienmitglieder im Rahmen des Aushandlungsprozesses verwiesen.

B. Bräutigam und M. Müller skizzieren in ihrem Beitrag: Helfer im Dialog. Das Praxisinstrument der Fallwerkstatt, die Konzeption und erste Zwischenergebnisse eines Modellprojektes unter Anwendung von Fallwerkstätten. Dabei werden Potenziale gemeinsamer Fallrekonstruktionen sichtbar gemacht und Schnittstellenschwierigkeiten im multiperspektivischen und multidisziplinären Kontext fokussiert.

Zu 4.:

Das Tetralemmamodell, sonst ein methodisches Instrument in der Arbeit mit Klienten, findet bei H. Kleve dieses Mal seine Anwendung bei der Haltung der Helferinnen im aufsuchenden Kontext. Es ist dazu geeignet, angemessen mit Ambivalenzen umzugehen, was der Autor beispielhaft anhand der Ambivalenz zwischen Hilfe und Kontrolle verdeutlicht. Sein Beitrag ist überschrieben mit: Ambivalenzen aufsuchender Hilfen. Das Tetralemma als Beitrag zur postmodernen Haltungsbildung.

R. Orban und M. Ochs gehen auf Dringlichkeit und Bedeutung gelingender Kooperationen, als basale Kompetenz im aufsuchenden Bereich ein und nehmen Bezug auf Überlegungen und Erkenntnisse aus der Jugendhilfe-Wirksamkeitsforschung, der Multisystemischen Therapie und der eigenen Praxis. Ihr Beitrag trägt den Titel: Gelingende Kooperationen gestalten als Kernkompetenz aufsuchender Jugendhilfe.

Das Achtsamkeitsprinzip wird in seiner Bedeutung nicht nur für Klienten, sondern insbesondere für Helfer in der aufsuchenden Arbeit betont. Achtsamkeit bedeutet hierbei für die Autorin F. Jurtan situative und wertfreie Aufmerksamkeit. Anhand von Beispielen erläutert sie, dass nicht nur Ziele und Auftragsklärungen beobachtet werden müssen, sondern auch der Prozess, d.h. den Weg zum Ziel bewusst mit einzuschließen. Titel ist: Der Blick nach innen als Kalibrierung. Haltungen aus der Achtsamkeitspraxis als Unterstützung in der aufsuchenden systemischen Arbeit.

Titel: Wir kommen zu Ihnen - mit Vergnügen! Dieser bisweilen befremdlich anmutende Ausruf eines Helfers, wird als mögliche wirksame, selbstfürsorgliche, selbstschützende und ressourcenorientierte Arbeitsmaxime für Helferinnen diskutiert, die in Konsequenz Selbstmotivation, Kreativität, Neugier und Interesse etc. entfalten hilft. Autorin ist E. Nicolai.

Zu 5.:

Im fünften Teil werden in vier Texten aus internationaler Sicht Praxen und Begründungszusammenhänge aufsuchender Arbeit in anderen Ländern dargestellt. So beschreiben H. Rigter und K. Mos aus niederländischer Sicht unter dem Titel: Die Einführung Multidimensionaler Familientherapie in Europa: Das Beispiel der Niederlande, Schwierigkeiten und Wege einer Implementierung von MDFT.

Das finnische Modell der bedürfnisangepassten Behandlung wird von V. Arnold und N. Greve unter dem Titel: Bedürfnisangepasste Behandlung und offene Dialoge vorgestellt.

„Friendly Visiting“ ist ein in den USA praktizierter Ansatz und wird in seiner geschichtlichen Entwicklung bis zum heutigen Tag von U. M. Walter, unter dem Titel: Bitte recht freundlich - Neues und Altes vom „Friendly Visiting“ in den USA beschrieben.

Die in Chile praktizierte aufsuchende Arbeit mit jungen Drogennutzern und ihren Familien wird von den Autorinnen A. Jaramillo, M. Krause, C. G. Hidalgo, V. Hayden, A. Lasagna und R. Santis unter dem Titel: Systemische aufsuchende Intervention für junge Nutzer illegaler Drogen und ihre Familien reflektiert.

Diskussion

Mit dem vorliegenden Buch hält der interessierte oder noch in Ausbildung befindliche Helfer im aufsuchenden Kontext, eine Bestandsaufnahme in den Händen, die die Breite und Vielfalt aufsuchender Hilfen in ihren systemischen Vorgehensweisen, Wirkungen und Nebenwirkungen, Potenzialen und Schwierigkeiten erfasst. Dabei leistet das Buch, die Grundlage und der Ausgangspunkt für vertiefende Recherchen zu sein, denn bei der Vielzahl der Beiträge kann kein methodisch ausgefeiltes Rezept für die Arbeit im aufsuchenden Kontext erwartet werden. Vielmehr stehen eine Reihe wirksamer und gleichberechtigter Verfahren zur Verfügung, über die der geneigte Leser einen Überblick erhält. Interessant und fesselnd sind dabei jene Beiträge, die systemisch- therapeutische Verfahren nicht nur für die Zielgruppen aufsuchender Arbeit erschließen, sondern auch den Wohlfühlfaktor für Helferinnen in einem mitunter hoch ambivalenten, konfrontativen Arbeitskontext zu steigern vermögen. Dennoch muss angemerkt werden, dass bestimmte theoretische Grundkenntnisse zum Systemansatz und konstruktivistischen Denken Voraussetzung sind, um sich die Beiträge zu erschließen. Eine Einführung in diese theoretischen Grundlagen kann dabei aus einer Vielzahl von Publikationen in diesem Bereich erworben werden. Sind diese Voraussetzungen geschaffen, entsteht Kurzweil, weil viele Beiträge Praxisbeispiele beinhalten, die Struktur und der Aufbau des Buches einleuchten und die Sprache verständlich gehalten ist.

Fazit

Das vorliegende Handbuch macht die Vielfalt und Komplexität aufsuchender Hilfen sichtbar, bietet theoriegeleitet Wege und Lösungen für problematische Fälle und Situationen in der Praxis an, zeigt anhand von Studien die Wirksamkeit einzelner Ansätze auf und unternimmt einen Blick und Ausflug über den deutschsprachigen Tellerrand hinaus.


Rezensentin
Dr. phil. Oda Baldauf-Himmelmann
Ausgebildete systemische Therapeutin / Familientherapeutin, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin. Arbeitet als Akademische MA an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus/Senftenberg (BTU CS)
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Zitiervorschlag
Oda Baldauf-Himmelmann. Rezension vom 13.09.2011 zu: Matthias Müller, Barbara Bräutigam: Hilfe, sie kommen! Systemische Arbeitsweisen im aufsuchenden Kontext. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2011. ISBN 978-3-89670-782-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11181.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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ISSN 2190-9245

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