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Robert Skidelsky: Die Rückkehr des Meisters

Cover Robert Skidelsky: Die Rückkehr des Meisters. Keynes für das 21. Jahrhundert. Verlag Antje Kunstmann GmbH (München) 2010. 303 Seiten. ISBN 978-3-88897-647-6. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 33,90 sFr.
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Thema

Thema des Buches ist die Theorie John Maynard Keynes? welche angesichts der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise wieder an Aktualität gewinnen. Skidelsky argumentiert, dass die Theorie von Keynes eine hilfreiche Anleitung zum Verständnis der gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme bietet und auch Lösungswege aufzeigt.

Autor

Robert Skidelsky ist einer der bekanntesten Keynes-Biografen, er lehrte als Professor politische Ökonomie an der britischen Universität Warwick.

Aufbau

Nach einer Einleitung, die grundlegende Ziele des Buches sowie auch die zentralen Aussagen der Theorie von Keynes klärt, widmet dich Teil I der gegenwärtigen Krise und der aktuellen Lage der Ökonomie, d.h. der Wirtschaftstheorie. Teil II beschreibt Aufstieg und Fall des Keynesianismus, angefangen vom Leben des Ökonomen, über dessen Theorie sowie einer Einschätzung der „keynesianischen Revolution“ In Teil III geht es unter dem Titel „Die Rückkehr von Keynes“ über Fragen der Ethik des Kapitalismus, Wirtschaftspolitik und generell die heutige Bedeutung der Theorie von Keynes.

Inhalt

Skidelsky stellt in dem Buch die aktuelle Wirtschaftskrise und die Versuche sie zu bewältigen den Lehren des Ökonomen Keynes gegenüber. Er geht dabei auf Keynes? Lebensweg ebenso ein, wie auf seine Lehre und deren Einfluss und vergleicht Keynes? Ideen mit den ökonomischen Theorien vor und nach dessen Zeit.

Der Wirtschaftstheoretiker John Maynard Keynes (1883 – 1946) hat schon vor einem halben Jahrhundert über Krisen nachgedacht, und seine Analysen sind heute aktueller denn je. In Zusammenhang mit der gegenwärtigen Krise schreibt z.B. Marterbauer: „Die keynesianische Schule der Ökonomie warnte hingegen schon frühzeitig vor der drohenden Krise und war in der Lage, Ursachen, Ablauf und wirtschaftspolitische Handlungsnotwendigkeiten besser zu erkennen.“1

Sein berühmter Ausspruch: „Auf lange Sicht sind wir alle tot“ zielt auf realitätsferne ökonomische Modelle, die unser Denken bestimmen und zu verheerendem Handeln führen (Auszug aus dem Klappentext).

Die Hauptverantwortung der Krise schreibt Skidelsky dementsprechend der Wirtschaftswissenschaft zu, die sich nach 1966 von den Keynes„schen Theorien verabschiedete und auf die „neoklassische Schule der Wahrscheinlichkeit“ baute, in der die Mathematik an die Stelle des Ökonomie trat. Während die mathematischen und statistischen Methoden der Ökonomen von Rationalität der handelnden Subjekte und immerwährender Effizienz der Märkte ausgehen, zeigt die Empirie, dass Wirtschaftskrisen nicht die große Ausnahme, sondern Teil der Marktwirtschaft sind. Keynes Theorie beruht demgegenüber in ihrem Kern auf der Annahme der prinzipiellen Instabilität der kapitalistischen Wirtschaft, welche die Notwendigkeit staatlicher Regulation begründet. Die sogenannten unsicheren Erwartungen sind zentraler Teil seiner Theorie. Die subjektive Einschätzung der Zukunft durch die Wirtschaftsteilnehmer prägt das wirtschaftliche Leben und diese fundamentale Unsicherheit macht Volkswirtschaften instabil.

Ein Merkmal der aktuellen Krise ist jedenfalls, dass diese durch strukturelle Dysfunktionaliäten des Systems verursacht ist. Zum einen ist dies institutionelles Versagen - Banken mutierten von Dienstleistungsunternehmen zu Spielkasinos. Zum anderen ist dies ein intellektuelles Versagen der Wirtschaftstheorie – die Mainstream-Ökonomie konnte die Finanzkrise weder voraussehen noch erklären, weil unreflektiert an der Selbstheilungskraft von Märkten festhält. Drittens ist auch ein moralisches Versagen feststellbar – in Form einer Ordnung, die auf Geld als einzigem Wert aufgebaut ist. Keynes demgegenüber war Moralist, das Streben nach Geld war ihm zufolge nur insoweit gerechtfertigt, als es zu einem guten Leben führt, gleichgesetzt mit dem Wohlergehen der Menschen und nicht mit höherem Wohlstand: „Die Welt moralisch besser zu machen war die einzige Rechtfertigung ökonomischer Anstrengungen.“ 199

Ein wesentliches Anliegen des Autors ist es, das Bild von Keynes, welches diesen als Spezialisten für Rezessionen zeichnet, zu korrigieren und Keynes in seiner Bedeutung als Theoretiker einer allgemeinen Wirtschaftstheorie zu würdigen: Keynes hatte ein auch heute noch gültiges politisches Anliegen, nämlich die Notwendigkeit der Sicherung von Vollbeschäftigung durch den Staat. Damit sollte das System der Marktwirtschaft gerade nicht aufgegeben werden, sondern seine Vorteile durch die Sicherstellung geeigneter Rahmenbedingungen zu gewährleisten, also „die Natur der Umwelt zu bestimmen, die das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte erfordert, wenn es die vollen Möglichkeiten der Produktion verwirklichen soll“ 228

Fazit

Dem Autor gelingt es, die Aktualität von Keynes deutlich zu machen und einen guten Einblick in dessen Theorie zu geben. Gleichzeitig bietet das Buch auch Einblick in das Denken anderer zentraler Theoretiker der klassischen Ökonomie bzw. in deren unterschiedliche Sichtweisen in Bezug auf wesentliche Fragen der Wirtschaftstheorie, etwa nach Rationalität, nach ökonomischen Gleichgewichtsbedingungen, Unsicherheit etc. Besonders interessant sind die Ausführungen zu Ethik, Moral und Glück und deren Behandlung in der Theorie von Keynes.

Das Buch ist jedenfalls empfehlenswert für ÖkonomInnen und Studierende der Ökonomie.

1 Marterbauer, M.: Zahlen bitte! Die Kosten der Krise tragen wir alle, 2011 Deuticke, S. 235


Rezension von
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
Homepage www.ruthsimsa.at
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 04.11.2011 zu: Robert Skidelsky: Die Rückkehr des Meisters. Keynes für das 21. Jahrhundert. Verlag Antje Kunstmann GmbH (München) 2010. ISBN 978-3-88897-647-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11227.php, Datum des Zugriffs 09.07.2020.


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