Peter Zimmermann: Grundwissen Sozialisation
Rezensiert von Dr. Anke Meyer, 21.10.2003
Peter Zimmermann: Grundwissen Sozialisation. Einführung zur Sozialisation im Kindes- und Jugendalter.
UTB
(Stuttgart) 2003.
2., überarbeitete und ergänzte Auflage.
249 Seiten.
ISBN 978-3-8252-2137-9.
11,90 EUR.
UTB für Wissenschaft Band 2137.
Siehe auch Replik oder Kommentar am Ende der Rezension
Einführung in das Thema
Die Forschung und die Theorie zum Thema Sozialisation sind ein nicht nur für StudienanfängerInnen unübersichtliches Gebiet, in dem bei einer Erstbegehung eine Führung durch eine kompetente Hand geradezu notwendig ist. Peter Zimmermann hat entsprechenden Klagen von Studentinnen und Studenten entsprochen und ein Grundlagenbuch hierzu geschrieben.
Aufbau und Inhalt
Zimmermann nähert sich dem Thema Sozialisation aus zwei Richtungen: Zunächst stellt er verschiedene Ansätze und Traditionen der Sozialisationstheorie vor, bevor er sich dann - sozusagen quer dazu - mit Ergebnissen zu verschiedenen Themengebieten der Sozialisationsforschung beschäftigt.
Bei den Ansätzen zur Sozialisationstheorie nehmen insbesondere psychologische Theorien einen breiten Raum ein. Neben Freuds Ansatz der Psychoanalyse und der Identitätsentwicklung nach Erikson werden verschiedene Lerntheorien, die kognitive Entwicklungspsychologie nach Piaget und Kohlbergs Ansatz der Sozialisation als moralischer Entwicklung berücksichtigt. Eigene Kapitel sind Bronfenbrenners sozialökologischem Ansatz und dem Konstruktivismus gewidmet. Bei den soziologisch orientierten Theorien werden der Strukturfunktionalismus, der symbolische Interaktionismus, Sozialisation über Habitualisierung, das Individualisierungstheorem und - in Ergänzung hierzu - die Sozialisation in der Erlebnisgesellschaft als neueste Tendenz berücksichtigt. Unter der Kapitelüberschrift "Sozialisation des 'Selbst'" finden sich Ansätze zur Selbstsozialisation des Individuums wie sie insbesondere in der Erziehungswissenschaft eine Rolle spielen.
Als Themen, mit denen sich die Sozialisationsforschung beschäftigt, hat Zimmermann die Sozialisation in den Institutionen Familie und Schule, die Sozialisation in der Phase des Jugendalters und die Bedeutung des Geschlechtes für die Sozialisation ausgewählt. Alle vier Themen beleuchtet er aus der Perspektive verschiedener Sozialisationstheorien und diskutiert zum Teil deren Ergebnisse kritisch.
Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel zur Sozialisation im 21. Jahrhundert, in dem Zimmermann einen teilweise spekulativen Ausblick auf künftige Veränderungen der Sozialisation in unserer Gesellschaft gibt.
Tauglichkeit für potenzielle LeserInnen
Das Buch richtet sich an StudentInnen und SchülerInnen, die sich mit dem Thema Sozialisation beschäftigen. Es gibt einen guten Einblick in die Thematik, liefert übersichtliche Definitionen der notwendigen Fachterminologie und ist mit vielen handfesten, allgemeinverständlichen Beispielen gewürzt. Trotzdem wird es für EinsteigerInnen nicht durchgängig leicht zu lesen sein, was aber angesichts des nicht immer leicht verdaulichen Themas unvermeidlich ist. Einen Blick über den Tellerrand unserer kulturellen Hemisphäre gibt es nicht.
Die Auswahl der Forschungsgebiete macht das Buch insbesondere für StudentInnen der Pädagogik und Erziehungswissenschaft interessant. Als Lehrbuch für die Schule ist es sicher sehr anspruchsvoll - aber warum nicht? Gedacht ist es auch als Handbuch und kann gute Dienste leisten, wenn man sich über einzelne Theoriestränge der Sozialisationsforschung informieren will. Ihre Besonderheiten und Unterschiede werden gut auf den Punkt gebracht.
Erfreulich sind insbesondere die Berücksichtigung vieler neuerer Forschungsergebnisse und der Versuch, auch neuere Theorielinien einzuordnen. Ich habe das Buch gerne gelesen, mich an den übersichtlichen Textkästchen und Grafiken erfreut und mich keinen Moment gelangweilt.
Fazit
Ein gut zu lesendes Buch, das beim Einstieg ins Thema Sozialisation gute Dienste leisten kann.
Rezension von
Dr. Anke Meyer
Lehrerin am Berufskolleg,
Fachleiterin für Sozialpädgogik in der LehrerInnenausbildung
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