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Michael Birkenbihl: Train the Trainer

Rezensiert von Andreas Ploog, 03.01.2012

Cover Michael Birkenbihl: Train the Trainer ISBN 978-3-86880-125-5

Michael Birkenbihl: Train the Trainer. Arbeitshandbuch für Ausbilder und Dozenten. Verlag Moderne Industrie (Lansberg/Lech) 2011. 20., aktualisierte Auflage. 448 Seiten. ISBN 978-3-86880-125-5. D: 49,95 EUR, A: 51,40 EUR, CH: 70,90 sFr.
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Thema

Das Themenspektrum des vorliegenden Bandes erstreckt sich über erfolgreiche Seminarplanung und Durchführung und der Kommunikation im Seminar. Es ist angereichert mit zahlreichen Rollenspielen und Fallstudien. Dabei behandelt der Autor alle relevanten Fachbereiche: Psychologie, Pädagogik und die praktische Erwachsenenbildung. Die erste Auflage erschien bereits 1972, nunmehr liegt es in der zwanzigsten Auflage vor.

Autor

Michael Birkenbihl beschäftigte sich nach seinem Studium zunächst mit Marktforschung und Werbung und sammelte umfangreiche Erfahrungen im Außendienst, bevor er sein Werk „Train the Trainer“, das bis heute ein Standardwerk der Trainingsliteratur ist, verfasste. Er ist einer der großen in der deutschen Trainingsszene. Nach seinem Tode betreute seine Tochter Vera F. Birkenbihl die folgenden Auflagen.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist entstanden aus der Trainingspraxis und profitiert von der profunden Erfahrung des Autors Michael Birkenbihl. Es war zunächst 1972 als ein kleines „Brevier“ für Schulungsleiter, Dozenten oder Seminarleiter erschienen und hat sich mittlerweile zu einem der Standardwerke deutschsprachiger Trainingsliteratur mit gut 450 Seiten entwickelt.

Aufbau und Inalt

Das Buch gliedert sich grob in drei Teile mit mehreren Kapiteln. Am Ende eines jeden Kapitels findet sich eine Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte. Zahlreiche Abbildungen, Zeichnungen und Bilder erleichtern das Nachvollziehen der oft anspruchsvollen theoretischen Inhalte.

Im ersten Teil, der rund 160 Seiten stark ist beschäftigt sich der Autor mit psychologischen und pädagogischen Grundlagen. Da geht es zunächst um das menschliche Verhalten, wie man es beeinflussen kann und wie es sich in Gruppen ändert. Im nächsten Abschnitt widmet sich Birkenbihl dem zentralen Thema Kommunikation. Er greift dazu im Wesentlichen auf die Erkenntnisse von Watzlawik, Galton und Rosenthal zurück. Die fünf pragmatischen Axiome Watzlawiks werden verständlich und nachvollziehbar erläutert. Danach folgt sehr anschaulich die Darstellung von “Francis Galtons famous walk“. Kurz dargestellt geht es um einen Spaziergang des Francis Galtons, eines Vetters von Darwin, Begründer der Erblehre und „Erfinder“ der Fingerabdruckmethode“. Galton marschierte unter dem Gedanken „Ich bin der bestgehasste Mensch Englands“ durch London und musste feststellen: Die Menschen begegneten ihm mit Anfeindungen und sogar Tiere zeigten Abscheu vor ihm. Wir finden hier quasi einen Vorläufer der “self-fulfilling-prophecy“ wie Merton sie nachgewiesen hat. Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit Lerntheorien und der Psychologie des Lehrens und Lernens. Hier greift der Autor im Wesentlichen auf Vester, Thorndike und Skinner sowie Maddox zurück. Im zweiten Teil dieses Abschnitts, der Lernzielbestimmung, erläutert der Autor sehr anschaulich und nachvollziehbar die Lernzieltaxonomie von Bloom.

Den zweiten Teil bildet in meiner Einteilung das sechste Kapitel: „Wie man ein Seminar plant und durchführt“. Hier gibt es keinen neuen Theorieinput, sondern es folgt eine Umsetzung der bisherigen theoretischen Inhalte in ein fiktives praktisches Trainingsprojekt. Birkenbihl veranschaulicht hier in unnachahmlicher Art und Weise, dass der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt der Planung stehen sollten. Wichtiger als alles andere sind zunächst die Lernziele. „Wer ein Seminar plant, ohne sich über die zu erreichenden Lernziele exakt im klaren zu sein, wird scheitern“ (S. 213) Vorrangiges Ziel der Seminarleitung sollte eine „harmonische Atmosphäre auf der Beziehungsebene sein.“ Wenn dies zu Beginn nicht gelingt, ist das Training zum Scheitern verurteilt.

Der dritte Teil ist ein reiner Praxisteil mit „Rollenspielen und Fallstudien“ und dem Extrakapitel „Das Leminskate-Training“. Lemniskate, das „wollende Band“ wurde Ende der 1980er Jahre von Michael Birkenbihl als erweitertes Spektrum für erfahrene Praktiker entwickelt. Train the Trainer ist nunmehr das Werk für Trainingsanfänger, „Lemniskate-Training“ ein Angebot an erfahrene Trainerinnen und Trainer. Es folgt ein kleiner Ausflug in die Esoterik und Mystik. Am Ende der Zusammenfassung dieses Kapitels zeigt der Autor noch zahlreiche „Beispiele zur Visualisierung einzelner Unterrichtsthemen“ aus seinem reichen Fundus.

Am Schluss des Buches finden sich selbstverständlich die Lösungen zu den einzelnen Aufgaben, eine Übersicht der Rollenspiele, Soziodramen und Fallstudien sowie ein recht umfangreiches Register, das eine gezielte Suche nach Fachbegriffen und somit ein schnelles Nachlesen wichtiger Aspekte ermöglicht.

Diskussion

Der Leser hält ein Standardwerk der deutschsprachigen Trainingsliteratur in Händen. Er bekommt einen guten Einblick in den Traineralltag und darüber hinaus alles Wissenswerte um selbst als Dozent, Trainer oder Seminarleiter erfolgreiche Schulungen durchzuführen. Das Buch überzeugt durch seine packende und interessante Sprache. Der Autor mischt trockene, theoretische Inhalte mit Plaudereien aus dem Nähkästchen im selbst erlebten Arbeitsalltag als freiberuflicher Dozent. Diese sind nicht immer sachlich oft aber erheiternd. Das macht das Buch trotz des Umfangs lesenswert. Dabei ist das, was Birkenbihl schreibt, nicht immer unbedingt neu, aber in klarer verständlicher Sprache geschrieben.

Schließlich erscheint das Buch nunmehr in der zwanzigsten Auflage, was einen gewissen Erfolg erkennen lässt. Es deutet jedoch auch daraufhin, dass es schon etwas länger auf dem Markt ist: seit Beginn der 1970er Jahre. Deutlich wird dies etwa an Beispielen, die „vor der Ölkrise“ passierten (S. 34), Übungen mit etwas antiquiert wirkenden Vorlagen oder Fallbeispielen mit klassischen Problemen der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Mit etwas Anpassung lassen sich diese Rollenspiele, Übungen und Fallstudien auch heute noch einsetzen. Das trägt zur Erheiterung bei. Leider ist jedoch auch der Theorieteil nicht aktualisiert, so dass neuere lernpsychologische Erkenntnisse oder der Bereich des virtuellen Lernens ausgeklammert bleiben.

Fazit

Insgesamt ein sehr empfehlenswertes, weil lesenswertes Trainerhandbuch, das seinen festen Platz in jeder guten Trainerbibliothek verdient. Auch erfahrene Trainer finden in diesem Buch noch wertvolle Impulse.

Rezension von
Andreas Ploog
Politikwissenschaftler, M.A.
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Es gibt 29 Rezensionen von Andreas Ploog.

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Zitiervorschlag
Andreas Ploog. Rezension vom 03.01.2012 zu: Michael Birkenbihl: Train the Trainer. Arbeitshandbuch für Ausbilder und Dozenten. Verlag Moderne Industrie (Lansberg/Lech) 2011. 20., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-86880-125-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11253.php, Datum des Zugriffs 17.08.2022.


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