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Reinhold Hedtke: Konzepte ökonomischer Bildung

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 27.04.2011

Cover Reinhold Hedtke: Konzepte ökonomischer Bildung ISBN 978-3-89974-658-7

Reinhold Hedtke: Konzepte ökonomischer Bildung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2010. 80 Seiten. ISBN 978-3-89974-658-7. 12,80 EUR.
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Thema

Nur wer die Grundstrukturen der Wirtschaft versteht, kennt die Grammatik der Gesellschaft,

diese Tautologie ist An- und Herausforderung an die Kompetenz, das menschliche Dasein zu gestalten, so diejenigen, die in der Lehre von der Wirtschaft einen allgemeinbildenden Duktus sehen. Die Kontroversen ergeben sich freilich dadurch, dass ökonomisches Denken und Handeln der Menschen entweder als unveränderliche Grundlage für die Daseinsvorsorge, oder als Konfrontation für Veränderbarkeit und Wandlungsfähigkeit verstanden wird. So ist es nicht verwunderlich, dass, angesichts der ökonomischen Krisen, wie sie durch kapitalistischen Konsumtismus, durch Durchfluss-Wachstumsdenken, Gier und Ausbeutung entstehen, eine „ökonomische Alphabetisierung“ gefordert wird (Elmar Altvater, Der große Krach oder die Jahrhundertkrise von Wirtschaft und Finanzen, von Politik und Natur, Münster 2010, in: socialnet Rezensionen, www.socialnet.de/rezensionen/10533). Wo, wenn nicht spätestens in der Schule müsste man damit anfangen!

Entstehungshintergrund und Autor

Die (allgemeinbildende) Schule als Ort der ökonomischen Bildung, ist, so scheint es, längst Selbstverständlichkeit, und zwar sowohl im fächerbezogenen Unterricht, etwa in Wirtschaftslehre, Politik, Gesellschaft, als auch fächerübergreifend und projektorientiert. Dennoch, das zeigen die Untersuchungen, Befragungen und Mentalitätserkundungen allenthalben: Kritisches, ökonomisches Denken und Handeln lässt (allzu) viel zu wünschen übrig. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass im Alltag das Umgehen mit Geld und Konsumangeboten als scheinbar „kinderleicht“ angesehen wird, sondern auch, dass die ständig wachsende Ökonomisierung der Lebenswelten eine Vielzahl von Konzepten, Versprechungen und Verlockungen bereit hält, die für den Konsumenten immer unübersichtlicher und unüberschaubarer werden – übrigens auch für Lehrkräfte. Das ist Anlass für den Didaktiker der Sozialwissenschaften und Wirtschaftssoziologie an der Universität Bielefeld, Reinhold Hedtke, typische Konzepte für ökonomische Bildung in dem Handbändchen vorzustellen, gewissermaßen als Taschenbuch für Lehrerinnen und Lehrer, Studierende und Studienseminare (vgl. dazu auch: Reinhold Hedtke: Ökonomische Denkweisen, Wochenschau Verlag, Schwalbach 2008, www.socialnet.de/rezensionen/7485.php).

Aufbau und Inhalt

Hedtke gliedert das Büchlein, neben der Einführung und dem Ausblick, in sechs Kapitel.

Mit „Vorstellungen von ökonomischer Bildung“ wird die Ökonomik als vieldeutiger Begriff thematisiert und in einer Kategorisierung die inhaltliche Strukturierung ökonomischer Bildung vorgenommen. Im weiteren Teil weist der Autor die didaktischen Prinzipien einer wirtschaftswissenschaftlichen Bildung aus und katalogisiert ausgewählte Stoffkategorien aus der Volkswirtschaftslehre. Mit dem Denkmuster der „paradigmatischen Bildung“ kündigt der Autor die paradigmatische Wende in der Wirtschaftsdidaktik an, indem er „Lernen als Aneignung einer universalen Perspektive“ verdeutlicht, gleichzeitig aber auf multiparadigmatisches, praktisches Handeln verweist. Das führt zur Betrachtung der „Wirklichkeiten der Wirtschaft und des Lebens“, indem die Verknüpfung von Alltagswissen und Wissenschaftswissen unverzichtbar wird und zur Situationsbewältigung eine „lebenssituationsorientierte Bildung“ notwendig macht. Das Konzept der sozialwissenschaftlichen Bildung „bezieht ökonomische Bildung systematisch auf politische und gesellschaftliche Bildung und umgekehrt“ und erweitert dadurch den Möglichkeitsraum ökonomischer Bildung. Es sind insbesondere die sozialwissenschaftlichen Kompetenzen, die das didaktische Handeln bestimmen.

Fazit

Reinhold Hedtke bietet mit seinem didaktischen Überblick über die gängigen paradigmatischen und situationsorientierten Konzepte ökonomischer Bildung hilfreiche Anhaltspunkte für konkretes Lernen. Die einzelnen Konzepte werden jeweils mit einem „didaktischen Kompass“ versehen, der das didaktische Handeln steuert und mit den entsprechenden Literaturempfehlungen ergänzt. Der abschließende Blick auf mögliche Zukunftskonzepte, die insbesondere die zukünftige Wirtschaftsdidaktik bestimmen sollten, wie die Einbeziehung von Perspektiven auf Nachhaltigkeit, Solidarität, Teilhabe und Gerechtigkeit, deutet zumindest, wenn auch zaghaft an, dass beim ökonomischen Lernen der Kapitalismuskritik eine stärkere Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. So vermisst der Rezensent weitgehend die Literatur, die diesem Gesichtspunkt Rechnung trägt, wie z. B.: Dirk Lange / Sebastian Fischer, Hrsg., Politik und Wirtschaft im Bürgerbewusstsein, Schwalbach 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11226.php; John Holloway, Kapitalismus aufbrechen, Münster 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10534.php; Bernhard H. F. Taureck, Gleichheit für Fortgeschrittene. Jenseits von „Gier“ und „Neid“, München 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10159.php; Joseph Vogl, Das Gespenst des Kapitals, Zürich 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10929.php.

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Es gibt 1554 Rezensionen von Jos Schnurer.

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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 27.04.2011 zu: Reinhold Hedtke: Konzepte ökonomischer Bildung. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2010. ISBN 978-3-89974-658-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11329.php, Datum des Zugriffs 15.08.2022.


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