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Karl E. Dambach: Wenn Schüler im Internet mobben

Rezensiert von Prof. Dr. Erich Hollenstein, 06.07.2011

Cover Karl E. Dambach: Wenn Schüler im Internet mobben ISBN 978-3-497-02209-0

Karl E. Dambach: Wenn Schüler im Internet mobben. Präventions- und Interventionsstrategien gegen Cyber-Bullying. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2011. 119 Seiten. ISBN 978-3-497-02209-0. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 23,50 sFr.

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Entstehungshintergrund und Aufbau

Der vorgelegte pädagogische Ratgeber basiert vornehmlich auf den beruflichen Erfahrungen des Berufschullehrers und Fachleiters am Studienseminar Karl Dambach. Dass der schmale Band in der dritten überarbeiteten Auflage erscheint ist ein Beleg, dass authentische und pädagogisch reflektierte Erfahrung ein entsprechendes Publikum findet. In diesem Fall sind es wohl angehende Lehrerinnen und Lehrer. Die Gestaltung des Textes hebt diese Praxisorientierung hervor, indem Fallbeispiele und Situationsbezüge graublau unterlegt sind.

Insgesamt gliedert sich der Text in fünf Abschnitte, die im Folgenden skizziert werden.

Inhalt

Im ersten Abschnitt „Grundlagen“ wird der Begriff Mobbing definiert und dargestellt, wie Mobbing in der Gruppe der Schülerinnen und Schüler, also der Gleichaltrigengruppe, eingebettet sein kann. Auch die Bedeutung der Familie des betroffenen Kindes wird thematisiert, z.B. im Zusammenhang mit dem Auffangen des Kindes als Mobbingopfer. Im Vordergrund stehen Rollenprobleme bezüglich der Gruppe: der Außenseiter, der Angeber, der Depp, der Dicke. Dies sind Rollenzuweisungen und Etikettierungen, die teilweise weit über die Schulzeit hinaus wirken können.

Der zweite Abschnitt „Typische Verhaltensmuster von Außenseitern“ erörtert die Psychodynamik der Rollenzuweisungen innerhalb der Gruppe bzw. der Schulklasse. Dramatisch ist häufig die belastende Verstrickung in Opferrollen. Der Autor berichtet z.B. von einem Schüler, der in den Pausen Schutz in der Toilette suchte. Einem solchen Fluchtverhalten, wie auch dem Mobbing generell, liegt ein andauernder Schikanierungs- und Entwürdigungsprozess seitens der Mitschülerinnen und Mitschüler zugrunde.

Der nachfolgende Abschnitt „In der Falle“ beginnt mit dem Hinweis auf eine sich über die Zeit verstärkende Zirkulation (Teufelskreis) in den Mobbingtäter und Mobbingopfer hineingeraten. Impulsgeber für eine solche Gruppendynamik sind häufig nur schwer korrigierbare Vorurteile, die sich auf das Opfer beziehen und z.B. seine Außenseiterrolle kontinuierlich verstärken. Für schwer durchschaubare Mobbingverläufe in einer Schulklasse erläutert Dambach eingehend vier Diagnosemöglichkeiten: Beobachtung, erkundendes Gespräch, Fragebogen und Soziogramm. Dringend wird darauf verwiesen, dass die Lehrkraft verpflichtet ist hinzuschauen und ggf. zu intervenieren.: Ein Appell gegen die verbreitete Kultur des Wegschauens!

Die beiden letzten Abschnitte befassen sich mit den Handlungsmöglichkeiten der Eltern und der Lehrkräfte. Eltern wird u.a. das einfühlsame und auch aufklärende Gespräch mit ihrem Kind aber auch mit der Lehrkraft, ggf. auch mit anderen Eltern, empfohlen. Die Anfertigung eines Protokolls des gesamten, mitunter langandauernden, Prozesses wird nahegelegt. Für Lehrkräfte werden drei Verfahren detailliert beschrieben:

  • Gespräch mit dem Mobbingopfer (Voraussetzung: Vertrauen des Schülers)
  • Außenseiter integrieren, verdeckte Intervention (z.B. gemeinsame Aktionen, Aufwertung)
  • Verbesserung des Sozialverhaltens der Klasse (z.B. strukturiertes Gespräch, Aufsatz)

Der letzte Abschnitt schließt mit einer Erörterung möglicher Mobbingpräventionen, z.B. der Sensibilisierung von Selbst – und Fremdwahrnehmung.

Diskussion

Der sehr praxisorientierte Leser der Schrift wird den Ratgeber zum Thema Mobbing in der Schulklasse als nützlich empfinden. Leser mit einem theoriebezogenen undwissenschaftlichen Reflexionsanspruch gehen weitgehend leer aus. Letzteres wird allerdings dem Betrachtungsgegenstand Mobbing nicht gerecht. Es gibt in dem Band keinen Grundriss zur allgemeinen Fachdiskussion, keine Hinweise auf Forschungsergebnisse, keine Zahlen zur Verbreitung des Phänomens, keine Klassifizierung nach Schultypen, keinen Hinweis auf die internationale und dort durchaus erfolgreiche Präventionsszene. Für die Ausbildung und Weiterbildung von Lehrkräften erfüllt die vorgelegte Schrift die Aufgabe eines praxisorientierten Einstiegs oder einer erfahrungsbezogenen Ergänzung bezüglich des wichtigen Themas Mobbing in der Schule.

Fazit

Der schmale Band stellt eine sehr enge praxisbezogene Annäherung an das Thema Mobbing in der Schulklasse dar. Angesprochen werden insbesondere sich im Berufseinstieg befindliche Lehrerinnen und Lehrer, die auch entsprechende Hinweise auf Fallbeispiele und pädagogische Interventionsmöglichkeiten bekommen.

Rezension von
Prof. Dr. Erich Hollenstein
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Zitiervorschlag
Erich Hollenstein. Rezension vom 06.07.2011 zu: Karl E. Dambach: Wenn Schüler im Internet mobben. Präventions- und Interventionsstrategien gegen Cyber-Bullying. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2011. ISBN 978-3-497-02209-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11333.php, Datum des Zugriffs 14.07.2024.


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