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Rotraut Walden, Simone Kosica (Hrsg.): Architekturpsychologie für Kindertagesstätten

Cover Rotraut Walden, Simone Kosica (Hrsg.): Architekturpsychologie für Kindertagesstätten. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2011. 238 Seiten. ISBN 978-3-89967-643-3. 30,00 EUR.
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Thema

Das Buch befasst sich mit den Einflüssen der physischen Umwelt von Kindertagesstätten auf die kindliche Entwicklung.

Autorinnen

PD Dr. Rotraut Walden ist Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Universität Koblenz-Landau. Ihr Spezialgebiet ist die Erforschung der Beziehungen zwischen Mensch und gebauter Umwelt darunter insbesondere Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulen, Bürogebäude und Krankenhäuser.

Simone Kosica ist Grundschullehrerin. Seit mehreren Jahren befasst sie sich mit Fragen der architektonischen Gestaltung von Kindertagesstätten.

Entstehungshintergrund und Aufbau

Die Autorinnen nennen zwei Gründe, warum man sich künftig eingehender mit der Architektur von Kindertagesstätten befassen sollte. Ein Grund ist, dass die physische Umwelt neben der sozialen und gesellschaftlichen Umwelt als wichtiger Einflussfaktor des Erlebens und Verhaltens gelten kann, ein weiterer Grund ist, dass heute der größte Teil der Vorschulkinder eine Kindertagesstätte besucht. Insbesondere der Anteil der in Kindertagesstätten betreuten Kinder unter drei Jahren hat in den letzten Jahren zugenommen. Ein Kapitel ist deshalb speziell den Räumen für Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 3 Jahren gewidmet.

Die Thematik der Kindertagesstätten-Architektur wird in fünf Teilen abgehandelt.

Im einleitenden Teil I werden die Gestaltung von Kindertagesstätten und die pädagogische Verantwortung in einen Zusammenhang gebracht, im Teil II „Grundlagen“ wird das theoretische Fundament gelegt; der Mensch wird in Beziehung zu der ihn umgebenden physischen Umwelt gesetzt. Stärker Praxis bezogen ist dann Teil III „Die Kindertagesstätte und ihre Nutzer“. Noch stärker auf die Belange der Praxis ausgerichtet ist Teil IV „Gestaltung der Kinderräume“. Teil V enthält einige „Abschließende Bemerkungen“. Im Anhang werden exemplarisch sechs Kindertagesstätten vorgestellt.

Inhalte

Die pädagogische Verantwortung, von der die Autorinnen ausgehen, wird als Pflicht definiert, Hilfestellung bei der Entwicklung von Kindern zu leisten. Hilfreich ist in diesem Sinne auch eine optimale Gestaltung der Orte von Kindern.

Teil II, der Grundlagenteil, beginnt dementsprechend mit einem allgemeinen Abriss der Architekturpsychologie, demjenigen Teilbereich der Umweltpsychologie, der sich mit gebauten Umwelten und deren Gestaltung befasst.

In den vier Kapiteln in Teil III „Die Kindertagesstätte und ihre Nutzer“ werden verschiedene Themen angesprochen. Im Kapitel „Bauen für Kinder“ wird der Begriff der Kindertagesstätte erläutert, es werden Zielsetzungen, Raumprogramm und bauliche Richtlinien geschildert. Im Kapitel „Pädagogik der Kindertagesstätte“ werden die wichtigsten pädagogischen Konzepte vorgestellt. Besondere Bedeutung messen die Autorinnen dem Konzept Fröbels bei, der das Spiel als zentrale entwicklungsrelevante Tätigkeit von Kindern angesehen hat. Fröbel hat im 19. Jahrhundert den Kindergarten als eine Stätte der außerfamiliären Kinderbetreuung geschaffen. Rund 100 Jahre jünger ist das Konzept der Reggio-Pädagogik, dessen Name von der italienischen Stadt Reggio in der Emilia herrührt, in der 1945 der erste Volkskindergarten eingerichtet wurde. Zum Konzept gehört, dass die Einrichtungen einsehbar zu gestalten und in den Stadtteil einzubinden sind. In den anschließenden beiden Kapiteln geht es dann um die Nutzer, nämlich die Kinder. Thematisiert werden deren soziale, emotionale, kognitive und motorische Entwicklung sowie die elementaren Bedürfnisse von Kindern nach Geborgenheit, Kontakt, Privatheit, Eigenständigkeit, Selbstentfaltung und Umweltaneignung.

Im umfangreichen Teil IV wird detailliert und ausführlich auf die Merkmale der Einrichtungen wie Raumgröße, Belichtung, Farbe, Lärm, Klima, Möblierung und Dekoration usw. eingegangen und zwar zunächst allgemein, dann speziell bezogen auf Einrichtungen für Kinder unter 3 Jahren. Im letzten Kapitel von Teil IV werden die Außenanlagen unter die Lupe genommen. Eine zusammenfassende Tabelle in Form einer Matrix, gebildet aus den Dimensionen Kriterien (Funktionalität, Ästhetik usw.) und Räumlichkeiten (Eingangsbereich, Gruppenraum usw.), schließt als Fazit Teil IV ab.

Teil V liefert ein sehr knappes Resümee. Umfangreicher ist demgegenüber der Anhang, der immerhin ein Viertel des Buches ausmacht.

Im Anhang zu finden sind zahlreiche bunte Fotos von sechs Kindertagesstätten sowie einige empirische Daten aus einer Befragung der Kinder aus einer Einrichtung.

Diskussion

Im Grundlagenteil wird die Bedeutung des Raums für den Menschen allgemein, unabhängig vom Lebensalter, behandelt. Der Leser muss erst bis zum Kapitel 6 vordringen, bevor die ihn vor allem interessierende Altersgruppe, die Kinder zwischen 6 Monaten und 6 Jahren, in Erscheinung tritt. Damit werden auch die Beziehungen zwischen Kind und Raum erst relativ weit hinten im Buch dargestellt. Dem Leser sei deshalb empfohlen, die Kapitel 6 und 7 vorzuziehen und erst danach mit der Lektüre von Teil III zu beginnen.

In dem Buch wird kaum und nicht explizit über empirische Untersuchungen und Forschungsergebnisse berichtet. Es ist vor allem ein Ratgeber-Buch, in welches das vorliegende pädagogische und psychologische Fach- und Erfahrungswissen eingeflossen ist. Man findet darin vielerlei Anregungen und Vorschläge, wie auch im Bereich der Gestaltung von Kindertagesstätten der pädagogischen Verantwortung Rechnung getragen werden kann. Im ausführlichen, in erster Linie an die Praktiker adressierten Teil IV werden detaillierte Empfehlungen formuliert. Nützlich ist die Checkliste in Form einer tabellarischen Zusammenstellung am Ende des vierten Teils, in der konkrete Qualitätsstandards beschrieben werden.

Teil V hätte etwas mehr Ausführlichkeit gut getan. Der Leser wird jedoch gewissermaßen durch die über mehrere Seiten reichende Tabelle am Schluss von Teil IV entschädigt, die auch gut in den abschließenden Teil V gepasst hätte. Warum die Literatur-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnisse Teil V zugeordnet wurden, leuchtet allerdings nicht ein.

Die Fotos im Anhang liefern anschauliche Bilder von sechs ästhetisch ansprechenden Einrichtungen. Zu jedem Fallbeispiel werden einige Grunddaten wie z. B. Zahl der Betreuungsplätze, Zahl der Mitarbeiter, Grundfläche und Kosten mitgeteilt. Es fehlt indessen eine Erläuterung, warum diese sechs Beispiele ausgewählt wurden und was sie jeweils demonstrieren sollen. Es bleibt so leider unklar, welches Beispiel jeweils als geeignetes Vorbild dienen kann, wenn ein konkretes Bauvorhaben ansteht.

Fazit

Das Buch ist für alle, die mit der Betreuung von Klein- und Vorschulkindern in Kindertagesstätten zu tun haben, ein nützliches Kompendium. Es macht konkrete Aussagen, wie die Qualität von Kindertagesstätten verbessert bzw. gewährleistet werden kann. Das Buch sei deshalb als Rat- und Impulsgeber allen empfohlen, die mit Fragen der Gestaltung von Kindertagesstätten befasst sind. Dazu gehören Architekten, Bauherrn, Bauämter, Kinder- und Jugendämter, Erzieher und Eltern.


Rezensentin
Dr. Antje Flade
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Zitiervorschlag
Antje Flade. Rezension vom 31.05.2011 zu: Rotraut Walden, Simone Kosica (Hrsg.): Architekturpsychologie für Kindertagesstätten. Pabst Science Publishers (Lengerich) 2011. ISBN 978-3-89967-643-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11348.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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