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Gerhard Frank, Bärbel Eckers: Erfolgreiche Bewegungsförderung für Kinder

Cover Gerhard Frank, Bärbel Eckers: Erfolgreiche Bewegungsförderung für Kinder. Eine Übungssammlung mit Alltagsmaterialien und Kleingeräten. Limpert Verlag GmbH (Wiebelsheim) 2011. 5., korrigierte und erweiterte Auflage. 119 Seiten. ISBN 978-3-7853-1831-7. 16,95 EUR.

Reihe: Praxisbücher Sport.
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Autorin und Autor

„Gerhard Frank ist Schulsportlehrer und Referent in der Lehrerfortbildung und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für Soziale Arbeit und Gesundheit in Kiel. Bärbel Eckers ist Grundschullehrerin und Referentin in der Lehrerausbildung für Sport, Deutsch und Theaterpädagogik“. (Klappentext)

Entstehungshintergrund

Die Autoren beschreiben in den Vorworten ihre Intention wie folgt: „Sport unter einfachen Bedingungen transparent zu machen, ist eine Intention dieser Arbeitshilfen. Die Übungsbeispiele (…) verdeutlichen Inhalte einer optimalen praktischen Arbeit im Elementarbereich, aber auch im Sportförderunterricht der Grundschule. Dabei wollen wir Möglichkeiten aufzeigen, wie neben motorischen auch soziale, emotionale und kognitive Zielsetzungen verwirklicht werden können“ (S. 6). „In unserer Sportpraxis mit Kindern begegnen uns immer mehr Mädchen und Jungen mit sensorischen Integrationsstörungen. (…) Durch eine praxisnahe Umsetzung von Bewegungsaufgaben mit Alltagsmaterialen und Kleingeräten können wir viele Wahrnehmungskanäle aktivieren und besonders ängstlichen und ungeschickten Kindern positive Lernerfahrungen vermitteln“ (S. 6).

Aufbau

Das Buch gliedert sich in eine kurze theoretische Hinführung (6 Seiten), den Hauptteil des Buches, unterteilt in die Vorstellung von `Spiel- und Übungsformen unter einfachen Verhältnissen mit alternativen Materialien´ (43 Seiten) und die Darstellung von `Spiel und Übungsformen mit Kleingeräten´ (66 Seiten), sowie einen Katalog zu `Minisportspiele mit Alltagsmaterialien und Kleingeräten an 10 Stationen´ (11 Seiten) und abschließend einer kurzen Literaturliste.

Inhalt

Mit dem deutlichen Schwerpunkt auf der Darstellung der verschiedenen Spielformen lässt sich das Buch eindeutig als Praxisbuch oder Spielesammlung charakterisieren.

Das Buch ist mit vielen Bildern, Zeichnungen und Skizzen zu den unterschiedlichen Spielen bunt gestaltet. Es sind Anfangs- und Abschlusslieder, die im Kontext von Sportspielen genutzt werden können, wie auch eine Urkundenvorlage zur Teilnahme an den Minisportspielen integriert.

In der theoretischen Hinführung zur Praxis wird unter der Überschrift `praxisnahe Handeln im Sportunterricht´ dessen Inhalten, Zielen, methodische Überlegungen, sowie die Planung von Unterrichtseinheiten thematisiert. Zusätzlich beschreiben die Autoren das motorische Erscheinungsbild von Kindern im Vor- und Grundschulalter und geben knappe Hinweise zur Unfallverhütung, Aufsichtspflicht und zu Sicherheitsmaßnamen.

Der Praxisteil ist nach der Verwendung von Material gegliedert. So finden sich im Kapitel `Spiel- und Übungsformen unter einfachen Verhältnissen mit alternativen Materialien´ vielfältige Spielideen mit Luftballon, Zeitungspapier, Plastikbechern und Tennisbällen, Teppichfliesen, Tuch, Bierdeckeln, Pappkartons, Haushaltsrollen und Keksdosen. Der zweite Praxisteil zu `Spiel- und Übungsformen mit Kleingeräten´ stellt Spielideen mit Sprungseil, Tau, Zauberschnur, Reifen, Medizinball, Japan-Papierball, Bohnensäckchen, Heulschlauch, Fallschirm und Schwungtuch, Rollbrett, Tennisring, Therapiekreisel, Soft-Frisbee-Scheibe, Schweifball, Markierungshütchen, Gymnastikstab und Luftmatz vor.

Die verschiedenen Spiel- und Bewegungsformen werden von Material zu Material unterschiedlich Überschriften zugeordnet. So sind beispielsweise Spiele mit dem Material Zeitung in die Rubriken `Erwärmung und Auflockerung der Muskulatur´, `Haltungs- und Bewegungsschulung´ und `Kleine Spielformen´ eingeteilt, während Spiele mit dem Material Teppichfliesen unter den Überschriften `Einzel- und Paarübungen´, `Partnerformen´ und `Spiel- und Staffelformen´ vorgestellt werden.

Diskussion

Die Autoren stellen ein Praxisbuch vor, das bunt bebildert und mit der grafisch gut gestalteten Vorstellung vieler verschiedener Spiel- und Bewegungsideen mit Alltags- und Kleinmaterialien für Praktiker eine Unterstützung für die Planung von Bewegungsstunden mit der benannten Zielgruppe sein kann; das allerdings in der Hinführung zum Praxisteil und auch in der Strukturierung der Spielideen große Schwächen aufweist.

Der Hinführungsteil hat mit den verschiedenen Themen, die angesprochen werden, einen für die Kürze der zur Verfügung stehenden Seitenzahl einen hohen Anspruch, dem die Autoren inhaltlich nicht gerecht werden. Während die Angaben zu den methodischen Überlegungen, zur Planung und zum Aufbau einer Unterrichtsstunde und zu Hinweisen zur Unfallverhütung, Aufsichtspflicht und zu Sicherheitsmassnahmen auch in der Kürze sicherlich nur stichpunktartige aber hilfreiche Hinweise geben, fällt der Versuch der theoretischen Fundierung der Bewegungsförderung hinsichtlich der Inhalte und Ziele, Schlüsselqualifikationen im Sportunterricht und der Beschreibung unter der Überschrift `Motorisches Erscheinungsbild des Kindes im Vor- und Grundschulalter´ zu flach und zu allgemein aus. Ich nenne folgend meine zentralen Kritikpunkte. In der Darstellung der Inhalte und Ziele der Bewegungsförderung machen die Autoren scheinbar einen Rundumschlag nach dem Motto: Bewegung und Sport ist für die kindliche Entwicklung auf allen Ebenen wichtig und gut, ohne einer notwendigen Konkretisierung Rechnung zu tragen, die Fachleute vornehmen sollten, um die Begründung für Bewegungsförderung als wesentlichen Baustein der kindlichen Entwicklungsförderung, auch oder vielleicht gerade für Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten, auf theoretisch fundierte Beine zu stellen. Die Inhalte der frühen Bewegungserziehung werden kurz skizziert und die Schwerpunkte sportlichen Handelns, in physiologische, motorische, sensomotorische und soziale Aspekte unterteilt, und eine Übersichtsgrafik zu Schlüsselqualifikationen im Sportunterricht vorgestellt, die, wie auch der vorausgegangene Abschnitt zu den Schwerpunkten des sportlichen Handelns, hinsichtlich ihrer Logik nur unzureichend kommentiert und erläutert wird.

Die Autoren benannten in ihrem Vorwort zur 6ten Ausgabe ihre Beobachtung, in der Praxis zunehmend Kinder mit senorischen Integrationsstörungen zu begegnen. In der Darstellung des motorischen Erscheinungsbildes im Vor- und Grundschulalter greifen sie die Sensorischen Integrationsstörungen wieder auf und benennen dazu „Diese Störungen können wir in der Praxis mit einer psychomotorischen Kompetenzerweiterung neutralisieren“ (Frank & Eckers 2011, 9). Die Thematisierung der sensorischen Integrationsstörungen in diesem Praxisband birgt zwei große Stolpersteine: haben alle Kinder, die wir im Sport als überängstlich und ungeschickt erleben eine Sensorische Integrationsstörung? Und: können wir diese Störung im Sportunterricht der Grundschule bzw. im Elementarbereich mittels der vorliegenden Spielesammlung „neutralisieren“? Zumindest die letzte Aussage ist sicherlich ein Fehlschluss. Durch eine gut geplante und vielseitige Bewegungsförderung im schulischen und vorschulischen Kontext können wir die Förderung von Wahrnehmungsfunktionen unterstützen, behandeln oder „neutralisieren“ können wir sie sicherlich nicht.

Die Spielesammlung beinhaltet Bewegungs- und Spielformen mit einer Vielzahl unterschiedlichen Materials. Die Autoren bemühen sich, die einzelnen Ideen durch Überschriften oder Rubriken bereits thematischen Schwerpunkten zuzuordnen, leider gelingt ihnen das nicht durchgehend. Die jeweiligen Schwerpunkte bzw. Überschriften wechseln von Material zu Material, diese Struktur ist unübersichtlich und lässt die Kategorisierung willkürlich erscheinen. Es wäre hilfreich und wünschenswert gewesen, eine Struktur der Rubriken zu entwickeln und so die für jedes Material überlegten Spiel- und Bewegungsformen einheitlichen Schwerpunkten zuzuordnen, die im günstigsten Fall im Hinführungsteil benannten Inhalten und Zielen entsprechen.

Fazit

Ein ansprechend gestaltetes Praxisbuch, das sowohl neue als auch bekannte Spiel- und Bewegungsformen mit Alltagsmaterialien und Kleingeräten vorstellt, allerdings aufgrund der sehr flachen theoretischen Fundierung im Hinführungsteil und der fehlenden Struktur in der Spielesammlung nur bedingt zu empfehlen ist.


Rezensentin
Prof. Dr. Mone Welsche
Homepage www.kh-freiburg.de
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Zitiervorschlag
Mone Welsche. Rezension vom 24.11.2011 zu: Gerhard Frank, Bärbel Eckers: Erfolgreiche Bewegungsförderung für Kinder. Eine Übungssammlung mit Alltagsmaterialien und Kleingeräten. Limpert Verlag GmbH (Wiebelsheim) 2011. 5., korrigierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-7853-1831-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11388.php, Datum des Zugriffs 21.09.2019.


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