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Bundesinstitut für Berufsbildung, BiBB, Mathias Bonse-Rohmann u.a. (Hrsg.): Neue Bildungskonzepte für das Gesundheitswesen

Cover Bundesinstitut für Berufsbildung, BiBB, Mathias Bonse-Rohmann, Heiko Burchert (Hrsg.): Neue Bildungskonzepte für das Gesundheitswesen. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. 310 Seiten. ISBN 978-3-7639-1141-7. 31,90 EUR, CH: 52,00 sFr.

Schriftenreihe des Bundesinstituts für Berufsbildung Bonn. Berichte zur beruflichen Bildung.
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Thema

Das Thema trifft den „Nerv der Zeit“, da die Gesundheitsbranche für einen hohen Beschäftigtenanteil mit intensivem Treiber für Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum steht. Zunehmend publiziert wird, dass die Attraktivität der Gesundheitsberufe und insbesondere ihr Personalmanagement verbessert werden muss, um mehr Wertschätzung und eine Humanisierung der Arbeit in den Gesundheitsberufen zu erreichen. Hier sollte eine strukturierte Ausbildung attraktiv für junge Menschen gestaltet sein und – insbesondere im Berufsfeld Pflege - für einen langen Verbleib qualifizieren. Inwieweit geeignete Bildungskonzepte dazu beitragen können, möchten die Autoren dieses Sammelbandes aufzeigen. Er ist bildungsorientiert angelegt, konzentriert sich auf „die dynamische Entwicklung in der beruflichen Bildung“ des Gesundheitswesens und beschreibt Konzepte zur kompetenzorientierten Aus- und Weiterbildung in den Gesundheitsberufen.

Herausgeber

Die beiden Herausgeber sind Hochschullehrer (Erziehungswissenschaftler und Ökonom) und weisen bildungspolitische bzw. gesundheitsbezogene Erfahrungen auf, die sie auch an ihren Hochschulen in verschiedenen Studiengängen der Pflege und Gesundheit im weitesten Sinne vermitteln.

Aufbau und Inhalt

Der Buchaufbau gliedert sich nach einem Vorwort des Präsidenten des BIBB und je einem Beitrag der Herausgeber in insgesamt fünf Kapitel.

Der Herausgeber Bonse-Rohmann konzentriert sich zunächst auf neue Strukturen der Lehrerbildung in den Fachrichtungen Gesundheit und Pflege an Hochschulen und beschreibt Umstrukturierungen, Neuorientierungen und spezielle Herausforderungen für das Lehramt. Burchert dagegen problematisiert anhand der Situation in NRW die Auswirkungen der Akademisierung der Gesundheitsberufe auf die beruflichen Schulen, nimmt dabei verschiedene Stimmen betroffener Lehrkräfte aus ihren Einrichtungen auf und versucht Zukunftskonzepte zu erstellen.

Insgesamt werden in diesen ersten Ausführungen die Ideen der dualen Studiengänge vermisst, die eine passende Kombination aus Ausbildung und Hochschulqualifikation bieten, ohne dass dabei die Kompetenzen oder inhaltlichen Qualitäten zu kurz kommen müssen. Auch die relevante Diskussion über durchlässige und anschlussorientierte Aus-, Fort- und Weiterbildungen wird nicht aufgegriffen, obwohl sie gerade für die untersuchte Zielgruppe eine zentrale Rolle spielt.

Es folgen fünf Kapitel:

Entwicklungen gesundheitlicher Curricula (Kapitel 1) wird von drei Beiträgen gefüllt, die sich auf Konzepte der allgemeinen Gesundheitsberufe, der Altenpflege und Heilerziehungspflege, sowie auf Konzepte der Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung beschränken. Die verschiedenen Prämissen der Zielgruppen mit ihren Kompetenzprofilen, der Lehr- und Lernprozesse und auch der rechtlichen Rahmenbedingungen und berufspolitischen Bedingungen kommen hier zum Tragen.

Empirische Befunde zur beruflichen Ausbildung (Kapitel 2) stützt sich ebenfalls auf drei Beiträge, indem Berufswahlmotive, Schlüsselkompetenzen und Problemorientiertes Lernen (PBL) in der beruflichen Ausbildung anhand von speziellen Untersuchungen thematisiert und bildungspolitische und/oder didaktische Konsequenzen abgeleitet werden.

Kompetenzentwicklung und -überprüfung in der beruflichen Ausbildung (Kapitel 3): Beide hier aufgeführten Beträge (Vermittlung von Wundbehandlung und Fallorientierte Lernerfolgsüberprüfung) sollen Wege des Wissenstransfers ermöglichen und anhand von Skilltrainings oder auch fallbezogener Prüfungen konzeptionelle Anregungen in Richtung beruflicher Handlungskompetenzen geben.

Konzepte zur beruflichen Fortbildung (Kapitel 4) möchte sich mit zwei Beiträgen einerseits den Beschäftigen der Gesundheitsbranche widmen und richtet dabei den Blick auf Krankenhausmitarbeiter, die aufgrund von zunehmender psychischer Belastung und schwierigen Arbeitsbedingungen der betrieblichen Gesundheitsförderung bedürfen. Andererseits – und der Beitrag ist nicht ganz stimmig zum Titel des Kapitels – geht es um die Betreuung und Begleitung demenzkranker Menschen in einer stationären Einrichtung (Modellkonzeption). Ein durchaus relevantes Thema, das auch die personelle Ebene einbezieht, jedoch als Auszug einer Masterthesis etwas deplatziert wirkt.

Konzepte zur Familien- und Elternbildung (Kapitel 5): Die letzten beiden Beiträge sind zwar als anwendungsorientierte bildungsbezogene Themen konzipiert (Familienbegleitung onkologisch erkrankter Kinder und Elterninformation als Prävention von Onlinesucht), die allerdings aus dem Rahmen fallen und das inhaltliche Spektrum wenig passend ergänzen. Stattdessen hätte sich der Leser weitere kritische Diskussionen noch anderer Gesundheitsberufe gewünscht, die aufgrund der zunehmend problematischen Arbeitsbedingungen, aber im Sinne der Patienten, an guter Qualifikation und Versorgungsqualität interessiert sind. Hier fehlt etwas die prägnante und pointierte Analyse (auch wenn die Herausgeber im Buchrücken betonen, keineswegs den Anspruch zu haben, alle bedeutsamen Berufsgruppen erfasst zu haben).

Literaturverzeichnisse schließen jeden Beitrag ab, so dass sich am Ende des Buches ein gelungenes Stichwortverzeichnis, eine Zusammenstellung der Autoren und eine Liste weiterer BIBB-Publikationen befinden.

Zielgruppen

Die Vielfalt der gesundheits- und bildungspolitischen Entwicklungsprozesse bietet insbesondere Lehrpersonal an Ausbildungsstätten der Gesundheitsberufe Ansätze und zum Teil kritische Argumente für Diskussionen. Das heißt, dass hier zunehmend Berufspädagogen der Gesundheitsbranche, die sich mit Ausbildungskonzepten beschäftigen, als potentielle Leser angesprochen werden. Wünschenswert wären inhaltliche Ergänzungen für Hochschulmitarbeiter, die sich auch (ggf. aus didaktischer Sicht) mehr und mehr dieser Zielgruppe zuwenden.

Fazit

Der Sammelband dokumentiert überwiegend die Veränderungen an Ausbildungsstätten (weniger an Hochschulen) der Gesundheitsbranche und legt in einigen Aufsätzen dar, wie neue Wege der Lehrqualität umzusetzen sind. Dem anvisierten Beitrag zur Kompetenzentwicklung bzw. -überprüfung kann beigepflichtet, nur die wertvolle Umsetzung „neuer“ Bildungskonzeptionen, nicht durchgehend zugestimmt werden. Insgesamt betrachtet, bietet das Buch aber eine gute Basis zur Verbesserung der Ausbildungsqualität in bestimmten Gesundheitsberufen.


Rezension von
Prof. Dr. Johanne Pundt
Sozial- und Gesundheitswissenschaftlerin
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft GmbH, Dekanin Fachbereich Gesundheitsökonomie
Homepage www.apollon-hochschule.de
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Zitiervorschlag
Johanne Pundt. Rezension vom 09.01.2013 zu: Bundesinstitut für Berufsbildung, BiBB, Mathias Bonse-Rohmann, Heiko Burchert (Hrsg.): Neue Bildungskonzepte für das Gesundheitswesen. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. ISBN 978-3-7639-1141-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11425.php, Datum des Zugriffs 09.08.2020.


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