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Helmut Siller: Normatives Controlling

Cover Helmut Siller: Normatives Controlling. UTB (Stuttgart) 2011. 284 Seiten. ISBN 978-3-8252-8459-6. D: 28,90 EUR, A: 29,80 EUR, CH: 42,90 sFr.

Reihe: UTB - 8459.
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Autor

Mag. Dr. Helmut Siller, MSc, ist als Bereichsleiter Rechnungswesen und Controlling in den FHWien-Studiengängen der WKW, Hochschule für Management und Kommunikation, tätig.

Entstehungshintergrund und Thema

Bilanzfälschungsskandale, das irrationale Eingehen hoher Risiken für kurzfristige Gewinne, spekulationsbedingte Marktverzerrungen und Bankenpleiten haben in der jüngeren Vergangenheit ein negatives Bild von unternehmerischem Handeln in der Bevölkerung geprägt. Wo ist noch der ehrbare ordentliche Kaufmann anzutreffen, der eigene Interessen und die seiner vielfältigen Stakeholder in ein langfristig ausgewogenes Verhältnis bringt? Begriffe wie Moral, Ethik, Normen, Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung (Corporate Responsibility) haben an Bedeutung gewonnen, sowohl in Publikationen, in der Ausbildung als auch im realen Unternehmensgeschehen. In diesem Kontext hat Helmut Siller ein grundlegendes Werk vorgelegt, welches die Schaffung, Reflexion, Umsetzung und das Controlling von wertebasierter Unternehmensführung beleuchtet. Gemäß Siller steht das wertebasierte normative Management und Controlling konzeptionell über den operativen Prozessen und der Unternehmensstrategie. Alle drei Ebenen sollen miteinander in Einklang gebracht werden.

Aufbau und Inhalte

Im 1. Kapitel “Grundbegriffe des Normativen“ werden die Begriffe Norm, Vision, Mission, Werte, Unternehmenskultur und Leitbild definiert und von verwandten Begriffen abgegrenzt.

Das 2. Kapitel “Normative Führung und Unternehmensethik“ entwickelt ein normatives Führungs- und Managementverständnis und geht auf Lösungsansätze des Dilemmas zwischen Ökonomik und Moral ein. Hierzu werden diverse theoretische Ansätze zitiert.

Im Gegensatz dazu erfolgt im 3. Kapitel, betitelt mit “Wesentliche Spannungsfelder zwischen Ethik und Betriebswirtschaft“, ein stärker praxisbezogener Fokus auf legales nicht-ethisches bis illegales Handeln von Unternehmen und deren Ursachen. Dabei werden auch Ansätze und Strategien aufgezeigt, wie Unternehmen versuchen, ethische Integrität transparent zu machen und zu sichern (Corporate (Social) Responsibility, Corporate Governance, Corporate Citizenship, Corporate Compliance, Integritäts-Ansatz u. a.). Es schließt mit einem Plädoyer für die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit von integrer und nachhaltiger Unternehmensführung.

Der Begriff des “Normativen intellektuellen Kapitals“ (NIK) wird im 4. Kapitel entwickelt. Es basiert auf immateriellen Werten, welche sich nur sehr begrenzt im Rechnungswesen eines Unternehmens wiederfinden. Dennoch ist das NIK gemäß Siller ein wichtiger unternehmerischer Erfolgsfaktor.

Im anschließenden 5. Kapitel gelangt der Autor zu seinem Hauptbetrachtungsgegenstand: “Konzept und Aufgaben des normativen Controllings“. Nach Siller ist das normative Controlling eine über dem strategischen Controlling stehende Ebene, welche die normative Führung (Normen, Werte, Vision, Leitbild und Weiteres betreffend) durch kritische Reflexion u. a. unterstützen soll. Die Erweiterung der Führungsaufgaben um normative Aspekte mündet somit konsequenterweise zu einer analogen Erweiterung der qualitativen Controllingaufgaben. Zudem werden thematisch nahe stehende Controllingansätze anderer Autoren aufgegriffen.

Das folgende 6. Kapitel erläutert die “Instrumente im normativen Controlling“. Der Autor zählt zu diesen eine Reihe von „Checks“ (Normen-Check, Moral-Check u.a.), normative Bilanz, normativer Plan, normative Kennzahlen, normativer Report und die Stakeholder-Analyse. Der Autor zeigt konkrete Beispiele für qualitative Fragebögen auf, welche mit ordinal skalierten Punktwerten Check-Ergebnisse operationalisieren.

Das finale 7. Kapitel widmet sich der “Umsetzung des normativen Managements und des normativen Controllings“. Hierbei wird auf die Umsetzungsinstrumente der Soll-Konzeption, des Werte- und Kulturmanagements, des Ethikkodex, des ethikorientierten strategischen Managements, der Personalpolitik und des Personalmanagements sowie der organisationalen Verankerung des normativen Managements und Controllings eingegangen. Die Publikation endet mit einer kurzen Zusammenfassung samt Ausblick.

Ein 25-seitiges Glossar, ein Literatur- und Sachverzeichnis runden das Buch ab. Als didaktische Stütze finden sich thematische Einführungen, Zusammenfassungen und Aufgaben mit Lösungsvorschlägen zu jedem einzelnen Kapitel.

Diskussion

Siller stellt das komplexe Themenfeld Unternehmenspolitik – Ethik – Management – Controlling gründlich und ausführlich dar. Zahlreiche Autoren und Ansätze werden zitiert.

Der Buchtitel „Normatives Controlling“ lässt jedoch einen größeren Schwerpunkt im Controlling erwarten, als er tatsächlich vorhanden ist: Lediglich gut zwei von sieben Hauptkapiteln widmen sich explizit dem Controlling. Wer sich mit dem Wertemanagement unternehmerischen Handelns im Allgemeinen auseinandersetzen möchte, für den ist die vorliegende Publikation gut geeignet. Nach Ansicht des Rezensenten würde ein treffenderer Titel für diese Schrift lauten: „Grundlagen der normativen Unternehmensführung“.

Siller weist dem normativen Controlling eine Aufgabe und Verantwortung zu, die noch über der des strategischen Managements liegt: das normative Controlling fungiert als ethisches Gewissen des Unternehmens und kritischer Counterpart des Managements. Ob die Beurteilung von ethischen Implikationen des Managementhandelns wirklich eine Kernkompetenz des Controllings ist (bzw. werden soll), das dem Ansatz Weber / Schäffers folgend eher die betriebswirtschaftliche Rationalitätssicherung ausübt, ist diskussionswürdig. Gegenwärtig dürfte die Kompetenz und Akzeptanz des Controllings für die Betätigung auf der normativen Ebene noch unterentwickelt sein. Der Autor hat eine Diskussionsgrundlage geschaffen und zudem viele Gedankenanstöße für den Aufbau eines normativen Controllings gegeben. Eine praktische Auseinandersetzung mit den aufgezeigten Controllingelementen zur Vermittlung einer empirisch fundierten Best Practice steht indes noch aus.

Die Thematik der Publikation ist interdisziplinär, weitgehend normativ und in ihren innovativen Teilen noch relativ wenig erforscht. Ein gewichtiger Teil der Theorie beruht auf spezifischen Definitionen und Konzepten einzelner Autoren. Dies hat naturgemäß zur Folge, dass die Auseinandersetzung mit der Thematik immer wieder auf begriffliche Überschneidungen und inhaltliche Unschärfen stößt. Die Fülle der zitierten und von Siller selbst entwickelten Ansätze ist einerseits ein Qualitätsmerkmal der Publikation, offenbart jedoch große Ermessensspielräume, was den Wunsch nach mehr inhaltlicher Stringenz hervorruft.

Positiv zu erwähnen ist das hohe kritisch-reflexive Niveau, auf dem die ethischen Grundsätze betrieblichen Handelns analysiert werden, auch bei unternehmenspolitisch sensiblen Themen.

Fazit

Helmut Siller hat ein grundlegendes Werk zur Ethik unternehmerischen Handelns verfasst, welches sich durch den großen thematischen Bogen – von philosophischen Ansätzen bis zum Management und Controlling – und die Vielfältigkeit der aufgezeigten Detailaspekte auszeichnet. Es überwiegt die theoretische Auseinandersetzung gegenüber konkreten praktischen Handlungsempfehlungen.


Rezension von
Prof. Dr. Robert Knappe
Professur für Betriebswirtschaftslehre der öffentlichen Verwaltung an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin)
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Zitiervorschlag
Robert Knappe. Rezension vom 13.12.2011 zu: Helmut Siller: Normatives Controlling. UTB (Stuttgart) 2011. ISBN 978-3-8252-8459-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11484.php, Datum des Zugriffs 30.10.2020.


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ISSN 2190-9245

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