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Heinz Witteriede: Schul Soziale Arbeit und Gesundheitsfördernde Schule

Cover Heinz Witteriede: Schul Soziale Arbeit und Gesundheitsfördernde Schule. Gesunde und erfolgreiche Lebensphase Schulzeit für alle Schüler. Praxisgestützte Analyse und Entwicklung eines integrativen Ansatzes. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2003. 224 Seiten. ISBN 978-3-89676-655-7. 18,00 EUR, CH: 31,30 sFr.
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Einführung

Mit seiner Dissertation "Schul Soziale Arbeit und Gesundheitsfördernde Schule - Gesunde und erfolgreiche Lebensphase Schulzeit für alle Schülerinnen und Schüler" rückt Heinz Witteriede das Thema Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt der Kooperation zwischen Sozialer Arbeit und Schule. Von der Zielvorstellung einer gesundheitsfördernden Schule ausgehend formuliert er konzeptionelle Ansätze und Empfehlungen für eine diesem Ziel verpflichtete Kooperation zwischen Sozialer Arbeit und Schule. Er definiert Soziale Arbeit in der Schule als Schul Soziale Arbeit, um damit zum einen die Eigenständigkeit der Sozialen Arbeit zu wahren und zum anderen die Schulbezogenheit dieser in der Schule stattfindenden Tätigkeit hervorzuheben. Als "exemplarisches Analysefeld" (S. 13) für seine Ausführungen dienen dem Autor die Erfahrungen aus der Evaluation des Projektes LJT in der Stadt Lohne.

Aufbau und Inhalte

Nachdem zunächst grundlagentheoretische Bestimmungen und Begriffsklärungen zur Schul Sozialen Arbeit und zur Gesundheitsförderung vorgenommen wurden, nimmt Witteriede Bezug auf gesundheitliche Situationen und soziale Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen im Kontext gesellschaftlicher Wandlungsprozesse. Anhand der von Maslow formulierten Grundbedürfnisse diskutiert Witteriede, inwiefern diese Grundbedürfnisse auf Nahrung, Sicherheit, Integration etc. von der Schule erfüllt werden, um darauf aufbauend erste Konsequenzen zu skizzieren. Es folgt eine Darstellung der Ziele und Aufgabenfelder von Schul Sozialer Arbeit und eine Übersicht zur Entwicklungsgeschichte des Handlungsfeldes. Anschliessend wird die Eingebundenheit von Schul Sozialer Arbeit in eine gesundheitsfördernde Schule auf der Grundlage von Komplementarität und Kompatibilität von Sozialer Arbeit und Gesundheitsförderung begründet und ausgeführt. Im Abschlusskapitel "Ergebnisse aus der Evaluation eines Projektes zur Schul Sozialen Arbeit im Sinne des Leitzieles" werden weniger Ergebnisse aus der Evaluation, sondern vorrangig Empfehlungen zur Ausgestaltung einer Kooperation zwischen Schul Sozialer Arbeit und Schule im Kontext von Gesundheitsförderung dargelegt. Durch das gesamte Buch hindurch nutzt Witteriede die Erfahrungen aus der wissenschaftlichen Begleitung des Projektes LJT um seine Ausführungen mit Praxisbeispielen zu exemplifizieren.

Diskussion

Witteriede denkt Schul Soziale Arbeit im Kontext einer gesundheitsfördernden Schule. Die Darstellungen zur Theorie und Praxis von Gesundheitsförderung sind umfangreich und gelungen. Auf der anderen Seite bindet Witteriede seine Konzeption von Schul Sozialer Arbeit nicht in aktuelle übergeordnete Diskurse innerhalb der Sozialen Arbeit ein. Dies wird z.B. an seinem Entwurf einer professionstheoretischen Einordnung von Schul Sozialer Arbeit in ein biologisch-taxonomisches Modell deutlich, welches ohne Bezug auf aktuelle Beiträge zur Professionalisierungsdebatte in der Sozialen Arbeit formuliert wird. Ähnlich verhält es sich mit den dargestellten handlungsleitenden Theorien von Sozialer Arbeit, die Witteriede durch Bezug auf das KJHG interpretiert. Aktuelle Diskussionen innerhalb der Sozialen Arbeit um Themen wie z.B. Lebensweltorientierung, Dienstleistungsorientierung, Jugendhilfe als Bildung, soziale Ungleichheit, Gender oder sozialem Raum werden zu Gunsten von ausführlichen Darstellungen zur Gesundheitsförderung nicht explizit in die Argumentationen eingebunden.

Witteriede denkt eher in die Zukunft einer gesundheitsfördernden Schule, mit der Frage, wie Schul Soziale Arbeit in diesen Kontext eingebettet werden kann. Dies verengt jedoch gleichzeitig wieder den Focus, da sich beim Lesen des Buches auch die Frage aufwerfen kann, warum Witteriede nicht für einen expliziten "schulbezogenen Gesundheitsdienst" o.ä. plädiert, sondern die Lösung in einer bestimmten Konzeption von Schul Sozialer Arbeit sucht. Eine explizitere Diskussion über die Zusammenhänge von Berufsbild, Qualifikationsanforderungen und Ausbildungsmöglichkeiten wäre hier wünschenswert gewesen. Witteriede stellt diese Zusammenhänge auch heraus, belässt es jedoch diesbezüglich bei der Perspektive, dass entsprechende Curricula entwickelt werden sollten, ohne diese näher zu konkretisieren.

Zielgruppe

Das Buch ist empfehlenswert für soziale Fachkräfte in Schulen, die in ihrer Arbeit einen Schwerpunkt auf Gesundheitsförderung legen möchten. Für solche Vorhaben bietet das Buch gute theoretische Grundlagen, die in praktische Ausgestaltungsvorschläge münden. Des weiteren eignet sich das Buch als praxisorientierte Handreichung für EntscheidungsträgerInnen im schulischen Bereich, die vor der Aufgabe der Realisierung einer gesundheitsfördernden Schule stehen. Für an Forschungsergebnissen oder neuen theoretischen Ansätzen interessierte WissenschaftlerInnen wird eher wenig Neues geboten.

Fazit

Witteriede hat den Ansatz der Gesundheitsförderung gut verständlich und ausführlich dargestellt und der notwendigen Forderung nach einer gesundheitsfördernden Schule Nachdruck verliehen. Es werden viele praktische Empfehlungen gegeben, die die Ausgestaltung einer gesundheitsfördernden Schule in Kooperation mit Sozialer Arbeit anregen.


Rezensent
Florian Baier
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Basler Institut für Sozialforschung und Sozialplanung – basis
Homepage www.schulsozialarbeit.ch


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Zitiervorschlag
Florian Baier. Rezension vom 25.05.2004 zu: Heinz Witteriede: Schul Soziale Arbeit und Gesundheitsfördernde Schule. Gesunde und erfolgreiche Lebensphase Schulzeit für alle Schüler. Praxisgestützte Analyse und Entwicklung eines integrativen Ansatzes. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2003. ISBN 978-3-89676-655-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1149.php, Datum des Zugriffs 14.12.2018.


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