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Klaus Menne, Matthias Weber (Hrsg.): Professionelle Kooperation zum Wohle des Kindes

Cover Klaus Menne, Matthias Weber (Hrsg.): Professionelle Kooperation zum Wohle des Kindes. Hinwirken auf elterliches Einvernehmen im familiengerichtlichen Verfahren (FamFG). Juventa Verlag (Weinheim) 2011. 200 Seiten. ISBN 978-3-7799-0772-5. 22,00 EUR.

Reihe: Veröffentlichungen der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung.
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Thema

Das neue Gesetz über das Verfahren in Familiensachen in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) hat eine Reihe erheblicher Veränderungen mit sich gebracht und beeinflusst auch die Kinder- und Jugendhilfe. Neben der Schaffung eines einheitlichen Rechtsmittels liegt der Fokus nun verstärkt auf der Situation und dem Erleben der betroffenen Kinder. Zum Einen sollen Verfahren, insbesondere bei Kindeswohlgefährdung beschleunigt werden, zum Anderen ist es erklärtes Ziel, ein Einvernehmen zwischen beiden beteiligten Elternteilen, immer in Hinblick auf das Wohl des Kindes, zu erreichen. Diese Veränderungen erfordern eine Neuausrichtung der Funktionen von Familiengericht, Jugendamt, Verfahrensbeistände, Beratungsstellen, Sachverständigen und Anwälte. Die Beiträge in „Professionelle Kooperation zum Wohle des Kindes“ konzentrieren sich auf die Schnittstelle zwischen Familiengericht und Jugendhilfe, setzen sich mit Perspektiven, Aufgaben und Vorgehensweisen der beteiligten Akteure, auch im Hinblick auf ihre unterschiedlichen Professionen auseinander, die als eine Verantwortungsgemeinschaft für das betroffene Kind miteinander kooperieren.

Herausgeber

Klaus Menne ist Diplom-Soziologe und Geschäftsführer sowie Vorsitzender der Kommission für Statistik der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.. Von ihm liegen zahlreiche Veröffentlichungen zu Themen der Erziehungs- und Familienberatung vor.

Matthias Weber ist Diplom-Psychologe und ehemaliger Leiter einer Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Neuwied. Außerdem arbeitete er mit Kindern, Paaren, Trennungs- und Scheidungsfamilien und entwickelte Konzepte der Kooperation im Kontext von Erziehungsberatung. Von ihm liegen ebenfalls zahlreiche Publikationen zur Erziehungs- und Familienberatung vor.

Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (BKE) fungiert als Fachverband für Erziehungs-, Familien- und Jugendberatung. 1962 gegründet, vereint die BKE u.a. die Landesarbeitsgemeinschaften für Erziehungsberatung, fördert den Erfahrungsaustausch sowie die Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte und trägt durch regelmäßige empirische Erhebungen zur Bildung der empirischen Grundlage für die fach (politischen) Debatten und Diskurse bei. Zudem wendet sie sich mit regelmäßigen Publikationen an die beteiligten Institutionen, die Fachöffentlichkeit und an interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Aufbau

Das vorliegende Werk gliedert sich in drei Teile, von denen der erste eine Einleitung der beiden Herausgeber darstellt.

In Teil zwei Die Verantwortungsgemeinschaft zum Wohle des Kindes sind folgende Beiträge enthalten:

  • Michael Grabow: Das neue kindschaftsrechtliche Verfahren. Ein kurzer Abriss.
  • Klaus Guido Ruffing, Elke Desranges: Das aktive Jugendamt. Die Aufgaben und die Rolle des Jugendamtes im neuen familiengerichtlichen Verfahren.
  • Reinhard Prenzlow: Der Verfahrensbeistand für das Kind. Das Kind im gerichtlichen Verfahren und im Beratungsprozess.
  • Hilmar Voigt: Der streitmildernde Anwalt. Zum Rollenverständnis der Anwaltschaft zwischen Parteivertreter und Streitschlichter.
  • Matthias Weber, Klaus Menne: Gerichtsnahe Beratung. Kontext und Erfordernisse.
  • Hilmar Voigt, Carolin Vogelei: Diskurs der Professionen. Professionsübergreifende Zusammenarbeit effizient gestalten.
  • Gitta Schindler: Datenschutz in familiengerichtlichen Verfahren.

Der anschließende Teil drei befasst sich mit dem Hinwirken auf elterliches Einvernehmen und enthält folgende Beiträge:

  • Anne Loschky: Die Beratung mit angeordneter Teilnahme.
  • Matthias Weber: Beratung zum Wohl des Kindes zwischen Elternarbeit und Kindertherapie.
  • Katrin Normann, Anke Loebel: Chancen und Grenzen der Mediation in der Arbeit mit Hochkonfliktfamilien.
  • Katharina Behrend: Das Gutachten als Lösungshilfe bei Sorge- und Umgangsrechtsstreitigkeiten nach Trennung.
  • Siegfried Willutzki: Die Umgangspflegschaft. Alte und neue Wege.

Abschließend erfolgen Angaben zu den Herausgebern, Autorinnen und Autoren.

Inhalt

In der Einleitung erläutern Menne und Weber zunächst die wichtigsten Eckpunkte der neuen Verfahrenregelungen des FamFG. Familiengerichtliche Verfahren sind besonders von starken Emotionen und daraus resultierenden Konflikten geprägt, was eine rechtliche Auseinandersetzung in ihrem Verlaufsprozess immer wieder neu unterfüttern kann. Es ist das Ziel des neuen Verfahrensrechts, die Eltern in ihrer Verantwortung für das Kindeswohl zu stärken und zu einer eigenen Regelung zu befähigen. Das Kind und sein Wohl stehen bewusst im Mittelpunkt und müssen im Gegensatz zur alten Regelung aktiv in das Verfahren einbezogen werden. Gem. § 158 Abs. 1 FamFG muss dem minderjährigen Kind bspw. ein geeigneter Verfahrenspfleger zur Seite gestellt werden, wenn dies zur Wahrung der kindlichen Interessen angezeigt ist. Zudem betont der §155 FamFG mit seinem Vorrangs- und Beschleunigungsgebot die Verkürzung der Fristen für zumindest vorläufige Regelungen, so soll bspw. einen Monat nach Einreichung des Antrags mit allen Beteiligten die strittige Sache in einem Termin erörtert werden und auch das Jugendamt muss innerhalb dieser Frist einen Termin mit den Beteiligten einhalten. Das neue FamFG erklärt alle beteiligten Institutionen und Personen zu einer Verantwortungsgemeinschaft für das Kind und betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Professionen. Das vorliegende Werk befasst sich in seinem ersten Teil mit eben dieser Verantwortungsgemeinschaft.

In seinem kurzen Abriss zum neuen kindschaftsrechtlichen Verfahren erläutert Grabow zunächst die früheren und neuen Ansätze sowie die wichtigsten beteiligten Akteure und Schlagwörter. Er kommt zu dem Schluss, dass es sich bei den neuen Regelungen des FamFG allenfalls um Grundstrukturen handeln kann und dass vor allem die interdisziplinäre Arbeit gestärkt werden müsse. Im Folgenden befassen sich Ruffing und Desranges mit den Aufgaben und Rollen eines aktiven Jugendamtes im neuen familiengerichtlichen Verfahren und setzen sich dabei vor allem mit der Bedeutung des FamFG für die Rolle des Jugendamtes und ihrer sozialpädagogischen Fachkräfte auseinander. Prenzlow erläutert anschließend die Rolle und Funktion des Verfahrensbeistands für das Kind im gerichtlichen Beratungsprozess. Diese vor mittlerweile mehr als elf Jahren eingeführte Rechtsfigur ist bis heute in der Öffentlichkeit wenig bekannt und Prenzlows Beitrag befasst sich daher mit den wichtigsten Fragen rund um diesen Verfahrensbeteiligten. Der Beitrag richtet sich an Eltern betroffener Kinder, aber ebenso an alle direkt oder indirekt involvierten Personen und Institutionen. Neben den Aufgaben und Rechten des Verfahrensbeistands geht es auch um die Voraussetzungen unter denen ein solcher vom Gericht zu bestellen ist sowie um dessen Ausbildung und erforderlichen Qualifikationen.

Im Folgenden befasst sich Voigt mit dem Rollenverständnis und seiner Vorstellung eines streitmildernenden Anwalts zwischen Parteivertreter und Streitschlichter und den Eigenschaften , die ein solcher besitzen sollte, wie bspw. Zurückhaltung, Objektivität und Interessenorientierung. Er geht davon aus, dass die Anwaltschaft einen wesentlichen Beitrag zur konstruktiven Kommunikation der Beteiligten beitragen kann. Weber und Menne schließen mit ihrem Beitrag über den Kontext und die Erfordernisse einer gerichtsnahen Beratung an. Dabei gehen sie sowohl auf die Situation der Eltern im Verfahren, als auch auf die damit verbundenen fachlichen Herausforderungen für deren Beratung, und den Status der Beratungsfachkraft im familiengerichtlichen Verfahren ein. Voigt und Vogelei unterbreiten Vorschläge zur effizienten Gestaltung der Professionsübergreifenden Zusammenarbeit anhand des Beispiels der HannoverschenFamilienPraxis. Dabei stellen sie u.a. die Besonderheiten professionsübergreifender Zusammenarbeit und deren Prozessgestaltung dar.

Schindler geht im weiteren Verlauf auf den Datenschutz in familiengerichtlichen Verfahren ein, welcher zwar im Rahmen der Novellierung des FamFG keine Neuerungen an sich erfahren hat, aber ein durchaus relevantes Thema bei der Umsetzung der Kooperation innerhalb der Verantwortungsgemeinschaft darstellt. Sie geht dabei u.a. auf das Thema der Schweigepflichtsentbindungserklärungen ein, die Datenübermittlungen an das Familiengericht und den Fall der Unzulässigkeit dieser und die Datenübermittlung bei Kindeswohlgefährdung sowie auf besondere Fragen im Zusammenhang der Kooperationen mit dem Familiengericht.

Im zweiten Teil erfolgen die Beiträge zum Hinwirken auf elterliches Einvernehmen. Zunächst erläutert Loschky die Möglichkeiten und Grenzen der Beratung mit angeordneter Teilnahme. Sie stellt dabei die erforderliche Grundhaltung, die notwendigen Fachkompetenzen der beratenden Fachkräfte, die Konzeption der angeordneten Beratung und die Entwicklung der fachlichen Standards vor. Weber schließt mit Überlegungen zur Beratung zum Wohl des Kindes zwischen Elternarbeit und Kindertherapie an. Dabei geht er auf rechtliche und sozialwissenschaftliche Aspekte des Kindeswohls bei Trennung und Scheidung ein, ebenso auf die Bedeutung und Gestaltung des Umgangs mit beiden Elternteilen, Beteiligung und Einbeziehung des Kindes in das Verfahren. Norman und Loebel befassen sich mit den Chancen und Grenzen der Mediation in der Arbeit mit Hochkonflikt-Familien. Hier werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen erläutert, sowie die Merkmale der Mediation, die Stufen der Konflikteskalation, die Herausforderungen und Definitionen von Hochkonflikten und die Praxiserfahrung mit den sogenannten Hochkonflikt-Familien. Die Verfahren der Beratung und der Mediation und die Rollen der durchführenden Fachkräfte werden einander gegenübergestellt. Im Anhang wird zudem eine Hilfestellung für die zu treffende Wahl zwischen Mediation und Beratung gegeben.

Behrend erläutert das Gutachten als Lösungshilfe bei Sorge- und Umgangsrechtsstreitigkeiten bei Trennung und befasst sich dabei besonders mit der im Gesetzesentwurf zur Novellierung des FamFG empfohlenen lösungsorientierten Begutachtung. Sie vergleicht diese mit der gängigen, bisher praktizierten Methode, stellt systemische Grundprinzipien und Perspektiven, psychologische Ziele sowie die einzelnen Schritte des Begutachtungsprozesses dar. Der letzte, von Willutzki verfasste Beitrag zu alten und neuen Wegen der Umgangspflegschaft, bezugnehmend auf die neuen gesetzlichen Regelungen, stellt die Möglichkeiten der Umgangspflegschaft beim Elternstreit sowie weiteren Umgangsberechtigten vor. Es folgen wertende Anmerkungen des Autors zu diesem kontroversen Thema sowie ein Zukunftsausblick.

Diskussion

„Professionelle Kooperation zum Wohle des Kindes. Hinwirken auf elterliches Einvernehmen im familiengerichtlichen Verfahren (FamFG)“ist in seinen drei Teilen übersichtlich gegliedert und logisch aufgebaut. Nach der einleitenden Beschreibung der wesentlichen Veränderungen familiengerichtlicher Verfahren durch die Novellierung des FamFG wird ausführlich auf die Verantwortungsgemeinschaft für das Kind, zu der alle beteiligten Personen und Institutionen erklärt werden, eingegangen. Aus unterschiedlichen Perspektiven werden die Rollen und Funktionen der Beteiligten beschrieben, so dass der Leser an dieser Stelle einen adäquaten Eindruck von der Komplexität familiengerichtlicher Verfahren erhält. Im zweiten Teil werden Anregungen und Beispiele gegeben, mit welchen Methoden auf ein elterliches Einvernehmen hingewirkt werden kann. Die einzelnen Beiträge sind ausführlich, praxisnah und verständlich beschrieben.

Fazit

Das vorliegende Werk hat zum Ziel, sich mit den unterschiedlichen Perspektiven, Aufgaben und Vorgehensweisen der beteiligten Akteure an der Schnittstelle zwischen Familiengericht und Jugendhilfe auseinander und setzt sein Augenmerk auch auf die aufeinander treffenden Professionen. Dies gelingt den Autorinnen und Autoren, die selbst aus unterschiedlichen Professionen stammen, so dass „Professionelle Kooperation zum Wohle des Kindes“ ein sehr empfehlenswertes Buch ist, dass sowohl für beteiligte Fachkräfte, betroffene Eltern aber auch alle anderen Interessenten einen gut verständlichen und gleichzeitig ausführlichen Überblick über die Verantwortungsgemeinschaft im familiengerichtlichen Verfahren und Möglichkeiten der Hinwirkung auf elterliches Einvernehmen bietet.


Rezensentin
Stefanie Hüner
M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Hochschule Bremen, Studiengang Soziale Arbeit, ehemalige Betreuerin in einem Verein sowie seit sechs Jahren ehrenamtliche Betreuerin
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Zitiervorschlag
Stefanie Hüner. Rezension vom 16.01.2012 zu: Klaus Menne, Matthias Weber (Hrsg.): Professionelle Kooperation zum Wohle des Kindes. Hinwirken auf elterliches Einvernehmen im familiengerichtlichen Verfahren (FamFG). Juventa Verlag (Weinheim) 2011. ISBN 978-3-7799-0772-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11495.php, Datum des Zugriffs 18.10.2019.


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