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Rudolf Bieker: Soziale Arbeit studieren

Cover Rudolf Bieker: Soziale Arbeit studieren. Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und Studienorganisation. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2011. 260 Seiten. ISBN 978-3-17-021064-6. 24,90 EUR.

Reihe: Grundwissen Soziale Arbeit - Band 1.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-17-031594-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

Studierende der Sozialen Arbeit stehen im Zuge der Bologna-Reform vor neuen Herausforderungen. Die akademische Ausbildung ist bis zum ersten Abschluss auf sechs bzw. sieben Semester reduziert worden, wobei die Studierenden die annähernd gleiche Menge an Lernstoff innerhalb eines kürzeren Zeitraums bewältigen müssen. Die Prüfungsbelastungen nehmen vor diesem Hintergrund zu, was die Bedeutung eines gut strukturierten Selbststudiums und eine höhere Anforderung an Planungskompetenzen mit sich zieht. Die angehenden Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen in den Bachelor-Studiengängen sind die primäre Zielgruppe des Leitfadens, den Rudolf Bieker hier vorlegt. Gleichwohl kann das Werk auch Studierenden in Master-Programmen als Repetition wesentlicher Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens dienen.

Autor

Prof. Dr. rer. soc. Rudolf Bieker ist Hochschullehrer am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein (Standort Mönchengladbach). Seine Lehrgebiete sind Theorien und Strukturen sozialer Dienste sowie Sozialverwaltung.

Entstehungshintergrund

Bei „Soziale Arbeit studieren“ handelt es sich um den ersten Band der Reihe Grundwissen Soziale Arbeit, welche von Rudolf Bieker herausgegeben wird. Mit der Reihe geht die Intention einher, den neuen Anforderungen im Zuge der veränderten bildungspolitischen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Primäres Ziel dabei ist, besonders für das Selbststudium adäquate Publikationen zu liefern, die vorderhand kompaktes Wissen vermitteln. Dabei sollen sowohl eine überschaubare Stoffmenge und eine verständliche Sprache als auch gezielte Verknüpfungen von Theorie und Praxis sowie Anschaulichkeit im Vordergrund stehen.

Aufbau

Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt, die jeweils einen anderen Themenbereich in Bezug auf das wissenschaftliche Arbeiten im Studium der Sozialen Arbeit liefern. Am Ende des Buches erstreckt sich ein Anhang, auf den ein Glossar folgt, mit dem der Leitfaden abschließt.

Inhalt

In Teil A wird der Begriff des Studiums in Abgrenzung zur schulischen Ausbildung beleuchtet. Hierbei stellt der Verfasser vor allem die Selbstqualifizierung in den Mittelpunkt der Argumentation. Daneben werden die Vorteile der strukturierten Planung als Grundlage des Studiums und Schlüsselkompetenz für die spätere Berufspraxis exponiert. In diesem Kontext wird ebenfalls die Relevanz von Studienordnungen und Modulhandbüchern benannt. Darauffolgend werden verschiedene Methoden und Techniken vorgestellt, die es ermöglichen, Ziele für das Studium zu formulieren und diese nach Prioritäten zu ordnen. Im Anschluss geht der Autor auf Möglichkeiten zur Strukturierung der verfügbaren Zeit innerhalb des Studienverlaufs ein. Das Kapitel schließt mit einem Teil rund um das Thema Lernen, wobei das Verhalten während Lehrveranstaltungen, erfolgreiche Vor- und Nachbereitung sowie u.a. das E-Learning miteinbezogen werden.

Teil B widmet sich dem wissenschaftlichen Arbeiten. Nach einer Definition des Wissenschafts-, Theorie- und Wahrheitsbegriffs mit Bezug auf die Sozialarbeitswissenschaft, werden verschiedene Formen des wissenschaftlichen Arbeitens vorgestellt. Hierbei lässt der Autor auch ethische Aspekte mit einfließen. Danach bettet die Abhandlung das wissenschaftliche Arbeiten in den Kontext des Studiums ein und stellt die damit zusammenhängende Verantwortung gegenüber der Profession heraus.

Teil C bildet das umfangreichste Kapitel und behandelt die schriftlichen Arbeiten, die im Studium verfasst werden müssen. Einer Erklärung zu den Bachelor- und Masterthesen folgt die Darstellung des wesentlichen Grundprinzips bei der Erstellung wissenschaftlicher Abhandlungen: Ein Schritt vor - zwei zurück. Der Autor macht dabei auf die enorme Relevanz aufmerksam, die einer guten Planung zukommt, während er eine definitorische Untergliederung in schriftliche und empirische Arbeiten vornimmt. Vor diesem Hintergrund geht er erneut auf ein effektives Zeitmanagement ein. Anschließend nimmt er Bezug auf die Themenfindung, die Generierung einer adäquaten Fragestellung sowie auf die Zusammenarbeit mit den Prüfern. Im Zuge dessen geht mit der umfangreichen Erläuterung zur Literaturrecherche eine Auflistung von relevanten Fachzeitschriften und fach- bzw. bezugswissenschaftlichen Datensammlungen im Internet einher. Im weiteren Verlauf nimmt sich das Kapitel der Auswertung von Literatur an und stellt dabei gängige Techniken, wie Markierungen und Randnotizen vor. Ebenso wird auf die Möglichkeit der Erstellung von Exzerpten aufmerksam gemacht. Sodann folgen Aspekte zum Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit, wie zum Beispiel die Gliederung. Für die einzelnen Bausteine einer Abhandlung im wissenschaftlichen Kontext - Einleitung, Hauptteil und Schluss - wird daran anschließend ein umfassender Teil vorgelegt, der mit der Überarbeitung von Rohfassungen endet. Des Weiteren werden sowohl die richtigen Zitationsweisen als auch die Bedeutung von Zitaten sowie deren Funktionen dargelegt. Ebenso werden die unterschiedlichen Zitiertechniken auf ihre Vor- und Nachteile hin überprüft sowie die grundsätzlichen Regeln des Zitierens genannt. Der Verfasser geht danach auf die strukturellen Elemente wie Seitzenzahlen, Abbildungen oder Tabellen ein. Detailliert wird an diese Stelle auch sowohl die Erstellung des Titelblatts sowie des Inhalts- und Abkürzungsverzeichnisses als auch die Etablierung des Literaturverzeichnisses beschrieben. Teil C schließt mit der Thematisierung des Layouts, der Indruckgabe und Nachbereitung von wissenschaftlichen Arbeiten ab.

Seminarvorträge sind Bestandteil von Teil D. In Anbetracht dieses Themas verweist der Autor auf die zunehmende Relevanz von Präsentationskompetenzen - auch in der späteren Praxis. Folglich exponiert er die Bedeutung von Vorträgen, deren Umsetzung sowie die damit verbundenen Schwierigkeiten im Studienalltag. Hierbei entwirft er einen möglichen Leitfaden für einen soliden Seminarvortrag. Auch die sprachlichen, visuellen Mittel und das Erstellen von Folien sowie der Umgang mit diesen (Power-Point) kommen hier zum Tragen. Ebenso wird eine Liste zur Selbstkontrolle vorgestellt. Techniken zur Prävention von Sprechangst und Lampenfieber sowie Handlungsweisen in schwierigen Situationen runden das Kapitel ab.

TEIL E beschäftigt sich mit Klausuren und mündlichen Prüfungen. Der Verfasser geht hier differenziert sowohl auf Wissens- und Transferprüfungen als auch auf typische Aufgabenstellungen ein. Miteingeschlossen werden dabei die mündlichen Prüfungen und deren Gestaltung. Die Vorbereitung solcher Prüfungen sowie die Erstellung eines Zeitplans werden an dieser Stelle ebenfalls thematisiert. Der Autor verweist zu dieser Gelegenheit auch auf virtuelle Lernportale und deren Nutzen. Ferner nimmt er Bezug auf die Bedeutsamkeit von Lerngruppen während der Prüfungsvorbereitungen. Dann folgt ein Überblick über hilfreiche Verhaltensweisen während mündlicher und schriftlicher Prüfungen sowie deren Nachbereitung. Darüber hinaus informiert der Verfasser über die rechtlichen Mittel, die Studenten heranziehen können, um Prüfungsergebnisse zu beanstanden.

In TEIL F, welcher sich der Portfolio-Arbeit widmet, werden basale Aspekte der Arbeit mit Portofolien aufgezeigt sowie die Vorteile dieses Verfahrens und dessen Nutzen. In diesem Kontext bereitet der Autor die Portfolio-Arbeit spezifisch für die Soziale Arbeit auf.

Der Leitfaden schließt mit Anlagen und einem Glossar. In den Anlagen lassen sich Musterblätter für Abschlussarbeiten, Übersichten, eine Checkliste für die Endkorrektur einer wissenschaftlichen Abhandlung sowie eine Repetition der wichtigsten Kommaregeln finden.

Diskussion

Wegweisend für die Kapitel sind die zu Beginn formulierten Lernziele, während am Ende die Kernaussagen unter der Überschrift Gut zu wissen – gut zu merken zusammengefasst werden. Ferner werden in den Kapiteln grau unterlegte Tipps und Kernaussagen zwischengeschaltet, welche die vorangegangen Aussagen konkretisieren respektive untermauern. Die Inhalte sind sehr detailliert aufbereitet und überaus aufschlussreich. Überdies werden längere Textpassagen durch Analogien oder gezielt verwandte Sprichwörter aufgelockert, was das Studieren des Textes nie langweilig werden lässt. Die Fülle an Informationen macht den Leitfaden nicht nur für Neuankömmlinge der Sozialen Arbeit wertvoll, sondern auch für den erfahrenen Studierenden in einem Master-Studiengang. Dabei kann das Buch zum ersten sukzessive durchgearbeitet und als roter Faden gebraucht werden, zum zweiten stellt es aber auch ein hilfreiches Nachschlagewerk dar. Besonders hervorzuheben ist auch der Einbezug neuer Medien im wissenschaftlichen Arbeiten, denn diese gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Betonung der Sozialen Arbeit als Disziplin sowie die Erwähnung der Möglichkeit zur Promotion zeugt von einer hohen Identifikation des Autors mit der Sozialarbeitswissenschaft, was als besonders wertvoll anzusehen ist. Sowohl die persönlichen Erfahrungen des Verfassers, die in den Leitfaden miteinfließen als auch die stete Bezugnahme auf die Fachwissenschaft, z.B. durch explizit sozialarbeiterische Themen in den Beispielen sprechen für ein engagiertes Werk, das für mehr als nur eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten steht. Nicht zuletzt wird dies auch durch die Betonung der Selbstverantwortung im Studium und deren Relevanz für die professionelle Entwicklung der Sozialen Arbeit deutlich. Dem Autor ist somit nicht nur eine differenzierte und gut verständliche Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, sondern vielmehr auch eine hervorragende Ausgangsbasis für die Entwicklung eines bewusst sozialarbeiterischen bzw. sozialarbeitswissenschaftlichen Habitus gelungen.

Fazit

Mit Soziale Arbeit studieren“ hat Rudolf Bieker eine lebendige und umfangreiche Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten auf die Beine gestellt. Diese zeichnet sich besonders durch den hohen Theorie-Praxis-Bezug und die explizite Einbettung der Inhalte in den fachwissenschaftlichen Kanon aus. Das Werk überzeugt zum einen durch zahlreiche Tabellen, die dem Leser einen schnellen Überblick ermöglichen. Zum anderen bringt es durch viele differenzierte Beispiele die Kernaussagen auf den Punkt, was die gute Verständlichkeit des Buches ausweist.

Pflichtlektüre für alle Erstsemester!


Rezensent
Jens M. Schneider
Sozialarbeitswissenschaftler, M.A. (Hochschule Fresenius - Standort Frankfurt am Main)
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Zitiervorschlag
Jens M. Schneider. Rezension vom 20.06.2011 zu: Rudolf Bieker: Soziale Arbeit studieren. Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten und Studienorganisation. Kohlhammer Verlag (Stuttgart) 2011. ISBN 978-3-17-021064-6. Reihe: Grundwissen Soziale Arbeit - Band 1.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-17-031594-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11543.php, Datum des Zugriffs 20.06.2018.


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