Saskia Hofmann: "Yes she can!"
Rezensiert von Dr. phil. Dipl. Sozialpäd. Jörg-M. Wolters, 15.09.2011
Saskia Hofmann:"Yes she can!". Konfrontative Pädagogik in der Mädchenarbeit. Centaurus Verlag & Media KG (Freiburg) 2011. 140 Seiten. ISBN 978-3-86226-051-5. D: 18,80 EUR, A: 18,80 EUR.
Reihe: Gender and Diversity - 2.
Thema
Thema des Bandes ist die konfrontative Pädagogik im Kontext eines Gewaltpräventionsprojekts in der Mädchenarbeit.
Entstehungshintergrund
Die Sozialpädagogin Saskia Hofmann hat im Rahmen ihrer Ausbildung zur „Anti-Gewalt-Trainerin“ das hier behandelte Projekt „Yes, she can!“ konzipiert, woraus ihre Diplomarbeit und anschließend dieses Buch entstand.
Aufbau und Inhalt
Das Werk will mit einem speziellen Anti-Gewalt-Training für Mädchen eine Lücke schließen, die die in der Diskussion der Jugendgewalt primär den Jungs und Männern (als hauptsächliche Täter wie Opfer) gewidmeten Publikationen, Praxisansätze und Projekte klaffen lassen.
In den einführenden Kapiteln (1. Zur Entstehung der Gewalt, S.1-14; 2. Das Phänomen der Mädchengewalt, S.15-28, und 3. Sozialisation im Zusammenhang mit der Genderforschung, S.29-43) stellt die Verfasserin bekannte Eckdaten vor und bilanziert am Ende, dass Mädchen immer mehr dazu neigen, „aggressiv zu werden“, „sich zu wehren und zu widersetzen“ (S.21). Das geschehe allerdings ganz im Gegensatz zu den Jungs als „introvertierte Gewaltausübung“ (S.23). Geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse mögen ihr auch „Rechtfertigung sein, dass Mädchenprojekte nicht zu kurz kommen sollen“ (S.43).
Im 4.Kapitel widmet sich die Verfasserin der “Einführung in die konfrontative Pädagogik“ (S. 44-59), in dem sie die Standards der Angebote à la Weidner, (nämlich prinzipiell als ultima ratio, interventionistisch, direktiv, delikt- und defizitspezifisch, polizei- und justizkooperativ, beziehungsintensiv, S.55f) und die Methoden nach Kilb (personale, intrapersonale, interpersonelle und konfrontative Provokation, S. 58) umreißt.
Anschließend diskutiert die Verfasserin “Gewaltprävention“ (Kap.5, S.60-73) und statuiert eine zunehmende Integration konfrontativer Pädagogik in „viele präventive Angebote“ (S.73).
Endlich (S. 74ff) wird das Training “Yes, she can! als „genderorientierter Gewaltpräventionsansatz“ vorgestellt, in dem „Handlungsalternativen eingeübt und ein Bewusstsein für die verschiedenen Formen und Auswirkungen von Gewalt und Aggression herbeigeführt werden sollen“ - für jene „Mädchen, die Interesse haben, neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen“ (S. 76). Die Zielgruppe sind bis zu 30 Mädchen ab 8 Jahren aus einer bereits bestehenden Gruppe (einer Einrichtung, Wohngruppe, Schulklasse), die in einem 21 Stunden umfassenden Training (mit 7 Blöcken à 3 Stunden) unterrichtet werden sollen (S.80). Dazu wird das Konzept als ein „Methodenmix“ (S.84) vorgestellt, bestehend aus einleitendem „Warm-Up, Definitionsfindung, Diskussion“ und dann einem Sammelsurium von verschiedenem, wie „Wahrnehmungs- und Ausdrucksübungen, pädagogische Kampfübungen, Interaktions- und Kommunikationsübungen, Erlebnispädagogik und Kooperationsübungen, Vertrauensübungen und Psychodrama“ (S. 83f). Die jeweiligen 7 Blöcke, in denen einzelne Themen und Übungen zum Tragen kommen sollen, werden (nebst Material und Anleitung zum Nachmachen) vorgestellt (S.85-111).
Stellungnahme („bisher wurde das Training noch nicht durchgeführt“, S.112) und Fazit und Schlussfolgerungen für die Soziale Arbeit (S. 116-118), die die Notwendigkeit zur Durchführung derartiger Präventionskurse „für diese Mädchen“ (S. 117) unterstreichen sollen, schließen die Arbeit ab.
Diskussion
Die Verfasserin hat in diesem Buch hier ihre Diplomarbeit zur Entwicklung eines Projekts der Gewaltprävention für Mädchen vorgestellt, das als Angebot für ihre Zielgruppe, eine ja bereits bestehende Wohngruppe oder Schulklasse, durchaus Sinn machen könnte. Illustrer „Methodenmix“ und kindgemäße Spiele mögen das Thema Gewalt sicher thematisieren und durch Reflexion und Übung situativ bearbeiten lassen, in der Hoffnung, damit auch nachhaltig prophylaktisch wirksam zu werden. Die Genderspezialisierung auf Mädchen wird hingegen theoretisch wie praktisch zu wenig transparent und plausibel.
Auch inwieweit hier „konfrontative Pädagogik“ im üblichen Sinne (der ja auch selbst vorgestellten wesentlichen Kriterien und Grundlagen) zum Zuge kommt - und kommen kann - bleibt offen.
Fazit
Hier wird (auf wissenschaftlich nicht sehr anspruchsvollem Niveau) ein Praxiskonzept entworfen, das sicher gute Anregungen für interessierte Kolleginnen und Kollegen und dankenswerterweise erste Schritte liefert, sich innerhalb der Gewaltprävention auch vermehrt der Mädchen anzunehmen.
Rezension von
Dr. phil. Dipl. Sozialpäd. Jörg-M. Wolters
Erziehungswissenschaftler. Institut für Budopädagogik. Arbeitsgemeinschaft „Kampfkunst in Pädagogik und Therapie"
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