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Jeffrey A. Kottler: Selbstfürsorge

Cover Jeffrey A. Kottler: Selbstfürsorge. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2011. 176 Seiten. ISBN 978-3-621-27809-6. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 43,90 sFr.

Reihe: Therapie-Tools.
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Autor

Jeffrey A. Kottler, Ph.D., ist Professor für Psychologie und Psychotherapie an der California State University, Fullerton, und außerdem als Psychotherapeut tätig.

Entstehungshintergrund

Im Vorwort zur deutschen Übersetzung schreibt Kottler, dass es vielfältige Wege des Lernens und des persönlichen Wachstums im Beruf des Psychotherapeuten gibt. Das vorliegende Arbeitsbuch entstand auf dem Hintergrund der Suche nach einer geeigneten Struktur der Selbstreflexion der eigenen psychotherapeutischen Arbeit. Das Originalwerk ist bereits 1999 unter dem Titel „The Therapist´s Workbook. Self-Assessment, Self-Care, and Self-Improvement Exercises for Menthal Health Professionals“ bei Jossey-Bass – A. Wiley Company erschienen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in zwölf Kapitel unterteilt, die zentrale Dimensionen des therapeutischen Selbstverständnisses, der therapeutischen Arbeit, des Umgangs mit Stress, der Vermeidung von Burnout und der verschiedenen Formen der Selbstunterstützung aufgreifen. Im ersten Kapitel geht es um die eigene Rolle als Psychotherapeut/in. Fragen, warum und mit welchen Motivationen und Erwartungen dieser Beruf ergriffen wurde, stehen im Mittelpunkt. Ziel dieser Reflexion ist es, die eigenen Wachstums- und Veränderungspotentiale zu entdecken. Im zweiten Kapitel geht es um die Zufriedenheit im Beruf unter Einbeziehung der Selbsteinschätzung persönlicher Schwächen. Im dritten Kapitel (S. 48 – 59) werden die Stressfaktoren identifiziert, um diese gezielt reduzieren zu können. Dazu ist die Reflexion in Kapitel vier (S. 60 – 69) und Kapitel fünf (S. 70 – 88) auf die wechselseitige Beeinflussung zwischen Privatleben und Beruf notwendig. So gelingt es, den eigenen Beruf besser zu verstehen (Kap. 6, S. 89 – 101), mit Gegenübertragung besser umgehen zu lernen (Kap. 7, S. 102 -119), Fehlschläge anzuerkennen und zu überwinden (Kap. 8, S.120 -128) und mehr Freude an der Therapie zu entwickeln (Kap.9, S. 129 -137).

Das zehnte Kapitel (S. 138-148) dient der konkreten Vorsorge, Burnout zu vermeiden und zu bewältigen. Dass dazu der Aufbau und die Pflege des eigenen sozialen Netzwerkes (Kap. 11, S. 149 -161) und an gezielten Punkten eine Änderung des eigenen Lebens (Kap. 12, S. 162 – 173) hilfreich ist, versteht sich von selbst.

Es geht Kottler, der schon eine Vielzahl therapeutischer Fachbücher veröffentlicht hat, um ein an der Erfahrungswelt des Therapeuten ansetzendes Arbeitsbuch, das die Achtsamkeit für die eigene Therapeutenpersönlichkeit in den Mittelpunkt rückt. Die einzelnen Kapitel werden von einer kurzen thematischen Hinführung eingeleitet. Im Mittelpunkt der Kapitel stehen verschiedene Arbeitsbögen zur Selbstreflexion, die dann in einem zweiten Schritt zu Überlegungen einer Verbesserung der therapeutischen Arbeit münden. Diese Anregungen, neue Strategien auszuprobieren, münden an einigen Stellen in den dritten Baustein einer vertieften Reflexion und des Transfers auf andere Situationen.

Diskussion

Auch wenn das Buch nicht in den wissenschaftlichen Diskurs zu den jeweiligen Themen einsteigt und der Leser auch kein weiterführendes Literaturverzeichnis findet, sind die vorgeschlagenen Wege der Reflexion und Selbstunterstützung fachlich auf einem sehr hohen Niveau. Sie bieten ein umfangreiches Material zur Selbstreflexion, aber auch für den Austausch unter Kolleginnen und Kollegen, und die oft angesprochene in diesem Beruf notwendige Supervision. Wenige Hinweise finden sich auf die Bewältigung der angesprochenen Berufsprobleme durch eine eigene in Anspruch genommene therapeutische Unterstützung.

Fazit

Das Arbeitsbuch fordert vom Leser ein hohes Maß an Engagement, wenn er die Anregungen zur Selbstreflexion und Selbstunterstützung auf seinen Arbeitsalltag anwendet und sich auf den vorgeschlagenen Weg der verschiedenen Tools einlässt. Sinnvoll ist sicherlich die vollständige Durcharbeitung des ganzen Buches, aber die einzelnen Themenbereiche sind so abgeschlossen, dass auch eine selektive Auswahl einzelner Kapitel möglich ist. Kottler ist es gelungen, ein umfassendes Material zu erstellen, so dass eine an den Ressourcen orientierte Weiterentwicklung der Therapeutenpersönlichkeit ermöglicht wird. Nicht nur für Berufseinsteiger, sondern vor allem auch für langjährig bereits erfolgreich wirkende Therapeuten ist dieses Buch eine große Bereicherung. Auch andere helfende Berufsgruppen aus Medizin, Psychologie und Sozialer Arbeit finden hier wertvolle Anregungen.


Rezensent
Dr. Georg Singe
Dipl.-Sozialarbeiter, Dipl.-Theologe Systemischer Familientherapeut, Supervisor und Lehrtherapeut (DGSF)
Dozent an der Fakultät I für Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften, Fachbereich Soziale Arbeit der Universität Vechta
Homepage www.uni-vechta.de/soziale-arbeit/mitglieder/georg-s ...
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Zitiervorschlag
Georg Singe. Rezension vom 04.10.2011 zu: Jeffrey A. Kottler: Selbstfürsorge. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2011. ISBN 978-3-621-27809-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11563.php, Datum des Zugriffs 19.10.2019.


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