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Ursu Mahler: Der Konflikt-Coach

Cover Ursu Mahler: Der Konflikt-Coach. Sicherer Umgang mit Konfliktsituationen im Familien- und Berufsalltag ; 86 Antworten zur erfolgreichen Konfliktlösung. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2011. 80 Seiten. ISBN 978-3-87387-781-8. D: 9,95 EUR, A: 10,30 EUR.

Reihe: Soft Skills kompakt - Band 13. Reihe: Kommunikation - Konflikte und Konfliktlösung.
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Thema

„Konflikte verlangen uns viel ab – so viel ist gewiss.“ (Mahler, Ursu, 2011, S. 8) Im Dschungel der Konfliktthemen und Konfliktfelder war die Idee der Autorin, bei diversen Konfliktsituationen in Familie und Beruf Anregungen zur Konfliktlösung zu geben und Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Dabei betont Ursu Mahler, dass sie in der Coach-Rolle dem Klienten keine Lösung vorgibt, sondern die eigene Lösungsfindung des Klienten unterstützt und ab und zu richtungsweisend steuert.

Autorin

Ursu Mahler ist seit über 20 Jahren als selbstständige Managementtrainerin und Coach tätig. Davor war Sie Führungskraft im Angestelltenverhältnis. Wie sie selbst beschreibt, hat sie sich durch Ihre vielfältige Praxiserfahrung im Umgang mit Konflikten, die Begleitung guter Mentoren und durch fähige Vorgesetzte zur Führungs- und Konfliktexpertin entwickelt.

Zielgruppen

Zielgruppen sind Eltern/Kinder, Partner, Nachbarn, Freunde/-innen, Kollegen, evt. Vorgesetzte.

Aufbau und Inhalt

Das 80-seitige Buch beginnt mit einer Inhaltsangabe und einer kurzen Einleitung (S. 8-10), die die Idee des Buches skizziert und ein Foto der Autorin zeigt, wie auch am Ende des Textes die Kontaktdaten anführt. Die darauffolgenden sieben Kapitel enthalten jeweils unterschiedliche Mengen an Unterpunkten, zwischen 10-22 pro Kapitel und sind gleichzeitig als Fragen formuliert. Die insgesamt 86 Fragen, stellt die Autorin selbst und liefert direkte Antworten darauf. Es werden Konfliktarten beschrieben, wo sie auftreten und welche Lösungswege möglich sind. Ihr Augenmerk richtet die Autorin auf die den Konflikten zugrunde liegenden Chancen, um den Blick von einer negativen Beurteilung von Konflikten weg zu lenken. Außerdem enthält das Buch acht Schaubilder. Es endet ohne Angabe eines Literaturverzeichnisses oder eines Abspanns mit der letzten Antwort auf die 86igste Frage. Die Titel der Kapitel lauten:

  • Kapitel I: Grundlegendes zum Thema Konflikt
  • Kapitel II: Welche Konfliktarten gibt es?
  • Kapitel III: Was tun wenn…?
  • Kapitel IV: Lösungswege
  • Kapitel V: Besondere Konfliktsituationen
  • Kapitel VI: Das Konfliktgespräch
  • Kapitel VII: Konflikt als Chance.

Zu Kapitel I (S. 11-21): Hier geht es um das Entstehen von Konflikten, unterschiedliche Beziehungskonflikte, Konflikttypen, Durchsetzungsvermögen oder Ausweichen bei Konflikten, die Rolle von Verbündeten, das Verhältnis von Macht und Autorität in Konflikten.

Zu Kapitel II (S. 22-26): Exemplarisch werden drei Konfliktarten genannt: der Verteilungs-, Bewertungs- und Zielkonflikt, ferner geht es um konstruktive und Werte-Konflikte, inter- und intrapersonelle Konflikte.

Zu Kapitel III (S. 27-45): In diesem Kapitel geht es um Beispiele, wie

  • Was passiert, wenn Personen selbst unter inneren Konflikten leiden?
  • Was bedeutet Konfliktfähigkeit oder konstruktives Sprechen?
  • Was tun gegen Üble Nachrede, hinterm Rücken reden, Ablehnung durch Kollegen oder bei Mobbing?
  • Was tun bei arroganten, rücksichtslosen Kollegen?
  • Vom „Wollen zum Müssen“
  • Was tun, wenn Chefs Mitarbeiter/-innen permanent bevorzugen?
  • Wie reagieren bei unerwünschtem Rauchen von Kollegen/Familienmitgliedern?
  • Wie mit jemandem umgehen, der Konfliktsituationen nur andeutet?

Zu Kapitel IV (S. 46-53): Hier geht es um Vorbeugung, Mut sich Konflikten zu stellen, die Zwei-Gewinner-Situation, Fairness, Sanktionen, die Rolle von Autoritäten, den Kompromiss als Lösung oder „unter den Teppich kehren“?

Zu Kapitel V (S. 54-66): Die Fragen in diesem Kapitel beschäftigen sich mit dem Gesprächs- und Arbeitsklima, dem guten Team, dem Vermeiden innerer Kündigung, aber auch mit dem Umgang mit Menschen, die nörgeln, schwarzsehen, selbstgerecht und hinterhältig sind, zu keiner Entscheidung gelangen oder zugeknöpft sind. Des Weiteren geht um den Unterschied zwischen Drohung und Sanktion, wie auch die Rolle der Vernunft bei Zielkonflikten.

Zu Kapitel VI (S. 67-75): Die Vorbereitung und der Ablauf des Konfliktgespräches sind hier Thema. Fragestellungen, Feedback, der Blinde-Fleck, die Ich-Botschaft, Nein-Sagen können und Kritik üben ohne Widerstand zu erzeugen, Rolle der Bitte und das „Wie“ der Teamfähigkeit werden behandelt.

Zu VII (S. 76-80): Hier geht es abschließend um Toleranz, Konflikte als Weg zu Neuem, Wertschätzung und die Formel „Love it, change it or leave it!“.

Diskussion

Die Autorin beschäftigt sich in ihrem Buch schwerpunktmäßig eher mit beruflichen Konfliktsituationen und bezieht in zweiter Linie auch familiäre Konflikte oder Partnerkonflikte mit ein.

Die 86 Fragen werden von Ursu Mahler zu Beginn ihrer Antwort direkt mit einer theoretischen Erläuterung, einer Definition oder Begriffsklärung erwidert, um dann Alltagserfahrungen, Umgang mit Mitarbeitern, wörtliche Reden und weitere Fragestellungen zum Thema folgen zu lassen.

Der Mix im Sprachstil und bei der Wortwahl zwischen Umgangssprachlichem, manchmal eher plattem Sprachgebrauch bis hin zu professionellem Fachtermini ist permanent gegenwärtig und bleibt der Beurteilung durch den Leser überlassen. Es handelt sich hierbei eher um eine Frage des eigenen Geschmacks und Stils, zumal das Buch keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt.

Manche Erklärungen greifen in meinen Augen recht kurz oder fordern regelrecht die eigene Positionierung beim Lesen heraus, wie z.B. die Aussage: „Wenn mich jemand körperlich angreift, wär's Quatsch zu sagen: „Lassen Sie uns einen Konsens finden!“. Da muss ich zurückhauen können!“(Zitat der Autorin, S. 14)

Dagegen gibt Ursu Mahler durchaus gute und hilfreiche Hinweise, wie sich verbal in bestimmten Konfliktsituationen verhalten werden sollte, was ihrer Meinung nach ohne wertschätzende Grundhaltung keine wirklich gute Konfliktklärung ermöglicht. Klar und bestimmt positioniert sie sich auch bei Negativbeispielen, wie bei nörgelnden Kollegen, Übler Nachrede, Hinterhältigkeit und Mobbing, wo sie zu klarer Grenzensetzung auffordert. Ihr Coaching und Trainingshintergrund kommt hier deutlich zum Tragen.

Eine schöne Idee sind die beiden von der Autorin kreierten „Zauberwörter“ und „Klangbilder“ „Maluma“ und „Takete“ (S. 29,30). Gemeint sind hier weiche, liebevolle, freundliche Sätze, die nach „Maluma“ klingen. Harte, verletzende und aggressive Sprache drückt sich dann in „Takete-Sätzen“ aus. Diese beiden Begriffe bilden die positive oder negative Atmosphäre und die Wirkung von Sätzen in Gesprächen ab, denn zur Konfliktfähigkeit gehören die Kenntnis und der Gebrauch einer bestimmten Sprache.

Die im Buch aufgeführten acht Schaubilder wirken etwas willkürlich ausgewählt, sind in sich selbst jedoch schlüssig und heben bestimmte Themen hervor, wie: 7 Schritte-Abfolge in Gesprächen, Flucht in Kompensation oder Beschuldigung, Vom Wollen zum Müssen (das Eskalationsmodell von Heinz Kiesow), Gründe für Widerstände, Zwischen Angst und Langeweile, Adrenalin baut Körperkräfte auf und blockiert den Verstand, Aufbau eines Konfliktgespräches, die fünf W's und eine Übung zum „Blinden Fleck“.

Das Buch endet wie es beginnt, mit einer Frage und der darauf folgenden Antwort durch die Autorin.

Fazit

„Der Konflikt-Coach“ ist ein Buch, das vermutlich auf den privaten Erfahrungen wie auch auf der beruflichen Vorgehensweise der Autorin beruht.

Ich fühlte mich beim Lesen etwas zwiespältig, immer in der Dualität zwischen „super Hinweis, hilfreich für Suchende in Konfliktsituationen, praxisnah“ und „dieser Ausdruck geht gar nicht!“ (die Formulierung betreffend). Manches war mir auch zu dürftig, in Richtung „Schneller Konfliktratgeber für den Alltag“ oder „Fragen Sie Frau Ursu Mahler“. Da das Buch aus der Reihe „Soft Skills kompakt“ stammt, ist die Vorgehensweise jedoch wieder stimmig, da sie natürlich auch die Individualität und Praxis der jeweiligen Autoren im Ausdruck mit einbezieht.

Ich würde das Buch nur bedingt generell als Ratgeber für Vorgesetzte sehen, eher für Mitarbeiter oder Privatpersonen, die Impulse/Hinweise für wörtliche Redewendungen, Fragestellungen, Verhaltensanregungen suchen, um diese zeitnah praktisch umsetzten zu können. Damit erfüllt das Buch auch seinen selbst gesetzten Auftrag.

Das Fazit von Ursu Mahler in Bezug auf Konfliktlösungen bedeutet manchmal auch: „Es muss eine Entscheidung her!“ (Zitat, S. 80), nach dem Motto: “Love it, change it or leave it!“


Rezensentin
Dipl. Sozialpädagogin Monika Hirsch-Sprätz
Supervisorin, Mediatorin und Leiterin der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg. Arbeitsschwerpunkte: Information, Beratung, Training, Moderation, Konfliktmanagement, Mediation, Kooperation mit interdisziplinärem Experten-Netzwerk. Face-to-Face- und Online-Beratung. Bereiche: Schule, Ausbildung und Arbeitswelt.
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Zitiervorschlag
Monika Hirsch-Sprätz. Rezension vom 20.02.2012 zu: Ursu Mahler: Der Konflikt-Coach. Sicherer Umgang mit Konfliktsituationen im Familien- und Berufsalltag ; 86 Antworten zur erfolgreichen Konfliktlösung. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2011. ISBN 978-3-87387-781-8. Reihe: Soft Skills kompakt - Band 13. Reihe: Kommunikation - Konflikte und Konfliktlösung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11571.php, Datum des Zugriffs 17.02.2019.


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