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Edeltraut Habib, Regina Richter: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement

Cover Edeltraut Habib, Regina Richter: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. 232 Seiten. ISBN 978-3-7639-4799-7. 29,90 EUR.
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Thema

Es ist an sich bereits ein wertvolles sozialpolitisches Anliegen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Betrieben eine Arbeitswelt zu ermöglichen, in welcher sie gesund und arbeitsfähig bleiben. Es ist aber auch ein wichtiges sozialökonomisches Ziel, dass erkrankte Beschäftigte wieder in den betrieblichen Alltag eingegliedert werden können. Der in einigen Sektoren der deutschen Wirtschaft und im sozialen Bereich bereits deutlich wahrnehmbare Fachkräftemangel sollte darüber hinaus das Interesse der (sozial-)unternehmerisch Verantwortlichen an einer gesunden Belegschaft wie einer raschen und reibungslosen Reintegration von Mitarbeitenden, die nach einer physischen oder psychischen Erkrankung wieder in das Unternehmen eintreten, erhöht haben. Betriebliches Eingliederungsmanagement ist aber nicht als Verfahren gesetzlich geregelt, so dass in der Praxis in nicht wenigen Fällen Unsicherheit über gelingende Verfahren und Methoden der Gesunderhaltung von Mitarbeitenden sowie einer Reintegration von Erkrankten vorherrscht.

Autorinnen

Dr. Regina Richter ist Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin. Als Erwachsenenbildnerin und Coach ist sie freiberuflich tätig unter anderem als Dozentin, Trainerin und Beraterin im Bereich der Personalentwicklung.

Edeltraut Habib ist examinierte Krankenschwester und hat berufliche Erfahrung als Erzieherin und Leiterin einer Kindertagesstätte. Sie ist gegenwärtig Beraterin für Schwerbehindertenpolitik und für betriebliches Eingliederungsmanagement in Hamburger Betrieben.

Entstehungshintergrund

Dass betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) in nicht wenigen Fällen nicht mit der gebotenen Sorgfalt und Professionalität stattfindet, kann vor allem auf mangelnde Information über probate Wege und effektive Methoden zurückgeführt werden. Insoweit ist es ein wichtiges und verdienstvolles Unterfangen, das Management und die Mitarbeitervertretungen in (sozialen wie erwerbswirtschaftlichen) Organisationen durch Aufzeigen von »Good Practice« über die Chancen und die Ansätze von BEM aufzuklären. Ebenso wichtig erscheint es, über die rechtlichen Rahmenbedingungen zu informieren sowie den genannten Akteuren Handreichungen für die effektive Praxis des BEM zu geben.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation ist in drei Teile gegliedert.

Im ersten Abschnitt werden die Grundlagen des betrieblichen Eingliederungsmanagements in der Praxis dargelegt. Die Leserinnen und Leser erfahren das BEM als Chance, es wird ein entsprechendes BEM-Verfahren dargelegt, darüber hinaus werden Hinweise für den Datenschutz gegeben sowie Fördermöglichkeiten und unterstützende Institutionen genannt.

Der zweite Abschnitt widmet sich etwas umfangreicher 22 Beispielen für gelingendes betriebliches Eingliederungsmanagement in der Praxis. Es werden sechs Beispiele gegeben für begleitende Hilfen im Arbeitsleben, fünf exemplarische Möglichkeiten für finanzielle Absicherung aufgezeigt, sechs neue Perspektiven für Umschulung, Qualifikation und Arbeitsplatzwechsel skizziert sowie fünf Lösungen zum besseren Arbeiten (Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsplatzorganisation) exemplarisch präsentiert.

Der dritte Teil enthält Informationen und Handreichungen für die Praxis. Dieser Abschnitt dokumentiert die rechtlichen Grundlagen des betrieblichen Eingliederungsmanagements, enthält aber auch einen Musterantrag für eine betriebliche Anpassungsmaßnahme, einen Leitfaden für Präventions- oder BEM-Gespräche, ein Muster für eine Einladung zum ersten BEM-Gespräch mit Antwort sowie zu einer Datenschutzerklärung und jeweils ein Muster für die Schweigepflichtentbindung sowie die Beendigung des BEM.

Diskussion

Die Publikation zum betrieblichen Eingliederungsmanagement ist eine wertvolle Information und Handreichung für Personalverantwortliche ebenso wie für Betriebsräte in (sozialen) Unternehmen, Verwaltungen und Betrieben, aber auch für Mitarbeitende in Sozialversicherungen und in Gesundheitsberufen zu empfehlen. Die geschilderten Beispiele für betriebliches Eingliederungsmanagement in der Praxis können überzeugend aufzeigen, welche Möglichkeiten und Potenziale vorliegen, wenn verhindert werden soll, dass Erkrankung zu Exklusion führt. Es kann gezeigt werden, dass mit Professionalität und etwas Kreativität auch für Betroffene mit schwerwiegenderen und längerfristigeren Erkrankungen Lösungen gefunden werden können, die ihnen einen Verbleib im Betrieb und im Erwerbsleben ermöglicht. Die im dritten Teil dieser Veröffentlichung enthaltenen Checklisten, Gesprächsleitfaden und Muster sind praxisrelevant und durchdacht.

Fazit

Eine sozialpolitisch und ökonomisch ebenso aktuelle wie wichtige Publikation. Der Band ist ein ausgezeichneter Impulsgeber für gute Praxis im Eingliederungsmanagement und eine durchaus empfehlenswerte Informationsquelle für Fragen zum BEM für (Sozial-)Management, Mitarbeitervertretung und Betriebsrat.


Rezension von
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 26.05.2011 zu: Edeltraut Habib, Regina Richter: Das Betriebliche Eingliederungsmanagement. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2011. ISBN 978-3-7639-4799-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11589.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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