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Saskia Alich: Angehörige erwachsener Menschen mit Behinderung

Cover Saskia Alich: Angehörige erwachsener Menschen mit Behinderung. Ein Problemaufriss: empirisch-exemplarische Darstellung zur Lebenslage Angehöriger von Menschen mit Behinderung in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2011. 216 Seiten. ISBN 978-3-643-11112-8. 24,90 EUR.

Reihe: Organisation und Individuum - Band 6.
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Autorin

Die Autorin Saskia Alich stellt Forschungsergebnisse eines größeren Forschungsprojektes der Universität Köln zur „Inanspruchnahme, soziales Netzwerk und Alter am Beispiel von Angeboten der Behindertenhilfe“ dar. Inhalt ist der quantitative Teil der Untersuchung von Angehörigen mithilfe von Fragebogen, wobei sie nur vereinzelt auf begleitende qualitative Untersuchungen Bezug nimmt. Die dargestellte Untersuchung entspricht ihrer Dissertation.

Entstehungshintergrund

Der Brüsseler Kreis, ein Zusammenschluss von Trägern der Behindertenhilfe, der nach seinem eigenen Verständnis innovative Konzepte zu einer zukunftssicheren Weiterentwicklung in der Behindertenhilfe entwickelt, hat die Untersuchung bei der Universität Köln, und zwar bei der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen sowie der medizinischen Fakultät, in Auftrag gegeben.

Aufbau

Nach der Einführung in grundlegende Begriffe und theoretische Grundlagen auf der Grundlage jeweils einschlägiger Literatur wird die Methodik ausführlich dargestellt. Im Weiteren werden die Hypothesen formuliert und bezogen darauf die Ergebnisse und hier insbesondere die Korrelationen verschiedener Befunde erläutert. In der Zusammenfassung und dem Ausblick wird ein Desiderat für weitere Forschung in diesem Bereich formuliert.

Inhalt

Die Einleitung verweist zunächst auf aktuelle Diskussionen im Bereich der Behindertenhilfe und erläutert die Themenstellung, bevor der Aufbau der Arbeit im Einzelnen dargestellt wird.

Im zweiten Kapitel, Angehörige von Menschen mit Behinderung im sozialpolitischen Fokus, erläutert die Autorin den Forschungsstand zu Grundbegriffen der Arbeit. Nach dem sozialpolitischen Kontext wird das Konzept der Lebenslage und die An- und Herausforderungen an Angehörige geschildert. Im Anschluss werden Handlungsräume und Ressourcen, Lebenslauforientierung sowie ausführlich das soziale Netzwerk auch in Bezug auf Unterstützung in Familien mit behinderten Angehörigen dargestellt. Schließlich wird die Familie als soziale Unterstützung eingeordnet.

Im dritten Kapitel, Angeborene und früh erworbene Behinderung: Relevanz für die Angehörigen, befasst sich die Autorin zunächst mit dem Begriff der Behinderung, dem Zeitpunkt des Auftretens von Behinderung und dem demographischen Wandel.

Den Gedanken der angeborenen und früh erworbenen Behinderung vertieft sie im vierten Kapitel, wobei sie eine Lebenslaufbetrachtung vornimmt, auch in Bezug auf die Belastung und Bewältigung von Angehörigen und schließlich bezogen auf den Umzug in eine Einrichtung der Behindertenhilfe.

Im fünften Kapitel beschreibt sie den Rahmen der Untersuchung sowie die der Veröffentlichung zugrundeliegende Fragebogenuntersuchung in ihrem Ablauf.

Im sechsten Kapitel stellt sie nach einer kurzen methodischen Einführung zur Stichprobe, den einbezogenen Items und der statistischen Methode demografische Daten der Stichprobe sowie weitere Ergebnisse dar. Weiterhin formuliert sie auf der Basis des Vorgestellten fünf Hypothesen, die sie mit Ergebnissen der Fragebogenuntersuchung sowie den auf dieser Basis durchgeführten Korrelationsuntersuchungen be- bzw. widerlegt.

Das siebte Kapitel beinhaltet die Zusammenfassung und ein Fazit, das die wesentliche Ergebnisse zusammenfasst, die Grenzen der Studie aufzeigt und die Notwendigkeit weiterführender Forschungsbedarfe benennt.

Diskussion

Die Autorin stellt in den Grundlagen und Begriffsklärungen die relevante Literatur zutreffend und differenziert dar. An manchen Stellen ist zu bemerken, dass die verschiedenen Aspekte nicht sinnvoll zueinander in Bezug gesetzt, sondern eher nebeneinander gestellt werden (In Kapitel zwei wird beispielsweise die Verortung Angehöriger von Menschen mit Behinderung im Gefüge des Sozialstaats nicht weiter aufgegriffen). Diese Schwierigkeit setzt sich in den Ergebnissen der Fragebogenstudie insoweit fort, als die Ergebnisse nur auf einer kleinen Stichprobe beruhen und damit in vielen Fragen nur erste Anhaltspunkte geben können. Gleichzeitig geben sie aber als quantitativ erhobene Daten nur einen geringen Einblick in Zusammenhänge. Beispielsweise wäre es auch möglich, die Hypothese 5,„Je intensiver die Nutzung der einzelnen Bewältigungsstrategien, desto geringer das subjektive Belastungsempfinden.“ andersherum zu formulieren, „Je größer die subjektive Belastung, desto ausgeprägter die Nutzung von Bewältigungsstrategien.“Hier scheint die Autorin von Vorannahmen auszugehen, die sich nicht vollständig aus der vorgestellten Literatur herleiten lassen. Dabei sind die Forschungsergebnisse durchaus von Interesse und tragen dazu bei, weitergehende Fragen zu formulieren.Damit bleiben die Forschungsergebnisse und ihre Darstellung erste Annäherungen, die dem Untertitel der Veröffentlichung entsprechen „Ein Problemaufriss: Empirisch-exemplarische Darstellung“.

Fazit

In ihrer Dissertation setzt sich die Autorin mit der Belastungssituation von Angehörigen erwachsener Menschen mit Behinderung auseinander. Dabei präsentiert sie Daten einer Fragebogenstudie, die in Verbindung mit der Darstellung verschiedener Konzepte wie Lebenslage, Lebenslaufbetrachtungen sowie sozialer Netzwerke und Ressourcen interessante Anregungen zur Betrachtung der Situation von Angehörigen erwachsener Menschen mit Behinderung gibt. Insbesondere für Wissenschaftler und Studierende, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen ergibt sich daraus eine lohnende Lektüre.


Rezensentin
Prof. Dr. med. Jeanne Nicklas-Faust
Evangelische Hochschule Berlin (z.Zt. beurlaubt)
Bundesgeschäftsführerin der Lebenshilfe Bundesvereinigung


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Zitiervorschlag
Jeanne Nicklas-Faust. Rezension vom 05.12.2012 zu: Saskia Alich: Angehörige erwachsener Menschen mit Behinderung. Ein Problemaufriss: empirisch-exemplarische Darstellung zur Lebenslage Angehöriger von Menschen mit Behinderung in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2011. ISBN 978-3-643-11112-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11613.php, Datum des Zugriffs 21.11.2019.


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