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Thomas Eckert, Aiga von Hippel et al. (Hrsg.): Bildung der Generationen

Rezensiert von Dr. Anne-Kathrin Mayer, 28.10.2011

Cover Thomas Eckert, Aiga von Hippel et al. (Hrsg.): Bildung der Generationen ISBN 978-3-531-17050-3

Thomas Eckert, Aiga von Hippel, Manuela Pietraß, Bernhard Schmidt-Hertha (Hrsg.): Bildung der Generationen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2011. 485 Seiten. ISBN 978-3-531-17050-3. 49,95 EUR.

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Thema, Entstehungshintergrund und Zielgruppe

Bei dem vorliegenden Sammelband handelt es sich um eine Festschrift, die anlässlich des 60. Geburtstag von Prof. Dr. Rudolf Tippelt, Professor für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, von einigen seiner Schülerinnen und Schüler herausgegeben wurde. Mit dem Thema „Generationen“ wurde dabei ein Fokus gewählt, der gleichermaßen das bisherige Werk Tippelts kennzeichnet wie auch ein hoch aktuelles und vielschichtiges Forschungsgebiet der Bildungs-, Erziehungs- und Sozialwissenschaften darstellt. Nicht erst seit der wegweisenden Arbeit von Karl Mannheim zum „Problem der Generationen“ wird hier das Konzept der „Generationen“ lebhaft diskutiert und in seinen zahlreichen Bedeutungsfacetten untersucht.

In dem von Eckert, von Hippel, Pietraß und Schmidt-Hertha herausgegebenen Band dominiert ein historisch-politisches Verständnis des Generationenbegriffs, orientiert an der Auffassung Mannheims, wonach die Generationszugehörigkeit als eine auf geteilten Erfahrungen basierende, handlungsrelevante sozialkulturelle Ordnungskategorie aufzufassen sei. Damit rücken Fragen nach den Einflüssen gesellschaftlicher und kultureller Rahmenbedingungen auf die Ontogenese in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Diesen Fragen gehen die Beiträge des Bandes nach. Sie entstammen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, vorrangig den Bildungs- und Erziehungswissenschaften, aber auch Psychologie und Sozialwissenschaften.

Als Adressaten werden primär Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende der Fächer Erziehungs- und Bildungswissenschaft genannt. Viele Kapitel sind jedoch auch für Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler anderer Fächer (z.B. Psychologie, Soziologie), die sich mit der Generationenthematik befassen, von hohem Interesse.

Herausgeber

Dr. Thomas Eckert ist Professor am Institut für Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, zugeordnet dem Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik, Erziehungs- und Sozialisationsforschung. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen „Professionalisierung in pädagogischen Tätigkeitsfeldern“, „Schulqualität“, „Erwachsenenbildung“ sowie „Qualitative und quantitative Methoden der Sozialforschung“.

PD Dr. Aiga von Hippel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören die pädagogische Professionsforschung, Kompetenzförderung pädagogischen Personals, Bildung und soziale Ungleichheit und medienpädagogische Themen.

Dr. Manuela Pietraß hat eine Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Medienbildung an der Universität der Bundeswehr München inne. Sie lehrt und forscht zu Medienrezeption und qualitativer Medienbildungsforschung, Theorien der Medienbildung, medialen Gestaltungsformen und Medienwirklichkeiten sowie Grundlagen der Medienkompetenz.

Dr. Bernhard Schmidt-Hertha vertritt derzeit die Professur für Weiterbildung und Medien an der TU Braunschweig. Seine Forschungsgebiete sind die Bildung älterer Erwachsener, informelles Lernen, Hochschuldidaktik, Neue Medien in der Aus- und Weiterbildung sowie Jugendforschung.

Aufbau und Inhalt

Der Band umfasst ein Vorwort der Herausgeber sowie vier Teile mit insgesamt 33 Kapiteln, in denen teils theoretisch-konzeptuelle Überlegungen angestellt und teils empirische Befunde zusammengefasst oder neuere Studien der Autoren vorgestellt werden.

In den sechs Kapiteln von Teil 1, „Der Generationenbegriff in pädagogischen Kontexten“, werden Facetten des Generationenbegriffs aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven und in unterschiedlichen Forschungs- und Praxisfeldern beleuchtet. Neben einer vertiefenden Diskussion des Generationenbegriffs von Karl Mannheim finden sich Überlegungen zum Stellenwert und der Bedeutung des Begriffs in der Bildungsforschung, der Personalentwicklung, der Forschung zu Migrantenfamilien („Migranten der zweiten Generation“) und der „Milieuforschung“.

Teil 2, „Generationenbeziehungen und integrative Bildung“, thematisiert in zehn Kapiteln Aspekte der Beziehungen zwischen Generationen innerhalb von Familien, in betrieblichen und organisationellen Kontexten, Institutionen und auf gesellschaftlicher Ebene. Fragen der intergenerationellen „Transmission“ von Bildung(stiteln) werden ebenso aufgegriffen wie Besonderheiten der Interaktions- und Kommunikationsprozesse und (emotionale) Bindungen zwischen Alt und Jung, Erfordernisse intergenerationeller Bildungsprozesse und Fragen nach der Plastizität von Entwicklung und damit den Entwicklungsressourcen, die ältere Menschen in Generationenverhältnisse einbringen.

Die neun Kapitel von Teil 3, „Generationen und gesellschaftlicher Wandel“, fokussieren die Auswirkungen historischer und sozialer Veränderungsprozesse auf die Erfahrungs- und Erlebniswelt der einzelnen Generationen und das Verhältnis zwischen den Generationen. Vergleichende Betrachtungen jugendlicher Biografieverläufe werden ergänzt durch Analysen der sich wandelnden Prozesse der Bildungsvermittlung. Diese werden in mehreren Kapiteln am Beispiel der Entwicklung des schulischen Bildungswesens illustriert. Drei weitere Kapitel thematisieren die Rolle von Medien in Lern- und Bildungsprozessen und ihre möglicherweise generationen-konstituierende Bedeutung.

Schließlich wird in den acht Kapiteln von Teil 4, „Generationen in der Weiterbildung und betrieblichen Bildung“, aufgezeigt, welche Rolle das Konzept der Generationen in Arbeitskontexten besitzt. Hier wird insbesondere auf die Rolle von (älteren) Lernenden im Betrieb eingegangen; so werden die Bedeutung des Generationenthemas aus Sicht der Personalentwicklung analysiert, die Kompetenzentwicklung im Alter beleuchtet, das Weiterbildungsverhalten in verschiedenen Altersgruppen analysiert und ein Beratungskonzept vorgestellt, welches Überlegungen zum Lebenslangen Lernen und zum Life Design aufgreift. Ergänzend wird veranschaulicht, wie Generationenbilder von Lehrenden und Lernenden die Lernprozesse in der Erwachsenenbildung prägen.

Diskussion und Fazit

Der sehr heterogene Sammelband liefert wertvolle Einblicke in die Vielschichtigkeit und Nützlichkeit des Generationenkonzepts für Theorie, Forschung und Anwendungskontexte. Angesichts der Breite des behandelten Themenspektrums fällt es nicht leicht, hier eine Orientierung zu gewinnen bzw. zu behalten, so dass der Band sicherlich weniger als Einführung in die Thematik zu verstehen ist denn als Potpourri der zahlreichen Facetten des Generationenbegriffs, wie sie in den theoretischen und empirischen Bildungswissenschaften, aber auch in angrenzenden Gebieten (z.B. der Entwicklungs- und Wirtschaftspsychologie) herausgearbeitet wurden. Für Leserinnen und Leser mit entsprechenden Vorkenntnissen stellt der Band eine Fundgrube hochinteressanter, kenntnisreich verfasster Aufsätze dar, dessen Lektüre zu einem vertieften Verständnis generationsspezifischer Problematiken wie auch intergenerationeller Prozesse beiträgt.

Rezension von
Dr. Anne-Kathrin Mayer
Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID), Trier
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Es gibt 23 Rezensionen von Anne-Kathrin Mayer.

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ISSN 2190-9245