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Bernd von Maydell, Franz Ruland: Sozialrechtshandbuch

Cover Bernd von Maydell, Franz Ruland: Sozialrechtshandbuch. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. 3., veränderte Auflage. 1815 Seiten. ISBN 978-3-8329-0147-9. 128,00 EUR, CH: 217,00 sFr.

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Einführung in das Thema und zum Hintergrund des Buches

Das Sozialrecht stellt ein Rechtsgebiet dar, das wie kaum ein anderes sowohl durch eine hohe Komplexität als auch durch einen seit einigen Jahren stetig anhaltenden tief greifenden Reformprozess geprägt ist. Gleichzeitig spiegelt sich im Sozialrecht die rechtspolitische Diskussion in einem Ausmaß wieder, die in ihrer Tiefe und Verästelung eine Systematisierung dieses Rechtsgebietes schwierig macht.

Das vorliegende Sozialrechtshandbuch - kurz SRH - stellt sich nun schon in der dritten Auflage der großen Aufgabe, dieses umfassende Rechtsgebiet in einem Band darzustellen. Als Herausforderung hat sich dabei erwiesen, dass zum Zeitpunkt der Herausgabe dieses Buches bereits erkennbar war, dass der deutsche Sozialstaat umfassenden Reformen unterworfen sein würde. Da der Abschluss dieses Reformprozesses aber durchaus nicht absehbar ist, wurde die Herausgabe dieses Werkes vor allem deswegen nicht verzögert, um eine gesamte Bestandsaufnahme des Sozialrechts - und damit auch einer langjährigen sozialpolitischen Diskussion - zu leisten.

Die beiden Herausgeber sind ausgewiesene Sozialrechtsexperten, die mit dem SRH nicht nur einen Überblick über das gesamte Sozialrecht geben wollen, sondern darüber hinaus seine Einordnung in die gesamte Rechts- und Wirtschaftsordnung leisten möchten. Bernd Baron von Maydell ist über viele Jahre Direktor des renommierten Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Sozialrecht in München gewesen und hat neben seiner Herausgebertätigkeit selber in diesem Band einen Überblicksaufsatz zur Stellung des Sozialrechts in der Wirtschafts- und Sozialordnung beigesteuert. Der zweite Herausgeber, Franz Ruland, ist Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) in Frankfurt am Main und einer der wichtigsten Rentenexperten in Deutschland. Auch er tritt neben seiner Herausgeberschaft mit einem Beitrag zum Rentenversicherung als Autor in diesem Band in Erscheinung.

Den Herausgebern ist es gelungen, für die einzelnen sozialrechtlichen Einzelgebiete Autoren und Autorinnen zu gewinnen, die auf ihrem Rechtsgebiet eine umfassende Expertise aufweisen. Mit insgesamt 35 Autor|innen ist hier eine imposante Auswahl der herausragenden Sozialrechtler|innen Deutschlands versammelt worden. Von besonders hoher Bedeutung ist der Einbezug der neuesten Entscheidungen des Bundessozialgerichts sowie anderer relevanter Gerichte.

Dabei ist dieses Werk vollständig überarbeitet worden und vor allem um die Bereiche des europäischen und supranationalen Sozialrechts erweitert worden. Auch hier hat die jüngste Rechtssprechung Eingang gefunden, insbesondere die des Europäischen Gerichtshofes.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in insgesamt vier Teile gegliedert. Im ersten Teil sind grundlegende Aufsätze versammelt, die das Sozialrecht systematisch (in die Wirtschafts- und Rechtsordnung, in das Verfassungsrecht und in die ökonomischen Rahmenbedingungen) sowie historisch verorten. Ein weiterer Beitrag in diesem Teil ist der Zukunft des Sozialstaats gewidmet. Im zweiten Teil werden unter dem Titel "Sozialleistungsträger - Sozialleistungen -Verfahren" die Organisationsstrukturen des deutschen Sozialstaates umfassend dargestellt. Neben einer grundlegenden Darstellung der Selbstverwaltung der Sozialversicherung und einem umfassenden Überblick über die verschiedenen Arten der Sozialleistungen wird hier ausführlich auf das Verhältnis zwischen Sozialleistungsempfängern und Sozialleistungsträgern sowie die Zusammenarbeit der Leistungsträger eingegangen. Weitere Kapitel in diesem Teil widmen sich den Ersatzpflichten Dritter, dem Sozialdatenschutz, dem Verfahrensrecht sowie dem sozialgerichtlichen Verfahren.

Der bei weitem umfassendste dritte Teil des vorliegenden Werkes geht ausführlich auf die einzelnen Bereiche des Sozialrechts ein. In insgesamt 17 Kapiteln wird hier der gesamte Horizont des Sozialstaates in sozialrechtlicher Hinsicht abgehandelt. Dabei werden neben den verschiedenen Sozialgesetzbüchern und dem Sozialhilferecht auch sozialrechtlich relevante Themen wie die kommunale Sozialpolitik, das soziale Entschädigungsrecht, das Familienlastenausgleichsrecht sowie die Ausbildungsförderung erörtert.

Der vierte Teil behandelt internationales, supranationales und zwischenstaatliches Sozialrecht. Hier wird zunächst die Problematik grenzüberschreitender Sachverhalte nationalen Sozialrechts dargestellt. In weiteren Beiträgen werden das supranationale Sozialrecht, das Sozialrecht der internationalen Organisationen sowie die zwischenstaatlichen Sozialversicherungsabkommen dargestellt.

Im Folgenden sollen die Inhalte dieser vier großen Teile des Buches im Einzelnen dargestellt werden.

Erster Teil: Grundlagen

In seinem einführenden Beitrag verdeutlicht Bernd Baron von Maydell die Notwendigkeit einer Verortung des Sozialrechts in das Gesamtsystem des Rechts. Dabei weist er eingangs auf die Schwierigkeit einer eindeutigen Bestimmung des Begriffs und der Reichweite des Sozialrechts hin. Die Lektüre dieses Beitrages ist gleichzeitig auch als Klammer für das gesamte Werk zu verstehen und ist zum fruchtbaren Umgang mit diesem umfangreichen Werk auch sehr zu empfehlen. Dies lässt sich auch für den zweiten Beitrag feststellen, in dem der Kasseler Sozialstaatshistoriker Florian Tennstedt in die Geschichte des Sozialrechts einführt. Dabei beschreibt er die sozialrechtliche Entwicklung vornehmlich als die historische Entwicklung des Sozialversicherungssystems seit dem Deutschen Kaiserreich bis zum Jahr 2002. Realhistorische Rahmenbedingungen werden weitgehend ausgeblendet, was sowohl vor dem Hintergrund der Zielsetzung des Beitrags sowie der notwendigen Knappheit legitim ist. Dem Einfluss des Verfassungsrechts auf das Sozialrecht geht der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier im dritten Aufsatz in diesem ersten Teil des Buches nach. Neben einer umfangreichen Auseinandersetzung mit dem im Grundgesetz formulierten Sozialstaatsprinzip erläutert Papier andere für die Sozialstaatlichkeit relevanten Grundgesetzartikel wie z.B. die Eigentumsgarantie nach Art. 14 GG, die Berufsfreiheit nach Art. 12 GG sowie den Gleichheitssatz nach Art. 3 GG. Auf die fundamentale Verschränkung von Sozial- und Wirtschaftspolitik geht der Direktor der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung des Bremer Zentrums für Sozialpolitik Wilfried Schmähl ein. Neben der Darstellung der quantitativen Bedeutung der sozialen Sicherung (die mit empirischen Daten illustriert wird) verweist Schmähl auf die verschiedenen Finanzierungsformen (z.B. Transferzahlungen) sowie die ökonomischen Wirkungen sozialer Sicherung (Produktionsfaktoren, Wirtschaftswachstum, Schattenwirtschaft). Diesen ersten Teil des Werkes beschließt der Frankfurter Volkswirt Richard Hauser mit einem prospektiven Beitrag, in dem er ausgehend von den aktuellen Rahmenbedingungen verschiedene mögliche Entwicklungsszenarien des deutschen Sozialstaats zeichnet. Dabei fällt seine Schlussfolgerung durchaus positiv aus, insofern er noch ökonomische Spielräume für eine weitere Ausgestaltung des Sozialleistungssystems sieht.

Zweiter Teil: Sozialleistungsträger und Sozialleistungen und Verfahren

Dieser zweite Teil wird mit einem Artikel des Direktors des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Sozialrecht in München Ulrich Becker zum Themenkomplex der Organisation und Selbstverwaltung der Sozialversicherung eröffnet. Dabei stehen die drei Grundprinzipien Gliederung, Selbstverwaltung und rechtliche Verselbständigung im Mittelpunkt der Betrachtung. In einer umfangreichen Bestandsaufnahme werden die Organisationsstruktur der Sozialversicherungsträger und anderer Einrichtungen sowie die Selbstverwaltung dargestellt. Mit Friedrich von Koch und Ralf Kreikebohm (beide Landesversicherungsanstalt Braunschweig) wird das Verhältnis zwischen Sozialleistungsempfängern und Sozialleistungsträgern aus der Sicht von Praktikern beschrieben. In diesem sehr umfassenden Beitrag wird das Sozialleistungsverhältnis sowohl aus der Sicht der hieraus entstehenden Rechtsansprüche wie auch der Pflichten beleuchtet. Dabei wird besonders auf das komplexe Normengeflecht und die historische Gewachsenheit des Sozialleistungsverhältnisses eingegangen. Dem Begriff der Sozialleistungen, den verschiedenen Leistungsarten sowie den Grundsätzen des Leistungsrechtes, wie sie im SGB I festgelegt sind, geht der mittlerweile verstorbene Bonner Arbeitsrechtler Meinhard Heinze nach. Von besonderer Aktualität ist der Aufsatz des ehemaligen Direktors des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge Walter Schellhorn, der sich der Zusammenarbeit der Leistungsträger widmet. Hier steht vor allem das gleichnamige Kapitel im SGB X im Mittelpunkt der Betrachtungen, wobei systematisch auf die verschiedenen Inhaltsbereiche der gesetzlich geforderten Zusammenarbeit eingegangen wird (z.B. Beschleunigung bei der Auszahlung von Sozialleistungen, Zusammenarbeit bei Planung und Forschung, Erstattungsansprüche der Leistungsträger untereinander). Daran im Anschluss werden von dem Frankfurter Fachanwalt für Arbeits- und Sozialrecht Hermann Plagemann die Ersatzpflichten Dritter dargestellt, die ebenfalls vornehmlich im SGB X festgeschrieben sind. Neben den verschiedenen Regress-Arten wird auch auf Ersatzpflichten des Arbeitsgebers sowie die sog. "Erbenhaftung" eingegangen. Wolfgang Binne, Hauptabteilungsleiter beim Verband Deutscher Rentenversicherungsträger liefert einen umfassenden Überblick über den Sozialdatenschutz, wobei er sowohl auf die geschichtliche Entwicklung, die einzelnen Regelungsprinzipien, den Problemkomplex der Zulässigkeit sowie spezifische Datenverarbeitungs- und Datenschutzvorschriften eingeht. Der Greifswalder Jurist Maximilian Wallerath beschreibt in seinem Beitrag das sozialrechtliche Verwaltungsverfahren, wie es im SGB X kodifiziert ist. Dabei wird auf die Subjekte des Verwaltungsverfahrens, Verfahrensbestimmungen, den Verwaltungsakt als solchen, Widerspruchsverfahren sowie das Vollstreckungsverfahren eingegangen. Spezifisch auf das sozialgerichtliche Verfahren geht der ehemalige Vorsitzende Richter am Bundessozialgericht Peter Kummer ein, der den zweiten Teil des Buches beschließt. Hier werden zunächst die Rechtsgrundlagen dargestellt, bevor auf die einzelnen Gerichte der Sozialgerichtsbarkeit, Rechtswege, Klagearten sowie die einzelnen Schritte eines Sozialgerichtsverfahrens eingegangen wird.

Dritter Teil: Einzelne Bereiche des Sozialrechts

In diesem Teil wird auf insgesamt knapp 700 Seiten, aufgeteilt in 17 Kapitel, jeder einzelne Bereich des Sozialrechts dargestellt. Auch hier ist es den Herausgebern gelungen, für die einzelnen Sozialrechtszweige führende Expert|inn|en zu gewinnen.

Den Anfang machen Ingwer Ebsen (Frankfurt/M.) und Franz Knieps (Berlin) mit dem Krankenversicherungsrecht, wobei anfangs ausführlich auf die historische Entwicklung eingegangen wird. Im weiteren Fortgang wird auf die Strukturprinzipien der GKV sowie die Beziehungen der Leistungserbringer zu den Krankenkassen eingegangen.

Jochem Schmitt (Berlin) gibt in seinem Beitrag zur Unfallversicherung einen Überblick zum versicherten Personenkreis und den Leistungen im Einzelnen. Weitere Themen sind der Haftung der verschiedenen Akteure, sowie der Organisation und der Finanzierung der Unfallversicherung gewidmet.

Wie eingangs schon erwähnt, stellt mit Franz Ruland (Frankfurt/M.) einer der beiden Herausgeber das Rentenversicherungsrecht dar. Hier wird eingangs auf Grundprinzipien der GRV eingegangen, um dann im weiteren Fortgang des Kapitels auf Versicherte, Beitrag, Versicherungsfälle, rentenrechtlich relevante Zeiten und Renten im Einzelnen einzugehen.

Der Pflegeversicherung widmet sich Gerhard Igl (Kiel), der die Entstehung dieses jüngsten Sozialversicherungszweiges von Anbeginn mit beeinflusst hat. So ist es nahe liegend, dass hier zunächst die Geschichte der Pflegeversicherung dargestellt wird. Weitere Themen sind hier Grundsätze der Pflegeversicherung, Leistungen, Personenkreis, Leistungserbringung, Finanzierung und Qualitätssicherung.

Winfried Boecken (Karlsruhe) stellt in seinem Beitrag die berufsständischen Versorgungswerke dar. Auch hier wird auf die Entwicklung eingegangen, wobei dann aber die wesentlichen Strukturen überblicksartig dargestellt werden.

Dem Bereich der agrarsozialen Sicherung ist der Beitrag von Harald Deisler (Kassel) gewidmet. Hier werden neben den verschiedenen Versicherungszweigen und dem versicherten Personenkreis vor allem die Leistungen im Einzelnen dargestellt.

Die Künstlersozialversicherung stellt Hugo Finke (Berlin) dar, der neben einer systematischen Einordnung in die Sozialversicherung und einem Überblick über die Grundzüge der Künstlersozialversicherung auch auf praxisrelevante Probleme eingeht.

In seinem Beitrag zur Arbeitsförderung geht Klaus-Peter Wagner (Berlin) besonders auf ein. Hier stehen Arbeits- und Ausbildungsvermittlung, Förderleistungen an Arbeitnehmer, berufliche Qualifizierung, Förderleistung an Arbeitgeber und Träger sowie Entgeltersatzleistungen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Schließlich wird auch noch auf Finanzierung, Organisation und Verfahren und neueste Rechtsentwicklung eingegangen, wobei aufgrund des Redaktionsschlusses noch nicht das SGB II-E dargestellt werden kann, aber die wesentlichen Grundzüge der Hartz-Vorschläge benannt werden.

Dem Sozialhilferecht widmet sich Peter Trenk-Hinterberger (Bamberg). Neben einer ausführlichen Einführung in Begriff, Funktion und Rechtsquellen werden Aufgaben und Ziele des BSHG benannt, auf die Sozialhilfeträger-Strukturen eingegangen, die Leistungen der Sozialhilfe dargestellt (Hilfe zum Lebensunterhalt und Hilfe in besonderen Lebenslagen). Auch Kostenersatz und Verpflichtungen Dritter, Sonderregelungen und Finanzierung werden benannt. Ein gesonderter Teil ist der Grundsicherung gewidmet, der m.E. hätte ausführlicher ausfallen können. Auf die neueste Entwicklung, insbesondere die Einordnung des Sozialhilferechts in das Sozialgesetzbuch (SGB XII-E) konnte hier noch nicht eingegangen werden.

Das Kinder- und Jugendhilferecht ist Gegenstand des Kapitels von Johannes Münder (Berlin). Nach einem Überblick wird hier auf Strukturmerkmale und Leistungsrecht im Einzelnen eingegangen. Außerdem werden Trägerstrukturen, Finanzierung und Verfahren detailliert erläutert.

Der Kommunalen Sozialpolitik ist mit der Darstellung ein Kapitel von Rainer Pitschas (Speyer) gewidmet. Neben einer sozialrechtlichen Einordnung wird hier auch auf gesamtgesellschaftliche Dimensionen (Selbsthilfe und Bürgerengagement) eingegangen.

Dem Sozialen Entschädigungsrecht mitsamt seinen Verästelungen geht Friedhelm Hase (Siegen) nach. Dass hier die historische Entwicklung von zentraler Bedeutung ist, liegt im Rechtsgebiet begründet. Den größten Raum nimmt die Darstellung der Entschädigungsfälle und der -leistungen ein.

Das grundlegend geänderte Schwerbehindertenrecht wird von dem bereits erwähnten Ingwer Ebsen (Frankfurt/ M.) dargestellt, in einem weiteren Kapitel wird auf den zweiten Teil des SGB IX in einem Beitrag von Axel Reimann (Frankfurt/M.) eingegangen. In beiden Beiträgen wird die Komplexität dieses Sozialrechtsgebietes deutlich, die zwar durch die Zusammenführung in das SGB IX gemildert wurde, aber immer noch unverkennbar ist. Ebsen stellt in seinem Beitrag ausführlich die wesentlichen Eckpunkte des Schwerbehindertenrechts dar, wobei besonders seine klare Darstellung der Ausgleichsabgabe und des Kündigungsschutzes hervorzuheben ist. Reimann stellt die leistungsrechtlichen Aspekte sehr in den Mittelpunkt und erläutert detailliert die Aufgaben der verschiedenen Teilhabeleistungen der einzelnen Rehabilitationsträger.

Joachim Becker (München) stellt das Wohngeldrecht in seinem Beitrag dar, wobei vor allem die Anspruchsvoraussetzungen differenziert dargestellt werden.

Dagmar Felix (Hamburg) erläutert das Familienlastenausgleichsrecht, wobei nach einer Begriffsklärung und der Darstellung der wesentlichen Instrumente auch Zielsetzungen und die wirtschaftliche Relevanz des Familienlastenausgleichsrecht erläutert werden. Der größte Teil ist dem Familienlastenausgleich im Einkommenssteuerrecht gewidmet. Im Schlussteil erfolgt die Einordnung in das Sozialrecht.

Das Schlusskapitel in diesem dritten Teil widmet sich der Ausbildungsförderung, das von Ingo Richter (Tübingen) dargestellt wird. Hier werden neben Zielen auch die einzelnen Formen der Ausbildungsförderung erläutert. Einen großen Teil nimmt der Überblick über die Ausbildungsförderung nach BAFöG ein.

Vierter Teil: Internationale Aspekte des Sozialrechts

Diesen letzten - und in dieser Auflage erstmals so umfangreichen - Teil eröffnet Heinz-Dietrich Steinmeyer (Münster) mit einem Beitrag zum nationalen Recht grenzüberschreitender Sachverhalte. Hier wird auf die einzelnen Sozialversicherungszweige im internationalen Sozialrecht eingegangen sowie auf sog. Kollisionsnormen.

Bernd Schulte, der am Max Planck Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht in München tätig ist, gibt einen Überblick über das supranationale Recht. Hier stehen sozialpolitisch relevante Vorschriften des EG-Vertrages im Mittelpunkt der Betrachtungen. Dabei geht Schulte vornehmlich auf die wesentlichen Inhalte der Gemeinschaftsbedingungen über die soziale Sicherheit ein. In weiteren Unterkapiteln wird auf weitere sozialpolitisch relevante Aspekte der Europäischen Union eingegangen, aber auch Randbereiche tangiert wie z.B. das Wettbewerbsrecht.

Angelika Nußberger (Köln) geht auf das Sozialrecht der internationalen Organisationen ein, wie z.B. der Internationalen Arbeitsorganisation, den Vereinten Nationen oder des Europarats.

Das Schlusskapitel ist den Sozialversicherungsabkommen gewidmet, über die Ulrich Petersen (Berlin) informiert. Dabei wird vornehmlich auf den Aufbau und Inhalt der zwischenstaatlichen Sozialversicherungsabkommen eingegangen sowie auf deren Durchführung.

Haupterkenntnisse des Buches

Bei einem Kompendium, das eine Vielzahl verschiedener Autor|innen zu einem sehr heterogenen Thema in einem Werk dieses Ausmaßes versammelt, ist es schwierig von Haupterkenntnissen zu sprechen. Dennoch lassen sich einige Gemeinsamkeiten beschreiben, die allen Beiträgen gemeinsam sind. So wird in jedem der Beiträge deutlich, dass kein sozialrechtlicher Bereich isoliert betrachtet werden kann, sondern immer im Kontext der gesamten Sozialrechtsentwicklung und der sozialpolitischen Diskussion betrachtet werden muss. Damit wird gleichzeitig deutlich, dass Reformen in einzelnen sozialrechtlichen Bereichen gleichsam wie Stellschrauben funktionieren und so nachhaltige Auswirkungen auf die gesamte Funktionsweise des Sozialrechts und damit des Sozialstaats haben. Ein weiterer wichtiger Erkenntnisaspekt ist die historische Gewachsenheit jedes Einzelbereichs des Sozialrechts, die in jedem Kapitel eingangs für den jeweiligen Rechtsbereich dargestellt wird. Diese Einordnung erleichtert das Verständnis und verdeutlicht die systematische Grundstruktur des gesamten Sozialrechts. Jeder einzelne der hier zusammengestellten Beiträge stellt einen in sich abgeschlossenen Überblick dar, der sowohl durch die Vielzahl der angegebenen Literaturhinweise als auch einschlägige Gerichtsurteile eine Vertiefung der Thematik ermöglichen.

Zielgruppen

In erster Linie ist dieses Buch für Sozialrechtler|innen geeignet, die sich einen kompetenten und umfassenden Überblick über alle Aspekte des Sozialrechts verschaffen wollen. Durch seine breite Ausrichtung und die generalistische Darstellung der einzelnen Beiträge ist dieses Werk aber letztlich für alle an der sozialpolitischen Diskussion Interessierten empfehlenswert, seien es nun Wissenschaftler|innen der Disziplinen Ökonomie, Soziologie oder Politikwissenschaft oder Praktiker|innen in Sozialverbänden oder der Sozialverwaltung.

Zum Wert des Buches für die Zielgruppen - Fazit

Es gibt wohl kaum ein Buch, das derart umfassend, vollständig und verständlich in einem Band die sozialrechtlichen und sozialpolitischen Grundlagen des deutschen Sozialstaates veranschaulicht. Sowohl die Darstellung grundlegender Themengebiete als auch die Erläuterung spezifischer Teile des Sozialversicherungsrechts ist auch für Nichtjuristen und -juristinnen in hohem Maß verständlich, was durch die gute Systematisierung noch erheblich erleichtert wird. Hierzu trägt die Strukturierung mit Randziffern, wie in der juristischen Fachliteratur üblich, noch bei. Durch seinen Preis - der angesichts des hohen Nutzwert und des Umfangs vollkommen gerechtfertigt ist - stellt dieses Werk eine langfristige "Wertanlage" dar, die den genannten Zielgruppen ohne Einschränkung empfohlen werden kann.


Rezensentin
Prof. Dr. Marion Möhle
Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Vgl. auch die Rezension zur 4. Auflage aus dem Jahr 2008.


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Zitiervorschlag
Marion Möhle. Rezension vom 09.12.2003 zu: Bernd von Maydell, Franz Ruland: Sozialrechtshandbuch. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2003. 3., veränderte Auflage. ISBN 978-3-8329-0147-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1163.php, Datum des Zugriffs 17.10.2019.


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