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Kerstin Popp, Conny Melzer u.a.: Förderpläne entwickeln und umsetzen

Cover Kerstin Popp, Conny Melzer, Andreas Methner: Förderpläne entwickeln und umsetzen. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2011. 180 Seiten. ISBN 978-3-497-02213-7. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 37,90 sFr.

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Thema

Die Publikation befasst sich thematisch mit der Beschreibung von:

  • Grundlagen der Förderplanung;
  • zur Förderplanung erforderlichen Methoden;
  • Möglichkeiten zur Förderung von Schülern mit pädagogischem Förderbedarf.

Autorinnen und Autor

Kerstin Popp (Jg. 1955) lehrt als Professorin an der Universität Leipzig Verhaltensgestörtenpädagogik. Sie promovierte mit zwei Dissertationen:

  1. „Zu einigen grundlegenden Aspekten der Relevanz des dialektisch-materialistischen Entwicklungsbegriffs für neuere biologische Entwicklungsfassungen“ (1983)
  2. „Die dialektisch-materialistische Determinismuskonzeption in ihrer Bedeutung für spezielle Theorienbildungsprozesse in der Medizin (am Beispiel des Risikofaktorenkonzepts für arteriosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen)“ (1988)

1991 wurden Frau Popps wissenschaftliche Leistungen als Habilitation anerkannt.

Conny Melzer (Jg. 1979) promovierte 2009 an der Universität Leipzig mit einer Arbeit über die Kooperative Erstellung und Fortschreibung individueller Förderpläne - Entwicklung und Evaluation einer transferorientierten Trainingskonzeption. Gegenwärtig ist sie Lehramtsanwärterin an einer Förderschule für geistige Entwicklung in Steinfurt.

Andreas Methner ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Verhaltensgestörtenpädagogik der Universität Leipzig.

Entstehungshintergrund

Begründet ist die Publikation in der Übereinkunft über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Für die schulische Bildung ist hier der Fokus auf Artikel 24 zu legen. Da nun auch die als behindert degradierten Schüler die allgemeinen Schulen besuchen dürfen, „wird die Förderplanung zur Aufgabe der Lehrkräfte aller Schularten“ (S. 9).

Aufbau

Die Publikation ist in acht Kapitel gegliedert:

  1. Individuelle Förderung von Schülern
  2. Grundlagen der Förderplanung
  3. Förderplanung als Prozess
  4. Schüler- und Elternbeteiligung
  5. Fördermaßnahmen
  6. Unterstützende Methoden
  7. Förderkonzeption
  8. Fortbildung zur Förderplanung

Es folgen das Fazit, ein Anhang, der das Screening für Verhaltensauffälligkeiten im Schulbereich (SVS) von Wolfgang Mutzeck, Michael Fingerle und Blanka Hartmann enthält, sowie ein Literaturverzeichnis und ein Sachregister.

Inhalte

Damit Leser- und Autorenschaft auf einem gemeinsamen terminologischen Stand sind nehmen Letztgenannte eine Klärung des Begriffs Förderung vor. „Förderung kann als Oberbegriff für (pädagogische) Handlungen gesehen werden, die auf eine bestmögliche Erziehung und Bildung von Menschen ausgerichtet sind“ (S. 13). Individuell wird eine Förderung dann, wenn „der Erfolg der Förderung durch eine stetige individuelle Anpassung des Förderangebotes gewährleistet bzw. zu erreichen versucht wird„“ (S. 13). Im Verlauf des ersten Kapitels wird der Förderungsbegriff noch stärker fokussiert und seine Relevanz für den Schulalltag beleuchtet.

Im zweiten Kapitel wird danach gefragt was ein Förderplan ist. Gleich im zweiten Absatz wird uns da eine Definition von Conny Melzer präsentiert: „„Ein Förderplan ist ein schriftlicher Plan zur gezielten Förderung von Schülerinnen und Schülern mit (sonder-)pädagogischem Förderbedarf oder von Schülerinnen und Schülern, die von Schulversagen bedroht sind. Er ist eine Voraussetzung für die Qualität schulischer Förderung und zugleich ein Instrument zu ihrer Evaluation„“ (S. 20). Dieses Kapitel skizziert die, für einen Förderplan maßgeblichen, Faktoren. Und das geschieht unter besonderer Betrachtung der Menschen mit einer Hochbegabung.

Das dritte Kapitel stellt zwei Verfahren zur Gestaltung von Förderplangesprächen vor:

  1. das Modell der Individuellen Entwicklungspläne von Agneta Zetterström aus Schweden;
  2. das Modell der Kooperativen Erstellung und Fortschreibung von individuellen Förderplänen (KEFF) von Wolfgang Mutzeck und Conny Melzer.

Ferner wird in einem Exkurs die herausragende Bedeutung der Teamarbeit besprochen, die hierfür unabdingbar ist.

Wie sieht es nun mit der Schüler- und Elternbeteiligung im Zusammenhang mit der Förderplanung aus? Die Autoren heben hervor, dass die Schüler durch die Einbeziehung in den Förderprozess in ihrem Selbstvertrauen gestärkt werden sollen, „indem sie sich als aktiv Handelnde erleben“ (S. 74) und keine Fremdbestimmung erfahren. Ein Fakt, den die Verfasser sehr schön aus der emanzipierten Behindertenselbsthilfe rezipiert hat. Genauso sollen die Eltern als Experten für ihre Kinder und deren Sache in die Förderplanung involviert werden. Sie können wichtige Informationen zur Ist-Stand-Erhebung beitragen. Kapitel vier betrachtet die Bedingungen, die einen Einbezug von Schülern und Eltern in der Förderplanung hemmen bzw. fördern.

Welche Fördermaßnahmen sind für meinen Schüler oder für mein Kind die am besten Geeigneten? Diesem Thema widmet sich das fünfte Kapitel. Fördermaßnahmen haben auf dem schulischen Feld eine herausragende Bedeutung:

  1. sind es Methoden, welche die Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand verringern;
  2. haben sie mehr Gewicht für die pädagogische Praxis als die Formulierung von Förderzielen (also dem, was am Ende hinten raus kommen soll ? und das Erreichen eines Ziels kann ja immer durch irgendwelche Barrieren scheitern) oder der Schaffung einer diagnostischen Basis (und die Diagnostik ist, aus Rezensentensicht, auf dem pädagogischen Feld ja ohnehin sehr zweifelhaft; besser ist hier, in Anlehnung an Zimpel (2010, 15) von Systemischer Syndromanalyse zu sprechen).

Fördermaßnahmen sind per definitionem Handlungen die förderzielführend sind. „Diese Formulierung schließt präventive und intervenierende Maßnahmen ebenso wie gut evaluierte komplexe Förderprogramme oder ´einfache´ Methoden ein. Handlungen, welche auf die Erweiterung der Informationsbasis zielen [...], können ebenfalls als Fördermaßnahmen verstanden werden“ (S. 92).

Um eine Förderplanung konstruktiv unterstützen zu können, bedarf es dann auch unterstützender Methoden die in Kapitel 6 vorgestellt werden:

  1. Vertrauensaufbau;
  2. Gesprächsführung;
  3. Erhebung des Ist-Standes

Die Förderkonzeption ist die einheitliche Handlungskonzeption, nach welcher Förderplanung und Förderung ausgerichtet sind. Sie ist wesentlich für die ganzheitliche Förderung und für die Kooperation mit anderen Förderern. Für die Erstellung bzw. Überprüfung einer existierenden Förderkonzeption haben die Autoren 16 Fragen formuliert.

Um immer auf dem neusten Stand zu sein ist es notwendig sich fortzubilden. In Kapitel 8 werden die Inhalte benannt, die für eine gelingende Förderplanung notwendig sind. Über eine Checkliste können die gegenwärtigen Kompetenzen hierfür überprüft werden. Andererseits kann hierüber gesehen werden, wo noch Fortbildungsbedarf besteht.

Fazit

Eine anspruchsvolle aber interessante Lektüre verspricht die besprochene Publikation, die sich an der UN-Behindertenrechtskonvention orientiert.

Literatur

  • Zimpel, André Frank (Hg.): Zwischen Neurobiologie und Bildung. Individuelle Förderung über biologische Grenzen hinaus. Göttingen 2010.

Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 26.07.2011 zu: Kerstin Popp, Conny Melzer, Andreas Methner: Förderpläne entwickeln und umsetzen. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2011. ISBN 978-3-497-02213-7.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-497-02698-2 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11694.php, Datum des Zugriffs 19.11.2018.


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