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Beate Schifferdecker: Finde deinen Weg

Cover Beate Schifferdecker: Finde deinen Weg. Ein gestaltpädagogisches Praxisbuch für die Arbeit mit Jugendlichen. Kösel-Verlag (München) 2011. 128 Seiten. ISBN 978-3-466-37022-1.
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Lernen in Beziehung

Als „Gestaltpädagogik“ wird die Richtung in der Pädagogik bezeichnet, in der die Ganzheit der menschlichen Persönlichkeit in der Einheit von Individuum, Gemeinschaft und Umwelt im Mittelpunkt pädagogischen Denkens und Handelns steht. Die in der Gestaltpsychologie und -therapie entwickelten Prozesse und Methoden des Bezogenseins, der Einflussnahme, des Kontakts und der Verantwortung werden in der Gestaltpädagogik übernommen und weiter entwickelt. Bildungs- und Lernprozesse sind dabei immer Beziehungsprozesse (vgl. dazu auch: Tobias Künkler, Lernen in Beziehung. Zum Verhältnis von Subjektivität und Relationalität in Lernprozessen, Bielefeld 2011, vgl. www.socialnet.de/rezensionen/12017.php).

Entstehungshintergrund und Autorin

Das Konzept der ganzheitlichen Pädagogik ist eingebettet in die Theorien, wie sie sich im „Denken vom Kinde aus“ (Maria Montessori), der Selbstverantwortlichkeit des Kindes (Freinet), der Partizipation (Paulo Freire) und im Projektlernen als „Menschenbildung“ darstellen. Im Mittelpunkt steht dabei das dialogische Prinzip, als eine Beziehungs- und Kommunikationsform (siehe dazu auch: Cornelia Muth, Dialogische Pädagogik – oder: Der Gestaltansatz im pädagogischen Feld, 2007; dies., Gewaltfreie Kommunikation, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10095.php sowie: Cornelia Muth / Annette Nauerth, Hrsg., Vertrauen gegen Aggression , 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10589.php). Die unterschiedlichen Ausprägungen, wie sie in der Gestaltpädagogik entwickelt und praktiziert werden – vom erziehungswissenschaftlichen Ansatz der Prävention bis zu existenzphilosophischen Fragestellungen – prägen sich in verschiedenen „Schulen“ aus. Das Bindeglied bildet dabei jedoch die gemeinsame Sichtweise, dass „der Mensch in seiner Ganzheit (Verstand – Gefühl – Körper)“ (E. Scala, 1992.), in seiner „Bezogenheit (Ich-andere-Umwelt)“ (ebd.) und in seiner „Geschichtlichkeit (Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft)“ (ebd.) einbezogen ist. Das pädagogische Handeln wird bestimmt von der Überzeugung, dass der Mensch für sein Denken und Tun selbst verantwortlich und in der Lage ist, sein Denken und Verhalten zu verändern ( vgl. dazu auch: Jürgen Stock, Das wäre doch gedacht!. Wie wir uns aus der Falle eingefahrener Denkmuster befreien, München 2011, vgl. www.socialnet.de/rezensionen/11725.php).

Die Heidelberger Gestaltpädagogin, Supervisorin, Lehrerin und Lehrerbildnerin Beate Schifferdecker legt aus der Fülle ihrer pädagogischen Erfahrungen ein gestaltpädagogisches Praxisbuch mit Schwerpunkt zur (inter-) religiösen und Werteerziehung vor.

Aufbau und Inhalt

Die Autorin gliedert das Arbeitsbuch in fünf Kapitel.

Im ersten Teil bietet sie Praktikern für die schulische und außerschulische Bildung Materialien, Vorlagen und Lernanregungen zum Thema „Mein Lebens- und Glaubensweg“ an. Es sind Beispiele, die direkt in den Lernprozess eingebracht werden können und mit Arbeitsanweisungen versehen sind. Zu jedem Thema werden ausführliche didaktische Überlegungen, Methodenhinweise und weiterführende Literatur geliefert. Das zweite Kapitel: „Auf der Suche nach Gott“, das dritte: „Licht und Schatten“. Im vierten Teil geht es um: „Zusammen leben“, und im fünften und letzten Kapitel um die Frage nach Initiationsriten, am Beispiel des (katholischen) Sakraments der Firmung. Gewissermaßen als Möglichkeit zur Selbstvergewisserung ist jedem Kapitel eine Testliste beigefügt. Dem Buch sind als Loseblattsammlung zehn Farbfolien beigegeben, deren Verwendung und Interpretation in den Materialbeispielen genannt werden.

Fazit

In der pädagogischen Diskussion greift (mittlerweile) stärker das Bewusstsein, dass Bildung und Erziehung mehr sein muss als kognitive Wissensvermittlung. Es sind besonders die emotionalen und affirmativen Entwicklungs- und Lernaspekte, die in der Gestaltpädagogik eine besondere Beachtung finden. Das Praxisbuch von Beate Schifferdecker kann vor allem Praktikern in der institutionellen schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit Anregungen bieten und Zugänge vermitteln, wie gestaltpädagogische Elemente in den Lernprozess eingebracht werden können. Die Beispiele und Lernanregungen sind überwiegend so formuliert, dass sie auch auf weitere Fächer übertragen werden können.


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 30.12.2011 zu: Beate Schifferdecker: Finde deinen Weg. Ein gestaltpädagogisches Praxisbuch für die Arbeit mit Jugendlichen. Kösel-Verlag (München) 2011. ISBN 978-3-466-37022-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11730.php, Datum des Zugriffs 30.11.2021.


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