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Antonia Ingelfinger, Meike Penkwitt (Hrsg.): Migration, Mobilität, Geschlecht

Rezensiert von Prof. Dr. Nausikaa Schirilla, 27.01.2016

Cover Antonia Ingelfinger, Meike Penkwitt (Hrsg.): Migration, Mobilität, Geschlecht ISBN 978-3-940755-90-2

Antonia Ingelfinger, Meike Penkwitt (Hrsg.): Migration, Mobilität, Geschlecht. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. 480 Seiten. ISBN 978-3-940755-90-2. 29,90 EUR.
Reihe: Freiburger GeschlechterStudien 25/2011
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Thema

Während Mobilität in der Regel in der westlichen Moderne positiv besetzt ist, wird Migration eher problemorientiert diskutiert, dabei ist Migration doch eine spezifische Form von Mobilität. Das Geschlecht der Migration wiederum wird sehr oft entweder als neutral und damit als männlich oder als überwiegend männlich dargestellt. Die Verbindung von Geschlecht, Migration und Mobilität eröffnet daher viele neue Perspektiven, sie ermöglicht eine Änderung der Betrachtungsweise und der Analyseperspektive und so wird in den vorliegenden Band ein breites Feld interdisziplinärer Migrationsforschung und zugleich gender Forschung sichtbar gemacht.

Autorinnen und Herausgeberinnen

Bei dem Band handelt es sich um die 25. Ausgabe der Freiburger Geschlechterstudien, das ist sozusagen das gender Jahrbuch der Universität Freiburg. Autorinnen überwiegen gegenüber Autoren und sie kommen überwiegend aus den Literaturwissenschaften und Sozialwissenschaften. Die Reihe wird herausgegeben vom Zentrum für Anthropologie und Gender Studies, Abteilung Gender Studies der Universität Freiburg, für diese Nummer sind Meike Penkwitt und Antonia Ingelfinger verantwortlich, beide sind Mitarbeiterinnen des Zentrums. Für die Zukunft wird eine Umorganisation des Jahrbuch angekündigt, es erscheint nunmehr nicht mehr als Jahrbuch sondern als Zeitschrift unter dem Namen „Freiburger Zeitschrift für Geschlechterforschung“ zweimal im Jahr.

Aufbau

Die Beiträge in den diesen Band gehen einerseits auf eine Vorlesungsreihe „Migration, Mobilität, Geschlecht“ der Universität Freiburg zurück, die Beiträge wurden aber um zahlreiche andere Aufsätze, Forschungsberichte, Rezensionen und Tagungsberichte ergänzt. Innerhalb des geistes bzw. sozialwissenschaftlichen Spektrums ist eine Fülle Beiträgen aus den vielfältigsten Disziplinen vertreten, neben programmatischen Beiträgen beispielsweise zu Dominanz, Position und Geschlecht sind viele Forschungsberichte beispielsweise zum Thema transnationale Familien oder auch Filmanalysen zu finden.

Die Themen sind sehr breit – sie reichen von Macht und Geschlecht, über Kultur, Migrationsbegriff, Formen der Mobilität, Religion und zu den verschiedensten Gestalten von Interkulturalität. Der Band ist in mehrere (ungleiche) Teile eingeteilt: Nach der Einleitung von Andrea Ingelfinger finden sich im Teil Aufsätze zum Thema „Migration, Mobilität, Geschlecht“ wie bereits erwähnt ganz unterschiedliche Beiträge. Anschließend werden zwei Filme zum Thema besprochen: „Fremde Haut“ und „L’enfant endormie“. Im Forumsteil findet sich ein Tagungsbericht und dem schließt sich ein längerer Rezensionsteil mit zahlreichen Rezensionen an, dieser ist gegliedert in Rezensionen zu Migration, Mobilität und Geschlecht, Rezensionen zu Gender Studies und Rezensionen zu Feminismen – hier wird eine große Bandbreite aktueller Neuerscheinungen besprochen.

Inhalt

Eingangs skizziert Antonia Ingelfinder die Bandbreite von Migration, Mobilität und Geschlecht und hebt besonders die immer wieder deutlich werdende Definitionsmacht dominanter Gruppen zu Themen wie Mobilität und Migration hervor und die damit verbundenen Prozesse der Fremdabwertung und Selbstaufwertung. Die Palette der Beiträgen, auch vieler Forscherinnen mit Migrationshintergrund soll dies hinterfragen und durchbrechen.

Drei eher postkolonial inspirierte Beiträge (Miriam Nandi, Mariam Popal und Monica Alarcon) setzen sich mit Hybridität, Dominanz und class – und gendersensibilität in der Wissenschaft auseinander; Alarcon macht dies am Beispiel des zeitgenössischen Tanzes. Weitere kulturelle Ausdrucksformen wie Tanz und Literatur werden in einem Beitrag über französische Rapperinen aus der Romanistik thematisiert, sowie Männlichkeitskonstruktionen in der deutsch-türkischen Literatur (Germanistik) und die Rezeption der deutsch-türkischen Literatur von der Amerikanistin Selma Erdoglu-Vollmerich.

Ein interessanter Vergleich kritischenfeministischen oder frauenorientierten Denkens in verschiedenen Religionen bietet sich nach der Lektüre der Beiträge von Margrit Eckholm und Roswitha Badry an. Eckholm stellt in ihrem Beitrag die in die USA emigrierte lateinamerikanische Befreiungstheologin Maria Aquino vor und die Islamwissenschaftlerin Roswitha Badry schreibt über „gender jihad“ und „femistische“ Theologie im zeitgenössischen Islam.

Weitere Beiträge beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Veränderungen in und durch Migration, wie z.B. Geschlechter- und Familienbeziehungen von Männern mit osteuropäischem Migrationshintergrund, Kriminalsierung von sogenannten Scheinehen durch das Ausländerrecht in der Schweiz, politische Diskurse zu Migration und Gender in Frankreich und Fürsorge, Zusammenhalt und Kontakt transnationaler Familien in Kap Verde (Heike Drotbohm).

Diskussion und Fazit

Bei diesem „bunten Strauß“ der Beiträge ist es schwierig, generelle Erkenntnisse festzuhalten, da die Beiträge nicht nur vielfältig sind, sondern auch auf verschiedenen Ebenen angesiedelt. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass sichtbar wird, dass migrationsbezogene wie genderbezogene Forschung und Theoriebildung in allen Bereichen der Sozial- und Geisteswissenschaften finden lassen. Eine zentrale Fragestellung, die immer wieder auftaucht und die Konstitution dieser Forschungsfelder kritisch beleuchtet ist die Fragen nach Macht und Definitionsmacht: Wer definiert, wer Migrant, was grenzt der Begriff aus, wen schließt er ein – gerade im Hinblick auf Geschlecht. Weitere zentrale Fragestellungen sind das Konzept der Transnationalität oder transnationale Phänomene und Fragen eigenständiger Artikulation in der Migration in den unterschiedlichen kulturellen Ausdrucksformen.

Rezension von
Prof. Dr. Nausikaa Schirilla
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Es gibt 37 Rezensionen von Nausikaa Schirilla.

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Zitiervorschlag
Nausikaa Schirilla. Rezension vom 27.01.2016 zu: Antonia Ingelfinger, Meike Penkwitt (Hrsg.): Migration, Mobilität, Geschlecht. Budrich Academic Press GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. ISBN 978-3-940755-90-2. Reihe: Freiburger GeschlechterStudien 25/2011. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11751.php, Datum des Zugriffs 12.08.2022.


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