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Monika Alisch, Michael May (Hrsg.): Integrationspotenziale in kleinen Städten

Cover Monika Alisch, Michael May (Hrsg.): Integrationspotenziale in kleinen Städten. Rekonstruktion der lnteressensorientierungen von Zuwanderern. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. 240 Seiten. ISBN 978-3-86649-403-9.

Reihe: Beiträge zur Sozialraumforschung - 6.
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Thema

Wenn man nach den Gründen dafür sucht, dass in einer Stadt Integration besser gelingt als in einer anderen, wenn man nach den Integrationspotentialen, aber auch nach dem Integrationsmodus sucht, der die eine Stadt von der anderen unterscheidet, spielt die Größe der Stadt eine entscheidende Rolle. Nicht nur wegen der damit verbundenen größeren sozialstrukturellen Differenzierung und den damit zusammenhängenden sozialen Ungleichheiten, sondern auch wegen des Vorhandenseins eines urbanen Lebensstils, einer Urbanität, die zunächst auch mit Vielfalt und Diversität zurechtkommt.

Eine ländlich geprägte Kleinstadt integriert anders als die Großstadt oder Metropole. Die Integrationspotentiale und die damit verbundene Art und Weise der Integration und Ausgrenzung in ländlich geprägten Kleinstädten unterscheiden sich qualitativ von denen der Großstadt und deswegen bedarf es einer analytischen Auseinandersetzung, wo die Chancen und Grenzen der Integration in der Kleinstadt liegen.

Herausgeberin und Herausgeber

Dr. Monika Alisch ist Professorin am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda und Leiterin des Zentrums „Gesellschaft und Nachhaltigkeit – Centre of Research on Society and Sustainability“ der Hochschule Fulda

Dr. Michael May ist Professor am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule RheinMain und leitet den Studiengang „Master of Arts for Professional Studies - Sozialraumentwicklung und -organisation“.

Autorinnen und Autoren

Die Autorinnen und Autoren kommen aus den Bereichen der Sozialpädagogik, der Stadtplanung, der Soziologie und der Geographie, aber auch aus der Theologie und der Rechtswissenschaft.

Aufbau und Einleitung

Nach einer Einleitung durch die Herausgeberin und den Herausgeber gliedert sich das Buch in drei Teile:

  1. Perspektiven zum Analysegegenstand „Integration“,
  2. Integrationsleistungen der Zugewanderten,
  3. Integration als lokale Aufgabe.

Monika Alisch zieht dann in einem letzten Kapitel Schlussfolgerungen.

In ihrer Einleitung „Integrationspotenziale von Zuwanderern in kleinen Städten“ diskutieren M. Alisch und M. May den Stand der Diskussion um die Zuwanderung in Kleinstädten. Den Integrationsfragen im ländlichen Raum und in ländlich geprägten Kleinstädten fehlt die entsprechende politische Aufmerksamkeit, weil sie weniger konfliktbeladen sind. Auf Grund der von Großstädten unterschiedene Integrationsdynamik aller gesellschaftlicher Gruppierungen konzentrieren sich die Forschungen und auch die Konzeptentwicklung eher auf diese Art von Städten – Kleinstädte werden wegen ihrer Überschaubarkeit und ihrer ländlichen Struktur eher der Integrations- und Ausgrenzungslogik von Landgemeinden zugerechnet. Dies wird an Hand der Literatur und einigen Programmen auch verdeutlicht.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage der Integration durch Partizipation, bieten sich doch auf der lokalen Ebene der Kleinstadt eher Chancen der sozialen Integration durch Teilhabe und Teilnahme an der Gestaltung des Sozialen. Auch hier wird der Forschungs- und Diskussionsstand wiedergegeben.

Im Folgenden werden dann die einzelnen Teile des Buches und die in ihnen enthaltenen Kapitel kurz vorgestellt.

Perspektiven zum Analysegegenstand „Integration“

Michael May und Monika Alisch leiten diesen Teil mit einem Beitrag „Methodologische und forschungsmethodische Überlegungen zur Rekonstruktion integrationsbezogener Orientierungsmuster“ ein. Dabei diskutieren sie zunächst die Problematik bisheriger Integrationsforschung, wobei sie dann eher den Fokus der Forschung auf stadtsoziologische Themen wie Segregationsprozesse und ihre negativen Auswirkungen und auf soziale Benachteiligungen ausmachen. Danach entwickeln sie Grundrisse einer alternativen Integrationsforschung, die sehr viel stärker von der Frage durchdrungen ist, wie man sich im Alltag verständigt und wie ein im Alltäglichen begründeter Habitus Integration ermöglicht. Methodisch gehen die Autorin und der Autor dann auf das Konzept der Zukunftswerkstatt ein, die eine Rekonstruktion integrationsbezogener Orientierungsmuster erlaubt.

Martina Ritter nennt ihren Beitrag „‚So sind hat die Russen…‛ – zum Zusammenhang von Ethnisierungsprozessen und Anerkennung von kultureller Differenz“. Wo liegen die Ressourcen der Migrantinnen und Migranten, wenn ihre kulturellen Horizonte eine Basis für die Interpretation der Welt ist, in der sie jetzt angekommen sind? Die Autorin diskutiert zunächst das Risiko von Ethnisierungsprozessen, stellt dann theoretische Überlegungen zum Konzept der kulturellen Differenz an, um dann danach zu fragen, wie kulturelle Deutungen zur Interpretation der Bedürfnisse und Interessen in der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten genutzt werden können. Dabei geht sie besonders auf die Fremd- und Selbstethnisierung ein und diskutiert kulturelle Differenz als analytische Kategorie. Danach befasst sich die Autorin kurz mit dem kulturellen Horizont des sowjetischen und postsowjetischen Russlands, um dann auf themenbezogene Deutungshorizonte der russlanddeutschen Migrantinnen und Migranten einzugehen. Dabei werden Freizeit und Berufsarbeit, die Rolle der Kirche und Konfliktstrategien der Subjekte im Privaten und Öffentlichen angesprochen. Zum Schluss geht die Autorin auf die Folgen kultureller Deutungshorizonte ein.

„Integration in kleinen Städten – ein normativer Erklärungsansatz“ nennen Annegret Boos-Krüger und Burkhard Wilk ihren Beitrag. Hier werden noch einmal Unterschiede zwischen Großstädten und Metropolen einerseits und Kleinstädten andererseits analytisch diskutiert; weiter wird auch historisch gezeigt, wie Kleinstädte auch schon immer integriert haben. A. Boos-Krüger und B. Wilk kommen dann zu Fragen und Annahmen über ihren Gegenstand und suchen nach Forschungsbelegen und entsprechender Literatur. Sie gehen dann von der Annahme aus, dass die Integration in der Kleinstadt aufgrund ihrer räumlichen Überschaubarkeit und der daraus erwachsenen räumlichen und auch sozialen Nähe ihrer Bewohnerschaft anderen Gesetzmäßigkeiten folgt. Dabei werden Konzepte gesellschaftlicher Integration und die Wertvermittlung „vor Ort“ diskutiert, um dann die Chancen und Risiken eines kleinstädtischen Integrationskonzeptes vorzustellen und zu bewerten.

Integrationsleistungen der Zugewanderten

Agnes Happels Beitrag heißt „‚Die Fremden Deutschen in Frankenberg′ – Zur Integration von Spätaussiedlerinnen im ländlichen Raum“. Dabei setzt sich A. Happel kritisch mit dem Integrationsbegriff und den damit verbundenen Integrationsbedingungen der offiziellen Programme auseinander. Am Beispiel von Frankenberg wird die Situation der Aussiedlerinnen problematisiert. In Frankenberg fand eine Zukunftswerkstatt statt, an der Frauen zwischen 17 und 74 Jahren teilnahmen. Dabei wurden Konflikte virulent, Realität und Wunschvorstellungen gegenübergestellt und das implizite Wissen der Aussiedlerinnen – ihr milieuspezifisches Wissen und ihr handlungspraktisches Erfahrungswissen – miteinbezogen. Dabei wird Familie als ein wichtiger Deutungs- und Erfahrungshintergrund deutlich, während Partizipation im öffentlichen Raum weniger integrationsstiftend ist. Die Autorin kommt dann zu einer Typisierung von Aussiedlerinnen in fünf Typen: immigrierter Familientyp, traditionsbewusster Typ, jugendlicher Anpassungstyp, sozialpolitisch kritischer Typ und anonymer Netzwerktyp. Daraus zieht sie Schlüsse für eine Integrationspolitik auf lokaler Ebene, wobei eine der zentralen Fragen ist, wie sich die Traditionen und Deutungen der „Einheimischen“ mit den kulturellen Traditionen der Aussiedlerinnen versöhnen lassen.

Ebenfalls um die Aussiedler geht es im Beitrag von Martina Berger: “ „‚Ich will nicht woanders wohnen′ – Aussiedler in Ebersdorf bei Coburg“. Auch hier werden im Rahmen einer Zukunftswerkstatt Interessenlagen durch partizipative Methoden und soziogenetische Rekonstruktion sichtbar. Aus der Dialektik von Teilhabe und Teilnahme wird integrative Beteiligung an Prozessen und Kommunikationen. Die Situation der Aussiedler wird daraufhin im Kontext der Struktur der Gemeinde Ebersdorf beschrieben, nach den Integrationsleistungen von lokalen Vereinen und Verbänden gefragt, auch nach dem Integrationsverständnis der Vereine, wenn sie Angebote machen und warten bis jemand kommt.

„Wegkreuzungen der Ungleichheit…und wie es ist, eine Frau in Deutschland zu sein“ heißt der Beitrag von Karin Baumgärtner. Es geht um die Frage, wie Integration von Frauen in einer Kleinstadt im Alltag gelebt wird. In der Auseinandersetzung von Privatheit, Öffentlichkeit und Gender werden Forschungsergebnisse interpretiert und analysiert. Im Weiteren werden Zusammenhänge von Migration und Gender mit sozialer Ungleichheit analysiert, die konstitutiv für die Identitätsbildung sind. Dabei werden die sozial konstruierte Identität auf der Mikroebene und symbolische Repräsentationen und Sozialstrukturen vorgestellt und das (Spannungs-)verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit diskutiert. Dies alles führt zur Analyse des Frauenlebens in der Kleinstadt (Neustadt bei Coburg). Hier werden sieben Typen der sozialen Vergemeinschaftung oder besser: Vergesellschaftung entwickelt.

Der Beitrag von Emmanuel Kileo„‚Afrika ist mehr als Trommeln′ - AfrikanerInnen und schwarze Deutsche in Kaufbeuren“ beschäftigt sich mit den Ergebnissen einer Zukunftswerkstatt mit 24 afrikanischen Zuwanderern. Über die Partizipationsmethode sollte die Zukunft einer Mittelstadt gemeinsam aufgespürt werden. Zunächst wird die Geschichte afrikanischer Zuwanderung als eine Geschichte der Ausschließung diskutiert. Danach schildert die Autorin die Integration als Herausforderung für Afrikaner und Afrikanerinnen und schwarze Deutsche in Kaufbeuren. In der Zukunftswerkstatt wurde zunächst auch eine Verständigung über (gemeinsame) Probleme erreicht, aus der dann auch gemeinsame Utopien entstanden sind, deren Konkretisierung in bestimmte Projekte und Problemlösungsstrategien mündeten. In der dritten Phase schließlich ging es um die Tragfähigkeit der konkreten Projekte. Diese Phasen werden ausführlich beschrieben und einige zentrale Ergebnisse der Zukunftswerkstatt vorgestellt.

Karin Kick und Christina Noack nennen ihre Beitrag „Bedürfnisermittlung in der offenen Jugendarbeit mit Migranten“ Am Beispiel von Bad Neuenahr-Ahrweiler wird das Thema vorgestellt und diskutiert. Damit ist auch eine Auseinandersetzung mit den Zielen kommunaler Politik verbunden – und Migration steht nicht ganz vorn auf der Agenda von Bad Neuenahr-Ahrweiler! Auch haben die Einheimischen kaum Kontakte und Einblicke in die Alltagsbewältigung der Migranten. und wir finden in Bad Neuenahr- Ahrweiler kaum sozialräumliche Segregationsprozesse auf Grund der ethnischen Zugehörigkeit. Es scheint, als wohnen die Migranten über die ganze Stadt verteilt. Zielgruppe der offenen Jugendarbeit sind junge benachteiligte Menschen mit Migrationshintergrund. Die Autorin geht auf einige Beteiligungsprojekte ein, auch auf eine Zukunftswerkstatt, in der Bedürfnisse ermittelt wurden. Dabei war das Bedürfnis nach Identität und Anerkennung virulent. Man möchte einfach so hingenommen zu werden, ohne immer gleich auf den Migrationshintergrund aufmerksam gemacht zu werden. Weiter ist es das Bedürfnis nach Sicherheit und danach, keine existenziellen Ängste mehr zu haben, was zentrale Bedeutung hat. Es folgen dann einige handlungspraktische Empfehlungen, wie man sie in der Jugendarbeit auch schon kennt, wobei auf den Begriff der partizipativen Jugendarbeit noch einmal genauer eingegangen wird.

Integration als lokale Aufgabe

Monika Alisch und Frank Dölker beschäftigen sich in ihrem Beitrag „Lokale Governance Arrangements und Wohnbedürfnisse älterer MigrantInnen“ mit der Wohnsituation und den Wohnbedürfnissen in einer von Migrantinnen und Migranten bewohnten Siedlung im nordhessischen Eschwege. Im Rahmen eines Quartierskonzepts wurde das Instrument der partizipativen Projektentwicklung angewandt, um in mehreren Phasen die Bedürfnisse zu eruieren. Eine bislang nicht erreichte Gruppe, die ihre Bedürfnisse weder artikuliert noch organisatorisch gebündelt hat, wird so zu einem lokalen Akteur im Rahmen eines Governance Arrangements, wobei die Autorin und der Autor Governance als Steuerungsform verstehen, in der die unterschiedlichen ökonomischen, kulturellen und sozialen Akteure in einen Aushandlungsprozess mit einbezogen werden. Es geht um Bedürfnisermittlung und kooperative Demokratie, wo die Betroffenen unmittelbar in die Konzeptrealisierung mit einbezogen werden. Dabei werden drei Säulen – Wohnen im Alter, Pflege und Soziales - analysiert und eine bedürfnisorientierte Auswahl geeigneter Maßnahmen diskutiert.

Katja Volkenant beschreibt am Beispiel der Stadt Sontra Partizipationsmöglichkeiten von Migrantinnen und Migranten. Ihr Beitrag heißt „‚Geschlossene Gesellschaft?′ Partizipationsmöglichkeiten von MigrantInnen in Sontra“. Die Kleinstadt Sontra wird zunächst kurz beschrieben und die Autorin geht auf den Verein Kulturtreffen e. V. ausführlich ein, der mit seinem interkulturellen bürgerschaftlichen Engagement neben anderen Treffpunkten ein zentrale integrative Funktion übernimmt. Weiterhin werden die Integrationsvorstellungen und -muster freiwillig Engagierter analysiert, wobei auch die Integrationsvorstellungen wie Integration durch Assimilation und Integration durch Spracherwerb ausführlicher diskutiert werden. Außerdem wird der Typus beschrieben, der an Bevormundung und Anwaltschaft orientiert ist. Integrationsbemühungen werden hier nicht gefördert, sondern bewertet. Weitere Typen sind der an interkultureller Gemeinschaft Interessierte und der lokalpolitisch Fordernde und politische Aktive.

Robert Zwickle und Jutta Zinnen nennen ihren Beitrag „Organisierte MigrantInnen auf kommunaler Ebene – ein dialogisch partizipativer Integrationsprozess?“ Die Zunahme von Migrantinnen und Migranten in den Kommunen verändern das Integrationsparadigma und den Integrationsmodus. Immer mehr wird gerade im ländlichen Raum und in Kleinstädten deutlich, was es heißt, Integration unter der Aufrechterhaltung kultureller – vielleicht auch sozialer - Differenzen zu leben. Die Autorin und der Autor fragen nach den Integrationspotentialen der Kommunen und setzen sich dabei mit institutionellen Integrationskonzepten des Bundes und der Länder auseinander. Es geht um die gemeinsame Gestaltung des Zusammenlebens und jetzt wird der Zusammenhang von Integration in einen Sozialraum, der Sozialraum als Sozialzusammenhang und Partizipation theoretisch eingebettet. Anschließend setzen sich R. Zwickle und J. Zinnen mit der Integrationspolitik der Stadt Speyer auseinander (Kleinstadt?), mit der Politik des dortigen Ausländerbeirats und mit einer Zukunftswerkstatt, in der ergebnisoffen über die Zukunft der Stadt diskutiert wurde. Zum Schluss werden die Ergebnisse des Handlungsforschungsprojekts kritisch mit den öffentlichen Diskursen und Leitlinien konfrontiert.

In ihrem Schlusskapitel „Potenziale der Integration – Integration der Potenziale: Eine Zusammenfassung für die lokale Praxis“ lotet Monika Alisch noch einmal die Möglichkeiten der beschriebenen Handlungsforschungsprojekte als Methode aus. Und wenn die lokalen Akteure immer wieder den Spracherwerb betonen, wird die Ressource der Mehrsprachigkeit nicht gesehen. Auch weisen die Ergebnisse darauf hin, dass Kleinstädter ein besonderes kollektives Gedächtnis des Kleinstädtischen pflegen – etwa im Gegensatz zum platten Land und zur Großstadt. Die Integrationsmöglichkeiten durch Vereine und Gruppierungen und andere Initiativen werden diskutiert und Integration durch Bildung ist immer wieder ein Thema in der Integrationsdebatte, aber auch anerkannt sein und Bedeutung haben für andere, um Diskriminierung zu umgehen. Wie sich Kleinstädter Räume aneignen und wie sie den Raum auch im Alltag nutzen, wird ausführlich diskutiert und auch, welche Rolle die Frau im Integrationsprozess einnimmt. Zum Schluss wird im Zusammenhang mit der Methode der Zukunftswerkstatt von M. Alisch die Frage der Selbstorganisation von Zuwanderern aufgeworfen. Diese kann in fünf Punkten realisierbar sein: Entwicklungs- und Veränderungsideen für den Stadtteil, Selbstorganisation sozialer Infrastruktur, Politik und Partizipation, Bildung und Sprache und kulturelle Veranstaltungen.

Diskussion

Es geht nicht nur um die Integrationspotentiale in kleinen Städten. In fast allen Beiträgen kommt implizit auch der Integrationsmodus zur Geltung. Die Art und Weise, wie eine Kommune auf Grund ihres Eigensinns, ihrer Sinn konstituierenden Traditionen und Rituale und auf Grund ihres je spezifischen Habitus integriert und ausgrenzt, begrenzt oder befördert Integrationsprozesse. Gerade in ländlich geprägten Kleinstädten und Landgemeinden wird dieser Integrationsmodus virulent – in der Großstadt hat er kaum Bedeutung.

Deutlich wird auch in allen Beiträgen der handlungspraktische und forschungsstrategische Zugang zu integrationsfördernden Möglichkeiten und Bedingungen. Die Zukunftswerkstatt erlaubt nicht nur den Prozess von der Problembenennung bis zur Konkretisierung von Projekten. Sie erlaubt auch einen partizipatorischen Zugang „auf Augenhöhe“ für die, die integriert werden sollen.

Und in kleineren Kleinstädten wird die Frage zunehmend virulent, ob sich nicht beide Gruppen – die Einheimischen und die Fremden – auf einer anderen Ebene neue integrieren müssen.

Und noch ein Gedanke ist in den Beiträgen deutlich geworden: Bei allen allgemeinen sozialpolitischen und kulturpolitischen Integrationskonzepten – es geht um die Integration in den Alltag, es geht um Integration durch die Bewältigung des Alltäglichen, es geht um einen gemeinsam getragenen alltäglichen Habitus, der freilich in der einen Stadt eine höhere Dignität und Plausibilität besitzt als in einer anderen und deshalb auch in jeder Kleinstadt anders aussieht.

Fazit

M. Alisch und M. May haben eine anregende Sammlung unterschiedlicher Facetten der Integration im kleinstädtischen Raum zusammengetragen, die die Forscher wie die Praktiker vor Ort inspiriert – und vielleicht auch die Politiker.


Rezensent
Prof. Dr. Detlef Baum
Professor für Soziologie mit den Schwerpunkten Soziale Probleme, Kommunale Sozialpolitik, Stadtsoziologie, insbesondere Soziale Probleme der Stadtentwicklung, Segregationsprozesse, Stadtumbau
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Zitiervorschlag
Detlef Baum. Rezension vom 16.03.2012 zu: Monika Alisch, Michael May (Hrsg.): Integrationspotenziale in kleinen Städten. Rekonstruktion der lnteressensorientierungen von Zuwanderern. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2011. ISBN 978-3-86649-403-9. Reihe: Beiträge zur Sozialraumforschung - 6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11759.php, Datum des Zugriffs 19.10.2018.


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ISSN 2190-9245

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