Viva Fialka: Handbuch Bildungs- und Sozialmanagement
Rezensiert von Dipl.Soz-Päd. Martin Walz, 11.08.2011
Viva Fialka: Handbuch Bildungs- und Sozialmanagement. In Kita und Kindergarten. Verlag Herder GmbH (Freiburg, Basel, Wien) 2011. 240 Seiten. ISBN 978-3-451-32382-9. D: 22,95 EUR, A: 23,60 EUR, CH: 34,90 sFr.
Thema
Seit über 20 Jahren wird das Thema „Sozialmanagement“ in der Sozialen Arbeit diskutiert. Die Autorin greift Fragestellungen und Konzepte des Sozialmanagements auf und überträgt diese auf den Arbeitsalltag in Kita und Kindergarten.
Zielgruppe
Die Autorin richtet sich mit dem Handbuch an Fach- und Führungskräfte, die bereits auf verantwortungsvollen Positionen (Einrichtungsleitung, Fachberatung, Lehrkräfte, …) tätig sind oder sich auf eine solche Aufgabe vorbereiten möchten.
Autorin
Viva Fialka ist Diplom-Sozialpädagogin und verfügt über eine Reihe von Zusatzausbildungen, beispielsweise in der Organisationsberatung und im systemischen Coaching. Langjährige Berufserfahrung sammelte sie als Kita-Leiterin, pädagogischer Fachberatung und Abteilungsleiterin im Jugendamt. Seit 2001 ist Viva Fialka Geschäftsführerin der „abari personal- und organisationsentwicklung“. Außerdem ist sie beim Verlag Herder Autorin der Zeitschriftenreihe „management basiswissen“.
Entstehungshintergrund
Das im Juni 2011 erschienene „Handbuch Bildungs- und Sozialmanagement in Kita und Kindergarten“ ergänzt eine Reihe von Handbüchern des Herder Verlags im Bereich Kindergarten und Vorschule. Diese greifen zum einen pädagogische Aspekte, beispielsweise Sprachförderung durch Bewegung, Kreativitätsförderung oder naturwissenschaftliche Bildung auf. In anderen Handbüchern, die ebenfalls eine gute Ergänzung zu dem hier beschrieben Handbuch darstellen würden, werden Fragestellungen wie Gesprächsführung oder Teamarbeit aufgegriffen.
Aufbau
Nach dem Vorwort gliedert sich das Buch ist in fünf Kapitel. Viva Fialka geht dabei „von innen nach außen“ (S. 10) vor:
- Führung und Selbstführung
- Mitarbeiter/innen individuell führen
- Führung und Zusammenarbeit im Team
- Die Organisation Kindertagesstätte
- Soziales Umfeld und Bildungslandschaft
Sowohl innerhalb der einzelnen Kapitel, als auch im Anhang (16 Seiten) finden sich zahlreiche Übersichten und in der Praxis umsetzbare Vorlagen.
Inhalt
Im Vorwort nennt Viva Fialka die „Vorbereitung auf die Wissensgesellschaft“ als Unternehmensziel elementarpädagogischer Einrichtungen. Als notwendige Grundlage, um dieses Ziel zu erreichen, sieht sie eine „achtsame, gestaltende Führung“ (S. 9) an, und definiert an dieser Stelle Managementstrategien als erlernbare Techniken, um Organisationsstrukturen und Prozesse zu gestalten. Im Unterschied zu diesen handele es sich bei ?Führung? oder ?Leitung? um einen „Prozess der Ko-Konstruktion“. Neben der Nutzung von Managementtechniken, müsse die Leitungskraft einen „echten Dialog ermöglichen, um auf der Basis verschiedener subjektiver Realitäten ein gemeinsames Verständnis für die zukünftige Zusammenarbeit herauszuarbeiten.“ (S. 10)
1. Führung und Selbstführung (68 Seiten)
- Führungstheorien
- Das Führungsverständnis der Leitungskraft und die Erwartungen von außen
- Menschenbild und Führungsleitbild
- Selbstmanagement
- Entwicklung und Karriere im Sozial- und Bildungsbereich
- Kompetenzentwicklung mit Führungsfeedback und Coaching
Im ersten Kapitel richtet die Autorin den Blick auf die Leitungskraft. Mit reflexiven Fragen, Analysemethoden und Checklisten will sie den Leser unterstützen, ein eigenes Führungsverständnis zu entwickeln, zu kommunizieren und im Diskurs mit anderen weiter zu entwickeln.
Im Abschnitt „Selbstmanagement“ erhält der Leser viele praktische Tipps, um Aufgaben zu priorisieren und anhand vorgeschlagener Pläne zu strukturieren. Außerdem geht die Autorin hier ausführlicher auf das Thema Burn-Out-Prävention ein.
Den Aufstieg zur und das mögliche Arbeitsfeld als Fachberatung greift Fialka im Abschnitt auf.
2. Mitarbeiter/innen individuell führen (63 Seiten)
- Führen mit Zielen
- Delegation von Aufgaben
- Mitarbeiter/innen individuell führen
- Die Führungskraft als Coach
- Motivation schaffen und erhalten
- Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter/innen
- Mitarbeiter/innen finden, binden und verabschieden
Gerade für überlastete Leitungskräfte stellt die „Delegation von Aufgaben“ eine gute Möglichkeit dar, so die Autorin, sich selbst zu entlasten und Mitarbeiter/innen Weiterentwicklungschancen zu bieten. Im Abschnitt 2.2 zeigt sie Grundsätze effektiver Delegation auf.
Im Abschnitt „Die Führungskraft als Coach“ beschäftigt sich die Autorin mit der Frage, welche Haltung der Coaching-Rolle zugrunde liegen sollte, wann sie zielführend eingesetzt werden kann und wo sie an ihre Grenzen stößt. Hierzu geht sie auch auf den Dialog und eine lösungsorientierte Kommunikation ein.
Im letzten Abschnitt des Kapitels „Mitarbeiter/innen finden, binden und verabschieden“ regt Fialka dazu an, die eigene Personalstrategie zu überdenken. Die eigenen Erwartungen sollten im Anforderungsprofil deutlich werden. Nach einer einrichtungsbezogenen Stellenausschreibung kann durch ein professionelles Einstellungsinterview die passende MitarbeiterIn ausgewählt werden. Hierzu gibt die Autorin praktische Tipps und Orientierungsfragen. Außerdem zeigt sie auf, wie die Chancen der Einarbeitungszeit genutzt und Loyalität aufgebaut und erhalten werden können.
3. Führung und Zusammenarbeit im Team (37 Seiten)
- Erfolgsfaktor guter Teamarbeit
- Teamentwicklung und Unterstützungsaufgaben
- Die Moderation von Teamsitzungen
- Teamdynamik und Konfliktmoderation
Dieses Kapitel enthält Tipps und umsetzbare Materialien zur Teamdiagnose und Begleitung von Teams. Die „Teamuhr“ (Francis & Young) veranschaulicht die Entwicklungsstufen von Teams und zeigt, welche Unterstützungsaufgaben von Seiten der Leitung angebracht sind. Für die Konfliktbearbeitung schlägt die Autorin das IMRA-Prinzip oder die Methode „Konflikthaus“ vor. Die Durchführung einer Mediation durch die Leitung, z. B. anhand der klassischen Vorgehensweise nach Faller, erfordert Allparteilichkeit und Akzeptanz. Bei Bedenken rät die Autorin dazu, die Mediation an Externe zu delegieren.
4. Die Organisation Kindertagesstätte (38 Seiten)
- Die Kita als Dienstleistungsorganisation
- Die lernende und sich wandelnde Organisation
- Konzeption und Profil der Kindertagesstätte
- Qualitätsentwicklung und -sicherung
Da die „Werte Basis jedes Verhaltens“ (S. 181) sind, zeigt, die Autorin auf, wie ein Werteprofil der Einrichtung erarbeitet werden kann. Ebenso geht es im Kapitel um die Kundenzufriedenheit (Elternmeinung). Als eine „lernende und sich wandelnde Organisation“ (Abschnitt 2) sollte eine Kultur des miteinander und voneinander Lernens geschaffen werden. Fialka zeigt hier zehn Grundsätze auf und macht deutlich, dass Personalentwicklung nicht mit der Teilnahme an einer Fortbildung endet, sondern dass es vielmehr auch eine Leitungsaufgabe ist, den Lerntransfer in die Einrichtung und in die Praxis sicherzustellen.
5. Soziales Umfeld und Bildungslandschaft (22 Seiten)
- Die Sozialfeldanalyse
- Öffentlichkeitsarbeit und (Re)Präsentation
- Netzwerkarbeit als Qualitätskriterium
- Verhandlungen mit Träger und Sponsoren effektiv führen
Ein Folder mit Leitbild und Profil sowie ein Slogan / Motto sollten ebenso zur Öffentlichkeitsarbeit gehören wie eine Konzeption. Im Abschnitt 5.4 geht sie auf das „Harvard-Konzept“ (Fisher & Ury 2004) ein und stellt es an den Beispielen Social Sponsoring und Verhandlung um Freistellungserhöhung dar.
Diskussion
Die Autorin wollte und hat mit dem vorliegenden Buch ein „breites Spektrum an Hilfestellungen“ (S. 9) für Leitungskräfte in Kinderbetreuungseinrichtungen zusammengetragen. Das Buch ist sehr gut lesbar. Sehr gut gelungen ist der Spagat zwischen Praxisbezug und theoretischer Fundierung. Theoretische Bezüge werden genannt, Modelle und Konzepte dargestellt und übertragen.
Verständlicherweise kann in einem Handbuch dieses Umfangs nicht jeder Bereich in gleicher Tiefe besprochen werden. Die ersten beiden Kapitel (Führung und Selbstführung, Mitarbeiterführung) sind die umfangreichsten. Manche Aufgabenfelder hingegen, beispielsweise das Thema Finanzierung und Ökonomische Grundlagen, werden überhaupt nicht erwähnt.
Dennoch ist das Buch als „Selbst-Coaching“ für Führungskräfte von Kindergärten und Tagesstätten in der vorliegenden Breite und Tiefe eine gute Ergänzung zu (kleineren) „Fortbildungen für angehende Leitungskräfte“ dienen. Die große Mehrheit der Leitungskräfte verfügen über den Ausbildungshintergrund „Erzieherin“ (DJI-Kita-Studie, 2007). Lediglich 21,4 % der Leitungen haben eine Zusatzausbildung für Leitungsaufgaben, Fachwirt / Betriebswirt oder Sozialmanagement (DJI-Kita-Studie, 2007). Mit diesem Handbuch haben fachlich qualifizierte Erzieherinnen die Möglichkeit, ihr Führungsverständnis weiter zu entwickeln und sich Managementtechniken anzueignen. Die Reflexionsfragen, Praxistipps, Checklisten und die leicht umsetzbaren Materialien in diesem Buch unterstützen den Leser bei diesem Prozess.
Fazit
Ein praxisnahes Handbuch, das einen breiten Überblick über das Aufgabenfeld von Leitungskräften im elementarpädagogischen Bereich bietet. Leiter/innen und Personen, die sich auf eine solche Tätigkeit vorbereiten, finden in diesem Buch umfangreiche Hilfe bei der Verortung und Umsetzung ihrer Führungsaufgaben. Für neue Leitungskräfte ist es sehr zu empfehlen, kann aber auch „alten Hasen“ zum Nachdenken über das eigene Handeln anregen.
Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH)
Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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