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Sabine Marya: Nur wer gut für sich sorgt

Cover Sabine Marya: Nur wer gut für sich sorgt, kann für andere sorgen. Ein Selbsthilfe-Leitfaden für pflegende Fachkräfte Ein Selbsthilfe-Leitfaden für pflegende Fachkräfte und Angehörige. Die Brücke (Neumünster) 2011. 200 Seiten. ISBN 978-3-940636-15-7. 16,80 EUR.
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Thema

Der Bedarf an Pflegekräften wächst, jedoch können zeitgleich immer weniger Stellen mit qualifiziertem Personal besetzt werden. Schon seit geraumer Zeit findet eine Arbeitsverdichtung durch kürzere Verweildauern in Krankenhäusern und erhöhter Pflegebedürftigkeit in Altenheimen statt. Viele Pflegefachkräfte verlassen den Beruf oder erkranken darin. In diese Situation hinein schreibt Sabine Marya ihr Buch zur Selbsthilfe für pflegende Fachkräfte und Angehörige.

Autorin

Sabine Marya ist Jahrgang 1962 und hat als examinierte Krankenschwester fast siebzehn Jahre in der Krankenpflege gearbeitet. Sie ist Autorin zahlreicher Selbsthilfebücher sowie von Romanen, Kurzgeschichten und Gedichten.

Entstehungshintergrund

Dieses Buch ist eine überarbeitete Neuauflage des Titels „Pflege hat viele Gesichter“ aus dem Jahr 2005 von der gleichen Autorin, das damals im Verlag Autorengemeinschaft Artep erschienen ist. Die neue Auflage, die hier besprochen wird, ist um 10 Seiten kürzer geworden, hat dafür aber ein Kapitel vorangestellt bekommen, das in der Urfassung nicht enthalten war. Es ist das Kapitel „Was ist das“ aus dem Teil 1 des Buches. Weitere Veränderungen in den Kapiteln sind nicht zu erkennen gewesen. Mir lag die Urfassung aus dem Jahr 2005 nicht vor, so dass ich bei diesem Vergleich auf die Buchbeschreibung auf der Internetseite der Autorin zurückgreifen musste. Sicherlich wird die Neuauflage einige redaktionelle Verbesserungen enthalten.

Aufbau

Das Buch ist wie folgt gegliedert:

Vorwort

Teil 1: Pflege

  1. Was ist das?
  2. Erfahrungen in der Pflege und der Umgang mit Grenzen
  3. Pflege im Angesicht von Leid, Sterben, Tod und Toten
  4. Die eigene Motivation

Teil 2: Professionelle Pflege

  1. Belastungen in der professionellen Pflege
  2. Sterben, Tod und Leichen
  3. Pflege im Krankenhaus
  4. Ambulante Krankenpflege
  5. Pflege im Heim
  6. Altenpflege
  7. Psychiatrische Pflege
  8. Pflege in der Intensivmedizin
  9. Positive Erfahrungen

Teil 3: Private Pflege

  1. Ehrenamtliche Pflege
  2. Pflegende Angehörige
  3. Bis das der Tod uns scheidet?
  4. Pflegende Eltern

Zum Schluss

Danksagung

Hilfreiche Adressen

Inhalt

Im Teil 1 des Buches widmet sich die Autorin allgemeinen Fragen und belastenden Situationen der Pflege. Sie führt ein, durch ein erklärendes Kapitel zum Thema Pflege. Darin legt sie dar, was sie aus ihrem beruflichen Verständnis heraus unter Pflege versteht. Es schließt sich ein Kapitel mit Erfahrungen in der Pflege an, die ein breites Spektrum der Wirklichkeit in den unterschiedlichen Bereichen, in denen Pflege wirkt, abdecken: Ekel, Leid, Nähe und Distanz, Selbstbeherrschung Burnout u.a. Das Kapitel schließ ab mit zwei Hilfen (Emotionsbarometer, Schreibübung) und einer Ermutigung und Vergewisserung der pflegerischen Berufsrolle. Im folgenden Kapitel werden Erfahrungen und belastende Situationen zu Leid, Sterben, Tod und den Toten thematisiert. Einige Informationen zum Thema Sterbehilfe und einige hilfreiche Adressen bilden den Kapitelabschluss. Der erste Teil schließt mit einigen anleitenden Fragen zur Klärung der eigenen Motivation zum Pflegeberuf und einer Schreibübung. Komplettiert wird es durch lange Interviewauszüge mit beruflich Pflegenden und pflegenden Angehörigen.

Der Teil 2 beschäftigt sich mit unterschiedlichen Sparten der professionellen Pflege, die aus der o.a. Gliederung entnommen werden können. Es deutet sich schon im Teil 1 an und wird zum tragenden Darstellungsprinzip im Teil 2, dass nach Beschreibungen von Situationen oder Belastungsfaktoren in den einzelnen Themen oder Sparten der Pflege jeweils einzelne Tipps und Übungen folgen, die teils appellativen Charakter teils reflektierende Funktion haben. Dabei bietet die Autorin unterschiedliche Techniken an: Schreibübungen, Fragen zum Nachdenken und Beantworten sowie Checklisten. Unterstützt werden ihre Darstellungen häufig durch zum Teil lange Auszüge aus Interviews mit Pflegekräften und pflegenden Angehörigen, wie es auch schon im Teil 1 zu sehen war.

Dieses Gestaltungsprinzip setzt sich auch in Teil 3 „Private Pflege“ fort. Die so dargebotenen Themen sind in der o.a. Gliederung zu sehen. Unklar bleibt, was die Autorin mit der Erklärung der Begriffe Pflegebedürftigkeit, Pflegestufen, Kombinationspflege sowie mit der Abgrenzung der Pflegeleistungen von anderen sozialen Leistungen beabsichtigt. Dazu zitiert sie über zwei Seiten reinen Gesetzestext aus dem SGB XI.

Diskussion

Die Autorin bietet dem Leser einen Selbsthilfe-Leitfaden an. Zunächst ist die Frage zu stellen, wem hier geholfen werden soll. Wer oder was ist das Selbst. Im ganzen Buch wird nicht klar, wie die einzelnen, geschilderten Situationen auf die Person der Pflegekraft wirken, sondern nur, dass sie wirken und zwar belastend. Es wäre hilfreich gewesen, psychologische, physiologische und auch spirituelle Wirkungsmechanismen zu erläutern und darauf aufbauend Maßnahmen zur Hilfe für sich selbst zu entwickeln. Deshalb bleiben die vorgeschlagenen Übungen und Fragen sehr allgemein und sind auch nicht geeignet, die Eigenreflexion zu erlernen. So wie die Fragen gestellt sind, benötigen sie m.E. schon ein hohes Maß an Fähigkeit zur Eigenreflexion. Leider wird der Leser mit den Fragelisten und seinen Antworten darauf allein gelassen. Was soll er damit tun? Erläuternde Beschreibungen fehlen. Es scheint, dass die Autorin rein auf einen Selbsterkenntnisprozess setzt, der durch die Antworten in Gang gesetzt werden soll. Das dieser Automatismus immer funktioniert, scheint fraglich.

Viele der Tatsachen, die im Buch zur Schilderung der Arbeits- und Belastungssituationen ins Feld geführt werden, werden nicht belegt. Wenn Quellen angegeben werden, so sind sie zum Teil nicht als verlässlich anzusehen (z.B. Wikipedia - S. 53) oder es funktioniert beispielsweise ein angegebener Internetlink (S. 97) nicht, weil ein Druckfehler darin steckt. Daher bewegen sich die Beschreibungen im Buch häufig auf der Ebene der Behauptungen, was dem Buch nicht gut tut.

Man könnte also verleitet sein zu behaupten, das Buch verfehle sein Ziel. Dann würde man ihm allerdings Unrecht tun. Die starke Seite des Buches ist zweifellos, dass es den Finger auf viele wunde Stellen in unserem Pflege- und Gesundheitswesen legt. Viele professionelle Pflegekräfte und auch pflegende Angehörige werden sich und ihre eigene Pflegesituation häufig im Buch wiedererkennen. Deshalb mag die Tatsache, dass in einem Buch beim Namen genannt wird, was erlebte Praxis in Pflegeheimen, Krankenhäusern und in der Häuslichkeit ist, genau das Maß an Selbsthilfe sein, das für viele Leser trost- und hilfreich ist. Wer allerdings konkrete Hilfen in Form von Methoden und Techniken zur Verhaltens- und Haltungsänderung erwartet, der wird von diesem Buch enttäuscht werden.

Fazit

Der Begriff der Selbsthilfe wird im Buch sehr weit gefasst. Methoden und Techniken zur Selbstreflexion und Haltungsänderung sind nicht seine Stärke. Trotzdem kann es dem Buch gelingen, das der Leser eine Selbstvergewisserung und -bestätigung erfährt. Die Autorin spiegelt die Situation vieler Berufskolleginnen und -kollegen und macht sie nachvollziehbar. Diese Hilfe bietet sie zweifellos an. Dort endet sie jedoch auch, so dass die Erwartungen des Lesers an Hilfe nicht so hoch sein dürfen.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Werner Thomas
Krankenpfleger, Diakon
Homepage www.adservio.de
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Zitiervorschlag
Werner Thomas. Rezension vom 20.09.2011 zu: Sabine Marya: Nur wer gut für sich sorgt, kann für andere sorgen. Ein Selbsthilfe-Leitfaden für pflegende Fachkräfte Ein Selbsthilfe-Leitfaden für pflegende Fachkräfte und Angehörige. Die Brücke (Neumünster) 2011. ISBN 978-3-940636-15-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11809.php, Datum des Zugriffs 23.01.2019.


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