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Harald Lemke: Politik des Essens

Cover Harald Lemke: Politik des Essens. Wovon die Welt von morgen lebt. transcript (Bielefeld) 2011. 240 Seiten. ISBN 978-3-8376-1845-7. 22,80 EUR, CH: 32,90 sFr.

Reihe: X-Texte zu Kultur und Gesellschaft.
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Das gastrokapitalistische System ist am Ende

Die Warnungen, wie sie sich seit Jahrzehnten in den Weltberichten des Club of Rome, den UN-Prognosen und den alljährlichen Analysen des New Yorker Worldwatch Instituts darstellen, dass die lokalen und globalen, ökonomischen Zustände und Ungleichheiten in der Welt immer größer werden und sich in der Metapher ausdrücken: „Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer“, liegen auf den Tischen der Welt (Worldwatch Institute, Zur Lage der Welt 2011: Hunger im Überfluss. Neue Strategien im Kampf gegen Unterernährung und Armut, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11455.php). Die hehren Ziele, wie sie beim UN-Millenniumsgipfel im Jahr 2000 formuliert wurden, u. a. den Hunger in der Welt bis zum Jahr 2015 zu halbieren, lassen sich, so zeigen alle bisher vorliegenden Bestandsaufnahmen, nicht erreichen. Der Slogan „Eine andere (bessere) Welt ist möglich“, wie er beim ersten Weltsozialforum 2001 in Porto Alegre formuliert und von ATTAC aufgenommen wurde, drückt ja die Hoffnung aus, dass die ohne Zweifel inhumanen Entwicklungen des business as usual und eines Immer-Mehr, die die Menschheit in den Abgrund treiben werden, durch ein Umdenken und einen Perspektivenwechsel verhindert werden könne; so wie dies 1995 die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ gefordert hat: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“, und wie dies das Worldwatch Institut eindeutig aufzeigt: „Die Ernährung der Menschen und die Nährkraft des Planeten sind heute unauflöslich miteinander verbunden und lebenswichtig für unsere Zukunft“.

Ist die Menschheit nicht mehr zu retten? Diese Vermutung drängt sich auf, angesichts der nicht gehörten, nicht Ernst genommenen Warnungen. Fatalismus und Nihilismus wären dann die Lösungen. Aber es gibt Menschen, die nicht müde werden, für eine „Refeudalisierung der Welt“ einzutreten (Jean Ziegler, Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung, München 2005, 316 S.) und den Finger in die Wunden einer hegemonialen Welt zu legen (Jean Ziegler, Der Hass auf den Westen. Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren, 2009, www.socialnet.de/rezensionen/8994.php). Es sind Wissenschaftler, die ein „Dennoch“ ausrufen gegen die neoliberalen und kapitalistischen Mächte (John Holloway, Die Welt verändern, ohne die Macht übernehmen. 2002. www.socialnet.de/rezensionen/10535.php), die auftreten gegen neokolonialistische Strategien (Stefano Liberti, Landraub. Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus, Berlin 2012, 254 S.) und durch Kapitalismuskritik neue, humanere Ufer aufzeigen (David Graeber, Kampf dem Kamikaze-Kapitalismus. Es gibt Alternativen zum herrschenden System, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13337.php). Wenn auch langsam und allzu zögerlich, so setzt doch – zuvorderst durch wissenschaftliche und intellektuelle Argumentationen – ein Umdenken ein, dass „mehr wird, wenn wir teilen“ (Elinor Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11224.php) und die Welt als Gemeingut für die Menschen da ist (Silke Helfrich, Heinrich-Böll-Stiftung, Hrsg., Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13482.php).

Entstehungshintergrund und Autor

„Wer mit dem Zustand der Welt und sich selbst nicht zufrieden ist, muss philosophieren“ (Eberhard Straub, Deutschland Deine Bildung! Essays zur Idee und Geschichte, 2008, www.socialnet.de/rezensionen/8681.php). Die Einsicht, dass der Mensch ein zôon politikon, ein politisches Lebewesen ist (Aristoteles), muss Konsequenzen haben, um Ungerechtigkeiten, falsche Entwicklungen und inhumane Egoismen in der Welt zu kritisieren, um sie hin zu einem humanen Denken und Handeln der Menschen zu bringen (Oliver Kozlarek, Moderne als Weltbewusstsein. Ideen für eine humanistische Sozialtheorie in der globalen Moderne, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12558.php).

Die Gastrosophie, als Ernährungs- und Lebenswissenschaft vereint zahlreiche Wissenschaftsbereiche, die über Fragen des globalen Nahrungsgeschehens arbeiten, zu den Aspekten der Lebensmittelerzeugung, des Marktes und des Konsums forschen und Fragen der Esskulturen thematisieren. So sind die Disziplinen Soziologie, Pädagogik, Biologie, Psychologie, Anthropologie, Geschichte, Medizin und nicht zuletzt die Philosophie beteiligt, wenn es um Fragen des Essens und Genießens geht. Mit dem Sprichwort „Dummheit frisst – Intelligenz säuft!“ wird schon die Widersprüchlichkeit, Nützlichkeit und Fragwürdigkeit von rezeptartigen Ratgebern deutlich, die über Essen und Trinken, Konsumieren und Verbrauchen auf dem Markt sind. Ein schönes Beispiel für die Zwiespältigkeit des Nachdenkens über Esskulturen liefert der britische Philosoph, Schöngeist und Schriftsteller Roger Scruton mit dem vieldeutigen Titel seines Buches: „Ich trinke, also bin ich“ (Roger Scruton, Ich trinke, also bin ich. Eine philosophische Verführung zum Wein, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10343.php).

Das Buch des an der Universität Lüneburg tätigen Philosophen Harald Lemke, der auch am Interdisziplinären Zentrum für Gastrosophie der Universität Salzburg lehrt, handelt (direkt) nicht von einer Ästhetik des Genusses, sondern setzt sich mit der lokal- und global-politischen Frage auseinander: Wovon will die Menschheit in der Zukunft leben? Es ist also die immanent politische Frage nach dem „guten Leben“ für alle Menschen auf der Erde. Und es sind die Irrungen und Wirrungen, die Einbahnstraßen und Engpässe, die gesellschaftlichen und politischen Aspekte und nicht zuletzt die individuellen und kollektiven Wahrnehmungen und Einstellungen vom Haben und Sein (Erich Fromm), die einen Hau-Ruck herausfordern und Menschen zum Nachdenken darüber bringen, was und wie sie essen: „Ich sehe, was du isst, und ich weiß, wer du bist!“ – dieses interpretationsfähige Sprichwort drückt aus, dass jeder Einzelne von uns aufgefordert und in der Lage ist, sich als politischer Mensch bewusst zu werden, dass „jeder einzelne von uns tagtäglich die Verantwortung für die Zukunft der gesamten Menschheit trägt“ (Enrique Barón Crespo). Dass dabei freilich auch die Erkenntnis zu berücksichtigen ist, dass der gute Wille des Einzelnen an Grenzen stößt, wenn das System falsch programmiert ist (Worldwatch Institute, Hrsg., Zur Lage der Welt 2010. Einfach besser leben. Nachhaltigkeit als neuer Lebensstil, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10494.php), liegt auf der Hand.

Aufbau und Inhalt

Die Auf- und Abrechnung, die Harald Lemke vornimmt beginnt mit der Analyse über den Hunger in der Welt und der Frage, ob und inwieweit die Philosophie als Lebenswissenschaft bereit und in der Lage ist, den Skandal deutlich anzuprangern und Perspektiven zu entwickeln, die ein Ende des Hungersterbens und -vegetierens in der (Einen?) Welt bewirken. „Es ist die Pflicht zu handeln, nicht die, etwas zu unterlassen“, das ist das Credo für ein Bewusstsein, dass Welthunger ein politisches und moralisches Problem ist ( Detlef Horster, Hrsg., Welthunger durch Weltwirtschaft. Hannah-Arendt-Lectures und Hannah-Arendt-Tge 2009, www.socialnet.de/rezensionen/9744.php ). Es sind die neoliberalen und kapitalistischen Theorien und Praktiken, die dazu führen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich lokal und global immer weiter auseinanderdriftet; es sind die eher scheinheiligen und egozentrischen Machtpositionen der Wohlhabenden, die, etwa in der Entwicklungspolitik, oder auch in der moralisch fundierten Spenden- und Geberbereitschaft, als Alibi dafür wirken, dass sich an den ungerechten Zuständen in der Welt möglichst nicht allzuviel ändern soll; ein Vorwurf, den der Autor mit mehreren Beispielen und Diskursen um die Ungerechtigkeitsthematik auf der Welt belegt.

„Der Gesichtskreis der politischen Gastrosophie“ wird deutlich bei der Frage, wie sich die Ökonomie als Machtfaktor positioniert und scheinbar naturwüchsig dominiert (vgl. dazu auch die Kontroversen, wie sie sich zu den Theorien der Ökonomie artikulieren: Reinhold Hedtke: Konzepte ökonomischer Bildung, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/11329.php; Joachim Radkau: Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11451.php; in vielfältiger Weise zur zaghaften oder revolutionären Veränderung des herrschenden Wirtschaftssystems äußern: Sebastian Dullien / Hansjörg Herr / Christian Kellermann, Der gute Kapitalismus. … und was sich dafür nach der Krise ändern müsste, 2009, www.socialnet.de/rezensionen/8846.php Jeremy Rifkin, Die dritte industrielle Revolution. Die Zukunft der Wirtschaft nach dem Atomzeitalter, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12414.php, u.a.). Es sind die zwar individuell wirksam werden könnenden, aber, weil nicht in der notwendig konsequenten Weise die Infragestellung nach Wachstum und Mehr getätigt wird, globalökonomisch unwirksamen Konzepte (Paul Collier: Der hungrige Planet. Wie können wir Wohlstand mehren, ohne die Erde auszuplündern, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/13125.php), die „Fairhandeln“ nur zu einem Pflästerchen auf die klaffende Wunde der lokalen und globalen Ungerechtigkeit bringen kann (Martina Hahn / Frank Herrmann, Fair einkaufen – aber wie? Der Ratgeber für fairen Handel, für Mode, Geld, Reisen und Genuss., www.socialnet.de/rezensionen/13529.php). Die Frage nach einem neuen ökonomischen Narrativ, einem Perspektivenwechsel im lokalen und globalen, ökonomischen und kulturellen Denken und Handeln, lässt sich nicht per ex cathedra beantworten, sondern sich (vorerst) nur als Hoffnung darstellen: „Sollten die Kräfte einer gerechten Weltwirtschaft wachsen, wird dies das Ende des Gastrokapitalismus – des globalen Gesamtprozesses der Produktion und Konsumtion von ethisch ungenügenden Lebensmitteln – bedeuten“.

Welche Perspektiven und sogar konkrete Projekte Wege hin zu diesem Wandel aufzeigen, stellt der Autor dar, indem er „rebellische Bäuerungen und Bauern im globalen Kampf um Ernährungssouveränität“ zu Wort kommen lässt; z. B. mit dem „ya basta“ der Zapatistas (Raina Zimmering, Zapatismus. Ein neues Paradigma emanzipatorischer Bewegungen, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10557.php), den Aktivitäten der Globalisierungskritiker, wie sie sich im „Battle of Seattle“ 1999 gegen Konzerne und Machthierarchen und die zahlreichen lokalen und regionalen Aktivitäten darstellen (siehe dazu auch: Maria Mies, Hrsg., Farida Akther: Samenkörner sozialer Bewegungen. Frauenbewegungen und andere Bewegungen in Bangladesh und weltweit, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11498.php).

Mit dem globalpolitischen Programm von Food Sovereignty (Ernährungssouveränitit) wird das Menschenrecht auf Nahrung artikuliert, wie dies in Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck kommt: “Jedermann hat das Recht auf einen für die Gesundheit und das Wohlergehen von sich und seiner Familie angemessenen Lebensstandard, einschließlich ausreichender Ernährung…“. Die dafür notwendigen Voraussetzungen werden in den vier Grundsätzen verdeutlicht: „Land für alle und Gemeinbesitz der Erde“, „ethische Zentrierung der Ökonomie im Gemeinwohl“, „gerechter Preis“ und „Weltagrarpolitik einer deglobalisierten lokalen Nahrungsproduktion“.

Daraus formuliert Lemke (s)eine „Gastropolis“ in zwei Schritten: Im ersten ruft er auf zum „politischen Gärtnern“, indem er nach dem Wert und der Würde der Arbeit fragt (vgl. dazu auch: Norbert Blüm, Ehrliche Arbeit. Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11382.php; siehe auch: Rolf-Dieter Hepp, Hrsg., Prekarisierung und Flexibilisierung = Precarity and flexibilisation, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13527.php; und: Karl König, Arbeit und Persönlichkeit, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12072.php; sowie: Theresia Volk, Unternehmen Wahnsinn. Überleben in einer verrückten Arbeitswelt, www.socialnet.de/rezensionen/11726.php); denn die Ursachen von Entfremdung in der Arbeitswelt sind im ökonomischen Tun der Menschen zu suchen (Tomáš Sedláček, Die Ökonomie von Gut und Böse, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/12902.php). Im zweiten Schritt fragt er nach der „Gastrosophie der Stadt“ und verweist darauf, dass eine „urbane Gärtnerei“ nur von Unten wirksam werden kann, nämlich mit „dem Recht auf Freiheit, unsere Städte und uns selbst zu bestimmen“ (siehe auch: Mara-Daria Cojocaru, Die Geschichte von der guten Stadt. Politische Philosophie zwischen urbaner Selbstverständigung und Utopie, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13713.php).

Übersättigungen und Unersättlichkeiten der Habenden sind es, die sich als trügerische Schlaraffenland-Träume der Wohlhabenden und Mächtigen darstellen und als sozialpathologisches Denken und Handeln darstellen (vgl. dazu auch: Christophe Dejours, Hrsg., Klinische Studien zur Psychopathologie der Arbeit, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/13188.php).

Eine Gastropolitik, wie sie sich aus den vorangegangenen Analysen und Argumentationen ergibt, verdeutlicht sich zum einen in „Slow-Food-Philosophie“, die als Alternative zur aktuellen, globalen „Fastfood-Gesellschaft“ empfohlen wird, sich in der Nachhaltigkeitsdebatte artikuliert (Moritz Gekeler, Konsumgut Nachhaltigkeit. Zur Inszenierung neuer Leitmotive in der Produktkommunikation, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12966.php) und als Aufklärungs- und Bildungsprogramm zu diskutieren ist (Claus Tully / Wolfgang Krug, Konsum im Jugendalter. Umweltfaktoren, Nachhaltigkeit, Kommerzialisierung, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11517.php).

Zum anderen, indem sich im lokalen und globalen Denken und Handeln die Frage nach der Bedeutung der „Terra Madre“, der Mutter Erde, für die Individuen und Gesellschaften in der Welt neu stellt, als Machtfrage der scheinbar prädestinierten Macher in der Welt (Ian Morris, Wer regiert die Welt? Warum Zivilisationen herrschen oder beherrscht werden, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/12186.php), oder als ein Menschenrecht, das naturwüchsig jedem Individuum auf der Erde zusteht (Joseph Nye, Macht im 21. Jahrhundert. Politische Strategien für ein neues Zeitalter, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/13126.php).

Den Schluss der Analyse über die gastrostrategische und -ethische Herausforderung Hier, Heute und Morgen bildet die Auseinandersetzung mit dem australischen Philosophen und Ethiker Peter Albert David Singer, insbesondere mit seiner „Philosophie des Essens“. Singer verweist darauf, dass wer isst, nicht nur einem biologischen Grundbedürfnis nachkommt; genau so wenig, wer sich ernährt, dies nicht zu seinem Privatvergnügen tut. Es sind die lokalen und globalen Interdependenzen, die sich als Aufforderungen zum intelligenten und verantwortungsbewussten konsumierenden (und kochenden) Handeln darstellen, auch mit dem Eingeständnis, dass der Mensch nicht immer und überall als hedonistischer und eudämonistischer Held existieren kann: „Denn ‚das Gute zu leben‘ verlangt von niemandem, zu jedem Zeitpunkt und unter allen Umständen ein vollkommen ‚guter Mensch‘ zu sein“. Diese pragmatische, jedoch nicht unverbindliche Haltung ermöglicht es, gastroethisch, -philosophisch und -existentiell so zu leben, dass ein Bewusstsein zu erlangen ist: „Die Zukunft unserer Erde und die Utopie eines menschenwürdigen Lebens – die Zukunft der Menschheit hängt ganz entscheidend vom gesellschaftlichen Umgang mit der Nahrungsfrage ab“.

Fazit

Die engagierte und konsequente Auseinandersetzung mit der Frage, wovon die Welt von morgen lebt, ruft viele Analysten, Warner und Protagonisten, wie mit den Hinweisen auf die weiterhin dazu vorhandene Literatur gezeigt werden soll, auf den Plan (vgl. dazu auch: Stefan Kreutzberger / Valentin Thurn, Die Essensvernichter. Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/13468.php). Es sind hoffentlich nicht „Rufer in der Wüste“ (des Unverstandes), die aufzurütteln vermögen (Ronald Lutz / Corinna Frey, Hrsg., Poverty and poverty reduction. Strategies in a global and regional context, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/13380.php) und ermutigen, nicht auf ein von außen einströmendes Wunder warten, sondern selbst tätig werden (Peter M. Senge, u.a., Die notwendige Revolution. Wie Individuen und Organisationen zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Welt zu schaffen, www.socialnet.de/rezensionen/11714.php). Der Menschheit Wege aus ihren Miseren, Irrwegen und selbst verschuldeten Katastrophen zu weisen, das nehmen sich über Jahrtausende hinweg immer wieder Menschen vor. Es sind Kassandrarufe genauso wie utopische Projektionen und reale Programme (Jürgen Straub, Hg., Der sich selbst verwirklichende Mensch. Über den Humanismus der Humanistischen Psychologie, Bielefeld 2012, 263 S.).

Harald Lemkes Analyse zur „Politik des Essens“ fügt in diesem Konzert der Konzepte und Utopien ein weiteres Instrument hinzu: Die philosophische und politische Gastrosophie. Damit verweist er auf die (alte und gleichzeitig neue, aktuelle, politische und ethische) Herausforderung, in individueller und globaler Verantwortung, ein „gutes Leben“ für alle Menschen zu ermöglichen.


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 12.11.2012 zu: Harald Lemke: Politik des Essens. Wovon die Welt von morgen lebt. transcript (Bielefeld) 2011. ISBN 978-3-8376-1845-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11833.php, Datum des Zugriffs 25.10.2021.


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