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Schweizerisches Rotes Kreuz (SRK) (Hrsg.): Einschluss und Ausschluss

Cover Schweizerisches Rotes Kreuz (SRK) (Hrsg.): Einschluss und Ausschluss. Betrachtungen zur Integration und sozialer Ausgrenzung in der Schweiz. Seismo-Verlag (Zürich) 2010. 159 Seiten. ISBN 978-3-03-777097-9. 26,00 EUR, CH: 38,00 sFr.

Reihe: Gesundheit und Integration - Beiträge aus Theorie und Praxis.
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Thema

Armut und Ausgrenzung, insbesondere von Migrantinnen und Migranten, sind und sollten besonders gegenwärtig Thema in der Gesellschaft sein. Im Zuge einer fortschreitenden Globalisierung ist es wichtig, zunächst Gesellschaft, Politik und die Menschen zu sensibilisieren, bevor konkrete Schritte und unterstützendes Handeln gewährleistet werden können. Das Besondere am Thema ist der Schweizerische Kontext. Die Schweiz ist an sich ein sehr reiches Land, dennoch gibt es auch hier Marginalisierung und Armut unter MigrantInnen, so dass gerade deshalb auf das Thema aufmerksam gemacht werden sollte.

Herausgeber

Herausgeber des vorliegenden Buches ist das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), das sich seit Jahren in der Grundlagen- und Projektarbeit in den Bereichen Gesundheit und Integration engagiert. Es bringt regelmäßig Publikationen heraus und will damit einen Beitrag zu gesellschaftlich relevanten Bereichen und aktuellen Diskussionen leisten.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Fotobuch entstand vor dem Hintergrund, dass das Jahr 2010 von der Europäischen Union zum Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung erklärt wurde. In der nunmehr 6. Publikation des SRK ist man deshalb davon ausgegangen, dass Armut und soziale Ausgrenzung auch gesundheitliche Folgen haben. Diese gesundheitlichen Folgen sind Teil der täglichen Arbeit des SRK. Beides, die Besonderheit des Jahres 2010 und die tägliche Auseinandersetzung mit dem Thema, bildete somit den Anlass für die Herausgabe dieses Fotobuches.

Aufbau

Im Grundaufbau unterliegt das Fotobuch einer Dreiteilung. Es wird durch ein entsprechendes Vorwort eingeleitet, anschließend folgen sieben Fotogeschichten und auf die jeweilige individuell zugeschnittene Situation ausgerichtete Angebote des SRK und ein dritter Teil der mit „Wissenschaftliche Beiträge(n)“ überschrieben ist. Hier sind insgesamt vier Beiträge von unterschiedlichen Autoren nachzulesen. Hinter jedem Buchabschnitt werden Statements von öffentlichen Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft eingefügt.

Inhalt

1. Im von D. Domenig und R. Stuker eingeleiteten Vorwort erfährt der Leser und Betrachter des Buches etwas vom Entstehungshintergrund und den Zielen der Aktivitäten des SRK, nämlich Betroffenen chancengleiche Teilhabe an der Gesellschaft und einen chancengleichen Zugang zum Gesundheitsweisen zu gewährleisten. Gleichzeitig wird auf die Ziele der Publikation verwiesen und die Umsetzung mit einem Fotobuch, als Kombination aus Fotokunst und Texten hervorgehoben. Des Weiteren wird auf den Grundaufbau und zu erwartende Inhalte aufmerksam gemacht. Zum zweiten Teil des Buches wird durch Statements aus Kunst und Politik übergeleitet.

2. Der zweite Teil ist überschrieben mit „Lebensgeschichten – Angebote des SRK“. Es folgen nun sieben Fotogeschichten mit jeweils anderen Problemschwerpunkten. So werden unter anderem die fotodokumentierten Geschichten von Rose aus Sri Lanka die auf ihren Abschiebungsbescheid wartet, Nazirou-Adam, einem Sans-Papier, der plötzlich ärztliche Hilfe benötigte, von Fidan, einer durch Folter und Krieg traumatisierten Türkin und politischen Widerstandskämpferin, von Jose`- Juan aus Mexiko, der über eine Beziehung in die Schweiz kam und in einem Projekt des SRK als Kursleiter eine Arbeit fand, von Madou aus Senegal, der illegal eingereist, verhaftet und in der Ausschaffungshaft auf seinen Neubeginn in Senegal vorbereitet wurde, von Nadia, die in zweiter Generation von italienischen Einwanderern stammt und in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist und von Alemu aus Äthiopien, der nicht in seine Heimat zurück kann, aber auch nicht in der Schweiz bleiben darf und seine Eltern suchte, erzählt. Die Erzählung erfolgt in Teilen über Fotokunst und durch transkribierte Erzählungen der Betroffenen. Nach jedem einzelnen Schicksal folgen die auf die entsprechenden Probleme bezogenen Angebote durch das SEK. So werden am Beispiel von Rose die Sozialhilfe und existenzielle Sicherstellung während der Wartezeit durch das SRK dargestellt und am Beispiel von Nazirou-Adam die Gesundheitsversorgung von Sans-Papiers. Die Arbeit der Ambulanz für Folter- und Kriegsopfer des SRK wird im Anschluss an die Darstellung des Schicksals von Fidan vorgestellt. Am Beispiel von Jose`-Juan wird auf das Projekt VIA (Veranstaltungen, Information, Aufklärung) des SRK verwiesen. Madou konnte in der Rückkehrberatung des SRK seinen Neuanfang in Senegal planen. Nadia fand selbst eine Wirkungsmöglichkeit als Kursleiterin im Weiterbildungsangebot Transkulturelle Kompetenz des SRK und anhand des Beispiels von Alemu wurden die Möglichkeiten des Suchdienstes des SRK vorgestellt, womit Alemu nach acht Jahren wieder Kontakt zu seiner Mutter aufnehmen konnte. Auch hier kommen nach jeder einzelnen Darstellung der jeweiligen Schicksale und nach Beschreibung der Angebotsmöglichkeiten durch das SRK, Künstler, Politiker, Sportler etc. in ihren Statements zu Wort. Diese beinhalten Erfahrungen, Wünsche und Erwartungen für die Zukunft und Ermunterungen zu interkulturellem, gleichberechtigtem Zusammenleben. Einzelne Statements sind dabei in französischer Sprache, ohne deutsche Übersetzung abgedruckt.

3. Im dritten Teil: Wissenschaftliche Beiträge beschreibt S. Cattacin wie sich aus soziologischer Sicht der Umgang mit Ausschluss- und Einschlussdynamiken durch Reflexion zu einer individuellen Kompetenz entwickelt hat und wie dabei Staat und Politik durch Offenheit, Austausch und Respekt, mit gesetzlichen und politischen Instrumenten unterstützen und Diskriminierung verhindern können. Spezifische Ausschlusskriterien sieht D. Domining in sozialen Dimensionen von Gesundheit begründet. Dabei zeigt sie Wege auf, wie diese Dimensionen auch nutzbar zu machen sind. So plädiert sie dafür, transkulturelle Kompetenz von Gesundheitspersonal zu fördern und Gesundheitsinstitutionen für Migrantinnen und Migranten zu öffnen. J. Wyttenbach unterzieht in ihrem Beitrag; Armut, Ausgrenzung und Menschenrechte, den Begriff Armut einer Bestimmung und stellt ihn dann ins Verhältnis zu den Menschenrechten. Dabei macht sie deutlich, dass Bekämpfung der Armut und Ausgrenzung ein individuelles Recht darstellt. Die Autorin verweist kritisch darauf, dass die Schweiz hier noch offensiver werden und die Ressourcen besser nutzen kann. Auch W. Schmid schließt sich diesen Forderungen an und plädiert darüber hinaus für eine nationale und zielorientierte Strategie zur Bekämpfung der Armut und Ausgrenzung, die über Tellerränder und Schweizer Kantone – Grenzen hinweg zu entwickeln sei.

Diskussion

Mit der gewähltem Form und dem Aufbau des vorliegenden Fotobuches gelingt es gleich mehrere Zielgruppen als potenzielle Leser anzusprechen. Das sind vor allem betroffene MigrantInnen in der Schweiz, Berufstätige im Gesundheitswesen und sozialen Bereichen, auch in anderen deutschsprachigen Gebieten, InterssentInnen für das SRK und natürlich alle anderen Interessenten, die sich einfach von dem Thema und seiner Umsetzung angesprochen fühlen. Die Idee, nach einer Fotoerzählung einen konkreten Handlungsansatz des SRK vorzustellen und mit Statements zu untermauern, kann hier in jedem Falle als gelungen und etwas Besonderes dieses Bändchens angesehen werden. Insgesamt ist die Sprache dementsprechend einfach gehalten und daher gut verständlich. Einzig problematisch kann es für jene werden, die der französischen Sprache unkundig sind, weil einzelne Statements in Französisch, ohne deutsche Übersetzung abgegeben werden. Für andere jedoch ist dies ein zusätzlicher Icebroker, neben den sehr ansprechenden und künstlerisch gehaltenen Fotos in dem Band. Enttäuscht könnten allerdings jene sein, die ein wissenschaftlich fundiertes tiefschürfendes, methodisches (Lehr-)Buch erwartet hätten, welches über den Umgang mit Armut und Ausgrenzung entsprechend Aussagen zu treffen weiß. Die Stärke liegt eher im Plädoyer, dem Thema Armut und Ausgrenzung mehr Aufmerksamkeit zu schenken, die Vielfalt der Kulturen als Gewinn für die eigene Kultur aufzufassen und den Mut und die Traute zu haben, sich Hilfen bei entsprechenden Anbietern zu holen, weil sie individuelles Recht, im Sinne der Menschenrechte sind.

Fazit

Hier liegt ein sozial engagiertes, einmal anders angelegtes Fotobuch vor, das durch persönliche beispielhafte fotodokumentierte Erzählungen Betroffener und die prägnante und kurze Darstellung der Angebote des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) besticht.


Rezensentin
Dr. phil. Oda Baldauf-Himmelmann
Ausgebildete systemische Therapeutin / Familientherapeutin, Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und Kulturwissenschaftlerin. Arbeitet als Akademische MA an der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus/Senftenberg (BTU CS)
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Zitiervorschlag
Oda Baldauf-Himmelmann. Rezension vom 09.11.2011 zu: Schweizerisches Rotes Kreuz (SRK) (Hrsg.): Einschluss und Ausschluss. Betrachtungen zur Integration und sozialer Ausgrenzung in der Schweiz. Seismo-Verlag (Zürich) 2010. ISBN 978-3-03-777097-9. Reihe: Gesundheit und Integration - Beiträge aus Theorie und Praxis. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11856.php, Datum des Zugriffs 16.11.2018.


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