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Erich Grond: Die Pflege verwirrter alter Menschen

Cover Erich Grond: Die Pflege verwirrter alter Menschen. Psychisch Alterskranke und ihre Helfer im menschlichen Miteinander. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2003. 9. Auflage. 298 Seiten. ISBN 978-3-7841-1499-6. 19,50 EUR, CH: 40,90 sFr.

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Vorbemerkungen

Der Anteil alter Menschen nimmt in den Industrienationen stetig zu, damit verbunden steigt der Anteil alter Menschen, die Unterstützung und pflegerische Hilfe benötigen. Diese Entwicklung ist allgemein als bekannt vorauszusetzen. Ebenso präsent ist der Problembereich der Demenz, der ja nicht durch die an Demenz leidenden Menschen bestimmt wird, sondern durch die vielfältigen Mängel in der Versorgungs- und Unterstützungsstruktur sowie durch sich nur langsam entwickelnde Professionalität der unterstützenden Berufsgruppen. Hier schließt Erich Grond eine Lücke, in dem er sein Buch "Die Pflege verwirrter alter Menschen" vollständig überarbeitet hat und damit aktuelle Perspektiven für alle pflegerisch beteiligten Sektoren und Personengruppen liefert. Schon im Titel des Buches wird deutlich, dass es um das Syndrom Verwirrtheit geht, welches umfassender ist als die medizinische Diagnose Demenz. Folgerichtig beschreibt Grond die Verwirrtheit aus medizinischer, psychosozialer, sowie kommunikativer Sicht und bezogen auf die auslösenden Umweltfaktoren. Er bezieht inhaltlich die professionell beteiligten Berufsgruppen und pflegende Angehörige ein. Damit bildet dieses Buch einen reichen Fundus an aktuellem Wissen aus verschiedenen Fachdisziplinen, welches theoretisch und praktisch handlungsleitend sein sollte.

Der Autor

Prof. Dr. Erich Grond ist Psychotherapeut und Internist. Seit 33 Jahren widmet sich Prof. Dr. Grond als Dozent der Aus- und Fortbildung von Altenpflegern und Krankenschwestern. Er war fünfzehn Jahre ärztlicher Leiter eines Altenheimes, hatte seit 1993 Lehraufträge an verschiedenen Fachhochschulen und einen Lehrauftrag an der Universität Dortmund. Er ist Autor zahlreicher Fachbücher und Publikationen und eine der bekanntesten Persönlichkeiten im Umfeld der Pflege und Betreuung alter Menschen in Deutschland. Erich Grond ist auch einer der wenigen konsequenten Vertreter des personenzentrierten Ansatzes im Umgang mit verwirrten alten Menschen.

Das Buch

Das Buch behandelt das Syndrom Verwirrtheit in fünf Themenkomplexen, deren Inhalte im Folgenden skizziert werden.

1. Grundlagen (34 Seiten). Dieses Kapitel gibt einen grundlegenden Überblick über die Orientierungsstörungen, die eine Verwirrtheit ausmachen, über die psychischen Alterserkrankungen und die Früherkennung der Verwirrtheit. Allgemeine pflegerische Grundlagen wie der Pflegeprozess werden aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und verschiedene Assessments werden als Schaubilder/Tabellen vorgestellt (Selbständigkeitsprofil, NOSGER-Skala, RAI). Besonderes Augenmerk wird der Pflege als Beziehungsprozess zwischen verwirrtem alten Menschen und Mitmenschen gegeben. Eine kurze Abhandlung behandelt die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit nach dem SGB XI.

2. Personenzentrierte Pflege (118 Seiten). Hier werden die verschiedenen akuten Verwirrtheitszustände (medikamentös, metabolisch, infektiös, Kardio-pulmonal, ZNS-Störung, postoperativ) gegen die chronische Verwirrtheit bei Demenz (Alzheimer D., Frontotemporäre D., Vaskuläre D., andere Formen) abgegrenzt. Die Verwirrtheit durch Wahrnehmungsstörungen wird behandelt, sowie psychosoziale Auslöser für Verwirrtheit. Die Kommunikation als potentieller Auslöser einer Verwirrtheit bildet ein Kapitel und Umweltfaktoren, die auslösend sein können werden dargestellt. Dieses Kapitel ist äußerst faktenreich. Grond versteht es auch hervorragend, theoretisches Wissen und Handlungsempfehlungen zu verknüpfen und dabei den Fokus auf die verwirrte Person zu legen. So entsteht ein multifaktoraler Überblick, an dem immer handelnde Menschen beteiligt sind.

3. Hilfen für Verwirrte (69 Seiten). Hier werden die verschiedenen Therapien (Einteilung: körperliche T., Psychotherapie, Soziotherapie, Milieutherapie), die bei chronischer Verwirrtheit möglich sind, kurz dargestellt. Ein zweiter Themenkomplex geht auf die Pflege durch Angehörige ein. Die familiäre Auseinandersetzung und mögliche Probleme, die eine Verwirrtheit auslösen oder durch Verwirrtheit ausgelöst werden, werden behandelt. Ebenso wird die Belastungssituation der Familie besprochen und auf professionelle Unterstützungssysteme wird eingegangen. Die stationäre Pflege verwirrter alter Menschen wird unter Pflegequalitäts- und damit untrennbar verbunden unter Beziehungsaspekten behandelt.

4. Betreuung Verwirrter durch andere Fachleute und Helfer (17 Seiten). Hier wird das Tätigkeitsfeld des Sozialarbeiters kurz umrissen, wobei Querverweise zu vorangegangenen Textstellen genutzt werden. Das BSHG wird stichwortartig bezogen auf seine Relevanz für verwirrte Personen aufgeführt. Der Seelsorger, der ärztliche Dienst, der Jurist und ehrenamtliche Mitarbeiter werden in ihrem spezifischen Zugang zu verwirrten Personen benannt und auch kritische Aspekte des Kontaktes werden angesprochen.

5. Vorbeugung gegen Verwirrtheit (Prävention) (3 Seiten). In diesem Kapitel werden stichwortartig zentrale Präventionsaspekte aufgeführt, die Verwirrtheit verhindern, bestehende Verwirrtheit lindern und die Familie stützen, um durch ein stabiles Umfeld eine Verschlechterung zu vermeiden.

Das Buch enthält die Anhänge Literaturverzeichnis, Stichwortverzeichnis, Verzeichnis der medizinischen Fachausdrücke, Verzeichnis der Abbildungen, Verzeichnis der Tabellen.

Zusammenfassende Beurteilung

Das Buch wird seinem Titel "Die Pflege verwirrter alter Menschen - Psychisch Alterskranke und ihre Helfer im menschlichen Miteinander" in vollem Umfang gerecht. Seine Qualität besticht durch zwei zentrale Aspekte.

  • Grond versteht es, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzuführen und anschaulich darzustellen, hier nutzt er häufig Schautafeln, um Zusammenhänge transparent zu machen. Die Qualität beinhaltet auch diverse statistische Angaben und Literaturquellen. Dem Leser wird so ein Netz des Wissens über Verwirrtheit präsentiert, welches in dieser komplexen Form einzigartig ist.
  • Grond verlässt nie seine Kernthese, die die menschliche Begegnung als zentrale Variable für Interaktion und Verhalten sieht. Damit veranschaulicht er, dass alle beteiligten Personengruppen an der Ausprägung einer Verwirrtheit beteiligt sind. Durch den menschlichen Kontakt entsteht Anerkennung und Akzeptanz oder Hospitalisierung und Objektifizierung. Die personenzentrierte Pflege ist der entscheidende Zugang zu verwirrten Menschen, dies belegt Grond hier wieder sehr fundiert.

Beim Lesen des Buches war ich immer wieder überrascht, wie viel Wissen in komplexer Form dargestellt werden kann. Das Buch gibt einen umfassenden Überblich über ein komplexes Syndrom und weckt Interesse, sich tiefer mit verschiedenen Themen zu beschäftigen. Damit wird auch deutlich, dass Themen nicht immer tiefschürfend behandelt werden, hier wäre ein mehrbändiges Werk notwendig. Dieses Buch ist eher ein ausführlicheres Lexikon der Verwirrtheit und gerade deshalb ist es für die theoretische und praktische Arbeit mit verwirrten Menschen unverzichtbar. Das Preis-Leistungsverhältnis ist kaum zu übertreffen.


Rezensentin
Dr. rer. medic. Christine Riesner
Leiterin des Referats "Grundsatzfragen der Pflegewissenschaft- und pädagogik / Modellstudiengänge" Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
Homepage www.dzne.de
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Zitiervorschlag
Christine Riesner. Rezension vom 06.01.2004 zu: Erich Grond: Die Pflege verwirrter alter Menschen. Psychisch Alterskranke und ihre Helfer im menschlichen Miteinander. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2003. 9. Auflage. ISBN 978-3-7841-1499-6.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-7841-1856-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1188.php, Datum des Zugriffs 17.11.2018.


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