Heike Leypold: Das Resilienzmodell [...] (erfolgreiche Organisations- und Personalentwicklung)
Rezensiert von Petra Rechenberg-Winter, 23.09.2011
Heike Leypold: Das Resilienzmodell als bestimmender Einflussfaktor für erfolgreiche Organisations- und Personalentwicklung.
Logos Verlag
(Berlin) 2009.
131 Seiten.
ISBN 978-3-8325-2227-8.
D: 35,00 EUR,
A: 36,00 EUR,
CH: 62,30 sFr.
Reihe: Soziale Arbeit - Band 3.
Autorin
Die Autorin, Heike Leypold, studierte nach ihrem Studium Betriebswirtschaftslehre (Diplom) an der SRH Hochschule Heidelberg Soziale Arbeit, Gesundheitsförderung und Rehabilitation. Mit dem vorliegenden Buch veröffentlicht sie ihre Masterarbeit aus dem Jahr 2009.
Aufbau
Dieses Buch möchte das Resilienzmodell in seinen Grundzügen vorstellen, mögliche Handlungsfelder in Organisationen aufzeigen und Möglichkeiten vorstellen, wie die Resilienzfähigkeit von Mitarbeiter/innen und Organisationen gleichermaßen gefördert und gestärkt werden können. Es zeigt Anwendungsmöglichkeiten auf, um beispielhaft zu verdeutlichen, wie das Resilienzmodell als konstruktiver Einflussfaktor im Bereich Personal- und Organisationsentwicklung berücksichtigt werden könnte.
1. Einleitung
Die Autorin skizziert Veränderungen und permanenten Wandel der Arbeitswelt, verweist auf die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise und die damit verbundenen komplexen Anforderungen an MitarbeiterInnen, Führungskräfte und Organisationen, da jedes Unternehmen nur so resilient sein kann, wie seine MitarbeiterInnen.
Sie definiert Resilienz als die Fähigkeit, Krisen und Rückschläge unbeschadet zu überstehen bzw. gestärkt aus ihnen hervor zu gehen.
2. Grundlagen
Dieses Kapitel beschreibt Organisationsentwicklung als ganzheitlichen, sich wechselseitig bedingenden Prozess zwischen Individuum, Team, Organisation, Technologie, Umwelt, Zeit sowie Kommunikationsmustern, Wertestruktur und Machtkonstellationen. Das Zusammenspiel von Organisations-, Personal- und Führungskräfteentwicklung wird aufgezeigt und der Resilienzbegriff vorgestellt. Als innerer Schutzfaktor und Persönlichkeitsmerkmal korrespondiert Resilienz (resiliance) mit
- Eigenständigkeit (self-reliance),
- Unabhängigkeit (independence),
- Bestimmtheit (determination),
- Unbesiegbarkeit (invincibility),
- Beherrschung (mastery),
- Findigkeit (resourcefulness) und
- Ausdauer (perseverance).
Resilienz wird als situationsadäquate, lebenslang veränderbare Kompetenz beschrieben und folglich jene Menschen als resilient charakterisiert, die das Leben und ihre eigene Person akzeptieren, flexibel anpassungsfähig und mit einer Fähigkeit zur Perspektivenübernahme ausgestattet sind. Diese personenzentrierte Sicht wird systemisch erweitert zu folgender Definition: „Resilienz bezieht sich somit auf die individuelle und organisationale Fähigkeit, sich schnell an veränderte Anforderungen anzupassen, das heißt, interne Veränderungen und Veränderungen in der relevanten Umwelt (externe Veränderungen, Rahmenbedingungen) schnell, erfolgreich und ohne dysfunktionales Verhalten zu bewältigen.“ (S 7)
Hier schließen sich Bezugsmodelle an wie das Konzept der Vulnerabilität (nach Zubin und Spring), das Bewältigungsressourcen und -strategien sucht, „die das Risiko mindern, Erlebens- und Verhaltensstörungen zu entwickeln bzw. ihr Ausbrechen im Idealfall ganz zu vermeiden“ (S 10) und das Konzept der Salutogenese (Antonovsky), das gesundheitserhaltende und -fördernde Faktoren fokussiert und Gesundheit als ein „labiles, aktives und sich dynamisch regulierendes Geschehen“ (S 11) versteht.
3. Veränderungen in der Arbeitswelt
Die Autorin beschreibt die aktuelle Arbeitswelt anhand diverser Merkmale bei Arbeitnehmern, Arbeitgebern, Staat und sich verändernden Märkten im globalen Konkurrenzkampf. In diesem Zusammenhang verweist sie auf Untersuchungen zu damit verbundenen körperlichen und psychischen Belastungen, zu Gesundheitsrisiken und benennt die daraus resultierende Verantwortung der Einzelnen, der Führungskräfte sowie gleichermaßen die der Unternehmen.
4. Das Resilienzmodell
Mit Bezug auf die Längsschnittuntersuchung von Emmy E. Werner sind in diesem Kapitel die sieben Säulen der Resilienz (Reivich, Shatté) beschrieben:
- Optimismus,
- Akzeptanz,
- Lösungsorientierung,
- Verlassen der Opferrolle,
- Übernahme von Verantwortung,
- Netzwerkorientierung und Zukunftsplanung und
- die Konsequenz daraus, dass „Unternehmen im Rahmen der Personalschulung und -entwicklung innovative Konzepte einführen müssen, die sowohl fachliche Kompetenzen als auch die individuelle persönliche Resilienz fördern.“ (S 27)
Es schließen sich sieben Schlüssel der Resilienz an:
- Gedanken beobachten,
- Denkfallen identifizieren,
- Eisberg-Überzeugungen aufspüren,
- Problemlösekompetenz trainieren,
- Katastrophendenken stoppen,
- Beruhigen und Fokussieren,
- Resilienztechniken in Echtheit praktizieren.
5. Zentrale Kennzeichen des Resilienzparadigmas
Zu Beginn weist die Autorin ausdrücklich darauf hin, „dass von den Stärken und Widerstandskräften der Personen auszugehen, nicht heißt, dabei die individuelle Risikolage menschlicher Entwicklung, die spürbare Zunahme sozialer Gefährdungen sowie die gesellschaftliche Bedeutung dieser Problemlagen zu verharmlosen.“ (S 31) Sie entwickelt einen primärpräventiven Ansatz zur Resilienzförderung, der den Fokus auf erfolgreiche Bewältigung, Kompetenz und Stärken legt und auf Eigenaktivität d.h. auf Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, um eine Sichtweise zu unterstützen, die vom Menschen als aktiven Mitgestalter seines Lebens ausgeht.
6. Resilienz in Unternehmen
Ausgehend vom St. Gallen Management-Konzept beschreibt die Autorin ein Unternehmenskonzept Resilienz auf der normativen, der strategischen und der operativen Ebene. Im systemischen Kontext geht sie auf Handlungsfelder der Unternehmenskultur, -führung, Organisation, Personalentwicklung, Gesundheitsförderung und Employability (Beschäftigungsfähigkeit) z. T. ausführlich ein, wobei sie sich auf entsprechende Untersuchungen und Modelle bezieht.
Daran schließen sich Maßnahmen zur Resilienzförderung bei MitarbeiterInnen und Führungskräften an. Und mit Verweis auf alte Managementtugenden, wie beispielsweise Frustrationstoleranz, Disziplin, Demut und Ausdauer wird Management als Profession beschrieben mit „gestaltenden, steuernden und lenkenden Funktion einer Gesellschaft, von der die wirtschaftliche Wertschöpfung und damit das Wohlstandsniveau der Bürger abhängig ist.“ (S 58)
Entsprechende Führungsgrundsätze für Resilienz (nach Malik) werden aufgeführt, (Resultatorientierung, Beitrag zum Ganzen, Konzentration auf Weniges, Stärken nutzen, Vertrauen und Offenheit, Positiv denken), die Aufgaben wirksamer Führung beschrieben (für Ziele sorgen, Organisieren, Entscheiden, Kontrollieren, Menschen entwickeln und fördern) und einige Werkzeuge vorgestellt (Sitzung, Bericht, Job Design, Assignment Control, persönliche Arbeitsmethodik, Budgetierung, Leistungsbeurteilung, Systematische Müllabfuhr).
7. Coaching von Resilienz
Ausgehend von einer persönlichen Bereitschaft, sich zu entwickeln, geht die Autorin kurz auf die Rolle der Führungskräfte als Coach ein bevor sie schwerpunktmäßig anhand der sieben Säulen Möglichkeiten zur Stärkung der Resilienz im Selbstcoachings aufzeigt mit entsprechenden Übungsanleitungen und einer Checkliste zur Krisenbewältigung.
8. Fazit
Vorliegendes Buch endet mit einem kleinen zusammenfassenden Resümee, das die individuelle Resilienz in gesamtwirtschaftlicher Sicht als zweigleisigen Ansatz charakterisiert, der „sowohl die Resillienz der Mitarbeiter als auch die organisationale Widerstandsfähigkeit des Unternehmens“ fördern kann. (S 98).
Im Anhang finden sich Fragebögen und Auswertungstabellen aus der Masterarbeit der Autorin.
Diskussion und Fazit
Im vorliegenden Buch ist es der Autorin überzeugend gelungen, das Resilienzmodell als einflussreichen Faktor in den Kontext von Personal-, Organisations- und Arbeitsweltentwicklung zu stellen und ein entsprechendes interdependentes Führungsmodell zu entwickeln, das mögliche Handlungsfelder und konkrete Anwendungsfelder aufzeigt. Es ist im Sinne von Selbstwirksamkeit nur konsequent, dass sie als letztes Kapitel vergleichsweise umfangreich zum Selbstcoaching praxisnah mit Marc Aurel einlädt: „Auf Dauer nimmt die Seele die Farben meiner Gedanken an.“ (S 93)
Empfohlen sei dieses Buch Führungskräften, Betriebsräten, interessierten MitarbeiterInnen, Studierenden und all denen, die im Themenfeld Resilienz Anregungen für weiterführende Praxisforschung suchen. Für sie könnte allerdings der vergleichsweise hohe Preis angesichts von knapp hundert Seiten ein Hürde darstellen.
Rezension von
Petra Rechenberg-Winter
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