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Birgit Griese, Hedwig Rosa Griesehop (Hrsg.): Zur Bedeutung lebensgeschichtlicher Erzählungen [...]

Cover Birgit Griese, Hedwig Rosa Griesehop (Hrsg.): Zur Bedeutung lebensgeschichtlicher Erzählungen in der sozialen Arbeit. Schibri-Verlag (Uckerland) 2011. 175 Seiten. ISBN 978-3-86863-055-8. 14,80 EUR.

Reihe: Praxis, Theorie, Innovation - Band 10.
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Thema

Die Bedeutung lebensgeschichtlicher Erzählungen in der Sozialen Arbeit wird biographietheoretisch und durch exemplarische biographische Rekonstruktionen vorgestellt. Die vier rekonstruktiven Beiträge des Sammelbandes gehen zurück auf überarbeitete Hausarbeiten und Bachelorarbeiten, die im Kontext der Forschungsseminare des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule in Berlin entstanden sind.

Herausgeberinnen

Birgit Griese (Gastdozentin an der Alice Salomon Hochschule in Berlin) und Hedwig Rosa Griesehop (Professorin an der Alice Salomon Hochschule in Berlin) haben zuletzt 2007 gemeinsam ein Lehrbuch zur Biographieforschung veröffentlicht.

Aufbau und Inhalt

In ihrer Einleitung verorten die Herausgeberinnen die biographieorientierte Arbeit in verschiedenen Dimensionen der Sozialen Arbeit wie im Lebensweltbezug, im rekonstruktiven Fallverstehen u. a. Die Publikation richtet sich an Lehrende, StudentInnen und BerufspraktikerInnen.

Unter dem Titel „Biographische Fallrekonstruktionen“ eröffnen Birgit Griese und Hedwig Rosa Griesehop die biographischen Rekonstruktionen mit einem einführenden theoretischen Beitrag zum narrativ-biographischen Interview nach Fritz Schütze. Sie geben einen Einblick in das Erhebungsverfahren, in die Narrationsanalyse und ihre Segmentierungen und in die Bedeutung der Prozessstrukturen, um unter der Perspektive der Passung erzähltheoretische und prozessstrukturale Elemente zu verbinden und die biographisch-rekonstruktive Perspektive um identitätstheoretische Interpretationen zu erweitern.

Die vier folgenden rekonstruktiven Beiträge sind alle ähnlich aufgebaut und orientieren sich an den theoretischen Vorgaben der Herausgeberinnen. In „Biographische Selbstthematisierung, beruflicher Werdegang und professionelles Handeln – eine Sozialarbeiterin erzählt“ arbeitet Clemens Vahrmeyer die biographisch geprägten Handlungsorientierungen ebenso heraus, wie er ihre Grenzen für das professionelle Handeln aufzeigen kann, wenn sie nicht reflexiv zugänglich sind. Lisa Specht erweitert die Überlegungen zur Narrationsstruktur in „Biographische Kommunikation vor dem Hintergrund sexueller Gewalterfahrungen“ durch ihre Beobachtungen zum Verhältnis von Traumaerfahrungen und Erzählstruktur und der narrativen Bedeutung von Schlüsselerlebnissen. Daniel Stephan beschreibt in „Beziehungsentwürfe zwischen Tradition und Moderne. Lebensgeschichtliche Perspektiven einer Deutschen iranischer Herkunft“ einen Prozess der Selbstfindung, der auch im Prozess des Erzählens immer mehr zu einer Selbstbewusstwerdung der Erzählerin führt. Nadine Sarfert interpretiert in „ich (…) sehn mich so in einen anderen Körper“ das narrative Interview mit einer jungen Frau, die sich als transsexuell sieht und beschreibt einen sexuellen Wandlungsprozess, der noch nicht abgeschlossen ist mit seinen utopischen und realistischen Bewältigungsmustern.

Birgit Grieses und Hedwig Rosa Griesehops Überlegungen „Zur Relevanz lebensgeschichtlichen Erzählens in der Sozialen Arbeit“ schließen die Beiträge ab. Sie heben u. a. die Bedeutung des narrativen Interviews für das Fremd- und Selbstverstehen hervor und die Bedeutung, die die Studierenden dem Forschungsprozess für die Herausbildung ihres professionellen Habitus beimessen.

Diskussion und Fazit

Der Sammelband zeigt, welche hervorragenden Ergebnisse zur Analyse von Lebensgeschichten studentische Forschungsarbeiten liefern können und bietet für Lehrende, Studierende aber auch interessierte PraktikerInnen interessante Lehr-Lernbeispiele. Die rekonstruktiven Beiträge sind klar strukturiert, argumentieren nachvollziehbar und stringent und sind in den theoretischen Überlegungen zur biographischen Rekonstruktion verortet, so dass das theoretische Kapitel der Herausgeberinnen eine Referenzfunktion für die anderen Beiträge übernimmt. Die Perspektive ist eine Perspektive von Studierenden bzw. von Forschenden auf die Praxis, so dass, trotz erster Ansätze der AutorInnen und Herausgeberinnen die Relevanz von Lebensgeschichten für die Soziale Arbeit heraus zu arbeiten, dies die dominante Perspektive bleibt.


Rezension von
Prof. Dr. Birgit Bender-Junker
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Zitiervorschlag
Birgit Bender-Junker. Rezension vom 22.11.2011 zu: Birgit Griese, Hedwig Rosa Griesehop (Hrsg.): Zur Bedeutung lebensgeschichtlicher Erzählungen in der sozialen Arbeit. Schibri-Verlag (Uckerland) 2011. ISBN 978-3-86863-055-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11912.php, Datum des Zugriffs 05.07.2020.


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