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Martin Davies (Hrsg.): The Blackwell Companion to Social Work

Rezensiert von Mag Sarah Erlacher, 26.10.2011

Martin Davies (Hrsg.): The Blackwell Companion to Social Work. Blackwell Publishing (Oxford) 2008. 3. Auflage. 320 Seiten. ISBN 978-0-631-19876-5.
Preis: 82.95 Dollar (Listenpreis) Preis: 87.95 Pound (Listenpreis) .

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Thema

„The Blackwell Companion to Social Work“, herausgegeben von Martin Davies, bietet in über 50 Beiträgen von mindestens ebensovielen AutorInnen eine Einführung in die Soziale Arbeit in Großbritannien. Das Werk richtet sich in erster Linie an Studierende an britischen Universitäten.

Herausgeber

Der Herausgeber Martin Davies ist emeritierter Professor an der University of East Anglia in Norwich im Osten Englands. Er war Mitbegründer und Vorstand des dortigen Sozialarbeitsstudiums.

Entstehungshintergrund

Seit der Erstausgabe 1997 wurde der Sammelband 2008 zum dritten Mal überarbeitet, neue AutorInnen verfassten Beiträge und zusätzliche Kapitel wurden aufgenommen.

Aufbau und ausgewählte Inhalte

„The Blackwell Companion to Social Work“ ist in sechs Abschnitte mit jeweils fünf bis dreizehn Beiträgen gegliedert.

  1. Im ersten Teil wird begründet, warum Soziale Arbeit notwendig ist.
  2. Im zweiten Teil wird theoretisches Wissen mit der Praxis in Verbindung gebracht.
  3. Im dritten Teil werden die verschiedenen praktischen Handlungsfelder betrachtet.
  4. Im vierten Teil wird Soziale Arbeit im psychosozialen Kontext beleuchtet.
  5. Im fünften Teil werden die menschlichen Lebensabschnitte und die jeweiligen möglichen sozialarbeiterischen Implikationen erläutert.
  6. Im letzten Teil werden verschiedene Perspektiven zur Sozialen Arbeit dargestellt.

Jeder Beitrag folgt demselben Muster: Einer kurzen Einführung folgen die Argumentation und ein Fazit. Am Ende jedes Beitrags stehen eine Zusammenfassung der fünf wichtigsten Punkte, drei Fragen die der Wiederholung, Vertiefung oder Reflexion dienen, und weiterführende Literaturhinweise.

Exemplarisch werden hier drei Beiträge beschrieben.

Die Einleitung von Pat Collingwood und Martin Davies bereitet LeserInnen weniger auf den Inhalt des Sammelbandes vor, sondern bezieht sich auf die Schwierigkeiten, denen Studierende der Sozialen Arbeit vor allem am Anfang des Studiums oft begegnen, nämlich die Verbindungen zwischen Wissen, Theorie und Praxis zu erkennen und zu nutzen. Die Autoren bieten als Lösungsvorschlag ein detailliertes Fallbearbeitungsschema in drei Schritten, das sie anhand eines Beispiels erklären. Dieses Schema soll Studierenden und auch PraktikerInnen helfen, einen Fall zu bearbeiten und dabei die verschiedenen Dimensionen der Fallanalyse, der theoretischen Hintergründe, des Wissens, der Fähigkeiten und der Werte zu berücksichtigen.

Chris Phillipson weist in seinem Beitrag über das Altern auf den demographischen und sozialen Wandel und die damit einhergehenden Herausforderungen hin. Er betrachtet sozialarbeiterische Fragestellungen und geht auf die Arbeit mit Angehörigen ein. Besonders hebt der Autor mögliche diskriminierende Elemente hervor, mit denen alte Menschen konfrontiert sein können, nämlich soziale Schicht, Geschlecht und Ethnizität. Einen Teil widmet Phillipson dem Thema Altersdiskriminierung. Er definiert dies als Diskriminierung, die sich auf das Alter bezieht, und viele gesellschaftliche Institutionen prägt und verschiedene Dimensionen hat, wie zum Beispiel Diskriminierung am Arbeitsmarkt, Statusverlust, Stereotypisierung und Entmenschlichung. Er sieht es als Aufgabe der Sozialen Arbeit aktiv gegen Altersdiskriminierung einzutreten und fordert, dass dieser Kampf denselben Stellenwert wie der Einsatz gegen Rassismus oder Diskriminierung aufgrund des Geschlechts einnehmen soll.

Viviene E. Cree geht in ihrem Beitrag über Soziale Arbeit und Gesellschaft auf die historischen Entwicklungen der Sozialen Arbeit in Großbritannien ein und beschreibt Veränderungen in den Aufgabenstellungen und Definitionen. Dabei zeigt sie Parallelen auf: wenn sich das Gesellschaftsbild ändert, ändert sich auch die Soziale Arbeit. Sie schließt mit der Betrachtung gegenwärtiger Sozialer Arbeit und Ausblicken auf mögliche zukünftige Entwicklungen.

Diskussion

Die verschiedenen AutorInnen tragen einerseits zu Vielfältigkeit und breiter Expertise bei, andererseits sind die Artikel von sehr unterschiedlicher Qualität. Der Beitrag von Siobhan Canavan und Seamus Prior über Sexualität zum Beispiel spricht trotz seiner Kürze eine Vielzahl von Aspekten und Bereichen an, fordert zur Reflexion auf und weist auf weiterführende, relativ aktuelle Literatur hin. Ian Sinclair hingegen beschreibt in seinem Beitrag über Inspektionen und Qualitätskontrollen hauptsächlich seine Erfahrungen und verweist auf die Suchmaschine Google und mögliche Suchtermini zur Vertiefung.

Die Strukturierung und die Zuordnung der Beiträge zu den verschiedenen Abschnitten wirken manchmal etwas willkürlich. Dennoch scheint es den AutorInnen gelungen zu sein, eine Vielzahl an Thematiken und Bereichen, die für die Soziale Arbeit relevant sind, abzudecken.

Für Interessierte, die mit der Sozialen Arbeit in Großbritannien beziehungsweise dem britischen Sozialsystem wenig vertraut sind, mögen der häufige Hinweis auf den Fall Victoria Climbié - der tragische Tod eines Mädchens im Jahr 2000, der trotz mehrfachen Behördenkontakts nicht verhindert wurde und der zu einer Umstrukturierung im britischen Kinder- und Jugendschutz führte, der Fokus auf Antirassismus und Altersdiskriminierung oder der Ausdruck „carer“ für Angehörige etwas ungewohnt erscheinen. Doch gerade dadurch erweist sich der Sammelband auch für ExpertInnen als gute Einführung in die britische Soziale Arbeit.

Fazit

Mit über 50 Beiträgen bietet der Sammelband „The Blackwell Companion to Social Work“, herausgegeben von Martin Davies, einen guten Überblick über die britische Soziale Arbeit. Dies kann sowohl für Studierende als auch für ExpertInnen von Interesse sein, da einerseits Bereiche thematisiert werden, die international von Interesse sind, andererseits britische Besonderheiten dargestellt werden.

Rezension von
Mag Sarah Erlacher
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Es gibt 3 Rezensionen von Sarah Erlacher.

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Zitiervorschlag
Sarah Erlacher. Rezension vom 26.10.2011 zu: Martin Davies (Hrsg.): The Blackwell Companion to Social Work. Blackwell Publishing (Oxford) 2008. 3. Auflage. ISBN 978-0-631-19876-5. Preis: 82.95 Dollar (Listenpreis) Preis: 87.95 Pound (Listenpreis) . In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/11980.php, Datum des Zugriffs 31.01.2023.


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