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Marie Boden, Doris Feldt: Gefühle erkennen, annehmen und mit ihnen gut umgehen

Cover Marie Boden, Doris Feldt: Gefühle erkennen, annehmen und mit ihnen gut umgehen. Ein Handbuch zur Gruppenmoderation und zur Selbsthilfe ; [Ergänzungsmodul zu den psychozialen Arbeitshilfen 25 ; Arbeitsmaterialien auf CD]. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2011. 143 Seiten. ISBN 978-3-88414-524-1. 29,95 EUR, CH: 43,50 sFr.

Reihe: Psychosoziale Arbeitshilfen - 28.
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Autorinnen

Marie Boden, Erzieherin, Primary Nurse und seit 2009 DBT-Therapeutin für Sozial- und Pflegeberufe. Ist seit 1985 im psychiatrischen Kontext tätig. Sie wirkte 2001 am Aufbau und der Konzeption der Stabilisierungsgruppe mit, sowie 2008 an der Veröffentlichung des Handbuches: „Krisen bewältigen, Stabilität erhalten, Veränderungen ermöglichen“.

Doris Feldt, Dipl. Sozialpädagogin, Milieupädagogin, DBT-Therapeutin für Sozial- und Pflegeberufe. Sie ist seit 1994 im psychiatrischen Dienst auf einer allgemeinpsychiatrischen und einer Borderline-Station tätig. Sie beteiligte sich 2001 am Aufbau und der Konzeption der Stabilisierungsgruppe, sowie 2008 an der Veröffentlichung des o.g. Handbuches.

Thema

Das vorliegende Werk kann sowohl als Ergänzung zum Handbuch „Krisen bewältigen, Stabilität erhalten, Veränderungen ermöglichen“ von Boden und Rolke (2008) gesehen werden, als auch als eigenständiges Manual. Auf den Entstehungshintergrund und das eben genannte Handbuch soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen und auf die Rezension von Griesehop, 2008 verwiesen werden.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende Manual ist untergliedert in einen Theorieteil, in dem das Gruppenkonzept kurz erläutert wird. Im Anschluss daran wird die praktische Anwendung beleuchtet (Stundenaufbau, Zeitplan, Handouts, Haltung, etc.) und die gesammelten Arbeitsmaterialien vorgestellt. Letztere sind ebenfalls auf der mitgelieferten CD zu finden.

Gefühle sind in der heutigen Zeit ein schwieriges Thema, da vielen Menschen oftmals der Zugang zu ihnen fehlt und sie folglich nur schwer greifbar sind. Und das obwohl sie einen großen Einfluss auf unser Lebensgefühl haben. Wie schwer muss es dann erst Menschen mit Psychoseerfahrung fallen, ihre Gefühle zu äußern? Eine Psychose geht häufig mit einer Verunsicherung und Verletzung der Gefühlswelt des/ der Betroffenen einher. Folglich ist es wichtig, dass die Betroffenen eine Möglichkeit haben, über ihre Gefühle zu sprechen. Ihnen dies zu ermöglichen stellte die Autorinnen vor die große Herausforderung ‚Gefühle‘ greifbar zu machen. Das Modul „Gefühle“ schließt sich an die vorherigen Themenblöcke, die im oben genannten Handbuch zu finden sind, an. Es basiert ebenfalls auf den Grundlagen der Dialektisch-Behavioralen Therapie, Imagination und Euthyme Therapie. Achtsamkeit und das Prinzip des Dreiklangs: Erkennen – Akzeptieren – Verändern sind demnach feste und sich wiederholende Elemente einer jeden Gruppenstunde.

Ziel dieses Manuals ist es die PatientInnen zu befähigen, sich wieder mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen und diese bewusst wahrzunehmen, um selbstbewusster mit ihnen umgehen zu können. Darüber hinaus soll eine Balance im emotionalen Geben und Nehmen hergestellt werden (vgl. S. 17), wodurch eine innere Stabilität und letztlich auch eine verbesserte Lebensqualität gefördert wird. „Die Gruppe dient […] als Lern- und Übungsfeld für stabilisierende Strategien und für einen besseren Umgang mit […] krisenhaften Situationen. Das beinhaltet: Vermittlung und Training von Fertigkeiten (Skills, […]), Selbstwahrnehmung, Selbstfürsorge, Stärkung des Selbstwertgefühls und der Selbstheilungskräfte sowie kognitive Umstrukturierung.“ (S. 19f). In dem Manual wird eine Sammlung von den für die Gestaltung der einzelnen Gruppenstunden zur Verfügung stehenden Arbeitsmaterialien vorgestellt. Die drei Themenkomplexe: „Atempause:‘Die Welt der Farben‘„; „Trauer und Trost“ und „Verliebtheit – eine besondere Zeit (Eine erste Annäherung)“ werden dem/ der LeserIn gut strukturiert präsentiert und geben viele Hinweise zur praktischen Umsetzung.

Die Stabilisierungsgruppe ist eine dialektisch-behaviorale Gruppentherapie, in der stationäre wie ambulante PatientInnen mit psychiatrischen Diagnosen behandelt werden können. Den Autorinnen zufolge stellt dieses Gruppenkonzept eine moderne und integrative Versorgungsstruktur dar. Die Stabilisierungsgruppe sollte einmal in der Woche stattfinden (75 Min) und von zwei ModeratorInnen durchgeführt werden, die mit dem o.g. Handbuch vertraut sind. Der Stundenablauf ist ritualisiert. Die Auseinandersetzung mit den Arbeitsmaterialien erfordert von den TeilnehmerInnen Konzentration, da die Ergebnisse der jeweiligen Stunde schriftlich festgehalten werden. Die Inhalte der einzelnen Stunden werden mit den Bedürfnissen der TeilnehmerInnen abgestimmt.

Zielgruppe

Das Gruppenkonzept wurde so konzipiert, dass es in der ambulanten Betreuung und Einzeltherapie, sowie in als Angebot in Wohngruppen, Heimen o.ä. einsetzbar ist. Das Manual richtet sich folglich an alle potentiellen ModeratorInnen (berufsübergreifend), die im Bereich der psychosozialen Hilfe tätig sind und sich vorstellen könnten eine solche Gruppe zu installieren. Diese ModeratorInnen sollten unbedingt mit dem o.g. Handbuch vertraut sein, da das Manual: „Gefühle erkennen, annehmen und gut mit ihnen umgehen“ darauf aufbaut. Boden und Feldt „stellen ein multiprofessionell anwendbares Konzept vor, welches aus der Praxis für die Praxis entstanden ist.“ (Griesehop, 2008). Neben einem kurzen theoretischen Überblick zum Ansatz der Stabilisierungsgruppenarbeit geben die Arbeitsmaterialien einen guten Einblick in die konkrete Umsetzung und leiten (zukünftige) ModeratorInnen an.

Fazit

Das vorliegende Buch gibt dem/ der LeserIn einen hervorragenden Einblick in die theoretischen und konzeptionellen Möglichkeiten der Gruppenarbeit mit Menschen mit psychiatrischen Diagnosen. In dieser Stabilisierungsgruppe soll dennoch nicht die Diagnosen im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die (Lebens-) Krisen und instabilen Lebensphasen. Wie bereits von Griesehop (2008) beschrieben handelt sich auch bei diesem „Ergänzungsmanual“ um einen kreativen und ressourcenorientierten Stabilisierungsansatz. Das methodisch gut ausgearbeitete Gruppenkonzept zeichnet sich vorrangig durch seine Praxisnähe aus, die sich im kontinuierlichen Austausch und Miteinander mit den TeilnehmerInnen weiterentwickelt hat. Dieses Konzept und auch die Inhalte der Stabilisierungsgruppe sollten keineswegs als starre Vorgabe gesehen werden. Vielmehr sollen die Inhalte an den Wünschen und Bedürfnissen der TeilnehmerInnen und den Erfordernissen der Gruppe angepasst werden. Denn wie Pohlmann und Weigle im Geleitwort hervorheben: die Mitarbeit, Beiträge und Ideen der TeilnehmerInnen sind unerlässlich für das Gelingen der Stabilisierungsgruppe (vgl. S. 13).

Boden und Feldt stellen den künftigen ModeratorInnen das Konzept der Stabilisierungsgruppe mit den dazugehörenden Arbeitsmaterialien zur Verfügung und vermitteln darüber hinaus ein „ausgearbeitetes Methodenrepertoire zur Verfügung, welches die Moderation einer Stabilisierungsgruppe zu strukturieren, realisieren und zu reflektieren erlaubt. (Griesehop, 2008).

Literaturnachweis:

  • Hedwig Rosa Griesehop. Rezension vom 07.12.2008 zu: Marie Boden, Doris Rolke: Krisen bewältigen, Stabilität erhalten, Veränderung ermöglichen. Psychiatrie-Verlag (Bonn) 2008. 180 Seiten. ISBN 978-3-88414-443-5. www.socialnet.de/rezensionen/5964.php, Datum des Zugriffs 15.11.2011.

Rezensentin
Anika Stitz
B.A. Soziale Arbeit
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Zitiervorschlag
Anika Stitz. Rezension vom 14.12.2011 zu: Marie Boden, Doris Feldt: Gefühle erkennen, annehmen und mit ihnen gut umgehen. Ein Handbuch zur Gruppenmoderation und zur Selbsthilfe ; [Ergänzungsmodul zu den psychozialen Arbeitshilfen 25 ; Arbeitsmaterialien auf CD]. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2011. ISBN 978-3-88414-524-1. Reihe: Psychosoziale Arbeitshilfen - 28. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12069.php, Datum des Zugriffs 27.05.2019.


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