socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Thomas Kunz, Ria Puhl (Hrsg.): Arbeitsfeld Interkulturalität

Cover Thomas Kunz, Ria Puhl (Hrsg.): Arbeitsfeld Interkulturalität. Grundlagen, Methoden und Praxisansätze der sozialen Arbeit in der Zuwanderungsgesellschaft. Juventa Verlag (Weinheim) 2011. 280 Seiten. ISBN 978-3-7799-2208-7. 19,95 EUR.

Reihe: Studienmodule soziale Arbeit.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

„Die infolge von Zuwanderung veränderte demographische Zusammensetzung der bundesdeutschen Bevölkerung – und die damit verbundenen veränderten Lebens- und Bedarfslagen – blieben nicht ohne Rückwirkung auf Angebote und Selbstverständnis der Sozialen Arbeit und stellen die im Laufe der Jahrzehnte gewachsenen professionellen Hilfe- und Unterstützungsstrukturen vor neue Aufgaben und Herausforderungen.“ Dieses wörtliche Zitat aus der Einleitung (von Seite 9 und 10) verdeutlicht den Hintergrund des Buches: die veränderten Herausforderungen für die Soziale Arbeit werden in ihrer Vielfalt und Breite aufgegriffen und mit der erforderlichen interkulturellen Kompetenz verknüpft. Der von den Herausgebern verwendete Begriff eines „Lehr- und Lernbuches“ trifft auf dieses Buch exakt zu.

Aufbau

Das Buch ist in vier große Abschnitte gegliedert

  1. Grundlagen
  2. Handlungsfelder
  3. Interkulturelle Kompetenz und Öffnung
  4. Praxisbeispiele

Besonders hervorzuheben ist der Aufbau der einzelnen Beiträge: sie sind direkt für den Gebrauch und die Nutzung als einzelne Seminareinheiten konzipiert und enthalten eine inhaltliche Zusammenfassung zu Beginn, dann den jeweiligen Fachinhalt, am Ende mögliche Arbeitsaufgaben (für Studierende) und weiterführende Literatur und Internetquellen.

Inhalt

Im Grundlagenabschnitt wird zunächst auf den Themenkomplex Zuwanderung in Deutschland in einer historischen Betrachtung eingegangen. Dabei werden verschiedene Aspekte (der früheren Bundesrepublik sowie der Zeitraum ab 1990 für ganz Deutschland) beleuchtet – Stichworte: Arbeitsmigration, Aussiedlermigration, Flucht- und Asylmigration, irreguläre Migration, Perspektiven und Baustellen der Politik – und mit der aktuellen Situation in Zusammenhang gebracht. Im nächsten Artikel wird das zentrale Thema des Buches – Soziale Arbeit – in seiner veränderten Bedeutung und Herausforderung dargestellt: von der Ausländersozialarbeit zur interkulturellen Sozialen Arbeit. Dabei werden die unterschiedlichen Phasen der Migration in Zusammenhang mit der notwendigen Veränderung der Sozialarbeit näher betrachtet. Der grundlegende Begriff der Interkulturalität wird in seiner Entstehung als Schlüsselbegriff (auch für dieses Buch) vertiefend geklärt und in seiner Bedeutung für die Praxis im dritten Grundlagenabschnitt erläutert und durch den nächsten Abschnitt sinnvoll mit der näheren Beschreibung der verschiedenen Bedeutungen des Integrationsbegriffes erweitert. Die durchaus kontroversen Erklärungsansätze bilden die weitere Grundlage für eine menschenrechtsorientierte Integrationspolitik. Im vorletzten Abschnitt der Grundlagen werden wichtige, rechtliche Regelungen (in Deutschland) und Gesetzestexte vorgestellt. Der erste Abschnitt wird durch einen Artikel zu den Themen Fremdheitsbilder, Vorurteil und Diskriminierung, Analyse von Fremdheitsbildern als entscheidende, professionelle Haltung in der Sozialen Arbeit abgeschlossen.

Im zweiten Abschnitt werden unterschiedliche Handlungsfelder aufgegriffen: Integration durch Bildung mit Bezug auf Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit und den enthaltenen, fachlichen Herausforderungen, Elternarbeit und Schulerfolg, die Thematik ältere Migranten und die pflegerische Versorgung, Geschlechterforschung sowie der Aspekt der illegalen Migranten und Migrantinnen mit seinen praktischen Herausforderungen bilden die Inhalte.

Der dritte Abschnitt, interkulturelle Kompetenz und Öffnung, setzt in vier Beiträgen den Schwerpunkt auf die Umsetzungsperspektive, d.h. wie lässt sich interkulturelle Öffnung realisieren. Unter der Überschrift „Diversity und interkulturelle Kompetenz“ wird die orientierende Funktion dieses Ansatzes in den Blick genommen, unter der Fragestellung von Zugangsbarrieren der Migranten zu den Sozialen Diensten und von Fachkräften zur Migrantenklientel werden die spezifischen Anforderungen hervorgehoben, die in diesen Arbeitsfeldern bestehen, Die beiden weiteren Beiträge vertiefen und konkretisieren das Thema der Kompetenzen, insbesondere der Handlungskompetenz und greifen die Konkretisierung notwendiger Veränderungsperspektiven im Rahmen der Organisations- und Personalentwicklung auf.

Das letzte Kapitel ist Praxisbeispielen gewidmet und ist in vier Schritten aufgebaut: zunächst werden internationale migrationspolitische Perspektiven an Beispielen Kanadas, Frankreichs und den Niederlanden verdeutlicht und der daran geknüpfte, tendenzielle Bedeutungsverlust von „Staatsbürgerschaft“ konstatiert. Verschiedene Ansätze interkultureller Arbeit in Europa werden in den nächsten Beiträgen vorgestellt: das innovative Konzept des Familienrates aus den Niederlanden, Ansätze aus Großbritannien und der Schweiz, sowie das Thema Menschenhandel, ein transkulturelles und interreligiöses Projekt (autonome Lernhäuser für Frauen) in Deutschland und interkulturelle Väterarbeit (in Köln). Den Abschluss des Buches bildet ein Beitrag zum Thema „Monitoring und Evaluation“, um die Bedeutung empirischer Grundlagen für die weitere Gestaltung unterschiedlicher Prozesse im Bereich der Migration und Integration hervorzuheben.

Diskussion

Das vorliegende Buch hat mich (als Lehrenden im Bereich Soziale Arbeit) aus verschiedenen Gründen sehr angesprochen: der Aufbau, die Zusammenstellung und die Gliederung folgen einer sinnvollen und übergreifenden Logik und Struktur, die für die Soziale Arbeit fruchtbar sind und können dabei gerade für Studierende die entscheidenden Grundlagen nachvollziehbar vermitteln, die Beiträge verharren nicht in einer „binnendeutschen“ Sichtweise, sondern – was bei diesem Thema besonders wichtig ist – erweitern durch innovative Beispiele die Sichtweisen für Lehrende, Studierende und PraktikerInnen, die Beiträge sind fachlich auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, anspruchsvoll, aber prägnant und verständlich. Als besonders hilfreich und für Lehrende nützlich ist der Anspruch der HerausgeberInnen, die Beiträge auf die Benutzung in Seminaren (als Lerneinheit) zu konzipieren und damit ein „Lehr- und Lernbuch“ vorzulegen. Dies ist durchweg gelungen, da den jeweiligen Beiträgen eine prägnante Zusammenfassung vorangestellt ist und sie als Abschluss durch mögliche Aufgaben und weiterführende Quellen ergänzt sind. Inhaltlich verdeutlicht das Buch, welche Bedeutung und welche fachliche Breite mittlerweile die Thematik der Interkulturalität im Rahmen der Sozialen Arbeit eingenommen hat und wie wichtig es ist.

Fazit

Das Buch „Arbeitsfeld Interkulturalität“ ist allen Lehrenden und Studierenden im Bereich der Sozialen Arbeit sehr empfohlen, da es ein aktuelles und hilfreiches Lehr- und Arbeitsbuch ist, das zu einer weiterführenden Auseinandersetzung mit der Thematik in seiner Breite anregt. Durch die Vorstellung innovativer Projekte aus der Praxis in Europa und die damit verknüpfte, vertiefte und reflektierte Betrachtung grundlegender Fragen und Begriffe zum Thema Interkulturalität stellt es ein gelungenes Gesamtwerk dar.


Rezension von
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
E-Mail Mailformular


Alle 43 Rezensionen von Ulrich Paetzold anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 21.12.2011 zu: Thomas Kunz, Ria Puhl (Hrsg.): Arbeitsfeld Interkulturalität. Grundlagen, Methoden und Praxisansätze der sozialen Arbeit in der Zuwanderungsgesellschaft. Juventa Verlag (Weinheim) 2011. ISBN 978-3-7799-2208-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12076.php, Datum des Zugriffs 13.08.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung