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Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Ehrenamtlichkeit und Professionalität (Betreuung Demenzkranker)

Cover Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Ehrenamtlichkeit und Professionalität bei der Betreuung Demenzkranker. Ergebnisse einer Arbeitstagung am 11. und 12. Juli 2002 in Bonn. Verlag Hans Jacobs (Lage) 2003. 134 Seiten. ISBN 978-3-89918-114-2. 14,90 EUR.

Redaktion: Wissenschaftliches Institut der Ärzte Deutschlands (WIAD) gem. e.V. (Sonderheft Forum Altenhilfe 3. ISSN 1618-9078); kostenloser download unter http://www.altenhilfestrukturen.de/downloads/FA-Sonderheft-2003.pdf.
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Vorbemerkungen

Die Betreuung demenzerkrankter Menschen stellt für das deutsche Gesundheitswesen eine erhebliche Problemlage dar, die durch die Eckpunkte Betreuungsfinanzierung und Betreuungspersonal dargestellt werden kann. Zwischen diesen Eckpunkten steht der Begriff der Betreuungsqualität. Hier gilt es, geeignete Richtlinien zu entwickeln, die ein bezahlbares, qualitativ auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihrer Familien abgestimmtes Betreuungsangebot schaffen, welches auch personell tragfähig ist. Da die Betreuung von Menschen mit Demenz empathisches Verstehen, Anerkennung und Wertschätzung erfordert, wird dieses Tätigkeitsfeld einerseits der professionellen Pflege und Betreuung zugerechnet. Andererseits sind diese Betreuungsaufgaben auch ein Bereich, in dem ehrenamtlich tätige Personen sinnvoll eingesetzt werden können und selbst Professionalität entwickeln können. In dem hier vorgestellten Tagungsband werden die Umsetzungsaspekte einer sinnvollen Vernetzung von professioneller und ehrenamtlicher Betreuung diskutiert. Damit stellt dieser Band ein breites Spektrum von Fachwissen und Erfahrung dar, die für die zukünftige Entwicklung aller Felder der Betreuung demenziell erkrankter Menschen eine Grundlage bildet. Unstrittig ist hier inzwischen, dass kein Bereich der Demenzbetreuung auf Ehrenamtlichkeit verzichten kann.

Die Inhalte

Der Band beinhaltet alle Beiträge der Arbeitstagung "Ehrenamtlichkeit und Professionalität bei der Betreuung Demenzkranker", die vom 11. bis 12.07.2002 in Bonn stattfand. Die Dokumentation folgt dem chronologischen Ablauf und beinhaltet alle inhaltlichen Beiträge sowie die Zusammenfassungen von zwei Arbeitsgruppen.

Die wesentlichen Themenfelder der Tagung waren:

  • Das Verhältnis von Ehrenamtlichkeit und Professionalität. Hier wird der Vortrag von Susanne Zank wiedergegeben, die das Thema aus Sicht der Altersforschung bearbeitet. Horst Laade bearbeitet das Thema aus praktischer Sicht. Laade ist lange Zeit ehrenamtlich in der Betreuung tätig und spricht sich für eine bessere Ressourcennutzung und Vernetzung von ehrenamtlicher und professioneller Arbeit aus.
  • Die Darstellung der verschiedenen Modellprojekte zur Ehrenamtlichkeit erfolgt durch Gerhard Schüler. Die Zielsetzungen und Konzepte von fünfzehn Projekten werden zusammenfassend dargestellt.
  • Arbeitsgruppe 1: Ehrenamtlichkeit und Professionalität - Erfahrungen aus der Praxis des Modellprogramms 'Altenhilfestrukturen der Zukunft'. Die Zusammenfassung fand in vier Themenbereichen statt. Themenbereich 1 befasste sich mit der Betreuung demenziell erkrankter Personen und ihrer Angehörigen aus der Erfahrung verschiedener Modellprojekte. Hier wurde eine Fülle interessanter Erkenntnisse zusammengetragen. Themenbereich 2 befasste sich mit Unterstützungsleistungen für Familien mit demenziell erkrankten Menschen im ambulanten Sektor. Die Zusammenarbeit von professionell und ehrenamtlich Beteiligten wurde in Bezug auf Bedürfnislagen und unterschiedlichen Rollen bearbeitet. Weiter wurde die Rolle ehrenamtlicher Helfer aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Themenbereich 3 bezog sich auf Wohn- und Betreuungsformen. Diskutiert wurden die Gruppengröße- und Homogenität von Demenzwohngruppen sowie verschiedene milieutherapeutische Maßnahmen und die Einbindung von Angehörigen und ehrenamtlichen Helfern. Themenbereich 4 bezog sich auf offene Hilfen. Fokussiert beleuchtet wurde die Gewinnung, Ausbildung und Begleitung freiwilliger Seniorenbegleiter.
  • Arbeitsgruppe 2: Möglichkeiten und Grenzen der Steigerung demenzbezogener Handlungskompetenz - Entwicklung geeigneter Strategien. Die Thematik der Handlungskompetenz wurde bezogen auf Fachkräfte, Angehörige, ehrenamtlichen Helfern und für die Betreuer von ehrenamtlichen Helfern ausgelotet, wobei die verschiedenen Rollen, Kenntnisse und Fähigkeiten anschaulich herausgearbeitet wurden.
  • Die abschließende Podiumsdiskussion stand unter dem Thema: Resümee und Perspektiven - Umrisse eines ganzheitlichen Betreuungskonzeptes für Demenzkranke und Transfer der Ergebnisse des Modellprogramms. Die Diskussion wurde von fünf Teilnehmern aus den bearbeiteten Themengebieten gestaltet. Die Inhalte waren vielschichtig: es wurden unter anderem vorabgenannte Aspekte genauer beleuchtet, die Frage der dauerhaften Implementierung von Erkenntnissen wurde besprochen und die Bedeutung der Theorie-Praxisvernetzung wurde angesprochen.

Zusammenfassende Beurteilung

In diesem Sonderheft werden wesentliche Erkenntnisse der Demenzpflege- und Betreuung besprochen, wobei die unterschiedlichen Akteure: professionell Tätige, pflegende Angehörige und ehrenamtliche Helfer im Zentrum stehen. Die Inhalte sind gerade durch den Umstand, dass eine Fachtagung dokumentiert wurde, hochaktuell. Bezogen auf Praktikabilität und Finanzierbarkeit wirken sich die Praxiserfahrungen positiv aus. Der Tagungsband gibt komprimiert fundiertes Wissen wieder und unterstützt den Leser maßgeblich dabei, auf dem neusten Stand der Erkenntnisse zu sein. Für Leser, die nicht selbst über umfangreicheres theoretisches Wissen und eigene Praxiskompetenz verfügen, kann dieses Sonderheft das Spektrum aktuellen Wissens bereitstellen, ersetzt aber umfangreichere Einarbeitung in theoretische Hintergründe nicht. Hier liegt der einzige erkennbare Mangel der Broschüre. Eine thematisch gegliederte Literaturliste fehlt leider. Diese würde es dem weniger erfahrenen Leser ermöglichen, sich gezielt über Hintergründe zu informieren.

Das Preis-Leistungsverhältnis ist durch den kostenlosen download des Tagungsbandes natürlich unschlagbar.


Rezensentin
Dr. rer. medic. Christine Riesner
Leiterin des Referats "Grundsatzfragen der Pflegewissenschaft- und pädagogik / Modellstudiengänge" Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen
Homepage www.dzne.de
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Zitiervorschlag
Christine Riesner. Rezension vom 16.03.2004 zu: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Ehrenamtlichkeit und Professionalität bei der Betreuung Demenzkranker. Ergebnisse einer Arbeitstagung am 11. und 12. Juli 2002 in Bonn. Verlag Hans Jacobs (Lage) 2003. ISBN 978-3-89918-114-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1210.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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