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Günter Mayer: Aufsichtspflicht. Haftung. Versicherung für Jugendgruppenleiter

Cover Günter Mayer: Aufsichtspflicht. Haftung. Versicherung für Jugendgruppenleiter. Praxisratgeber für Jugendorganisationen. Richtig handeln, wenn was passiert. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2003. 2., aktualisierte Auflage. 128 Seiten. ISBN 978-3-8029-7438-0. 15,50 EUR.
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Zum Thema

Nach wie vor hält sich das Gerücht, wer in der Jugendarbeit tätig sei, stünde "mit einem Bein im Gefängnis". Tatsächlich nimmt die rechtliche Schulung insbesondere bei ehrenamtlichen Jugendleiterinnen und Jugendleitern nur einen geringen Teil ein. Dabei gäbe es rund um Aufsichtspflicht, Verkehrssicherungspflichten, Vertragsrecht, Regelungen zu Haftungsbegrenzungen und Haftungsausschlüssen ausreichend praxisrelevantes Material, welches jederzeit in der Gruppenarbeit, in der Offenen Jugendarbeit, aber auch in vielen anderen Bereichen (spiel-)pädagogisch betreuter Angebote von fundamentaler (bei Schadensersatzfragen sogar existentieller) Bedeutung sein kann. Hier setzt das Buch als Praxishilfe und Ratgeber an.

Der Autor

Günter Mayer ist Justizoberamtsrat im Ruhestand. 30 Jahre lang war er ehrenamtlicher Leiter in der Katholischen Jugend Gemeinde auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlicher Funktion. Seit vielen Jahren ist er als Referent in der Ausbildung von Jugendleitern aktiv. Er hat 2000 bereits die 1. Auflage seines Praxisratgebers vorgelegt und nun notwendige Anpassungen an den aktuellen gesetzlichen Rahmen vorgenommen, sowie Anregungen der Leserschaft aufgegriffen.

Neben dem hier besprochenen Praxishandbuch veröffentlichte er 2002 und 2003 weitere juristische Taschenbücher zu den Themenbereichen "Immobilien günstig ersteigern" und "Soll ich mein Haus übertragen?".

Aufbau, Inhalt, Gliederung

Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert, die zunächst eine allgemeine Einführung in das Arbeitsumfeld der Jugendgruppenleiter und ihrer Gruppenteilnehmer und Organisationen geben, dann zivilrechtliche Rahmenbedingungen abstecken, sowie die Verantwortlichkeit eines Vorstandes und eines Vereins beleuchten. Ferner werden "Rettungsringe, die im Schadensfall helfen" angeboten, die Haftung aus Verträgen erläutert und notwendige Versicherungen vorgestellt. Abschließend wird kursorisch das strafrechtliche Risiko der Arbeit beleuchtet. Ein achtes Kapitel bietet schließlich Musterformulierungen für Beitrittserklärungen, Fahrtenbriefe und eine Teilnahme-Erlaubnis der Eltern an.

Trotz bemühter Strukturierung des Werkes ist das Stichwortverzeichnis für die praktische Arbeit ständiges Hilfsmittel, um gezielt an relevante Informationen zu gelangen.

Zielgruppe

Der Praxisratgeber richtet sich in erster Linie an Jugendgruppenleiter der Kirche sowie aller Vereine, Jugendpfleger, Vereinsvorstände, Vereinsmitarbeiter und auch an Eltern, die Verantwortung für andere übernehmen. Darüber hinaus ist das Buch auch schulungsbegleitend in der Jugendgruppenleiterausbildung sowohl auf Referenten- wie auch auf Teilnehmerseite einsetzbar, um gelerntes zu illustrieren oder offene Fragen kurzfristig nachzuschlagen.

Einschätzung

Günter Mayer begibt sich mit der 2. Auflage seines Praxisratgebers weiterhin auf schwieriges Terrain. Denn das Themenfeld, welches der potentielle Leser erwartet ist riesengroß. Auf alle möglichen Detailfragen antworten zu erwarten ist daher utopisch. Dies vorweggeschickt lässt sich Mayers Werk allerdings rasch lesen, schnell mit Alltagssituationen der Jugendarbeit verknüpfen und so manch graue Theorie aus anderen Büchern und Aufsätzen erscheint auf einmal sinnvoll und logisch.

Drei Elemente sorgen dafür, dass der Leser schnell zu seinem Ziel gelangt: Beispiele, Praxistipps und Checklisten. Die Beispiele zeugen davon, dass der Autor noch immer nah an der Realität lebt. Sie sind so ausgewählt, dass selbst Neueinsteiger im Feld der Jugendarbeit sich schnell Zurecht finden können. Ferienfreizeiten, Fahrradtouren, Streitigkeiten, Unfälle, sie alle sind gezielt ausgewählt und plakativ.

Die von Mayer aufgestellten und optisch hervorgehobenen Praxistipps fassen oftmals das gesagte noch einmal zusammen, weisen beispielsweise darauf hin, dass es sinnvoll ist die Zustimmung der Eltern zur ehrenamtlichen Tätigkeit ihrer minderjährigen Kinder schriftlich einzuholen, anstatt sich auf eine stillschweigende Zustimmung zu verlassen. Auch machen sie häufig Mut, sich von den juristischen Fallstricken und Risiken nicht abschrecken zu lassen, sondern dennoch den Schritt ins Ehrenamt und in die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu tun.

Drei Checklisten geben zur Auffrischung und Wiederholung noch einmal einen detaillierteren, aber gedrängten Überblick über praxisrelevante Fragestellungen. Sie behandeln die Aufsichtspflicht (1 Seite), die Eltern-Informationen (2 Seiten) und Versicherungen (1 Seite). Insbesondere die Checkliste "Versicherungen" lädt gezielt dazu ein, bestehende Verträge und Unterlagen - beispielsweise für eine anstehende Ferienfreizeit - anhand des Praxisratgebers auf möglichst sinnvollen und umfassenden Versicherungsschutz für Teilnehmer, Jugendgruppenleiter und Sachgegenstände zu überprüfen.

Mayer schreibt in einer sehr einfach verständlichen Sprache, die gerade bei Juristen häufig vermisst wird. Dies senkt die Hemmschwelle immer wieder zu seinem Buch zu greifen erheblich. Folglich können sowohl der 16jährige "Jungbetreuer" wie der bereits seit Jahrzehnten berufserfahrene Jugendpfleger das Werk verwenden und in der Praxis einsetzen. Insbesondere in der Schulung von Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleitern sollte das Werk seinen Platz finden, da es aufgrund der Vielzahl der Beispiele Gespräche und Diskussionen anregt und ebenso seinen Zweck erfüllt, wenn es gilt bereits besprochene Themen zu vertiefen oder nachzulesen.

Einzig Hinweise auf die wachsende Zahl von Informationsquellen im Internet wären ergänzend wünschenswert.

Fazit

Das Buch gehört, auch wegen seines geringen Preises, in die Bücherregale aller Jugendorganisationen und Jugendgruppenleiter. Insbesondere die Organisationen, die nicht auf juristisches Fachwissen einzelner Mitarbeiter zurückgreifen können oder die bislang kein Nachschlagewerk für die brisanten Themengebiete der Aufsichtspflicht, Haftung und Versicherung angeschafft haben, sollten den Praxisratgeber für sich und ihre Mitarbeiter nutzen. Anhand der Beispiele und Checklisten gelingt der Einstieg schnell und auch die Umsetzung des Dargestellten in die Praxis bereitet keine Probleme.


Rezension von
Robert Hotstegs
Direktor des Instituts für Jugendleiter und Qualifikation (Institut juleiqua)
Referent für Jugendgruppenleiterschulungen
Homepage www.juleiqua.de


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Zitiervorschlag
Robert Hotstegs. Rezension vom 16.12.2003 zu: Günter Mayer: Aufsichtspflicht. Haftung. Versicherung für Jugendgruppenleiter. Praxisratgeber für Jugendorganisationen. Richtig handeln, wenn was passiert. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2003. 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-8029-7438-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/1211.php, Datum des Zugriffs 04.03.2021.


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