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Anne A. Huber (Hrsg.): Anti-Mobbing-Strategien für die Schule

Cover Anne A. Huber (Hrsg.): Anti-Mobbing-Strategien für die Schule. Praxisratgeber zur erfolgreichen und nachhaltigen Intervention. Carl Link (Kronach) 2011. 180 Seiten. ISBN 978-3-556-04274-8. 34,90 EUR.

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Thema

Die Häufigkeit von Mobbing in Schulen und die Zahl der Schüler(1-3), die von Mobbing innerhalb einer Schulklasse betroffen sind, reicht eigentlich schon aus, um einen solchen Praxisratgeber als Handlungsleitfaden herauszugeben.

Die Herausgeberin Anne A. Huber setzt mit Ihrer Information da an, wo Lehrerinnen und Lehrer nicht über das richtige Instrumentarium verfügen, um gegen Mobbing vorzugehen. Damit manifestiert sich das Mobbing-Geschehen, das Klassenklima verschlechtert sich rapide, die Akteure nehmen immer mehr Raum ein und die physische und psychische Schädigung des/der von Mobbing betroffenen Schüler wird immer gravierender bis hin zu Selbstverletzendem Verhalten, Schulverweigerung und Suizidgedanken. Die negativen Folgen sind an den einzelnen Schülern festzumachen, greifen dann aber auch auf das Klassensystem und die gesamte Schule über.

Deshalb plädiert Anne A. Huber auch für geeignete präventive Maßnahmen, damit Mobbing entweder gar nicht erst auftreten kann, sich nicht lange hält oder noch gestoppt werden kann. Es geht ihr um einen klaren Auftritt der Verantwortlichen, die Schulung mehrerer Personen in effektiven Anti-Mobbing-Strategien und den Blick der Intervenierenden auf die geeignete Auswahl des Interventionskonzeptes. Dazu bietet sie im Praxisratgeber diverse Modelle zum Vergleich an.

Herausgeberin und Autoren

Dr. Anne A. Huber ist die Herausgeberin des Ratgebers. Sie ist erfahrene Schulspsychologin in Karlsruhe und arbeitet seit mehreren Jahren u.a. in der Beratung wie Fortbildung von Schulleitungen und Lehrkräften im Bereich Mobbing und Krisenintervention.

Das Buch weist diverse Autoren/-innen mit Ihren unterschiedlichen Beiträgen zu Anti-Mobbing-Strategien oder Modellen auf. Deren Namen werden im Folgenden unter „Aufbau und Inhalt“ und „Teil II“ benannt.

Zielgruppen

Prädestinierte Zielgruppen sind Lehrer, Schulsozialarbeiter, Sozialarbeiter, Krisenteams, Streitschlichter, externe Trainer als Umsetzende diverser Modelle des Ratgebers, aber auch Schulleitungen, Schulpsychologen, Schulämter oder Eltern als Interessentengruppe.

Aufbau

Das Buch, das 180 beschriftete DIN-A-4 Seiten zählt, beginnt mit dem Vorwort und der Inhaltsübersicht. Die Kapitel sind in vier Teile aufgegliedert, die wiederum diverse Untertitel aufweisen. Tabellen und Schaubilder, Praxisbeispiele, Kurzinterviews mit Praktizierenden und viele Literaturangaben und Links ergänzen die vorgestellten Anti-Mobbing-Strategien, die zuerst in einer Kurz- dann in einer Langfassung beschrieben werden. Dem Buch ist eine CD-ROM beigefügt, die die abgebildeten Arbeitshilfen zum Ausdruck anbietet.

Teil I: Einführung: Anti-Mobbing-Strategien für die Schule

  1. Der erste Untertitel handelt von Sandra – einem typischen Mobbing-Fall mit Link-Hinweisen der Herausgeberin am Ende des Berichtes, die auf weitere authentische Beispiele von SchülerInnen verweisen (S. 3-4).
  2. Hier geht es um Mobbing mit Definition und Fakten: die Opfer-Täter-Rolle, die Gruppendynamik, Geschlechtsunterschiede beim Mobben und die Wichtigkeit von Schule und LehrerInnen für die Prävention und Beendigung von Mobbing (S. 4-8).
  3. Der dritte Titel beschreibt auf einer halben Seite den Aufbau der folgenden zehn Anti-Mobbing-Strategien (S.8-9), um dann die
  4. Kurzzusammenfassungen zu den vorgestellten Anti-Mobbing-Strategien aufzulisten (S. 9-14).
  5. Den Abschluss bildet eine halbseitige Literatur- und Link-Liste (S.14-15).

Teil II: Praxiserprobte Strategien: Interventionen gegen Mobbing in der Schule

Über die folgenden 10 Untertitel, die nach den jeweiligen Anti-Mobbing-Strategien aufgeteilt sind, werden nun auf den Seiten 17-155 die unterschiedlichen Interventionens-Strategien vorgestellt. Diese sind beispielsweise:

  • Der No-Blame-Ansatz (Blum & Beck)
  • Die Shared Concern Methode (Griffiths & Weatherilt)
  • Das KiVa Anti-Mobbing-Programm (Salmivalli & Poskiparta)
  • Die Konfrontative Mobbing-Intervention wie die FARSTA-Methode (Hoechner & Mahler-Kraus)
  • Das Gegen-Gewalt-Konzept (Jannan)
  • Das Gewaltpräventions- und Interventionsprogramm nach Dan Olweus mit Umsetzung durch das polizeilich unterstützte Anti-Bullying-Programm (Dreyer)
  • Die Systemische Mobbingprävention und -intervention (Grüner & Hilt)
  • Das theaterpädagogische Konzept von SPOTLIGHT (Michels & Raude)
  • Das Freiburger Anti-Mobbing-Konzept (Heinzelmann-Arnold)
  • Das Schulkonzept Sozialwirksame Schule (Hopf).

Über die Beschreibung der jeweiligen Anti-Mobbing-Strategien hinaus werden zusätzlich noch weitere Informationen angegeben:

  • Hintergründe zum Ansatz
  • Beteiligte Personen, die in die Intervention einbezogen werden
  • Ein Praxis-Check zu den Einsatzbedingungen, Grenzen und zur Kritik
  • Details zu den einzelnen Schritten oder Phasen der Intervention
  • Genaue Beschreibung der Praxisbeispiele
  • Zu kalkulierender Zeitaufwand
  • Interviews mit den Durchführenden, Arbeitshilfen, Tabellen und Schaubilder
  • Informationen zu den Autorinnen und Autoren
  • Literaturhinweise und Links

Teil III: Instrumente gegen Mobbing erfolgreich einsetzen

Teil III enthält auf den Seiten 157-175 fünf Unterkapitel. Im ersten Unterkapitel geht es um eine vergleichende Gegenüberstellung der Anti-Mobbing-Strategien, z.B. nach Klassenstufen und Schularten, nach Eskalationsstufen, in Bezug auf die Aufdeckung und Bearbeitung von Mobbing und die Einordnung nach den drei Dimensionen: sozialer Rahmen der Aufarbeitung, Art und Weise der Aufarbeitung, systematische Einbindung von Klassenkameraden. Das zweite Unterkapitel spricht über die Voraussetzungen und Grenzen einer erfolgreichen Intervention und zwar beginnend bei der Schulleitung, weiter über das Kollegium, die Klasse, die Täter, die Opfer, die Eltern bis hin zum sozialen Umfeld. Das dritte Unterkapitel handelt von der Implementierung und Nachhaltigkeit der Anti-Mobbing-Strategien. Es geht um den Einstieg in einen nachhaltigen Prozess der Prävention und Intervention durch zuvor geschulte Personen.

Teil IV: Materialien – Mobbing aufdecken

Letztlich weist dieses Kapitel von Seite 175-180 beispielhaft einen Fragebogen auf, der durch Hinweise zur Durchführung und Auswertung ergänzt wird, um dann halbseitig einige weitere Möglichkeiten aufzuzählen, worüber sich noch dem Thema Mobbing genähert werden kann. Den Abschluss bildet die CD-ROM mit Arbeitsmaterialien aus dem Buch.

Diskussion

Die im Wesentlichen praktizierten Anti-Mobbing-Strategien sind hier genannt, sehr gut und detailreich für den Praktiker aufbereitet. Trotzdem wird berechtigterweise Bezug auf die notwendige Schulung von Lehrkräften genommen. Es enthält gut und übersichtlich strukturiert alle wichtigen Informationen, auch für kurzfristige Einsätze einzelner Anti-Mobbing-Strategien. Der Material-Teil auf der CD und das Buchende wären beide durchaus noch ausbaufähig. So werden auf der letzten Seite des Buches nur stichpunktartig fünf weitere Möglichkeiten angerissen, die, wenn nicht bekannt, ohne Vertiefung erst einmal nicht weiter helfen.

Grundsätzlich geht das Buch ja von realen Mobbingsituationen im schulischen Kontext aus, wohl auch, weil nur da das Thema in klarem Rahmen zu handhaben geht. Vielleicht ist deshalb nur an einer sehr übersichtlichen Stelle von Cybermobbing die Rede, vielleicht auch, weil es hierzu noch wenig weitreichende Interventionsmodelle gibt.

Der Praxisratgeber von Anne A. Huber auf Grundlage der oben schon genannten Autorinnen und Autoren ist ein großes Stück Fleißarbeit, auch wegen der vielen Link- und Literaturhinweise aus englischsprachiger wie auch deutscher Feder. Zudem vereint er die wesentlichen Interventionsmodelle aus der Literatur komprimiert in einem Handbuch und gleicht zudem Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den jeweiligen Strategien gegeneinander ab.

Fazit

Mit diesem Praxisratgeber ist der Herausgeberin ein wertvolles Handbuch für Anwender gelungen. Dabei kommen die Praktiker neben diversen Autorinnen und Autoren selbst zu Wort und es gelingt damit ein rundes Werk, um Betroffene zeitnah unterstützen zu können. Alles in allem sehr empfehlenswert und gelungen!


Rezensentin
Dipl. Sozialpädagogin Monika Hirsch-Sprätz
Supervisorin, Mediatorin und Leiterin der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg. Arbeitsschwerpunkte: Information, Beratung, Training, Moderation, Konfliktmanagement, Mediation, Kooperation mit interdisziplinärem Experten-Netzwerk. Face-to-Face- und Online-Beratung. Bereiche: Schule, Ausbildung und Arbeitswelt.
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Zitiervorschlag
Monika Hirsch-Sprätz. Rezension vom 20.02.2012 zu: Anne A. Huber (Hrsg.): Anti-Mobbing-Strategien für die Schule. Praxisratgeber zur erfolgreichen und nachhaltigen Intervention. Carl Link (Kronach) 2011. ISBN 978-3-556-04274-8. + 1 CD-ROM. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12123.php, Datum des Zugriffs 23.01.2019.


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