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Volker Müller-Benedict: Grundkurs Statistik in den Sozialwissenschaften

Cover Volker Müller-Benedict: Grundkurs Statistik in den Sozialwissenschaften. Eine leicht verständliche, anwendungsorientierte Einführung in das sozialwissenschaftlich notwendige statistische Wissen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2011. 5. Auflage. 279 Seiten. ISBN 978-3-531-18035-9. 14,95 EUR.

Reihe: Lehrbuch.
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Thema

Das Buch bietet eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Statistik.

Autor

Prof. Dr. Volker Müller-Benedict ist Inhaber des Lehrstuhls für Methodenlehre der Universität Flensburg.

Entstehungshintergrund

Das Lehrbuch erscheint in der fünften Auflage, wobei sich gegenüber der ersten Auflage, gemäss dem Autor, an den deutschen Hochschulen einiges verändert habe. Einsemestrige Einführungskurse in die Statistik werden in Bachelor-Studiengängen wieder vermehrt angeboten. Dem trägt das Buch durch einen modularen Aufbau Rechnung und es versteht sich als Lehrbuch für einen einsemestrigen Kurs mit je zwei Wochenstunden Vorlesung und Übung.

Aufbau

Das Lehrbuch verfolgt vier Ansprüche: Erstens soll es auch mit wenigen mathematischen Vorkenntnissen und bei geringer Motivation, sich auf exakte mathematische Formulierungen und Beweisführungen einzulassen, lesbar sein. Statistik wird zweitens als Möglichkeit verstanden, sozialwissenschaftliche Daten zu interpretieren, und weniger als Methodenlehre. Drittens soll das Buch dazu beitragen, Outputs von Statistikprogrammen besser lesen und verstehen zu können. Und viertens soll das Lehrbuch dazu qualifizieren, Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien, aber auch aus der Markt- und Umfrageforschung, aus statistischer Sicht kritisch zu begutachten.

Die vier Ansprüche leiten den Inhalt an. Auf mathematische Beweise und den Gebrauch weniger gebräuchlicher Symbole wird größtenteils verzichtet, weiterführende Informationen werden in Exkursen dargelegt. Dem zweiten und dritten Anspruch ist die Verwendung eines ALLBUS-Datensatzes und dem Abdruck von SPSS-Output-Tabellen geschuldet. Der Umfang beschränkt sich, im Hinblick auf den vierten Anspruch, auf deskriptive, uni- und bivariate Statistik, wobei mit der Diskussion von Konfidenzintervallen auch die Wahrscheinlichkeits- und Schätztheorie soweit vorgestellt wird, dass Repräsentativität und Signifikanz behandelt werden können.

Inhalt

Was ist Statistik? So lautet der Titel des ersten Kapitels, in dem Bedeutung und Funktion von Statistik diskutiert wird. Mit der Positionierung der Statistik wird auch der Verzicht auf die Darstellung der Methoden der empirischen Sozialforschung nachvollziehbar. Am Ende des Kapitels wird Statistik als Hilfsmittel für zwei Zwecke beschrieben: mit Hilfe von statistischen Verfahren sollen Daten beschreibend zusammengefasst werden können und diese Verfahren sollen zur Verallgemeinerung der festgehaltenen Aussagen einen Beitrag leisten. Auf diese beiden Zwecke wird im Buch immer wieder verwiesen.

Das Kapitel 2 stellt im deutschsprachigen Raum häufig verwendete sozialwissenschaftliche Datensammlungen, wie z.B. ALLBUS oder das Eurobarometer, vor. Anhand dieser Datensätze werden auch verschiedene Erhebungsdesigns wie Quer- und Längsschnitt oder Panel kurz erläutert.

Im dritten Kapitel zu den Skalenniveaus werden grundlegende Begriffe wie Daten, Merkmale, Variable, Messen, Codieren und Skalen eingeführt und anhand von Beispielen illustriert. Ab diesem dritten Kapitel endet jedes Kapitel jeweils mit einer oder zwei Übungen, deren Lösungen sich im Anhang befinden.

Das Kapitel 4 leitet mit den Ausführungen zu Häufigkeiten die Beschreibung der statistischen Auswertungsverfahren ein. Verschiedene Arten der Darstellung univariater Häufigkeitsverteilungen werden präsentiert und diskutiert. Neben tabellarischen Verteilungsdarstellungen werden auch grafische Darstellungen anhand mehrerer Beispiele erläutert. Den Abschluss bilden bivariate Verteilungen und Diagramme.

Den in der beschreibenden Statistik zentralen Lageparametern ist das Kapitel 5 gewidmet. Wichtige Lageparameter werden ausführlich vorgestellt und illustriert. Weiter werden verschiedene Verteilungsformen beschrieben und typische Fälle für die jeweiligen Formen erläutert. Auch auf verschiedene Möglichkeiten der Transformationen von Daten und auf Wachstumsraten wird kurz eingegangen.

Kapitel 6 behandelt die Streuungen, ein weiteres zentrales Element der beschreibenden Statistik. Gängige Streuungsparameter, wie Varianz, Standardabweichung, Variationskoeffizient oder Kovarianz, werden, anhand zahlreicher Beispiele nachvollziehbar, definiert.

Im Kapitel 7 erfolgt die Überleitung von der beschreibenden zur schließenden Statistik. Darin wird statistische Theorie behandelt, nämlich die Normalverteilung und weitere theoretische Verteilungen, nämlich die Chi-Quadrat- und die Binomialverteilung. Nach der Darstellung der Normalverteilung werden auch die Dichtefunktion, die Z-Transformation der zentrale Grenzwertsatz beschrieben und definiert. Weiter werden wichtige Konzepte wie die Grundgesamtheit und die Stichprobe sowie das Fehler-Niveau „alpha“ vorgestellt. Den Abschluss des Kapitels bilden die sog. Übergänge in die Normalverteilung bei der Chi-Quadrat- und der Binomialverteilung bei größer werdenden Parametern.

Auch das Kapitel 8 behandelt statistische Theorie, nämlich die Wahrscheinlichkeiten. Nach ausführlichen Definitionen der gebräuchlichen Begriffe wird auf das Zusammenspiel von empirischen und Wahrscheinlichkeitsverteilungen eingegangen.

Im Kapitel 9 zu den Konfidenzintervallen erfolgt eine Zusammenführung der beschreibenden Statistik, vor allem der Kapitel 5 und 6, mit den Theorien der Kapitel 7 und 8. Mit den Konfidenzintervallen wird ein Instrument vorgestellt, um den Induktionsschluss von den Parametern einer Stichprobe auf die unbekannten Parameter der Grundgesamtheit statistisch beurteilen zu können.

Im Gegensatz zu den bisherigen Kapiteln, die hauptsächlich jeweils ein Merkmal, also eine univariate Verteilung, betrachten haben, werden ab dem Kapitel 10 jeweils zwei Variablen miteinander in Beziehung gesetzt.

Kapitel 10 behandelt konkret die Zusammenhangsmaße bei nominalskalierten Variablen und stellt verschiedene gängige Masse ausführlicher dar.

Die ordinalskalierten Zusammenhangsmaße, auch als Rangkorrelationsmaße bezeichnet, bilden den Inhalt des Kapitels 11. Neben der Berechnung und Interpretation dieser Maße wird, wiederum mittels Konfidenzintervallen, auf die statistische Signifikanz des Schlusses von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit geprüft.

Der Zusammenhang von metrischen Variablen wird im Kapitel 12 unter dem Titel Korrelation und Regression behandelt. Die Korrelation wird formel- und grafikmäßig eingeführt und in einem zweiten Schritt mit der Regressionsgeraden ergänzt. Weiter werden Gütekriterien der Regression erläutert und berechnet. Auf einer dreiseitigen Tabelle (S. 264-266) werden die vorgestellten Zusammenhangsmaße übersichtlich zusammengefasst. Das Kapitel endet mit Ausführungen zum Unterschied von Korrelation und Kausalität.

Im Anhang finden sich das Literaturverzeichnis, die Lösungen zu den Übungsaufgaben sowie ein Stichwortverzeichnis.

Diskussion

Gemessen an den vier formulierten Ansprüchen des Autors kann eine Bewertung dieses Lehrbuchs nicht einfach erfolgen. Die statistischen Grundlagen der beschreibenden und bivariaten schließenden Statistik werden nachvollziehbar, formelgestützt und mit zahlreichen Beispielen, Abbildungen und Outputs aus SPSS versehen, dargelegt. Sie umfassen die gebräuchlichen, und auch weitere, Auswertungsverfahren und erlauben anhand der zahlreichen, von Hand oder Taschenrechner nachrechenbaren, Beispielsberechnungen die Einübung des Umgangs mit den verschiedenen Formeln und Berechnungsarten. Das Lesen und Verstehen von SPSS-Outputs wird durch das Lehrbuch ebenso unterstützt, wie das kritische Hinterfragen von publizierten Parametern, welche ohne Angaben zum Konfidenzintervall, und damit zur Signifikanz, als „gültig“ dargestellt werden. Insofern bietet das Lehrbuch viel Material und Diskussionsstoff für eine Vorlesung inklusive Übungen. Dem Anspruch, auch mit wenig mathematischen Vorkenntnissen und wenig Motivation für Beweisführungen lesbar zu sein, wird es grundsätzlich gerecht. Dennoch könnten die Anforderungen zum Durcharbeiten des Lehrbuchs hoch erscheinen, insbesondere für Studierende, die im Umgang mit mathematischen Formeln und Symbolen weniger geübt sind. Wer sich aber darauf und auf die Übungen einlässt, erhält eine solide Einführung in die statistischen Verfahren.

Fazit

Das Lehrbuch gibt eine gründliche, am tieferen Verständnis orientierte Einführung in die sozialwissenschaftliche Statistik. Zwar gemäß Anspruch nicht sehr mathematisch orientiert, dennoch mit vielen Formeln und Definitionen versehen, bedingt das Lehrbuch die Bereitschaft, sich auf die Auseinandersetzung mit der Anwendung und Bedeutung der Formeln einzulassen. Zusammen mit den klaren Definitionen ergeben die nachvollziehbaren Ausführungen und Beispiele sowie die Übungen eine solide Grundlage für das Verständnis und die Anwendung statistischer Verfahren.


Rezension von
Roland Baur
Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Fachhochschule Nordwestschweiz. Hochschule für Soziale Arbeit. Institut Professionsforschung und kooperative Wissensbildung
Homepage www.fhnw.ch/sozialearbeit


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Zitiervorschlag
Roland Baur. Rezension vom 17.01.2012 zu: Volker Müller-Benedict: Grundkurs Statistik in den Sozialwissenschaften. Eine leicht verständliche, anwendungsorientierte Einführung in das sozialwissenschaftlich notwendige statistische Wissen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2011. 5. Auflage. ISBN 978-3-531-18035-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12166.php, Datum des Zugriffs 23.09.2020.


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ISSN 2190-9245

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