socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Christian Dierks, Klaus-Dirk Henke u.a.: Bürgerzentriertes Gesundheitswesen

Cover Christian Dierks, Klaus-Dirk Henke, Janina Frank, Jan Hensmann, Heiko Wilkens: Bürgerzentriertes Gesundheitswesen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2011. 76 Seiten. ISBN 978-3-8329-6541-9. 19,00 EUR, CH: 28,90 sFr.

Reihe: Europäische Schriften zu Staat und Wirtschaft - Band 32.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Eigenverantwortliches Entscheiden und Handeln durch den Bürger trat in den letzten Jahren auch im Zusammenhang mit Entwicklungen im Gesundheitswesen in den Vordergrund. “Eine individuelle Datenhaltung, Vernetzung und Kommunikation gehören zu den Kernelementen auf dem Wege zu einer personalisierten Gesundheitsversorgung der Zukunft.“ (Henke, S. 5) Im Focus der Betrachtungen steht das konsumentenorientierte Gesundheitswesens sowie die dafür notwendigen Technologien. Nutzen sowie Risiken dieses technologiegestützten, bürgerzentrierten Gesundheitsmanagements werden diskutiert. Bürgerbeteiligung beutet eben auch, entsprechende Möglichkeiten nutzen zu können zur Ausübung des informationellen Selbstbestimmungsrechtes bzgl. gesundheitsbezogener Daten.

Autoren

Prof. Dr. med. Dr. jur. Christian Dierks ist Rechtsanwalt, Facharzt für Allgemeinmedizin und Gründungspartner der Rechtsanwälte Dierks + Bohle, Berlin. Er ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Medizinrecht. Ebenfalls in der Rechtsanwaltskanzlei Dirks + Bohle ist Jan Hensmann tätig. Seit 2011 ist er Datenschutzauditor beim TÜV. Univ.-Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke hat seit 1995 den Lehrstuhl für die Fachgebiete Öffentliche Finanzen und Gesundheitsökonomie am Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht der Technischen Universität Berlin inne. Seine zahlreichen wissenschaftlichen und beraterischen Aktivitäten konzentrieren sich auf die Bereiche der Gesundheitsökonomie, Sozialen Sicherung, Europäischen Integration sowie zu finanzwissenschaftlichen Fragestellungen. Über Jan Hensmann und Janina Frank liegen keine weiteren Informationen vor.

Aufbau

Der Inhalt des Buches gliedert sich wie folgt:

Vorwort

  1. Consumer Health – Was bedeutet ein konsumorientiertes Gesundheitswesen für den Einzelnen?
  2. Technologie für ein bürgerzentriertes Gesundheitsmanagement
  3. Potentiale und Nutzen eines bürgerzentrierten Gesundheitsmanagements
  4. Entwicklungspfade eines bürgerzentrierten Gesundheitsmanagements und Erfolgsfaktoren
  5. Der Rechtsrahmen für ein bürgerzentriertes Gesundheitswesen
  6. Zusammenfassung und Ausblick
  7. Sachwortverzeichnis
  8. Literaturverzeichnis

Inhalt

Henke weist im Vorwort auf die Bedeutung eines konsumorientierten Gesundheitswesens.

Dierks und Hensmann beginnen ihren Beitrag mit der Definition von Cosumer Health. Der Bürger, der bzgl. seiner Gesundheit im täglichen Leben Entscheidungen treffen kann, ist sowohl Ergebnis als auch Kern des bürgerzentrierten Gesundheitswesens. Die Autoren sehen besonders in der optimalen Nutzung von Wissensressourcen einen bedeutenden Faktor für den Entscheidungsprozess von Patienten in Gesundheitsfragen und der Potenzierung deren Selbstbestimmung. Diese Optimierung, die sowohl im Interesse des Patienten und der Ärzte liegt, erfordert u.a. ein souveränes Gesundheitsdatenmanagement, für das intelligente Technologien unabdingbar sind. Dierks und Hensmann resümieren, dass das Bereitstellen von Software für die selbständige Datenverwaltung ein wirkliches Mittel zur Selbstbefähigung des Bürgers darstellt.

Die Herausforderungen für die Zukunft bestehen im Gesundheitswesen darin, mit weniger Mitteln mehr zu erreichen. Aus Sicht von Wilkens können mithilfe vernetzter IKT und selbstbestimmten Bürgern (im Sinne von Consumer Health) diese Herausforderungen zum Nutzen aller Beteiligten bewältigt werden. Der Autor erläutert das bürgerzentrierte E-Health System als Bedingung für eine optimale Zusammenarbeit aller beteiligten im Gesundheitswesen. Ein wesentliches Element dessen stellt die bürgergeführte Gesundheitsakte dar.

Im 3. Kapitel erläutern Frank und Henke die verschiedenen Potentiale und den daraus sich ergebenden Nutzen des bürgerzentrierten Gesundheitsmanagements. Sie unterteilen die Potentiale und den Nutzen für das Individuum, die Krankenversicherung, der Leistungserbringer, der Gesundheitswirtschaft sowie der Apotheken. Am Beispiel empirischer Studien zeigen die Autoren ebenfalls, wie differenziert Technologien im Bereich Gesundheitsmanagement eingesetzt werden müssen. Wobei die Idee eines „Gesundheitswartungsbuch“ insbesondere den bürokratischen Auswüchsen im Gesundheitssystem entgegensteuert.

Basierend auf sechs fundamentale Trends wie Globalisierung und Europäisierung machen Frank und Henke deutlich, dass übergeordnete Werte des deutschen Gesundheitssystems wie qualitativ hochwertige Versorgung zukünftig nur durch eine grundlegende Umorientierung, innovative Ansätze und langfristige Investitionen gewährleistet werden können. Umfrageergebnisse bzgl. der Erwartungen zur Gesundheitsversorgung werden vorgestellt und damit der Weg zum „ePatienten“ untermauert. Die Verbindung von neuen Technologien mit dem Anspruch des Patienten an Selbstbestimmung mündet nur im bürgerzentrierten Gesundheitsmanagement, wenn z.B. gesellschaftspolitische Faktoren, Fragen der Datennutzung etc. berücksichtigt werden.

Ein wesentlicher Faktor für eine bürgerzentrierte Gesundheitsplattform ist der Rechtsrahmen. Dierks und Hensmann stellen im 5. Kapitel die Assigno-Datenbank vor, die dem Bürger ermöglicht, sein informelles Selbstbestimmungsrecht auszuüben. Der Bürger entscheidet selbst über die Datenweitergabe. Die Datenschutzrechtliche Beziehung zwischen dem Anwender und dem Betreiber der Datenbank werden auf den verschiedenen Stufen des Zusammenwirkens, der Datenspeisung, -nutzung und -verarbeitung dargestellt.

Zusammenfassend betonen Dierks und Hensmann die Möglichkeiten neuer Entwicklungen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien für ein bürger- und patientenzentriertes E-Health System im Einklang mit den bestehenden Rechtsnormen. Vorteile finden sich in erster Linie auf der Ebene des Bürgers und Patienten und in zweiter Linie auf der Ebene der Erbringer von Gesundheitsleistungen.

Diskussion

Die Autoren brechen mit diesem Buch eine Lanze für den Einsatz moderner Technologien für die Verwaltung von Gesundheitsdaten durch den Bürger selbst. Gerade der berufliche Hintergrund der Autoren ermöglicht eine Form der Argumentation, die dem Leser die Ressourcen dieses Datenmanagements wertfrei und sachlogisch vermittelt.

Fazit

Es wurde Zeit, dass dieses Buch geschrieben wurde. Skeptiker des „gläsernen Patienten“ lernen weit mehr Möglichkeiten des Einsatzes von Kommunikationstechnologien kennen und schätzen. Mir als Rezensentin haben all die Ausführungen die Angst vor dem Einsatz von Datenprogrammen für das persönliche Datenmanagement genommen. Fazit: dieses Buch sollte Pflicht werden für jeden, der im engeren und weiteren Sinne mit dem Gesundheitssystem beschäftigt ist.


Rezension von
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Homepage www.sa.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-bar ...
E-Mail Mailformular


Alle 73 Rezensionen von Barbara Wedler anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 28.11.2011 zu: Christian Dierks, Klaus-Dirk Henke, Janina Frank, Jan Hensmann, Heiko Wilkens: Bürgerzentriertes Gesundheitswesen. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2011. ISBN 978-3-8329-6541-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12228.php, Datum des Zugriffs 14.08.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Stellenangebote

FEHLER
Variable dbi nicht definiert. Kein Datenbankzugriff möglich.

Die Ausführung des Programms wird beendet.
Der Webmaster wurde über den Vorgang informiert.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung