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Dieter Basener: Auf dem Weg zum Sozialunternehmen

Cover Dieter Basener: Auf dem Weg zum Sozialunternehmen. Das Beispiel gpe Mainz: wie Werkstätten ihr Angebot erweitern. 53° NORD Agentur und Verlag GmbH Ein Geschäftsbereich der GDW Mitte eG (Kassel) 2011. 168 Seiten. ISBN 978-3-9812235-6-9. 19,80 EUR.

Reihe: Im Gespräch.
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Thema

Menschen mit Behinderung haben einen - unbestrittenen – (Rechts-)Anspruch auf umfassende Teilhabe am Leben in der Gesellschaft; im Sinne einer nachhaltigen Inklusion umfasst dieses Menschenrecht für den einzelnen natürlich auch die individuelle Perspektive, möglichst normal, gleichberechtig und selbstbestimmt am Arbeitsleben zu partizipieren und im Hinblick auf dieses Ziel und entsprechend der jeweils vorliegenden individuellen Bedarfe gefördert / unterstützt / begleitet / gebildet usw. zu werden.

Unverändert sind es die etwa 700 Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) die in Deutschland die berufliche Rehabilitation von Menschen mit körperlichen, seelischen oder sozialen Handicaps und/oder Vermittlungshemmnissen in weiten Teilen organisieren und tragen; das sehr gut ausgebaute System der Werkstätten steht dabei zunehmend und wiederholt in der Kritik; es gibt durchaus Stimmen, welche die Position vertreten, dass die WfbM - trotz aller fachlichen Bemühungen um berufliche Bildung, Rehabilitation und lebenslanges, persönlichkeitsbildendes Lernen - als „Sondereinrichtung“ eher zu einer Segregation der Menschen mit Behinderung beiträgt; da in diesem Kontext eine nachhaltige Inklusion der Adressinnen und Adressaten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt also nicht möglich sei, spräche dementsprechend viel für eine vollständige Abschaffung der Werkstätten in ihrer bisherigen Form.

Ungeachtet solch „radikaler“ – und sicher nicht zielführender – Beurteilungen werden die Einrichtungen darüber hinaus z.B. auch als starr und wenig flexibel bezeichnet - wenn es darum geht, ihr Angebotsspektrum zu erweitern, sich von einer (einseitigen) Orientierung an der Übernahme klassischer Produktionsaufträge aus der Industrie zu lösen und neue / veränderte Formen der Beschäftigung zu initiieren, die sich dabei auch an einer sich verändernden Zielgruppe orientiert.

Die Werkstätten für behinderte Menschen brauchen – so scheint es – neue, innovative und bedarfsorientierte Konzepte, eine zielgerichtete Erweiterung des Angebotsspektrums und eine organisatorisch-strukturelle Neuorientierung. Die vorliegende Publikation aus der Reihe „Im Gespräch“ des Verlages 53° Nord versteht sich in diesem Zusammenhang – so der Klappentext – als Ideengeber für Werkstätten, die Ihr Angebot zur beruflichen Teilhabe ausbauen und sich auf diesem Wege stärker zu einem Sozialunternehmen weiterentwickeln wollen.

Autor

Dieter Basener,Jahrgang 1951, wollte – wie es der Internetauftritt des Verlages verrät - ursprünglich einmal Missionar werden, hat sich dann aber für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung entschieden; er hat ein Studium der Pädagogik und Psychologie abgeschlossen und anschließend – seit 1981 – in verschiedenen Werkstätten für behinderte Menschen (Aurich und Norden sowie in den Elbe-Werkstätten in Hamburg) gearbeitet; Dieter Basener ist Mitbegründer der überregional bekannten Hamburger Arbeitsassistenz und des Integrationsbetriebs Bergedorfer Impuls sowie Vorsitzender von EUCREA Deutschland e.V. (einem Netzwerk für behinderte Künstler); der Autor ist Geschäftsführer der 53° NORD Agentur und Verlag GmbH und Chefredakteur des durch diesen Verlag publizierten Magazins „KLARER KURS“.

Im Verlag 53° NORD sind unter Mitwirkung von Dieter Basener - neben dem besprochenen Band - bislang folgende Titel erschienen, die sich allesamt mit dem Themenbereich: Werkstätten für Menschen mit Behinderung / berufliche Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung befassen:

  • Dieter Basener / Silke Häußler (2008): „Bamberg bewegt – Integration in den Arbeitsmarkt – Eine Region wird aktiv“ (www.socialnet.de/rezensionen/8143.php)
  • Jochen Walter / Dieter Basener (Hg.) (2009): „Werkstätten am Markt – Von der Idee zur Marke“(www.socialnet.de/rezensionen/8770.php)
  • Dieter Basener unter Mitarbeit von Silke Häußler (2009): „Hamburger Arbeitsassistenz – Das Original der unterstützten Beschäftigung“
  • Jochen Walter / Dieter Basener (Hg.) (2010): „Mitten im Arbeitsleben – Werkstätten auf dem Weg“

Aufbau und Inhalt

Analog zu den bisher veröffentlichen Titeln der Buchreihe „Im Gespräch“ stellt Dieter Basener auch in seiner aktuellen Publikation ein Best-Practice-Beispiel für innovative Soziale Arbeit mit und für Menschen mit Behinderung im Kontext beruflicher Rehabilitation vor; unter der Überschrift: „Auf dem Weg zum Sozialunternehmen“ wird die geschichtliche Entwicklung und aktuelle konzeptionelle Ausrichtung der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen (gpe) in Mainz nachgezeichnet; in kurzen Interviews und/oder Erfahrungsberichten kommen Mitarbeitende aus unterschiedlichsten Unternehmens- und Verantwortungsbereichen ebenso zu Wort, wie die Menschen mit Behinderung, die im Bereich der gpe eine interessante Aufgabe gefunden haben und/oder eines der vielfältigen Angebote der Gesellschaft aktiv nutzen; inhaltlich verknüpft sind die Gespräche mit Kurzdarstellungen der innerhalb der gpe zusammengefassten Arbeitsbereiche; aufgelockert wird der Text einmal mehr durch Photo?s der Gesprächsteilnehmer.

Nachdem sich die 168 Seiten in immerhin knapp 40 Kapitel untergliedern, ist sicher nachvollziehbar, dass die die einzelnen Themenbereiche selten sehr vertiefend und differenziert dargestellt werden; die Texte von/zu den Menschen mit Behinderung sind auch eher kurze, ganz persönliche Lebensberichte und sicherlich keine zu generalisierenden Fallbeispiele.

Wie schon in anderen Büchern der Schriftenreihe ist auch der vorliegenden Band konzeptionell auch gar nicht als „klassisches“ Fach- oder Lehrbuch vorgesehen; insgesamt entsteht eher ein „Lesebuch für Zwischendurch“; es entsteht eher eine Laudatio oder eine Hommage für eine offensichtlich außergewöhnliche, vielschichtige und dabei moderne soziale Organisation – weniger Gewicht hat das Buch im Kontext einer differenzierten Darstellung der – auf andere Einrichtungen übertragbaren – Konzeption.

Nach dem knappen Vorwort wird über Die Gründungsgeschichte der gpe als eigene Trägerorganisation für psychosozialen Einrichtungen in Main und als Kooperationspartner der Wfb Mainz im Jahre 1985 berichtet; mit dem folgenden Kapitel: Eine Werkstatt namens ServiceCenter stellt Dieter Basener die Orientierung der anfangs doch sehr kleinen Einrichtung am Dienstleistungsgedanken als den wesentlichen Unterschied zur „klassischen“ WfbM heraus und gibt einen ersten Überblick zum Leistungsspektrum der Gesellschaft, mit ihrer Mischung aus integrierten und geschützten Angeboten (vgl. hierzu die folgenden Themenbereiche).

Konsequenterweise zählt der Bereich Küche/ Gastronomie – in welchem Die INN-Küche und das Hotel INNdependence tragende Säulen der Arbeit darstellen – bis heute zu den Kernkompetenzen der gpe; in Zur Person: Silke S. verdeutlicht eine der aktuell knapp 40 Beschäftigten mit Behinderung in diesem Bereich wie fordernd aber eben auch fördernd die Arbeit in der Gastronomie sein kann – z.B. eben auch in einem letztlich „ganz normalen“ Gastronomiebetrieb wie es Der GastHof Grün ist.

Angeschlossen an ein Seniorenheim der Caritas betreibt die gpe im Weiteren Die Wäscherei in Main-Drais als Außenarbeitsgruppe für etwa 20 Beschäftige und begleitet durch zwei Anleiterinnen; gerade durch die enge organisatorische Anbindung an das Altenwohn- und Pflegeheim ist es hier erforderlich, dass die Beschäftigten die vielfältigen Aufgaben mit einer hohen Produktivität und entsprechendem Qualitätsbewusstsein erfüllen; im Kapitel Zur Person Markus R. erzählt der Gesprächspartner davon, wie er zwar einerseits in der Wäscherei seinen Platz finden konnte, aber dennoch weitere Perspektiven für den ersten Arbeitsmarkt entwickeln möchte.

Das anschließende Gespräch mit Joachim Herder - dem ehemaligen Bereichsleiter Handwerk - verdeutlicht, dass es auch weiterhin die „traditionelle“ Werkstatt mit ihren Produktionsbereichen geben sollte; nicht alle Beschäftigten würden – so Herder – Inklusion zu 100 % vertragen, aber das heißt eben gerade: Wahlmöglichkeiten sind notwendig.

Solche Wahlmöglichkeiten entstehen etwa über das ServiceCenter NEXT; hier organisiert die gpe - als festen Bestandteil des Werkstattangebotes – den Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt; spezielle Fachkräfte für die berufliche Integration schaffen u.a. Außenarbeitsplätze; akquirieren und begleiten Praktikas oder vermitteln Beschäftigte ins Budget für Arbeit.

Dass auch Unterstützte Beschäftigung – also ein Angebot, das für Menschen konzipiert ist, die in ihrer Leistungsfähigkeit „oberhalb“ der Werkstattfähigkeit stehen – mittlerweile zum Tätigkeitsfeld der gpe gehört, zeigt der anschließende Text auf; Zur Person: Christian S. ergänzt den Bericht einmal mehr um eine individuelle Perspektive.

Als Besonderheit in der Werkstättenlandschaft stellt der Autor das ServiceCenter IMPULS vor; hier sind – als Einzel- oder Gruppenangebote konzipierte – spezielle Fördermaßnahmen verortet; die Beschäftigten können hier z.B. Kurse im Bereich von Kreativitäts- und Bewegungsangeboten belegen, ein Selbstbehauptungstraining durchführen oder an einem Entspannungs- und Kooperationstraining teilnehmen; IMPULS organisiert darüber hinaus auch kollegiale Fallsupervisionen und bietet für die Mitarbeiter Fortbildungen zu Themen wie Therapieangebote, Kommunikation usw. an.

Mit dem Bioladen NATÜRLICH, dem Hotel INNdependence sowie zwei so genannten CAP-Märkten verfügt die gpe aktuell über vier Integrationsbetriebe mit Strahlkraft nach innen und außen besitzen; erleichtert durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB IX konnten hier bestehende Ideen und Konzepte zur beruflichen Integration erweitert werden; auch wenn – nach eigenen Angaben der gpe – die Integrationsbetriebe ihre Bedeutung als „Motor“ für den Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt verloren haben, sind die Verantwortlichen unvermindert stolz auf die Erfolge ihres „Flagschiffs“- dem Integrationshotel INNdependence mit seinen 16 behindertengehrechten Zimmern bzw. 28 Betten in einer 3-Sterne-Kategorie; hier finden aktuell etwa 13 Mitarbeiter mit Behinderung einen interessanten und vielseitigen Arbeitsplatz – was auch ein Beschäftigter in seinem kurzen Statement: Zur Person: Thilo S. untermauert.

Der CAP-Markt Jugenheim ist - als Franchise-Unternehmen – in einem Verbund von etwa 100 Geschäften organisiert; dieser leistungsstarke Verbund hat es sich zur Aufgabe gemacht, die zunehmenden Lücken in der Lebensmittelnahversorgung in kleineren Gemeinden oder im Innenstadtbereich zu kompensieren; wie normal, vielfältig – und eben doch ein klein wenig weniger stressig - die Arbeit im Lebensmittelverkauf in einem CAP-Markt sein kann, das zeigt: Zur Person Christian O.

Die gpe hält nicht nur begleitete und möglichst lebensnahe Arbeitsplätze für die Menschen mit Behinderung bereit; sie stellt sich zudem der Herausforderung Ausbildung; Ausbildungsorte sind unter anderem die Werkstatteinrichtungen oder Integrationsfirmen; wieder liegt hier ein Schwerpunkt in den Bereichen Catering und Hauswirtschaft; dass man sich Ziele stecken muss; man Ziele aber eben auch – in kleinen Schritten – erreichen kann, davon berichtet: Zur Person: Marlen P.

Regina Seibel-Schnell verdeutlicht - aus ihrer Perspektive als Werkstattleitung im ServiceCenter – die große und steigende Nachfrage nach Werkstattplätzen auf; dass aktuell etwa 280 Menschen mit Behinderung im Arbeitsbereich und zwischen 60 und 70 Personen im Berufsbildungsbereich beschäftigt sind; lässt sich sicher auf eine zentrale Leitidee der Arbeit der gpe zurückführen: „Wir sind nah am Arbeitsmarkt“.

Natürlich wird die Nachfrage auch durch das insgesamt so breite Angebotsportfolie unterstützt; unter dem organisatorischen Dach: ATRIUM – Arbeitsdiagnostik, Rehabilitation und Berufsbegleitung hat die gpe z.B. unterschiedlichste Angebotsformen gebündelt, die Leistungen nach unterschiedlichsten gesetzlichen Ansprüchen und Leistungen aus dem SGB II, III, VI und IX zusammenfassen.

Zu nennen sind hier – und im Buch werden diese Bereiche dann auch in kurzen Kapiteln erläutert:

  • Die berufliche Integrationsmaßnahme (BIMA) und das Praxisorientierte Jobcoachin (ProJob): Hier werden Menschen, die den Einstieg oder Wiedereinstieg ins Arbeitsleben suchen und dabei keinen Werkstattplatz benötigen, ein Jahr lang – finanziert durch die Agentur für Arbeit – unterstützt; ein erneuter Erfahrungsbericht – Zur Person Angelika D. – gibt einen exemplarischen Einblick in die Bedarfe der Zielgruppe.
  • Individuelle Diagnose, Orientierung und Coaching (In.Doc) basiert auf der Erfahrung, dass es langzeitarbeitslose Menschen in schwierigen Lebenssituationen gibt, die im Arbeitsleben nie einen dauerhaften Zugang zum ersten Arbeitsmarkt finden konnten; die Maßnahme beinhaltet es, die betroffenen Personen zunächst kennen zu lernen, ihren individuellen Bedarf zu identifizieren und konstruktive Lösungen anzubahnen.
  • Diagnose der Arbeitsmarktfähigkeit (DIA AM): Der Auftrag für diese Maßnahme ist es herauszufinden, unter welchen Bedingungen Menschen mit Behinderung unter den Bedingungen des Arbeitsmarktes eine Qualifizierung oder Arbeit aufnehmen können und – wenn ja – mit welchen flankierenden Maßnahmen sie gestützt werden könnten.
  • Die Praxis der Ergotherapie: in diesem Einsatzgebiet widmet sich das ATRIUM der psychiatrischen und geropsychiatrischen Diagnostik in der Neurologie und im Bereich der intellektuellen Beeinträchtigung, mit der Zielperspektive, einen Übergang von der medizinischen zur beruflichen Rehabilitation anzubahnen.

Dass die vielschichtige Orientierung des ATRIUM – z.B. durch den Wettbewerb um Aufträge vom Job-Center / der Agentur für Arbeit – neue Anforderungen an die Flexibilität, Fachlichkeit und Kreativität der Mitarbeiter stellt, das zeigt Angelika Adams-Flach (die Leiterin dieses Unternehmensbereiches) in Ihrem Gespräch unter der Überschrift: „Mann muss sich den Herausforderungen stellen“ klar.

Wie „breit gefächert“ sich das Angebotsspektrum der gpe darstellt, wird in weiteren kurzen Kapiteln deutlich; der Vollständigkeit halber zu nennen sind noch:

  • Die Angebote des Gemeindepsychiatrischen Zentrums (GPZ): hier sind eine Tagesstätte die psychosoziale Einzelfallhilfe, das Betreute Wohnen usw. zusammengefasst.
  • Das Zuverdienstprojekt Mollywood: durch angepasste, niedrigschwellige Angebote werden Menschen Tätigkeiten angeboten, die etwa einen zeitlichen Umfang von 15 Wochenstunden haben; Zur Person: Sonja W. verdeutlicht, wie auf diesem Weg Selbstbewusstsein und die Wertschätzung der eigenen Person gestärkt werden können.
  • Das Beratungcafe unplugged: hinter der Gründung dieser Einrichtung steht die Idee, ein niedrigschwelliges Angebot für solche Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen, die ansonsten nur schwer Zugang zu Beratungs- und Hilfsangeboten finden; Zur Person: Drei unpluggend-Teilnehmer in der beruflichen Orientierung ermöglicht einen kurzen Blick in die Lebenswelten der angesprochenen Zielgruppe.

Nach der – teilweise doch fast einer Aufzählung ähnlichen – Beschreibung der geradezu faszinierenden Angebotsvielfalt wendet sich Dieter Basener zum Schluss seines Buches dann auch den noch fachlich-methodischen Überlegungen und Grundlagen der gpe zu. Die Philosophie der gpe – so erfährt es der Leser – ist es, Vielfalt zu bieten und auf der Höhe der Zeit zu sein; die gpe nimmt Bedarfe wahr und will Ansprechpartner für alle Partner – Kostenträger wie Adressaten sein – eben um individuell klären zu können, was die eigene Organisation für die Adressaten leisten kann – oder eben auch nicht.

Die Ausrichtung auf Dienstleistungen auf das Gemeinwesen und den Zugang zum Arbeitsmarkt sind dabei Grundsätze, die sich seit der Gründung der Einrichtung – quasi als „roter Faden“ durch die Gestaltung aller Angebote zieht; was letztlich – so die dokumentierte Meinung der Verantwortlichen – im Wesentlichen dazu beigetragen hat, dass die gpe einen sehr guten Ruf genießt; die Synergieeffekte von unterschiedlichen Maßnahmen unter einem Dach erweist sich dabei langfristig als ein zentraler Aspekt für den Erfolg einer zielgerichteten Weiterentwicklung der angebotenen Dienstleistungen.

Nach der – wie gesagt – sehr eindrucksvollen Auflistung der Vielfalt unter eben diesem einen Dach der gpe verwundert es nicht, dass der scheidende Geschäftsführer der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen – Joachim Storck - in seinem – das gesamte Buch noch mal ein bisschen zusammenfassenden – Gespräch das selbstbewusste Fazit ziehen kann „Wir übernehmen gern ein bisschen mehr“.

Nach den kurzen Schlussbetrachtungen schließt das Buch von Dieter Basener mit einem Anhang zu Geschichte der gpe; es werden noch mal die Einrichtungen und Dienste im Überblick gezeigt und ein paar Worte zum Autor selbst eingefügt.

Diskussion

Die hier rezensierte Publikation beschreibt – ähnlich wie zuvor schon anderen Veröffentlichungen aus der Reihe: „Im Gespräch“ – die eindrucksvolle Entwicklung einer sozialen Organisation, die sich aktuellen Herausforderungen im Bereich der Arbeit mit Menschen mit Behinderung – offensichtlich erfolgreich und nachhaltig – stellt; beim Lesen der vielen Modelle, Projekte, Ideen und Konzepte, die die gpe verwirklicht, wird durchaus auch dem „Zweifler“ aufgezeigt, dass die Umsetzung der Idee einer vollständigen Inklusion von Menschen mit Behinderung – so wie es die entsprechende UN-Konvention fordert – durchaus möglich ist.

Das Buch löst – insgesamt betrachtet - sicher auch den selbst formulierten Anspruch ein, Ideengeber für andere Werkstätten im Umbruch zu sein; es ist ein Verdienst von Dieter Basener, dass er mit seinen Publikationen hier immer wieder eine breite Plattform für solche best-practice Beispiele bietet.

Viel mehr als den erwähnten Impuls zum Mitdenken und Weiterdenken und Übertragen des Vorgestellten bietet das vorliegende Buch dann aber leider nicht; gerade auch in den geführten Interviews wirkt der Text manchmal doch so, als sei er recht schnell verfasst – die eine oder andere wiederholende Einbindung von ähnlichen Wortbeiträgen an unterschiedlichen Stellen des Textes, verstärkt diesen Eindruck noch; gerade die Erfahrungsberichte der Klienten und Adressaten der Dienstleistungen hätten – auch wenn das sicher in diesem Bereich nicht immer so einfach ist – fundierter ausfallen können.

Beim – durchaus lobenswerten – Versuch, auch wirklich alle Unternehmensteile zu erwähnen und zu würdigen , fehlt es dann doch an der vertiefenden Darstellung der methodischen Fundierungen für die Arbeit der gpe (z.B. wäre hier die Umsetzung der Sozialraumorientierung doch spannend gewesen etc.); auch, wenn es nicht das primäre Ansinnen der Schriftenreihe „Im Gespräch“ ist, einen aktuellen Methodendiskurs zu beginnen und/oder zu vertiefen, wären doch mehr Querverweise auf entsprechende Literaturquellen hilfreich gewesen.

Was ebenso fehlt (bzw. zu kurz kommt), ist ein etwas kritischerer Blick auf mögliche Schwächen und Schwierigkeiten der Einrichtung – gerade eine solche vielschichtige Reflexion wäre ja für die mögliche Übertragung der im Buch dargestellten Ideen auf andere soziale Organisationen nicht ganz unerheblich.

Fazit

Das vorliegende Buch von Dieter Basener liefert – bei aller Kritik – eine Vielzahl erster Gedanken, Einblicke und Anregungen, welche die Verantwortlichen in Werkstätten für Menschen mit Behinderung durchaus zur aktiven Nachahmung anregen; der Autor zeigt auf, wie wichtig es ist, dass sich Werkstätten modernisieren; der Verfasser kann eine Idee davon erläutern, wie sich Werkstätten in Richtung eines (erfolgreichen) Sozialunternehmens verändern können – und das werden diese Einrichtungen in Zukunft wohl auch zunehmend tun müssen.

Das Buch eignet sich somit durchaus als „Ideen- und Impulsgeber“ für den Prozess einer zielgerichteten Modernisierung des Dienstleistungsangebotes von Werkstätten die noch überwiegend im Bereich der „klassischen“ Industriemontage und Verpackung verortet sind; für weitere, tiefer gehende Überlegungen scheint der direkte, vertiefende Kontakt mit den Verantwortlichen der gpe Mainz empfehlenswert.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Mathias Stübinger
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Coburg, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, u.a. in tätig in den Lehrgebieten: Sozialmanagement / Organisationslehre / Praxisanleitung und Soziale Arbeit für Menschen mit Behinderung
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Zitiervorschlag
Mathias Stübinger. Rezension vom 14.02.2012 zu: Dieter Basener: Auf dem Weg zum Sozialunternehmen. Das Beispiel gpe Mainz: wie Werkstätten ihr Angebot erweitern. 53° NORD Agentur und Verlag GmbH Ein Geschäftsbereich der GDW Mitte eG (Kassel) 2011. ISBN 978-3-9812235-6-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12238.php, Datum des Zugriffs 21.01.2022.


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