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Claus G. Buhren: Selbstevaluation in Schule und Unterricht

Cover Claus G. Buhren: Selbstevaluation in Schule und Unterricht. Ein Leitfaden für Lehrkräfte und Schulleitungen. Carl Link (Kronach) 2011. 2., unveränd. Auflage. 190 Seiten. ISBN 978-3-472-08056-5. 25,00 EUR.

Reihe: Praxishilfen Schule.
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Thema und Zielsetzung

Das Buch ist eine praxisbezogene Handreichung zur Selbstevaluation auf Mikro- und Mesoebene, die von verschiedensten Seiten aus und in verschiedenen Stadien Handwerkszeuge der Evaluation beschreibt, beleuchtet und durch viele Beispiele illustriert.

Autor

Dr. Claus G. Buhren ist Professor für Schulsport und Schulentwicklung und Leiter des gleichnamigen Instituts an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Sein Arbeitsschwerpunkt ist „Selbstevaluation“.

Entstehungshintergrund

1998 erschien der 1. Leitfaden für Schulen zur Selbstevaluation, an den Buhren anknüpft. Die seitdem vergangenen Jahre sind gekennzeichnet von der Qualitätsdiskussion.

Aufbau

Das Buch enthält 12 Kapitel (135 Seiten) und einen Anhang mit Instrumenten und Fragebögen (50 Seiten).

1. Evaluation warum und wozu: Ziele, Begründungen, Möglichkeiten und Grenzen

Bei Evaluation geht es überwiegend um Messbarkeit von Schulqualität, deren Bestimmung und deren Verbesserung. Eine Definition von Schulqualität gibt es nicht. In internationalen Studien wurde/wird der „kognitive Output“ von verschiedenen Teilkompetenzen nach standardisierten Verfahren gemessen. Buhren erklärt den Unterschied zwischen Input und Output.

In Schaubild 2 definiert er Evaluation mit zwei Hauptzielen: zur Bestandsaufnahme bzw. Rechenschaftslegung und als Prozess zur Steuerung schulischer Entwicklung als externe Evaluation oder Selbstevaluation.

Die Frage nach dem Nutzen von Evaluation für eine Schule oder ein Kollegium wird diskutiert. Buhren formuliert vier Stoßrichtungen:

  1. Überprüfung von Zielen von Schule: zur Professionalisierung von Lehrerhandeln
  2. Entwicklung gemeinsamer Ziele: zur Identitätsstiftung in Kollegien
  3. Anpassung an gesellschaftliche Anforderungen: zur Modernisierung von Bildung und Erziehung
  4. Beteiligung aller Gruppen an Schule: zur Demokratisierung von Schule.

Das kann auf drei verschiedenen Ebenen stattfinden: der Ebene des Unterrichts, der des Kollegiums oder der Organisation Schule oder drittens die Werte, Normen, Konzepte, Leitbilder des Kollegiums betreffen. Beteiligte an Evaluation seien Lernende, Lehrende, Eltern und außerschulische Gruppen und Institutionen.

Die vier Prinzipien für Evaluation sind:

  1. Entwicklung von Maßstäben und Kritik in Verantwortung der Beteiligten, meist nicht von außen vorgegeben
  2. Bestimmte Prozessphasen einer Evaluation
  3. Verantwortlichkeit der Schule für die Evaluation
  4. Resultate können Veränderung, Bestätigung, Bewahrung sein

2. Evaluation, Bestandsaufnahme, Feedback – das Begriffswirrwar klären

Definitionen von Evaluation sind auf S. 13f. nachzulesen, von Selbstevaluation auf S. 14, von Feedback auf S. 19. Abb. 3 beschreibt einen Evaluationskreislauf), Abb. 6 Formen der Evaluation in einer Unterscheidungsmatrix.

3. Methoden und Verfahren – Fragebögen, Beobachtungen, Interviews, Ratingkonferenzen

Buhren beschreibt verschiedene Formen von Fragestellungen und Datensammlungen, meist sei eine Kombination von Methoden nötig. Im Folgenden werden einzelne Verfahren in ihrem Für und Wider erläutert wie Leitfaden-Interviews, Fragebögen (dabei: Formulierung der Fragen, Antwortvorgaben, Fragebogenstrategie, evtl. Pretest), Beobachtungen (teilnehmende und nicht -) und die Entwicklung eines Evaluationsinstruments durch Lehrkräfte und Lernende (Anleitung dazu ab S. 34). Außerdem geht es um Dokumentenanalyse, Ratingkonferenz (geleitet durch Evaluationsteam).

Abb. 21 fasst Methoden und Verfahren der Datenerhebung mit Beispielen, Vor- und Nachteilen in einer Tabelle zusammen.

4. SEIS oder was – Selbstevaluation für die ganze Schule

Buhren resümiert die Geschichte verschiedener Selbstevaluationsinstrumente in verschiedenen Bundesländern. Abb. 23 ist eine Schautafel über Qualitätsdimensionen in SEIS. Abb. 25 ist ein Datenblatt mit Auswertung aus SEIS. Aus diesen Ergebnissen wird dann der Schulbericht geschrieben. Informationen können unter www.das-macht-schule.de nachgelesen werden.

5. Selbstevaluation konzentriert – Unterrichtsevaluation durch Schülerselbstbeobachtung und Lehrerevaluation

Abb. 30 enthält Ideen für Selbstevaluation in Schulen, in Abschnitt 5.1. wird ein Beispiel zur Schülerselbstbeobachtung mit deren Erfahrungen gegeben. Abb. 52 enthält ein Kompetenzraster zur Unterrichtsreihe „Wir kleiden und schmücken uns“ in einer 8. Klasse. Auf S. 63-64 sind Ergebnisse und notwendige Schritte für Selbstevaluation zu lesen: In den unteren Klassen wird Selbstbeobachtung positiver eingeschätzt als in älteren, deshalb möge man früh beginnen. Wesentlich seien eine genaueste Planung, Besprechung und Rückmeldung der Selbstbeobachtung im Unterricht unter großer Beteiligung der Lernenden auch an Planung und Auswertung. Selbstbeobachtung wirke sich positiv aus auf individuelles Lernverhalten, Zusammenarbeit, Klassenklima, Unterricht insgesamt.

Abschnitt 5.2.ist über Lehrerbeurteilung durch Lernende. Gründe der Ablehnung von Lehrern und Gründe für die Einbeziehung von Schülerurteilen werden dargelegt. Zwei Beispiele dienen zur Illustration von Möglichkeiten:

Student Reports (nach dem amerikanischen Schulforscher Peterson) über Ausstattung und Material, Klassenklima, Lehr- und Lerntechniken und -methoden, Lehrerverhalten, Anwendungsbezogenheit von Wissen (vgl. auch Tipps S. 68-69)

Lehrerhandeln im Unterricht (Buhren/Killus/Müller 2000) trianguliert Schülerbeurteilung von Lehrerhandeln mit Selbsteinschätzung von Lehrern und Fremdeinschätzung während kollegialer Hospitation. Abb. 34 ist ein Lehrerfragebogen zur Selbsteinschätzung

6. Praxisbeispiel: Evaluation am Einstein-Gymnasium Neumarkt

Abb. 36 zeigt einen Evaluationskreislauf mit allen Schritten und Phasen. Im vorliegenden Fallbeispiel werden offene Lernformen in Deutsch, Gesellschaftslehre und Mathematik evaluiert und fünf Leitsätze formuliert, die geprüft werden sollen. Indikatoren werden festgelegt, z.B. zu Selbstständigkeit elf can-do-Sätze. Messinstrumente sind hier Lehrerbeobachtungsprotokolle und offene Schülerfragebögen. Die Ergebnisse werden so interpretiert, dass ab 50% der Werte unter dem Durchschnitt Handlungsbedarf besteht und ab über 60% der Werte der untersuchte Aspekt als gelungen bezeichnet wird. Die Ergebnisse werden an den Pädagogischen Tagen diskutiert und ggf. weiterentwickelt.

7. Planung einer Evaluation – vom ersten bis zum letzten Schritt

Zunächst sollte der Begriff „Evaluation“ im Kollegium abgeklärt werden durch moderierte Kartenabfragen oder durch Kräftefeldanalyse. Danach wird eine Evaluationsgruppe gebildet, die die Evaluationsdesigns entwickelt. Abb. 40 stellt W-Fragen in einem Planungsraster für Evaluationen, dazu sind auf den Seiten 85-87 Tipps zu lesen. Abb. 41 ist das Beispiel eines Planungsrasters zu offenem Unterricht. Buhren nennt auf S. 88-89 Prinzipien der Ethik und einer Kultur der Evaluation.

8. Ziele, Kriterien, Indikatoren – der Feinschliff der Evaluation

Buhren diskutiert die Interpretation von Zielen auf Konzept-, Handlungs-, Transfer- und Bewertungsebene in der Fachliteratur. Er schlägt vor, in Kleingruppen ein konkretes Unterrichtsprojekt zu bearbeiten mit Zielen, Kriterien, Indikatoren, Standards.

In diesem Kapitel geht es um die Ziele eines Projekts: Was soll mit dem Projekt konkret erreicht werden. Zur Zielbestimmung ist die SMART-Regel hilfreich:

  • Spezifisch
  • Messbar
  • Aktionsorientiert
  • Realistisch
  • Terminiert.

Die nun folgenden Kriterien und Indikatoren (Beispiele in Abb. 43 zu „Individualisiertem Lernen“ und auf S. 94 zu „Leseförderung“) sind eng miteinander verknüpft. Werden Indikatoren zu Standards umformuliert, so gibt es dafür bestimmte Regeln (S. 95). Im Folgenden gibt Buhren einige Beispiele für Standardformulierungen einer Schule.

9. Datengewinnung und Interpretation – die Rätsel der Zahlen

Buhren diskutiert die gebräuchlichsten Methoden und Verfahren der Datenerhebung, die in Evaluationsvorhaben eingesetzt werden können, wobei die Form von der Methode abhängt aber auch von der Quantität. Die Auswertung qualitativer Verfahren eigne sich nicht für eine computergestützte Bearbeitung.

Zur Bearbeitung von großen, standardisierten Datenmengen sei eine statistische Bearbeitung erforderlich, z.B. nach www.grafstat.de. Buhren bespricht Vor- und Nachteile von quantitativ erhobenen Befragungen. Sie enthielten keine objektiven Werturteile, sondern im Anschluss an eine solche Befragung müssten Ergebnisse unbedingt kommunikativ validiert werden.

Ab S. 98 stellt Buhren einige der üblichsten Interpretationsverfahren von Daten vor (z.B. verschiedenen Formen von Diagrammen, durch einfache Häufigkeitsverteilung, durch errechneten Mittelwert, durch Angabe der Streuung der Ergebnisse mittels Standardabweichung, durch Kreuztabelle zur Untersuchung von Zusammenhängen von Variablen, durch Korrelationen). Nicht-standardisierte Befragungen seien sehr viel schwerer auszuwerten; es müssten dazu Kategorien gebildet werden.

Zum Abschluss des Kapitels diskutiert Buhren Gütekriterien und Wertemaßstäbe.

10. Ergebnispräsentation – Umgang mit Daten

Sehr wesentlich im Evaluationskreislauf ist die Datenpräsentation und -besprechung mit allen Beteiligten gemeinsam. Buhren gibt mehrere Beispiele für Evaluationskonferenzen. Nach diesen wird die Evaluation metaevaluiert (S. 112-114).

11. Entwicklungsschwerpunkte festlegen – Planungsinstrumente

Konsequenzen einer Evaluation müssen Maßnahmen sein, die der Optimierung des evaluierten Bereichs dienen und somit einen Entwicklungsschwerpunkt der Schule bilden können. Das Kollegium kann auch mehrere Entwicklungsschwerpunkte festlegen.(Abb. 58: Prioritätenanalyse). Dazu stellt Buhren einen Maßnahmenplan mit W-Fragen vor: Was wird von wem bis wann und wie getan unter wessen Beteiligung? Dazu kann ein Ablaufdiagramm hilfreich sein (Beispiel Abb. 55), welches flexibel anpassbar ist. Die Netzplantechnik sei aufwändiger zu handhaben. Ebenso bewährt hat sich das W-Plaungsraster (Abb. 56) für die Planung neuer Entwicklungsschwerpunkte.

Buhren stellt in Abb. 57-59 verschiedene Methoden der Ideenbewertung und in Abb. 60 einen Reflexionsbogen vor.

12. Externe Evaluation – der Blick von außen

Buhren stellt die Methode des Peer Review vor: Dabei können die „kritischen Freunde“ Lehrkräfte aus der eigenen oder aus anderen Schulen sein oder auch ganz unabhängig von Schule sein. Wichtig sei die Akzeptanz dieser Personen in der Schule. Buhren stellt beispielhaft Gegenstand, Fahrplan, Nutzen und Erfolge eines solchen Besuchs vor.

Anhang

Literaturverzeichnis; Kommentierte Internetlinks zur Selbstevaluation in Schulen auf 2 Seiten.

Instrumente, Fragebögen etc. Hier stellt Buhren 19 sehr unterschiedliche Frage- oder Beobachtungsbögen für die Meso- und Mikroebene von Schule und Unterrichts vor, die Lesende sehr gut auf ihre spezifische Situation anpassen können. Die ersten elf Frage- oder Beobachtungsbögen dienen zur Selbstbeobachtung und Selbstbewertung von Lernenden. Die weiteren Bögen stammen aus dem Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund. In den Bögen geht es um Selbsteinschätzung des Lehrerhandelns im Unterricht. Dabei werden umfangreiche Indikatoren für Lehrer und Schüler vorgestellt zu folgenden Themen: Unterrichtsorganisation und -gestaltung, Arbeitstechniken und -methoden, Lernatmosphäre, Leistungsbewertung und Förderung. Ebenso gibt es Indikatoren für Schulleitungshandeln und für Lehrerkooperation. Auf S. 177-178 werden noch einmal Tipps zur Erstellung von schriftlichen Befragungen zusammengefasst. Die letzten beiden Befragungen sind der Unterrichtsbeobachtungsbogen für allgemeinbildende Schulen der Schulinspektion in Niedersachsen (8 Seiten, sehr detailliert durch viele Indikatoren) und der Beobachtungsbogen für Unterricht und Lernprozesse der Qualitätsanalyse in Nordrhein-Westfalen (4 Seiten).

Zielgruppen

Lehrkräfte, Schulleitungen, Schulaufsicht, Lehreraus- und weiterbildner, pädagogische Führungskräfte, Bildungs- und Erziehungswissenschaftler

Fazit

Buhren schreibt ein sehr hilfreiches Buch zu der wichtigen Thematik „Selbstevaluation von Schulen und Bereichen des Unterrichts“, weil er minutiös die einzelnen Schritte im Evaluationskreislauf beschreibt, diskutiert und an vielen Beispielen illustriert.

Da das Buch kapitelweise oder chronologisch oder einzeln gelesen werden kann, ist es sehr gut für verschiedene Bedürfnisse lesbar und erlaubt in seiner großen Praxisbezogenheit jedem Lesenden aus dem Schulbereich, die Inhalte auf seine spezifische Situation anzupassen.


Rezensentin
Dr. Monika Wilkening
Tätigkeitsfeld: seit 32 Jahren Gymnasiallehrerin Klassen 5-13 für die Fächer Englisch und Französisch, Autorin von zahlreichen Fachaufsätzen und Fachreferentin, Rezensentin; Arbeitsschwerpunkte: schülerorientierte Unterrichtsformen im Fremdsprachenunterricht, Evaluation, insbes. Selbst- und Partnerevaluation, 2011 Promotion zur Doktorin der Philosophie an der Universität Augsburg. Praxisbuch zur Selbst- und Partnerevaluation (4/2013)


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Zitiervorschlag
Monika Wilkening. Rezension vom 11.11.2011 zu: Claus G. Buhren: Selbstevaluation in Schule und Unterricht. Ein Leitfaden für Lehrkräfte und Schulleitungen. Carl Link (Kronach) 2011. 2., unveränd. Auflage. ISBN 978-3-472-08056-5. Reihe: Praxishilfen Schule. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12251.php, Datum des Zugriffs 18.10.2017.


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