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Kerstin Ziemen, Anke Langner u.a. (Hrsg.): Inklusion - Herausforderungen, Chancen und Perspektiven

Cover Kerstin Ziemen, Anke Langner, Andreas Köpfer, Saskia Erbring (Hrsg.): Inklusion - Herausforderungen, Chancen und Perspektiven. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2011. 200 Seiten. ISBN 978-3-8300-5515-0. 75,00 EUR.

Schriftenreihe Integrationspädagogik in Forschung und Praxis - Band 8.
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Thema

„Die aktuellen Entwicklungen in Folge der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bilden den Hintergrund und das Motiv, bestehende Erfahrungen zu inklusivem Unterricht festzuhalten und zu diskutieren. Das Buch versammelt Beiträge, in denen unterschiedliche pädagogische Aspekte von Inklusion für den Unterricht, die Schulentwicklung, die Fort- und Weiterbildung von LehrerInnen und auch den außerschulischen Bereich thematisiert werden“ (Klappentext).

Herausgeberinnen und Herausgeber

Kerstin Ziemen ist Professorin für Pädagogik und Didaktik bei Menschen mit geistiger Behinderung am Department Heilpädagogik und Rehabilitation der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Anke Langner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Modellkolleg „Bildungswissenschaften“ für den Schwerpunkt „Inklusion.“ Diese Tätigkeit führt die Mitherausgeberin an der Universität zu Köln aus.

Andreas Köpfer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Pädagogik und Didaktik bei Menschen mit geistiger Behinderung der Universität zu Köln.

Saskia Erbring ist Lehrerin für Sonderpädagogik und Supervisorin. Sie arbeitet am Lehrstuhl Pädagogik und Didaktik bei Menschen mit geistiger Behinderung der Universität zu Köln.

Entstehungshintergrund

Die Publikation ist dem Wissenschaftler Jürgen Münch gewidmet, der 2011 in den Ruhestand getreten ist.

Aufbau

  • Kerstin Ziemen: Inklusion und „kulturhistorisches“ Denken
  • Barbara Brokamp: Inklusive Veränderungsprozesse erfordern eine qualifizierte Unterstützung
  • Karl-Heinz Imhäuser: Fragen ÜBER Fragen – und FRAGEN über FRAGEN
  • Michael Schwager: Beziehungsmobile – Doppelbesetzungen im Gemeinsamen Unterricht
  • Ursula Böing: Professionalisierung von Lehrpersonen und Schulentwicklung – eine effektive Wechselbeziehung
  • Anke Langner: Inklusion eine notwendige, ständige Innovation an einem Beispiel
  • Anne-Dore Stein: Inklusive Schulen in Kanada – Bedingungsfaktoren inklusiver Schulentwicklung in der Provinz New Brunswick
  • Bettina Amrhein: Lehrkräfte im Paradox zwischen Integration und Segregation – Konsequenzen für die zukünftige Aus- und Fortbildung von LehrerInnen für Inklusion
  • Andreas Köpfer: Theorie-Praxis-Seminar „Inklusive Schulentwicklung in Köln“ der Universität zu Köln – Perspektiven für die LehrerInnenbildung
  • Carolin Koch: LehrerInnenbildung auf Schwedisch – Erkenntnisse aus einem Studienjahr
  • Barbara Fornefeld: Lesen einmal anders. Inklusive Bildung konkret
  • Walther Dreher: „IncluCity Cologne“. Inklusive Stadt Köln
  • Walther Dreher: Ein Nachwort zu Jürgen Münch. Im Nachhinein vorausschauen

Inhalte

Kerstin Ziemen diskutiert in ihrem Beitrag ausgewählte Aspekte der kulturhistorischen Schule „und verweist damit implizit auf bislang in der Diskussion um Inklusion fehlende theoretische Bezüge“ (S. 7).

„Seit einigen Jahren unterstützt die Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft im Rahmen des Projektes Regionale Bildungsinitiative Index für Inklusion – Vielfalt als Entwicklungschance […] inklusive Veränderungsprozesse in Bildungseinrichtungen“, Die Einrichtungen erhalten die Möglichkeit, ihre Entwicklungsprozesse mithilfe des 'Index für Inklusion' […] zu gestalten und sich dabei professionell begleiten zu lassen“ (S. 21). Barbara Brokamp stellt in ihrem Beitrag dar, wodurch sich die Begleitung besonders auszeichnet.

Karl-Heint Imhäuser fordert mit seinem Artikel die Leserinnen- und Leserschaft dazu auf über das Fragenstellen im Zusammenhang mit Inklusion nachzudenken.

Michael Schwager thematisiert die Teamarbeit in der Lehrerinnen- und Lehrerschaft, die im gemeinsamen Unterrichten realisiert wird. „Dieses gemeinsame Unterrichten gehört zu den unstrittigen Voraussetzungen des Gemeinsamen Unterrichts[…]. Ebenfalls seit den Anfängen ist das System einer Zusammenarbeit von Pädagogen bei der gleichzeitigen Unterrichtung derselben Lerngruppe aber auch 'zum zentralen Problem' […] des Gemeinsamen Unterrichts geworden“ (S. 47).

Zwei möglichen Einfluss- und Gelingensbedingungen, welche eine Schulentwicklung auf der Mikroebene einzelner Schulen begünstigen, widmet sich Ursula Böing in ihren Ausführungen:

  1. „Lehrpersonen lassen sich zur Mitarbeit an Schulentwicklungsprozessen insbesondere dann motivieren, wenn positive Auswirkungen auf die eigene pädagogische Arbeit und den Unterricht zu erwarten sind.
  2. Berufsbiografische „Schlüsselerlebnisse“ bzw. „kritische Ereignisse“ und das Versagen der bisherigen Handlungsroutine können bei Lehrpersonen eine Veränderungsbereitschaft auslösen“ (S. 61)

Der Beitrag von Anke Langner ist ein Fallbeispiel, der auf die Behauptung eingeht, dass es nicht inklusionsfähige Schülerinnen und Schüler gibt.

Anne-Dore Stein stellt überblicksartig dar, „wie sich das (sozial-)historische Bedingungsgefüge inklusiver Schulentwicklung in Kanada, hier insbesondere in der Provinz New Brunswick, darstellt und was sich als entscheidende Faktoren einer gelingenden inklusiven Schulentwicklung in einer der beiden von […] (Stein – CR) besuchten Provinzen erwiesen hat“ (S. 93).

Volker Weide geht in seiner Zusammenfassung davon aus, dass in gefährdeten inklusiven Prozessen Transparenz in den Interventionsmöglichkeiten herzustellen ist, um Entscheidungen zu treffen und u. U. Übergänge zu gestalten. Das von Weide „dargestellte Partizipationsmodell will hierzu ein Beitrag sein. Die konkrete Umsetzung und Implementierung in der Schulpraxis müssten dabei systematisch auf Effektivität und Praktikabilität evaluiert werden“ (S. 122).

Der Beitrag von Bettina Amrhein „gibt einen ersten Einblick in […] (ihre – CR) erst kürzlich abgeschlossene empirische Untersuchung zur Implementierung Integrativer Lerngruppen […] an Sekundarschulen in NRW“ (S. 124; vgl. http://www.socialnet.de/rezensionen/12062.php).

Andreas Köpfers Beitrag ist ein „skizzenhafter Einblick in die Konzeption und Praxis des Forschungs- und Projektseminars 'Inklusive Schulentwicklung im Kölner Raum'“ (S. 139).

Der Beitrag von Carolin Koch „bezieht sich auf die universitäre LehrerInnenausbildung in Schweden unter besonderer Berücksichtigung der Gestaltung von universitären Seminaren im Fokus von Inklusion und einer 'Schule für alle'“ (S. 151).

Barbara Fornefeld stellt in ihrem Beitrag fest: „Inklusion ist ohne Exklusion nicht zu haben, das bedeutet: in dem Maße, in dem inklusive Bildungsangebote geschaffen werden, müssen für die, die nicht einbezogen werden können, für die sog. 'Systemsprenger', partielle Inklusionsmöglichkeiten entwickelt werden“ (S. 171). Und sie schreibt: „Um Inklusion zu erreichen, müssen die Menschen, die wenig oder gar nichts voneinander wissen einander kennenlernen. Begegnungen allein bewirken nichts, wenn die, die einander begegnen kein gemeinsames Gesprächsthema haben. Das heißt, es ist notwendig nach dem konkret Verbindenden von Menschen mit und ohne Behinderung zu suchen, nach den Themen, die beide miteinander teilen möchten“ (S. 179).

Die von Walter Dreher dargestellte IncluCity Cologne meint, dass in Köln sämtliche Lebensbedingungen so gestaltet werden sollen, „dass alle Bürgerinnen und Bürger viele verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten vorfinden. Daraus sollen sie auswählen können, was für sie sinnvoll ist. Diese Unterstützung sollte in Gesprächen zwischen Menschen mit Behinderung und Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und von Trägern gemeinsam entwickelt werden. Durch die Beteiligung von Menschen mit Behinderung an der Gestaltung der Behindertenhilfe können bisher kaum beachtetes Wissen und Fähigkeiten genutzt werden. Denn sie leben vor Ort und nehmen Probleme, die sie an der Nutzung vieler Angebote in der Stadt hindern alltäglich wahr und haben viele Veränderungsvorschläge. So können passgenaue und personenbezogene Unterstützungen entstehen. Gemeinsame Gespräche von Menschen, die Lebensräume planen und den Menschen, die darin leben, zu ermöglichen und zu begleiten ist unsere Hauptaufgabe“ (S. 183).

Am Schluss der Publikation widmet sich Walther Dreher dem Leben und Wirken desjenigen, dem der Band gewidmet ist.

Fazit

„Das Buch richtet sich an Dozierende und Studierende der Erziehungs-, resp. Bildungswissenschaften. LehrerInnen, die im Bereich des inklusiven Unterrichts tätig sind oder werden wollen, erhalten wertvolle Hinweise“ (Klappentext).


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
Dr. Carsten Rensinghoff Institut - Institut für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschädigung, Leitung: Dr. phil. Carsten Rensinghoff, Witten
Homepage www.rensinghoff.org
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 13.01.2012 zu: Kerstin Ziemen, Anke Langner, Andreas Köpfer, Saskia Erbring (Hrsg.): Inklusion - Herausforderungen, Chancen und Perspektiven. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2011. ISBN 978-3-8300-5515-0. Schriftenreihe Integrationspädagogik in Forschung und Praxis - Band 8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12273.php, Datum des Zugriffs 17.11.2018.


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