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Helmolt Rademacher (Hrsg.): Konzepte zur Gewaltprävention in Schulen

Cover Helmolt Rademacher (Hrsg.): Konzepte zur Gewaltprävention in Schulen. Prävention und Intervention. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2011. 160 Seiten. ISBN 978-3-589-23291-8. 19,50 EUR.

Reihe: Scriptor Praxis - Unterrichten.
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Thema

Die Begriffe „Gewalt“ und „Schule“ werden mittlerweile sehr oft miteinander in Verbindung gebracht. Vor allem steht die Schule im Fokus der Öffentlichkeit, wenn Kinder und Jugendliche sich deviant verhalten oder Gewalt gegen Mitschüler oder Lehrkräfte anwenden. Dass sehr viele Schulen mit ihren Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften abseits von der öffentlichen Wahrnehmung den Schulalltag ohne größere Konflikte positiv gestalten, fällt in der Öffentlichkeit jedoch nicht auf. Diese positive Gestaltung wird sicherlich mit Schulprogrammen im Kontext der Gewaltprävention unterstützt. Der Band von Rademacher und van Dieken beschäftigt sich mit dem Präventions- und Interventionsprogrammen, die in den Schulen erfolgreich angewendet werden, und das Schulklima positiv gestalten.

Herausgeber und Herausgeberin

Helmolt Rademacher ist Lehrer, Lehrerausbilder, Mediator und Projektleiter im Projekt „Gewaltprävention und Demokratielernen“. Marion Altenburg-van Dieken ist Lehrerin und Landeskoordinatorin für Hessen-Süd im Projekt „Gewaltprävention und Demokratielernen“ des hessischen Kultusministeriums.

Aufbau und Inhalt

Der Praxisorientierte Sammelband, geschrieben von Praktikerinnen und Praktiker für Praktikerinnen und Praktiker, ist in drei Kapitel aufgeteilt.

Im ersten Kapitel unter dem Titel „Einführung: Begründung des Themas und Inhalte der Beiträge“ begründen die HerusgeberInnen Rademacher und Altenburg-van Dieken die Wahl des Themas sowie die Inhalte der Beiträge, in einem sehr angemessenen Rahmen. Hier beschreiben sie mitunter, dass Gewalt in der Schule ein jahrzehntelanges Thema darstellt, was jedoch insbesondere durch Taten wie Cyber-Mobbing sowie Amoktate starke Aufmerksamkeit nach sich zog und diese Vorkommnisse in den Medien starke Resonanz erfuhren. Wie diese Phänomene jedoch in der Schule gelöst oder verhindert werden können, stößt häufig auf mangelnde Interventions- sowie Präventionskenntnisse. Den zahlreichen Ansätzen jedoch dankend, ist laut der Autoren, eine Enttabuisierung des Themas Gewalt in Schulen deutlich erkennbar. Wie bereits erwähnt findet seitens 16 Autoren diesbezüglich eine Vorstellung von insgesamt 12 Methoden statt.

Das sehr ausführlich gestaltete zweite Kapitel stellt insgesamt 6 unmittelbare Präventionsprogramme vor, beispielsweise den Klassenrat. Diesbezüglich erläutern die Autor_innen die Ansätze mit einschlägigen Grundinformationen. Die Intentionen, die Zielgruppe sowie Begründungen für die Methode werden somit ebenso erörtert, wie die dazugehörigen Voraussetzungen und die benötigten Materialien. Die einzelnen Unterpunkte weisen hierbei einen äußerst ansprechenden Textumfang auf, welcher einen intensiven Informationsschub und gleichzeitig eine Orientierung bei schnellem Bedarf sicherstellt. Der Klassenrat als partizipatorischer Ansatz wird mitunter deshalb gewählt, da bereits in der Grundschule somit demokratische Verhaltensweisen eingeübt werden können. „Er leistet einen wichtigen Beitrag zur demokratiepädagogischen Entwicklung von Schule.“ (S. 9) Als sehr gelungen ist hierbei zu betonen, dass ebenfalls die Darstellung eines Leitfadens für eine Klassenratsleitung beigefügt ist. Die deutliche Präsenz von Schaubildern, Graphiken oder anderen Visualisierungen ist fortlaufend erkennbar. Das letzte Unterkapitel setzt sich, als indirekte Präventionsmethode mit dem Umgang von Gewalt in digitalen Medien auseinander. Hier wird nicht nur der enorme Wert der Medien für die Heranwachsende und die Gesellschaft beschreiben, sondern ebenfalls die verschiedenen Formen der Mediengewalt vorgestellt. Doch laut dem Autor Steppich setzen sich leider Eltern viel zu selten damit auseinander, was ihre Kinder/Jugendliche in den Medien erwartet. „Da der Großteil der Eltern der Problematik nicht gewachsen ist, sind schulische Konzepte gefordert, die vor allem präventiv wirken, also bereits in den Grundschulen ansetzen.“ (Steppich, S. 90)

Ebenso wie es in dem Segment der Prävention ersichtlich wird, verfügt das umfangreiche dritte Kapitel der Intervention über eine Darstellung spezifischer Methoden, indem auch hier die wichtigsten Informationen kurz, stichpunktartig und sehr verständlich erläutert werden. Die Autoren verdeutlichen hier sehr eindeutig die inhaltlichen Ansätze und erläutern deren Umsetzungspotential. Neben dem Thema Mobbing, welches in den theoretischen Ausführungen mithilfe einer Graphik des „Bullying“ (Gewalttat) untermauert wird, ist ebenfalls exemplarisch die Methode „Meditation in der Schule“ ein themenspezifisches Element. „Konflikte, die in der Schule durch Autoritäten, d.h. die Lehrkräfte und die Schulleitung, gelöst werden, haben stets den Nachteil, dass die Konfliktbeteiligten nicht unmittelbar in die Bearbeitung des Konflikts und in die Lösungssuche mit eingebunden sind.“ (S. 106) Die auslösenden Gefühle sowie Handlungen bleiben den Fachkräften jedoch häufig unentdeckt, da Entscheidungen wiederholt auf Momentaufnahmen basieren. In Anlehnung an diese These, setzt sich die Methode der Meditation mit den verschiedenen Motiven sowie Begründungen und Konfliktarten auseinander, um allen Beteiligten zu verdeutlichen, wie der Konflikt entstehen konnte und wer an welchem Segment (maßgeblich) beteiligt ist. In welchen Schritten die Meditation zum Ziel der Bewusstwerdung sowie Klärung führen, wird in dem Schaubild „Die fünf Phasen des Meditationsgesprächs“ verdeutlicht.

Zielgruppe

Zielgruppe sind in erster Linie praktisch tätige Fachkräfte aus dem Kontext der Schule, wie Lehrkräfte oder Schulsozialarbeit. Das Buch ist darüber hinaus sehr gut geeignet für Studierende, vor allem für Lehramtsanwärter. Interessierte Eltern können zu weiteren Zielgruppen gezählt werden.

Fazit

Insgesamt ist ebenfalls dem Interventionsteil zuzusprechen, dass die Methoden in ihren wichtigsten Informationen vorgestellt und mit der Hilfe ausdrucksstarker Visualisierungen unterstützt werden. Als sehr gelungen ist ebenfalls anzuerkennen, dass jedes Unterkapitel (der Prävention sowie Intervention) über weitere Materialien-, Literaturhinweise und/oder Kontaktadressen verfügt. Somit wird den Lesern bei Bedarf, die weitere Quellensuche erleichtert.

Der Sammelband bietet eine sehr gut strukturierte sowie informationsintensive Orientierung für Schulen, Eltern und interessierte Fachkräfte aller Art. Abgerundet durch eine Zusammenfassung der einschlägigen Informationen und einen Ausblick wäre die Publikation noch empfehlenswerter.


Rezension von
Prof. Dr. Ahmet Toprak
Professor für Erziehungswissenschaften an der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften
Homepage www.soziales.fh-dortmund.de
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und
Marlene Alshut
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Zitiervorschlag
Ahmet Toprak/Marlene Alshut. Rezension vom 23.05.2012 zu: Helmolt Rademacher (Hrsg.): Konzepte zur Gewaltprävention in Schulen. Prävention und Intervention. Cornelsen Verlag GmbH (Berlin) 2011. ISBN 978-3-589-23291-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12279.php, Datum des Zugriffs 29.03.2020.


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ISSN 2190-9245

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