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Werner A. Leeb, Bernhard Trenkle u.a. (Hrsg.): Der Realitätenkellner

Rezensiert von Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos, 06.12.2011

Cover Werner A. Leeb, Bernhard Trenkle u.a. (Hrsg.): Der Realitätenkellner ISBN 978-3-89670-469-6

Werner A. Leeb, Bernhard Trenkle, Martin F. Weckenmann (Hrsg.): Der Realitätenkellner. Hypnosystemische Konzepte in Beratung, Coaching und Supervision. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2011. 393 Seiten. ISBN 978-3-89670-469-6. D: 39,00 EUR, A: 40,10 EUR.
Reihe: Beratung, Coaching, Supervision. Mit einem Geleitwort von Helm Stierlin
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Thema

Das vorliegende Buch hat quasi einen doppelten Hintergrund: die Autoren haben Ihre Beiträge zum Kongress „Mentale Stärken“ aus den Jahren 2007 und 2010 verschriftlicht, andererseits entstand das Buch aus dem Bedürfnis, den Gründer des sog. Hypnosystemischen Ansatzes zu seinem 66. Geburtstag mit einem besonderen Geschenk zu ehren: eine Zusammenschau der Anwendungsmöglichkeiten dieses Ansatzes in verschiedenen überwiegend nichtklinischen Bereichen von Beratung und Coaching.

Herausgeber

Die Herausgeber und Organisatoren des Buches (Werner A. Leeb, Bernhard Trenkle, Martin F. Weckenmann ) haben neben anderen eine psychologische Qualifikation und sind in klinischen und wirtschaftlichen Feldern in Beratung, Coaching und Therapie tätig und zudem Mitglieder einschlägiger Berufsorganisationen.

Die 22 Autoren stammen aus verschiedenen Arbeitsbereichen – eine Auswahl von Ihnen wird nachstehend erwähnt – für eine Übersicht sei der Leser auf www.carl-auer.de/programm/978-3-89670-469-6 verwiesen.

Aufbau

In vier Teilen wird nach einem Vorwort von Stierlin der hypnosystemische Ansatz thematisiert: nach einer theoretischen Grundlegung von Schmidt werden Anwendungsbeispiele im Beratungskontext, im Coaching und schließlich in weiteren Anwendungsfeldern vorgestellt.

Zu jedem dieser Bereiche soll exemplarisch auf einen Beitrag eingegangen werden.

Inhalt

Gunther Schmidt, der Geehrte selbst, stellt in seinem Artikel klar, dass es sich beim hypnosystemischen Ansatz um eine Integration systemisch-konstruktivistischer Ansätze und hypnotherapeutischer Konzepte sensu Erickson handelt und entwickelt hierzu einige Basisannahmen ( Erlebens- und Persönlichkeitsvielfalt, interaktionelle Rückkopplungs-prozesse und Konstruktion des „Ichs“, Bedeutsamkeit emotional geladener Erfahrungen, die Vielfalt der Repräsentation solcher Erfahrungen in der unbewussten Steuerung und Beeinflussung z.B. körperlicher Prozesse und der Prozess der Bewusstmachung im Kontext der hypnosystemischen Methode, u.a.m.). Er erläutert zentrale Konzepte (Utilisation, Kompetenzfokussierung, schließlich Schmidts sog. 1. Ethisches Postulat: eine für zielführende Beratung wesentliche „altruistische Egozentrik“).

Im 2. Teil des Buches werden Artikel von sechs Autoren unter dem Gesichtspunkt „Anwendung des hypnosystemischen Ansatzes“ zusammengefasst. So schildert bspw. Lang wie der Ansatz im sog. Bonner Ressourcenmodell im Kontext von Supervision eingesetzt wird. Klar strukturiert und gut nachvollziehbar schildert die Autorin das Vorgehen mit dem Ziel, die Fähigkeiten der Beraterin zur Metareflexion zu verbessern, ihre „Rahmungskompetenz“ in systemischen Kontexten zu steigern, sie schließlich zu befähigen, hypnokommunikative Ressourcen zu erzeugen.

Der 3. Teil des Buches widmet sich dem Einsatz des hypnosystemischen Konzeptes im Bereich des Coaching. Fünf Autoren berichten von sehr unterschiedlichen Erfahrungen. So zeichnet Hauser ein Team-Coaching über mehrere Sitzungen in einem Großunternehmen unter der Überschrift „Lässt sich Vertrauen operationalisieren?“ nach. Gut wird der dynamische Prozess der Interaktionen im Team und mit dem Coach als verändernder Prozess nachvollziehbar.

Im 4. Teil (quasi als „Restkategorie“) werden in sechs Beiträgen neben -weiterhin- nichtklinischen Anwendungsbereichen auch klinische vorgestellt. Sittig beschäftigt sich z.B. mit der von ihm sogenannten „Inferenzmethodik“ Auch wenn diese wegen ihrer Komplexität hier nicht dargestellt werden kann – am Fallbeispiel wird nachvollziehbar, wie bestimmte Traumasituationen zu spezifischen Kognitionen und damit verbunden Ressourcen führen- durch den Einsatz von sog. Ressourcen-Triggern erscheint Kognitions- und Situationsbewältigung der Ausgangsschwierigkeit möglich ….

Diskussion

Die zusammengestellten Artikel sind – kaum überraschend – von unterschiedlicher Qualität; es eint sie das Bemühen um eine Gesamtschau auf und in die hypnosystemischen Methode. Dass hiermit das Risiko verbunden ist, sich zwischen einer Verwässerung und / oder Erweiterung des Ansatzes zu verlieren, ist den Autoren wohl bekannt. Für den unbedarften Leser allerdings bleibt der Baum vor lauter Wald kaum erkennbar- das Buch soll deshalb gerade solchen Lesern empfohlen werden, die Vorwissen und -kenntnisse im systemischen und hypnotherapeutischen Ansatz haben. Diese Leser können wohl mit der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der vorgestellten Beiträge kritisch und gewinnbringend umgehen.

Interessant wäre sicherlich zu erfahren, ob der Geehrte (Schmidt) sein Konzept im umfassenden Buch hinreichend gut dargestellt und weiterentwickelt sieht.

Fazit

Gerade für Leser mit Vorerfahrungen und Praxis im hypnosystemischen Ansatz sei das Buch gerne als Anregung und zur kritischen Reflexion eigenen Tuns empfohlen.

Rezension von
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 06.12.2011 zu: Werner A. Leeb, Bernhard Trenkle, Martin F. Weckenmann (Hrsg.): Der Realitätenkellner. Hypnosystemische Konzepte in Beratung, Coaching und Supervision. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2011. ISBN 978-3-89670-469-6. Reihe: Beratung, Coaching, Supervision. Mit einem Geleitwort von Helm Stierlin. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/12321.php, Datum des Zugriffs 10.08.2022.


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